Posts by Bosluk

    Dem Abt zuhören , ich denke nicht.

    Shi Heng Yi zuhören ,definitiv.

    Mir ging es gar nicht um die Qualität seiner Aussagen. Wenn jemand in kommerzielle Geschäfte eingebunden ist (sprich jemand verdient Geld mit dem Dharma), muss ich mir bei allen Dharmaaussagen die Frage stellen, ob eine Aussage im Interesse des Geschäfts getätigt wird, oder im Sinne des Dharma steht. Jede Aussage bietet das Potential, nicht im Interesse des Dharma zu sein, und damit von persönlichen Interessen verzerrt zu werden. Nicht der Wolf im Schafspelz, sondern ein puthujjana im ariya savaka-Pelz. Und von dieser Sorte puthujjana laufen, oft aus Unwissenheit, eine ganze Menge rum und lehren das "Dharma".

    Nach Aussagen von ... ist es der Schmerz den es zu besiegen gilt beim sitzen.

    genauso Shi Heng Yi Darf ich fragen, Shi Heng Yi? Der Shaolin-Meister im Interview-Porträt | Episode 11 (WITH ENG SUB) . Überwindung von Schmerz bringt dich weiter.

    Ich bin mir unsicher, ob wir es mit Shi Heng Yi mit einem Dharma Lehrer oder einem Sportathleten zu tun haben. Unter anderem durch diesem Thread: Wer kennt Monroe Coulombe alias Shi Heng Zong vom Shaolin Tempel Europe habe ich eher den Eindruck, dass es sich um einen professionellen Athleten handelt, dessen Popularitaet zur Umsatzsteigerung versucht wird auszubauen. Im Grunde also das Gleiche wie jeder andere Sportathlet aus der NFL, NBA oder dem Fussball.

    Entweder ist anatta wahr und da ist keiner [...]

    "...da ist keiner" setze ich mit Niratta (Deklaration: hier) gleich (nur damit wir jetzt über das Gleiche sprechen).

    Somit schreibst du: Entweder ist anatta wahr und dann ist Niratta wahr, oder [...]


    Beides halte ich nicht für tragbar. "Entweder ist anatta wahr und da ist keiner". Doch, wenn anatta wahr ist, ist anatta wahr. Und dann ist das, was da ist und das, was einem erscheint, anatta. Dann ist Sprechen anatta, Beobachten anatta. Denken anatta. Und es ist vorallem nicht niratta - nicht kein Ich. Es erscheint einem als Ich. Aber es ist wieder anatta. Jede Erscheinung ist anatta. Wieder Nicht-Ich.


    Quote

    oder anatta weist mich und dich auf etwas hin, eben auf atta, weil anatta ja gesehen wird.

    Nein, wenn anatta gesehen wird, weist es vorallem auf anatta hin. Keinesfalls auf ein atta oder atman. Anatta verneint Niratta (kein "Ich" vorhanden) und verneint atta (das "Ich" ist beständig vorhanden) und sagt damit, dass es eine Erscheinung ist, die an Bedinungen geknüpft ist und sich mit der Änderung der Bedingung ebenfalls mit verändert. Weshalb bei anatta im gleichen Atemzug auch anicca mitschwingt (und dukkha, der vollständigkeithalber). Die drei betreten immer nur zusammen die Bühne.

    Natürlich ist nicht alles aus. Nur was "mich" betrifft ist aus. [...] das hat für mich nach "meinem" Versiegen keine Bedeutung mehr, denn ich existiere dann nicht mehr.

    Das ist die Vernichtungsansicht und ist neben der Ewigkeitsansicht einer der beiden Extremansichten (ucchedadiṭṭhi: "Ich werde nicht mehr sein, ich werde sterben, ich werde vernichtet sein, mich wird es nicht geben) wie es u.a. im Majjhima 102 steht:


    Quote

    Oder sie [einige Mönche un Brahmanen] beschreiben die Vernichtung, Zerstörung und Auslöschung eines existierenden Wesens (zum Zeitpunkt des Todes).


    [...]

    Der Tathāgata, ihr Bhikkhus, versteht dies so: ,Jene guten Mönche und Brahmanen, die die Vernichtung, Zerstörung und Auslöschung eines existierenden Wesens (zum Zeitpunkt des Todes) beschreiben, rennen und kreisen aus Angst vor der Persönlichkeit (sakkāya) und aus Abscheu vor der Persönlichkeit (sakkāya) immer weiter um eben jene Persönlichkeit (sakkāya) herum. So wie ein Hund, der mittels einer Leine an einen festen Pfosten oder Pfeiler gebunden wurde, immer weiter um eben jenen Pfosten oder Pfeiler herumrennt und kreist; ebenso rennen und kreisen jene guten Mönche und Brahmanen aus Angst vor der Persönlichkeit (sakkāya) und aus Abscheu vor der Persönlichkeit (sakkāya) immer weiter um eben jene Persönlichkeit (sakkāya) herum. All das ist gestaltet (saṅkhataṁ), aber es gibt ein Aufhören der Gestaltungen (saṅkhārānaṁ nirodho). Weil der Tathāgata weiß, ,es gibt dies‘, und weil er sieht, wie man jenem entkommt, hat er all das überschritten.

    (Streng gekürzt)

    Die Lehre Buddhas richtet sich gegen avija und möchte durch empirische Methoden Unwissenheit ausräumen, die Wolken vertreiben. Was sind die Wolken? Diese sind die Identifikation des Selbst mit irgendetwas "da draußen" - und dies führt zu Leid, da "da draußen" eben Samsara ist und so dreht sich der Kreislauf unentwegt.

    Also: Die Lehre Buddhas [...] möchte [...] die Identifikation des Selbst mit irgendetwas ausräumen.


    Das Selbst identifiziert sich nicht mit etwas. Ein Selbst, dass sich identifiziert klingt für mich wieder verdächtig nach einem subtil-durchgeschleusten Atman. Jedes Identifizieren oder besser Ergreifen (upādāna) ist bereits ein (illusorischer) Eindruck eines Selbst. Und ich beobachte auch nicht, das es zu dukkha führt, im Sinne, dass es dann irgendwann mal auftaucht. Sondern es ist bereits Dukkha. Pañcupādānakkhandhā dukkhā: Sobald Ergreifen da ist, ist auch Dukkha mit am Start.

    Aber warum beantwortest Du meine Frage nicht?

    Was lehrte da eigentlich 45 Jahre lang den Dharma?

    Ich habe mich mit der Frage nicht angesprochen gefühlt. Allerdings provoziert deine Frage "Was?" als Antwort ein "Etwas". Und jegliche Art dieser Antwort oder Zuschreibung ist eine Verdinglichung, die als Antwort ungeeignet wäre.

    Daher kann ich das "Was" direkt nicht beantworten. Aber womöglich lässt es sich näher an der Wahrheit beantworten, wenn gesagt ist, was es nicht ist. Denn wenn Ergreifen (upādāna) aufhört, ist das was übrig bleibt, das was gelehrt hat. Daher wäre es auch nicht richtig vom Buddha als ein "Was" im Sinne eines Wesens zu sprechen. Das was irgendeine "Wesenartigkeit", die Persönlichkeit (sakkāya) ist, nämlich die pañcupādānakkhandhā, treffen nicht mehr zu. Da waren nur pañca`kkhandhā.


    Bestenfalls ließe sich noch von einem puggala sprechen, wenn ich deklariere, dass puggala pañca`kkhandhā, ein Mensch oder ein Individuum ist, dessen Ergreifen aufgehört hat, da die khandhās bis zum Eintritt ins parinibbāna nicht gänzlich verschwunden sind (eine teilweise temporäre Aufhebung der Jhāna außen vor gelassen).

    die Frage, was da einer 45 Jahre gelehrt hatte, oder was da den Dharma gelehrt hatte, beantwortet das Diamant-Sutra in Abschnitt 7

    Nun ja - genau genommen sagt das nur, was es nicht war. Aber sicher, wie ich ja bereits schrieb:

    Eine treffende Antwort, die mir auf die Frage was da eigentlich 45 Jahren lang lehrte, einfällt, aber sicherlich etwas kryptisch wirken mag: Wer den Buddha sieht, sieht das Dhamma. Und wer das Dhamma sieht, sieht den Buddha.



    Du glaubst doch nicht, dass dein Schreiben nicht vom Gestank des „Ich“ durchsetzt ist wie Wasser von H2O?

    Das ist eine ziemlich persönliche Frage von dir. Aber nein. Meine negative konnotation mit "Gestank" ist bereits ein Symptom eines Ärgernisses über die Anwesenheit des (Asmimāna-) Gestankes. Dahinter verbirgt sich eine Abneigung gegen des Gestankes, was (wie mir eine gefühlte Ewigkeit nicht bewusst war) vibhava-tanhā ist und damit als Spezialfall von tanhā den Gestank nur aufrecht erhält. Die Ironie des "Aufrechterhaltens" durch "Loswerdenwollen" ist geradezu lächerlich.

    Was das Reizwort 'Ego' angeht - ich habe das so 'unschuldig' aufgefasst, wie es von der Zitierten gemeint war (auch wenn ich sonst selbst eher ein Wortklauber bin)

    Ja und indem ich die offene Interpretation des Egobegriffs als Asmimāna spezifiziert habe, wollte ich damit die Diskussion fortführen.

    Ohne die Spezifizierung, was denn genau mit "Ego" gemeint ist, redet jeder über etwas anderes.


    Es gibt kein Ego. Aber es gibt die (falsche) Vorstellung von Ich, Mein und Selbst - [...]

    Das Ego, die falsche Vorstellung vom Ich, wird gestärkt durch andauerndes Festhalten dieses Egos an den fünf Anhäufungen als das bin ich, das ist mein, das ist mein Selbst.

    Das ist beides das wahrheitsgemäße Betrachten und Durchschauen der sakkāya-ditthi. Aber damit hört noch nicht der Gestank des "Ichs" im Erleben auf. Es ist eben nur ein wahrheitsgemäßes Betrachten von dem, was Nicht-Ich ist - das Ich-Erleben bleibt aber bestehen. Da ist ein feiner Unterschied.


    Und solange wie der Geruch des Ich´s im Erleben bestehen bleibt, ist auch noch ein Rest Dukkha vorhanden.


    Und ich bin skeptisch, dass jeglicher Versuch des Ich-Erleben (Asmimāna) nutzen zu Wollen zum Aufhören desselben führen kann. Sondern m.E. nährt es sich und wird damit aufrecht erhalten.

    Was an unfreiem Willen bleibt, lässt sich durch die Freiheit des Unwillens heilsam ausrichten - etwa durch die shigu seigan. "Das Ego nutzen, nicht abschneiden". :like: Diese Ausrichtung - eine Umkonditionierung - ist ein Aspekt von Freiheit: der Freiheit zu etwas.

    Das klingt für mich nach einer Empfehlung die Welle des Egos, die Welle des Ich-in-Erscheinung-treten (Asmi-māna) genutzt werden soll, um damit heilsames zu wirken. Oder besser gesagt: Diese Welle zu reiten, statt sich von ihr mitreißen zu lassen.


    Das scheint aber nur eine Praxis für einen Sekha (sotāpatti,sakadāgāmi,anāgāmi) zu sein, der durch Einsicht gesehen hat, dass jede Erscheinung Nicht-Ich, nicht Mein und nicht mein Selbst ist, auch wenn jede Erscheinung dennoch vom Ich-bin-Beigeschmack begleitet wird (Alles andere macht keinen Sinn: Der Arahat hat bereits das Ego, die Persönlichkeit, dass, was ihm zum Wesen im Sinne eines Satto macht, abgeschnitten.)


    Aber wieso sprichst du explizit vom "nicht abschneiden"? Die Arbeit ist doch noch nicht getan, denn es gilt noch die Fessel des Asmi-māna zu lösen, bevor avijjā gänzlich gesprengt werden kann. Ist das nicht ein Stillstand auf halbem Wege?

    Entschuldigt die Theravadabegrifflichkeiten im Zen/Chan-Unterforum, doch anders weiß ich mich nicht präzise auszudrücken.

    [...] weil das Dickicht der Sutte es im Gegensatz dazu ermöglicht, sich die erwünschten Rosinen herauszupicken und was nicht gefällt zu ignorieren.

    Ich würde behaupten, wer alle Informationen ignoriert, die ihm nicht in den Kram passen, wird das auch beim Visuddhimagga machen. Ganz unabhängig von der Literatur sollte mit einer gewissen Reflexion rangegangen werden und alles was einem nicht in dem Kram passt, besonders untersucht werden.

    Zudem halte ich das Sutten- Rosinenpflücken für unabdingbar. Jeder hat einen eigenen Startpunkt mit einem eigenen Stand der Blendung. In den Sutten wird jeder unabhängig seines Standes abgeholt und jede davon kann einem weiterhelfen auf den edlen Pfad zu kommen.

    Auch innerhalb der Sutten gibt es eine Menge Optionen und Abzweigungen, in denen man sich verstricken kann, weshalb ich es ratsam finde, bei den Sutten zu bleiben, bis das Ziel klar vor Augen liegt.

    Denn das Ziel ist bei jeder das Gleiche.

    Die bud. Community sollte doch endlich aufhören, Nabelschau zu betreiben und stattdessen zu den Nöten der Menschen heute, jetzt und hier praktikable Antworten geben, statt Folklore zu feiern.

    Es findet ja bereits eine Transformation statt.

    Nicht nur innerhalb der thai. Waldtradition in Thailand selbst, sonders besonders hier im Westen.


    Das in England ansässige Amaravati Kloster der Waldtradition wird überwiegend von einer im Westen beheimateten Sangha geführt, die (in der aktuellen Generation) z.T. auch viel Zeit in Thailand gelebt habt. Doch mit dem Bekanntheitsgrad werden weitere Mönchsweihen aktueller und künftiger Generationen stattfinden von heimischen Leuten, die nie einen Schritt in die Kultur der Thailänder gemacht haben, wodurch es allmählich verblassen wird.

    Diese Transformation lässt sich gut an den Themen der Dhammatalks z.B. vom Amaravati ablesen, die kaum um Themen wie Wiedergeburten, Daseinsbereiche etc. handeln.

    "Spielchen" erscheint mir nicht vereinbar mit dem Wahrheitsanspruch und den enthaltenden nachdrücklichen Aufforderungen der Doktrin. Auch wenn die Doktrin sagt, dass das Floß am Ende zurückgelassen wird, so wird doch die Ernsthaftigkeit der doktringerechten Verwendung des Floßes nie infrage gestellt.

    Da bin ich mir nicht sicher, ob der Wahrheitssanpruch im "Spielchen" nicht bereits mitenthalten ist. Du hast recht, ich stütze mich da auf Floß, dass zurück gelassen werden sollte. Zusätzlich aber auch auf das Dvedhāvitakka Sutta (MN19), indem der Buddha sich selbst die Erkenntnis der Erlebensformung durch Gedankenbeeinflussung zur Schau stellt (Im Grunde die ABC-Regel der REVT). Interessant finde ich dabei seine Erwähnung, vor seinem Erwachen mit der Einteilung der Gedanken rumzuexperimentieren (anabhisambuddhassa - Ein Buddha in Spe). Scheinbar hat die Wirkung seines Experiments bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, denn es endet mit den te- vijjā. Und bisher konnte ich noch nicht widerlegen, dass evtl. das eine eben genau zum anderen führte.

    (Nachträgliche Bemerkung insb. für mich später: Daher ist dein Argument der Zweckdienlichkeit vom Therapierenden sehr wichtig für mich, weil es einen Widerspruch aufdecken könnte. Es ist nämlich ein Indiz dafür, dass das Nichtwissen vom "Spielchen" elementar für die "Therapie" ist. Somit hätte der Buddha MN19 eigentlich nie lehren dürfen, sofern meine Vermutung stimmt)


    Auch sehe ich keine nachdrücklichen Aufforderungen, wie du sagst - sondern freiwillige Selbstverpflichtungen, sofern wir hier von der Rechten Anstrenung (oder vom Bodhisattvagelübde) sprechen. Was soll man auch sonst anderes mit dem Wissen der Vier Wahrheiten machen? Die Alternative wäre sich in einen Wald zu setzen und zu warten, bis der Körper verscheidet (was Siddhartha sicherlich hätte tun können, sich dann aber glücklicherweise als Buddha zum Lehren des Dhamma entschieden hat).

    Natürlich weiß ich aber nicht, von was für einer buddhistischen Doktrin wir hier sprechen. Jede Ausrichtung hat da spezifische Auslegungen. Ich bin kein Religionsteilnehmer und sehe mich auch nicht als Buddhist. Ich versuche lediglich das Dhamma aus den Suten zu prüfen.

    Du hattest einige Zeit in deiner Richtung "Psychotherapie" stehen und auch einige Male bereits die ACT oder REVT angesprochen. Das sich das gesamte Erlebenssprektrum oftmals durch Substitution und Anpassung der eigenen Gedankenwelt verändern lässt, dürfte dir demnach auch bekannt sein.

    Es stellt sich damit doch nur die Frage, wie weit man dieses Spielchen treiben und gänzlich von allem Abstand gewinnen kann, während man mittendrin an allem teilnimmt.

    Dass du von "Spielchen" sprichst, finde ich angemessen. Jedoch ist es nicht Teil der Doktrin, dass sie sich selbst als "Spielchen" präsentiert.

    Ja, damit bin ich bereits einige Male angeeckt. Den Grund dafür habe ich noch nicht durschaut. Denn gerade durch die Teilnahme an dem "Spielchen" und damit einhergehende Erkenntnis über das "Spielchen" ist doch etwas befreiendes.

    Sprichst du von einer buddhistischen Doktrin? Und wieso denkst du, dass es nicht Teil der Doktrin ist?


    Aber natürlich - da du "Psychotherapie" ansprichst - auch dem Erfolg einer "Psychotherapie" wäre es nicht dienlich, wenn der Therapeut seinem Klienten gegenüber von der Therapie als "Spielchen" spräche.

    Aber womöglich ist das einer der Gründe. Danke dafür, das nehme ich mir mal mit.

    Und wenn es um das Dukkhanirodha - Handwerk geht, ist man auch unweigerlich auf Menschenwerk angewiesen. Hier führt das Werk ebenfalls nachweislich zum erwünschten Erfolg.

    Dein Wort in Gottes Ohr.

    Du hattest einige Zeit in deiner Richtung "Psychotherapie" stehen und auch einige Male bereits die ACT oder REVT angesprochen. Das sich das gesamte Erlebenssprektrum oftmals durch Substitution und Anpassung der eigenen Gedankenwelt verändern lässt, dürfte dir demnach auch bekannt sein.

    Es stellt sich damit doch nur die Frage, wie weit man dieses Spielchen treiben und gänzlich von allem Abstand gewinnen kann, während man mittendrin an allem teilnimmt.

    Sicher, was soll man auch schon von Menschenwerk erwarten? Umso problematischer ist es, sich auf Menschenwerk einzulassen.

    Jeder, der auch nur irgendetwas lernen möchte, muss sich auf "Menschenwerk" einlassen.

    Ja, bei irgendwas, wie zB dem Erlernen des Bäckerhandwerks, ist man auf Menschenwerk angewiesen. Hier führt das Werk auch nachweislich zum erwünschten Erfolg.

    Und wenn es um das Dukkhanirodha - Handwerk geht, ist man auch unweigerlich auf Menschenwerk angewiesen. Hier führt das Werk ebenfalls nachweislich zum erwünschten Erfolg.


    Zu der Frage nach den Inkonsistenzen würde ich sagen, dass der Anspruch an die Lehrreden jenseits von Fragen der richtigen Übersetzung frei von jeglichen Widersprüchen zu sein, mir sehr überhöht erscheint.

    Inkonsistenzen können auch vom Beobachter abhängen. Wer sich mal auf ein mathelastiges Studium einlässt wird unweigerlich zu der Frage kommen: "Hä, das macht doch keinen Sinn!". Wer an solcher Stelle der Lehre (hier der Mathematik) inkonsistenzen vorwirft, statt die eigenen Denkmuster und Perspektiven zu hinterfragen, hat bereits den wichtigsten Schritt geschaffen, es nie zu verstehen.

    Einige Inkonsistenzen in den Pali-Suten konnte ich ebenfalls durch einen Perspektivwechsel beheben, was mir zumindest die Zuversicht/Vertrauen in das Dhamma gab, dass weitere inkonsistenzen durchaus auch auf einer falschen Sichtweise gründen. Einer Sichtweise, die Dukkha nährt.

    Es steht sogar am Schluss der gleichen Sutta:


    Zitat

    Die Achtsamkeit aber, ihr Mönche, ist zu allem nützlich, sage ich

    [...] meist mit den Lehrreden beginnen, obgleich diese inkohärent und inkonsistent sind.

    Welche Stellen nimmst du denn als inkonsistent wahr?


    [...] den darin verwendeten Fach-Begriffen führen müssen, die allesamt nicht unter Berücksichtigung aller Lehrreden zu beantworten sind, sondern nur durch Berücksichtigung einer Auswahl von Lehrreden bei gleichzeitigem Ignorieren anderer Lehrreden.

    Mir schweben da ein paar Begriffe durch den Kopf, die nicht klar deklariert sind (wobei ich noch nicht endgültig klären konnte, ob eine eindeutige Deklaration bewusst ausgelassen worden ist, aber ich möchte nicht vorgreifen).

    Aber von welchen Begriffen schreibst du denn?

    Nein, wenn man den Ruf des Löwen hört, hat man in der Regel einen Grund, zu lauschen. Daran lässt sich von außen wenig ändern. Das Problem sind dann Jäger, die den Ruf imitieren, um damit eigenen Zielen zu folgen. Z.B. ein reicher Herdenbesitzer zu werden.

    Ja, die Anzahlung wird schon geleistet. Was das Rettungsboot angeht, so sollte man es gründlich untersuchen, bevor man sich ihm anvertraut. Da ist das Rettungsboot dann womöglich mit Gold und Juwelen herausgeputzt und der darauf thronende Steuermann ein reinkarnierter Nirmanakaya im vollen Bodhisattvaornat. Ja, das ist schon beeindruckend, tolles Marketing. Trotzdem lohnt es sich, erst einmal nachzuschauen, ob das Holz unter dem Gold und den Juwelen eigentlich Kernholz des Bodhibaums ist oder nur verrottende Kiefer. Bei dieser Prüfung sollte man sich auf sein eigenes Urteil verlassen, statt sich von Kostümen blenden zu lassen und ihren Trägern zu trauen. Kostet halt ein bißchen Arbeit, so etwas wird ja heute gerne 'outgesourced'. Nix gegen Gold oder Kostüme (bei 'offiziellen' Anlässen trage ich selbst eines) - aber wenn man diese Prüfung nicht selbst - und gründlich - macht, läuft man Gefahr, an einen Schlangenölverkäufer zu geraten. Ich habe mir sagen lassen (und glaube es auch), dass die besseren Kutscher dieses Fahrzeugs genau dies allen Ernstes von Schülern verlangen, bevor sie sie zusteigen lassen. Und das ist okay so. Dann ist das Fahrzeug auch in Ordnung und fliegt nicht aus der erstbesten Kurve.

    Ich verstehe diesen Prozess (der zweifellos auch Auswüchse aufweist) als notwendig für die Inkulturation des buddhadharma im Westen. Wobei ich es gerade im 'Zen' besonders widerlich finde, wie da manche die neoliberale Gierkultur zum Köder machen. Das lässt nichts Gutes für die Geköderten erwarten. Das ist nicht mein Verständnis einer sinnvollen Inkulturation, wo ich mich sicher mit den 'Säkularen' einig weiss. Wobei bei denen nach meinem Empfinden schon ein wenig das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird (sorry ...). Das gute daran ist jedenfalls, dass Leute, die sich von Skandalen (gleich, in welcher Glaubensgemeinschaft) abgestoßen fühlen, mit der säkularen Herangehensweise einen Zugang für sich finden. Meinen persönlichen Vorstellungen würde ein stark entmythologisierter Buddhimus entsprechen - ist vielleicht ganz gut, wenn es bei Vorstellungen bleibt ...

    So sehe ich das auch. Wie ich auch Deine Kritik des 'Wellness-Buddhismus' zwar hart, aber berechtigt finde. Das ist ein offenes Tor für Scharlatane.

    Deine Gleichnisse sind wirklich "on-Point" :rofl:

    Die Übersetzungen von K.E. Neumann und Kurt Schmidt sind mittlerweile ein gutes Jahrhundert alt, zudem ist es auch fraglich, ob einige übersetzte Wörter den Inhalt korrekt wiedergeben.


    Meines Wissens nach ist das auch der Grund für Kay Zumwinkels Übersetzung.

    Kay Zumwinkel hat sich dabei z.T. an Bhikku Bodhi's Übersetzungen orientiert, durchaus aber auch seine eigenen Ideen/Begrifflichkeiten miteinfließen lassen.

    Es gibt aber auch ein Vorwort von Kay selber.

    Auf Palikanon.com selber sind auch Anmerkungen hinterlegt, die es auf SuttaCentral nicht gibt.


    Dafür hat SuttaCentral den Vorteil, dass du auch auf andere Übersetzungen/Sprachen umschalten und gleichzeitig den Original Palitext anzeigen lassen kannst. Ebenfalls lässt sich ein Englisch/Pali-Übersetzter optional dazuschalten. M.m.n erkennt man damit auch ganz gut, bei welchen Wortübersetzungen die eigenen Vorstellungen reingespielt haben.

    Die Unterschiede zwischen den Nikāyas und Āgamas würden mich auch interessieren. Scheinbar gibt es auch diverse Übersetzungen von Bhikkhu Analayo zum Madhyama-āgama, die ich aber auf die Schnelle nicht finden konnte.

    [...] passieren da seit einer Weile recht spannende Dinge, u.a. auch in Hamburg.

    Was meinst du denn?

    Die andere Ursache für gewaltsames Verhalten aber ist, dass am Ende der Nerven die Selbstkontrolle nicht mehr gut funktioniert. Und hier ist es kontraproduktiv den inneren Stresspegel zu erhöhen, z.B. durch das Hervorrufen starker negativer Gefühle.

    Übelwollen ist deshalb ein Hindernis (wie die vier anderen), weil es einen daran hindert, das Hindernis zu überwinden und einen im Hindernis gefangen hält. Ihnen wohnt ein Selbsthaltungseffekt inne, der wirklich schwer zu überwinden ist.


    Jedoch kann ein einziger Moment des Wohlwollens oder einer Handlung des Mitgefühls eines anderen Menschen so eine Wut verpuffen lassen.

    Nicht bei allen, aber bei vielen Männern ist angekommen, dass CatCalling das Gegenteil von cool ist: eine peinliche Blamage.

    Das mag sicherlich stimmen. Und zusätzlich ist bei denen angekommen, dass Social Blaming durchaus eine Option ist, mit anderen Menschen umzugehen, womit das Social Blaming in der Gesellschaft aufrechterhalten wird, solange der Zweck die Mittel heiligt. Den Zweck bestimmt aber die jeweilige "Blamende" Gruppe.


    Hinzukommt eine "geblamte" Gruppe von Menschen, die nicht mit einer Verhaltensänderung reagieren, sondern den Groll und Frust wiederum an anderen abladen, was in Leonies INCEL Beitrag vom NDR auch zu einer Radikalisierung führte.


    Um das festhalten: Das ist jetzt eine Diskussion geworden, ob unheilsames Verhalten gegenüber anderen Menschen zu heilsamen Verhaltenweisen führen kann.

    Kannst Du mir sagen, wie sich dieser Frieden für Dich darstellt?

    Symptomatisch äußert sich das darin, mich in keinem Urteil oder einer Bewertung zu verstricken, wie andere sich zu verhalten haben. Und auch keinen Maßstab zu folgen, was nun richtig oder falsch wäre, außer der Rechten Rede, Rechten Handlung und Rechten Lebensweise. Doch die kann ich nur in mir selbst hervorrufen und bestenfalls andere darauf hinweisen, dass es Teil des Achtfachen Pfades ist, der zur Erlöschung allen Leids führt.


    Parallel geht daraus Mitgefühl für die Leute hervor, die sich klimaschädigend verhalten, weil sie schließlich auch nur nach Glück suchen, ohne zu wissen, dass sich darin kein Glück, oder eben nur ein kurzfristiges Glück finden lässt. Dukkha ist eben ein Trojanisches Pferd, welches auch gerne mal in Glück getarnt unterwegs ist. Das lässt sich aber nur durchschauen, indem man immer wieder zu dieser Erkenntnis gelangt. Und auch das, kann nur jeder bei sich selbst nachhvollziehen.


    Ich denke der größte Hebel, den ich habe ist meinen Kindern von Anfang an einen achtvollen Umgang mit den Ressourcen dieser Welt zu vermitteln, indem ich mich bemühe mit angemessem Vorbild voran zu gehen. Und mit ein bisschen Glück färbt das auch auf den ein oder anderen Erwachsenen ab. Doch ein Fingerzeig auf andere führt m.M.n. nicht zur der inneren Wandlung eines jeden, die dafür notwendig wäre.