Chögyam Trungpa - na super :(((

85 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Aka Onyx 9.

  • Noch näherliegend ist meiner Meinung nach die Erklärung, dass ein Mensch durchaus in manchen Bereichen ein 'erleuchtetes' Verhalten zeigen kann, während er in anderen Bereichen ein Vollpfosten ist. Die Idee einer '(Rundum-)Erleuchtung' als unumkehrbarer Endpunkt und Ziel der 'Lehre' ist ein religiöser Mythos, der mit jedem Skandal deutlicher seine Nutzlosigkeit, ja seine Toxizität zeigt

    Das halte ich auch für wahrscheinlich. Wobei man dazu sagen muss, dass es im Guru Yoga als Methode weniger darauf ankommt, dass der Lehrer wirklich erleuchtet ist, sondern vielmehr darauf ihn so zu sehen, auch wenn man weiss, dass er es nicht ist. Während man im ersten Fall, der Annahme, dass der Lehrer voll erleuchtet ist, geneigt ist sein Handeln als solches wirklich für an sich richtig zu halten, kann man es im zweiten Fall idealerweise trennen und z.B. auch auf die Idee kommen, dass die richtige Reaktion auf eine Handlung durchaus auch Widerstand und Kritik sein kann. Die Wirkung, nämlich durch die Spiegelung menschlicher Schwächen bei einem als erleuchtet gesehenen Äußeren auch die eigenen Schwächen anzunehmen und in die eigene Erleuchtungnatur durchzudringen, muss nicht geschmälert sein, wenn man weiss, dass der äußere Spiegel nur als Buddha gesehen wird, aber nicht zwingend in seinem Ausdruck wirklich einer ist.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Statt die naheliegende Erklärung heranzuziehen, dass der Meister vielleicht gar nicht so "erleuchtet" ist wie er behauptet zu sein, werden geistige Verrenkungen hingelegt, wird über irgendeinen tieferen Sinn hinter seinen ethischen Verstößen spekuliert, der uns "Normalmenschen" natürlich nicht zugänglich ist. Und schon ist der Guru gegen jede Kritik immun und das geschlossene Weltbild zementiert.

    Noch näherliegend ist meiner Meinung nach die Erklärung, dass ein Mensch durchaus in manchen Bereichen ein 'erleuchtetes' Verhalten zeigen kann, während er in anderen Bereichen ein Vollpfosten ist. Die Idee einer '(Rundum-)Erleuchtung' als unumkehrbarer Endpunkt und Ziel der 'Lehre' ist ein religiöser Mythos, der mit jedem Skandal deutlicher seine Nutzlosigkeit, ja seine Toxizität zeigt.

    Wir reden nicht über Erleuchtung sondern Weisheit. Denn erleuchtet bedeutet weise, bedeutet das die Prajna Paramita "erwacht": Buddha vergleicht das Erscheinen der Prajna Paramita mit ihrem Merkmal Vipassana (Hellblick) mit einer Lampe in einem dunklen Zimmer. Deswegen "erleuchtet". Und klar gibts da einen unumkehrbaren Punkt nämlich da wo die Trübungen (im Vajrayana sagt man Geistesgifte) endgültig verlöschen. Wenn da nun einer hin und herschwankt in seinem Verhalten spricht das nicht für eine Erweckung, es ist nämlich der Gleichmut, die Standfestigkeit(geht bis hin Unerschütterlichkeit) ein Merkmal von Wirklichkeitserkenntnis.

    Es heisst das originale Zen Meister den Bewusstseinszustand oder Grad der Erweckung bereits am Gang, an der Haltung des Adepten erkennen.

  • Noch näherliegend ist meiner Meinung nach die Erklärung, dass ein Mensch durchaus in manchen Bereichen ein 'erleuchtetes' Verhalten zeigen kann, während er in anderen Bereichen ein Vollpfosten ist. Die Idee einer '(Rundum-)Erleuchtung' als unumkehrbarer Endpunkt und Ziel der 'Lehre' ist ein religiöser Mythos, der mit jedem Skandal deutlicher seine Nutzlosigkeit, ja seine Toxizität zeigt

    Das halte ich auch für wahrscheinlich. Wobei man dazu sagen muss, dass es im Guru Yoga als Methode weniger darauf ankommt, dass der Lehrer wirklich erleuchtet ist, sondern vielmehr darauf ihn so zu sehen, auch wenn man weiss, dass er es nicht ist. Während man im ersten Fall, der Annahme, dass der Lehrer voll erleuchtet ist, geneigt ist sein Handeln als solches wirklich für an sich richtig zu halten, kann man es im zweiten Fall idealerweise trennen und z.B. auch auf die Idee kommen, dass die richtige Reaktion auf eine Handlung durchaus auch Widerstand und Kritik sein kann. Die Wirkung, nämlich durch die Spiegelung menschlicher Schwächen bei einem als erleuchtet gesehenen Äußeren auch die eigenen Schwächen anzunehmen und in die eigene Erleuchtungnatur durchzudringen, muss nicht geschmälert sein, wenn man weiss, dass der äußere Spiegel nur als Buddha gesehen wird, aber nicht zwingend in seinem Ausdruck wirklich einer ist.

    Du hast echt ne Menge Fantasie.

  • - jegliches Fehlverhalten eines Lehrers rechtfertigen, weil er(sie) ja erleuchtet ist und es deshalb keinen Zweifel daran geben kann / darf, dass diese Person gute Gründe hat, das zu tun, was sie tut.

    "Wer weiß das schon?" Die meisten Leute wissen das, da reicht ein ethischer gesunder Menschenverstand, mehr brauchts nicht - weder Philosophiestudium noch eine gleißende Erleuchtung.

    Ich glaube dass viele Leute ihren ethisch gesunden Menschenverstand ausschalten, sobald sie sich ihrem "Guru" unterwerfen. Ockhams berühmtes Rasiermesser funktioniert dann natürlich nicht mehr: Statt die naheliegende Erklärung heranzuziehen, dass der Meister vielleicht gar nicht so "erleuchtet" ist wie er behauptet zu sein, werden geistige Verrenkungen hingelegt, wird über irgendeinen tieferen Sinn hinter seinen ethischen Verstößen spekuliert, der uns "Normalmenschen" natürlich nicht zugänglich ist. Und schon ist der Guru gegen jede Kritik immun und das geschlossene Weltbild zementiert.


    PS: Wer es nicht schafft, grundlegende und selbstverständliche Tugendregeln einzuhalten, ist kein Bodhisattva. Egal, was er erzählt.


    was genau wird denn tungpa vorgeworfen?


    er konnte soviel sex haben und alkohol trinken, wie er wollte. so wie jeder mensch das machen darf, wie er will.


    dies ist zwar im sutrayana kein angesehenes verhalten, aber im vajrayana ist das durchaus nicht unüblich, dass meister so ein verhalten an den tag gelebt haben.



    dann gibts noch diese HIV geschichte von seinen engen schüler, der damit aber selber scheisse gebaut hat. in wie fern ist trungpa jetzt für die vergehen seines schülers verantwortlich - außer dass er einen schüler in eine position gehoben hat, der dafür nicht weit genug entwickelt war.


    also was genau ist jetzt der kern der kritik an trungpa?

  • raterz

    möchtest du tatsächlich von

    nicht unüblich im vajrayana sprechen ?



    m.M. taugt da einer einfach nicht zum guru. ein guru sollte "qualitäten" spiegeln und nicht die geistesgifte.


    wenn man nun behaupten würde, dass jemand anhand spiegelung der geistesgifte dem adepten iwas aufzeigen will, machte das iwo keinen sinn, denn das ginge nur durch anwesenheit der geistesgifte. dann aber kann man wiederum nicht parallel auch von klarheit, "lichtheit", prajna paramita, auch nicht von gewahrsein sprechen. oder ?

  • raterz

    Es gab ja im Juni schon mal einen Thread zum Thema Shambala, Chögyam Trungpa und Mipham Rinpoche, da kann man einiges nachlesen.

    Es handelte sich nicht bloß um seinen Alkoholkonsum und darum, dass er Sex hatte. Es gibt unter anderem auch eine sehr hässliche Geschichte über eine üble Quälerei einer Katze.....

    Wenn jemand erwacht ist, dann sollten eigentlich schon Bodhicitta und Weisheit zum Ausdruck kommen, auch für die Sangha. Nur crazy wisdom, die dann manche ratlose, verwirrte oder sogar traumatisierte StudentInnen zurücklässt, kann auch nicht Sinn der Sache sein, oder?

  • Das halte ich auch für wahrscheinlich. Wobei man dazu sagen muss, dass es im Guru Yoga als Methode weniger darauf ankommt, dass der Lehrer wirklich erleuchtet ist, sondern vielmehr darauf ihn so zu sehen, auch wenn man weiss, dass er es nicht ist. Während man im ersten Fall, der Annahme, dass der Lehrer voll erleuchtet ist, geneigt ist sein Handeln als solches wirklich für an sich richtig zu halten, kann man es im zweiten Fall idealerweise trennen und z.B. auch auf die Idee kommen, dass die richtige Reaktion auf eine Handlung durchaus auch Widerstand und Kritik sein kann. Die Wirkung, nämlich durch die Spiegelung menschlicher Schwächen bei einem als erleuchtet gesehenen Äußeren auch die eigenen Schwächen anzunehmen und in die eigene Erleuchtungnatur durchzudringen, muss nicht geschmälert sein, wenn man weiss, dass der äußere Spiegel nur als Buddha gesehen wird, aber nicht zwingend in seinem Ausdruck wirklich einer ist.

    Du hast echt ne Menge Fantasie.

    Ich denke eher, Du hast das nicht ganz verstanden und zuende gedacht, was ich sagen wollte. Das ist die logische Konsequenz einer authentischen Belehrung, die ich erhalten habe. Zudem würde diese Haltung einen grossen Teil der Probleme aufheben, um die es hier geht. Man kann so die Praxis aufrecht halten und trotzdem alles kritisieren, was nicht in Ordnung ist. Das müsste eigentlich in Deinem Sinne sein, wenn es Dir um die Sache geht.


    Die Belehrung sagt aus, dass zum Guru Yoga gehört, im gesamten Alltag alles was einem begegnet als Manifestation durch den Guru zu betrachten und innerlich entsprechend darauf zu reagieren. Zumindest theoretisch kann man so auch jeden beliebigen Menschen innerlich zum "Guru" machen. Das heisst auch da nicht, dass man irgendwas schlucken muss, das man nicht in Ordnung findet. Es fördert also eine höchst kritische Haltung allem gegenüber, nicht etwa irgendeine falsch verstandene Untergebenheit.


    Die Belehrung stammt wohl eher aus dem Dozgchen-Kontext. Da ist ja auch die Praxis, dann ohne den Kunstgriff eines Umwegs über eine "Manifestation des Guru" die Welt als ursprünglich erleuchtet zu sehen, egal was passiert.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Des Guru der das Meditationsobjekt der eigenen Guru Yoga Praxis ist. z.B. ist bei den Nyingmapas Guru Rinpoche häufig der Guru. Oder bei den Karma Kagyü der 8. oder 16. Karmapa.

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