vergessene Bilder aus der Kindheit

15 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Festus.

  • Hallo,


    ich bin seit heute im Forum und habe direkt eine Frage:

    Seit ca. 12 Monaten meditiere ich in unregelmäßigen Abständen, doch seit dem 2. Januar 2019 1 -2 x täglich.

    Habe auch des öfteren mal Bilder gesehen, denen aber keine große Beachtung geschenkt.

    Doch heute tauchten blitzartig zwei Situationsbilder auf:


    1.) Ich, als Kind im Alter von ca. 4-6 Jahren, sitze schreiend und heftig um mich tretend und schlagend auf einem Zahnarztstuhl. Meine Mutter und der Zahnarzt versuchen mich festzuhalten, aber sie haben keine Chance (: Daraufhin sagte der Arzt, dass er mich SO nicht behandeln könne.

    2.) Ein Bild auf unseren früheren Kühlschrank. Da sehe ich eine oder mehrere Ampullen/Spritzen mit einer hellgelben Flüssigkeit.


    Während der Meditation und den Bilderlebnissen hatte ich heftige Stresssymptome, wie Schwitzen, Hitze die in den Kopf schießt und eine Erregbarkeit bis zur ansteigenden Panik.

    Habe dann aber mit der Med. weiter gemacht und mich dann auch wieder etwas beruhigt. Meine Zeit war dann auch um.


    So, diese Zahnarztsituation hat es wirklich gegeben und ich habe mich auch wieder daran erinnert, ebenso dass bei uns zu Hause so ein wie oben beschriebenes Zeug lange im Kühlschrank lag. Meine vorsichtige Interpretation: evtl. ein leichtes Beruhigungsmittel?

    Im übrigen ist meine Mutter danach niemals mehr mit mir zum Zahnarzt gegangen, dies habe ich erst wieder in einem Alter gemacht, wo ich selbstständig handeln konnte.

    Wie viele Menschen habe ich auch höllische Angst vor einen ZA-Besuch.:eek:


    Ich leide seit ca. 40 Jahren an einer generalisierten Angststörung mit Panikattacken ( Grund bzw. Auslöser bisher unbekannt) - nur mal so als Information.


    Was denkt Ihr, war das ein Einblick im mein UB?

    Kann ich diese Bilderlebnisse noch vertiefen und macht es überhaupt Sinn, oder soll ich die Bilder kommen und wieder ziehen lassen, so ganz ohne sie zu bewerten?

    Oder kann ich damit sogar an meiner Angst arbeiten?

    Liebe Grüße

    Gitta :oops:


    Ich bin sehr auf Eure Antworten gespannt!:rose:

  • kilaya

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Hallo Gitta! Willkommen im Forum! :) Bei Deinem Hintergrund möchte ich vorbeugend eine kleine moderative Erinnerung hinzufügen:


    Bitte beschränkt euch bei den Antworten auf den Aspekt des Umgangs mit Erfahrungen in der Meditation. Die Grenze bei der Frage "kann ich damit sogar an meiner Angst arbeiten" ist vor dem Hintergrund einer diagnostizierten Angststörung fliessend. Beantworten lässt sich die Frage an sich, aber es darf nicht zu Aussagen kommen wie "Meditation kann xyz heilen". Sprecht aus eigener Erfahrung, oder über buddhistisches Wissen, aber das Forum kann und darf nicht Ersatz für therapeutische oder medizinische Interventionen sein.


    Bitte melde dich an, um diesen Inhalt zu sehen.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Hallo und willkommen,


    ich kenne das mit den Bildern aus frühester Kindheit.

    Sie sind auch bei mir in meiner Anfangs-Meditationszeit hochgekommen, ich kann mich sogar noch an Fetzen als 2jährige erinnern, kann die beiden Wohnungen meiner frühesten Kindheit beschreiben, die Nieten an den Polstermöbeln, die Teppiche, alles aus der Sicht/Erlebnisweise eines Kleinkindes. Auch ähnliche physischen Phänomene habe ich in der Meditation erlebt.

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Es gibt bestimmte Bilder aus der Kindheit bei mir, die erschienen lange wie "eingebrannt". Familienmitglieder waren oft erstaunt, dass ich diese Erinnerungen überhaupt so lebendig habe, weil sie dachten, dass man in dem betreffenden Alter gar nicht so detailliert Erinnerungen speichert. Es scheint aber so, dass gerade Situationen, die einen traumatischen Charakter haben, sich besonders einbrennen, auch wenn man sie möglicherweise verdrängt hat und nicht jederzeit auf Abruf hat.


    In der Meditation kann im Prinzip alles zum Vorschein kommen, was langfristig aufgelöst werden sollte. Dabei ist es relativ egal, welche Methode man genau anwendet. Die Zielsetzung bei buddhistischer Meditation ist natürlich eine andere, aber trotzdem gibt es typische Prozesse und Erfahrungen, die entstehen können. Ob man es auflösen kann, wenn es erscheint, hängt davon ab, welche Möglichkeiten man hat, damit umzugehen. Ist der Eindruck zu stark, um ihn urteilsfrei anschauen zu können? Wird es wieder verdrängt? Oder kann man es anschauen und ziehen lassen?


    Insofern ist die Frage berechtigt, ob Du in therapeutischer Behandlung bist. Es macht Sinn, mit dem Behandler auch über die eigenen Meditationspraxis zu sprechen.


    Es ist halt so, dass es mit dem einmaligen Anschauen und Ziehenlassen u.Umst. nicht getan ist. In den meisten Fällen wird es eher "scheibchenweise" erscheinen....

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Mingyur Rinpoche (empfiehlt aus eigener Erfahrung Shamata Meditation/Ruhiges Verweilen):

    My story - Using meditation to deal with panic attacks, stress & anxiety (bei youtube)

    Ich füge die Videos mal direkt ein:


    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Kann ich diese Bilderlebnisse noch vertiefen und macht es überhaupt Sinn, oder soll ich die Bilder kommen und wieder ziehen lassen, so ganz ohne sie zu bewerten?

    Oder kann ich damit sogar an meiner Angst arbeiten

    Bei mir kommt sowas nur vor, wenn ich eigentlich köperlich müde bin und Meditation mit Halbschlaf. Meistens habe ich da dann auch die Augen geschlossen. Wenn ich wacher bin und die Augen leicht offen sind, tritt das nie auf. Es gibt ja ähnliche Zustände auch kurz vor dem Einschlafen. Leute, die Träume haben wollen, die man selber beinflussen kann, streben so etwas an. Aber in einer buddhitischen Meditation ist es eher eine Beleiterscheinung und nicht die Sache um die es geht. Von daher würde ich mich da nicht weiter reinsteigern. Es wäre ja auch schlecht, wenn man nicht mehr meditieren will, weil da alles mögliche auftauchen kann. "Heftige Stresssymptome" hören sich nicht nach etwas Erstrebenswerten an.


    Die Fähigkeit auch unagenehme Situationen geleichmütig und geduldig auszuhalten ist schon selber ausreichend.

  • Bei mir sind solche Dinge dann auch ohne Meditation aufgetreten, ich gebe Dir Recht, void, man darf sich nicht zu sehr damit befassen, v.a. nicht nach Ursachen suchen oder Folgen sich vor Augen halten.

    Klar erkennen und dann wieder sich der Gegenwart zuwenden. Denn es ist die Gegenwart, die unsere Zukunft bestimmt. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern.

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Nachtrag: Wenn unsere Vergangenheit ein Palast war, bedeutet es nicht, dass wir ihn aufrecht erhalten müssen, das gilt auch, wenn sie einer baufälligen Hütte ähnelte.

    Wir haben JETZT die Möglichkeit, es zu betrachten, alles abzureißen oder so weiter zu machen, oder darauf aufzubauen, denn wir sind in der Lage nun Entscheidungen zu treffen.

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • So erschreckend das auch sein mag, so beängstigen diese Bilder auch sind, so grausam sie auch sind und Dich verletzen. Ich kann Dir nur einen Rat geben, denn den Ersten hast Du vorweg genommen: es aufschreiben, Öffentlich machen, auch zu Papier bringen und wenn Du ohne Erregung des Herzens aufschreiben kannst und lesen wie ich es lese, dann verbrenne oder vermülle die Bilder/Schriften.


    Der Rat ist: Halte sie aus, bleibe sitzen, sitzen muss gerade am Anfang nicht friedlich sein. Wie hat Jesus gesagt: Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert. Ich sage: Ich komme mit dem Schwert des Erkennens um Frieden zu ermöglichen. Beim Sitzen ist dieses Schwert das Erkennen: Es sind und bleiben Bilder, Gedanken, vergrabenes Vergangen geglaubtes das seine Bäume getrieben hat. Nimm das Schwert und schneide sie nach und nach zusammen, stelle dich deinem Gestrüpp von Vorstellungen und erschaffe Dir ein Herz das sich nicht mehr vor Bilder so erschreckt. Die Welten in denen Du nicht sitzt sind schon mit genug "Gefahren" gespickt. Ein Herz das sich nicht vor Bilder erschreckt kann viel besser reagieren.

  • Hallo Gitta Martin,


    willkommen!


    Meine Antwort ist: es ist normal, dass schlimme Momente des Lebens in besonderer Form von Gehirn gespeichert werden. Sie werden abgekapselt und fragmentiert, da kann ein Bild getrennt sein vom Gedanken, vom Gefühl (!) vom Geräusch etc.

    Es ist gesund, wenn solche abgekapselten Erinnerungen ‚aufgehen‘, wenn dann auch die zusammengehörigen Erinnerungen wieder vereint werden.


    Ob das für dich zuträglich ist, das in zazen durchzuerleben, weiß ich nicht. In verschiedenen Methoden der traumatherapie könnte man das auch ‚machen‘. So oder so ist es ein Prozess.

    Mir ist wichtig, immer wieder daran zu erinnern dass es ja gerade im hier und jetzt nur um Worte, Bilder, körperliche Reaktionen geht, die sich heute zwar anfühlen, wie damals, aber eben nicht mehr gefährlich sind.


    Liebe Grüße

    Schreckt dich der Menschen Widerstand, bleib ihnen dennoch zugewandt ;) (Kirchenlied)

  • Hallo und vielen, vielen Dank für eure Beiträge. Einiges werde ich weiter recherchieren.


    Ich bin seit einem Jahr wieder in Therapie und mache auch gute Fortschritte. Leider ist meine Therapeutin Verhaltenstherapeutin und hat mit Mediation usw. nicht viel im Sinn. Sie findet es zwar immer sehr spannend was ich ihr davon erzähle und sie ermutigt mich auch, nicht mit der Meditation aufzuhören, weil sie gesehen hat, wie viel mir das alleine im letzten Jahr gebracht hat.

    Habe mich mit der Zahnarztszene noch einmal gedanklich auseinandergesetzt und festgestellt, dass diese ganze "Geschichte" auf mich wie ein altes Muster gewirkt hat und das mein ganzes Leben lang. Es würde zu weit führen, hier jetzt näher darauf einzugehen.

    Mir ist auch wieder eingefallen, dass dieser Zahnarzt in unserem Dorf sehr gefürchtet war und vor einigen Jahren traf in in Person meiner Orthopädin seine Nichte wieder. Hatte ihr von unseren aller im Ort lebenden Menschen, die solche Angst vor Ihrem Onkel hatten schmunzelnd erzählt und sie hat nur zustimmend gelächelt und gesagt, ja, so war er!

    So, es sind keine Bilder in dieser Form in meiner Mediation mehr aufgetaucht, nur meine Träume werden lebhafter und ich habe im Traum mich mit einem Menschen versöhnt, der mir in jungen Jahren ziemlich geschadet hat und dem ich bisher nicht vergeben konnte. Heute ist er alt und sehr krank und es wurde Zeit für eine, wenn auch nur in meinem Traum, für eine Versöhnung, egal was damals passiert ist.


    Ich bin von der Meditation im positiven Sinne wirklich überwältigt, und will sie aus meinem Leben nicht mehr missen.

    Es hat sich bei mir vieles im inneren verändert und natürlich weiß ich auch, dass das meditieren sicher keine Angststörung heilen kann, ( da würden sich die Krankenkassen mächtig freuen! :-) ) sie kann unterstützen. Ich bin auf jeden Fall ruhiger, freundlicher, gelassener und auch mutiger geworden und ich bin voller Neugierde auf das, was da noch kommt.


    Noch einmal vielen Dank an Euch. Habt ein schönes Wochenende.....Liebe Grüße Gitta

  • Mingyur Rinpoche (empfiehlt aus eigener Erfahrung Shamata Meditation/Ruhiges Verweilen):

    My story - Using meditation to deal with panic attacks, stress & anxiety (bei youtube)

    Ich füge die Videos mal direkt ein:


    Vielen Dank, kilaya,


    leider reicht mein altes Schulenglisch nicht :-(

  • Ich bin seit einem Jahr wieder in Therapie und mache auch gute Fortschritte. Leider ist meine Therapeutin Verhaltenstherapeutin und hat mit Mediation usw. nicht viel im Sinn. Sie findet es zwar immer sehr spannend was ich ihr davon erzähle und sie ermutigt mich auch, nicht mit der Meditation aufzuhören, weil sie gesehen hat, wie viel mir das alleine im letzten Jahr gebracht hat.

    Es macht nichts, wenn deine Therapeutin nichts mit Meditation am Hut hat. Sie soll nur zuhören und deinen Weg akzeptieren. Und das tut sie ja.

    Ich bin von der Meditation im positiven Sinne wirklich überwältigt, und will sie aus meinem Leben nicht mehr missen.

    Es hat sich bei mir vieles im inneren verändert und natürlich weiß ich auch, dass das meditieren sicher keine Angststörung heilen kann, ( da würden sich die Krankenkassen mächtig freuen! :-) ) sie kann unterstützen. Ich bin auf jeden Fall ruhiger, freundlicher, gelassener und auch mutiger geworden und ich bin voller Neugierde auf das, was da noch kommt.

    Denn mal weiter so.:):like:

    Der Ton der Flöte

    durchdringt sehnsuchtsvoll mein Herz.

    Herbstlaub tanzt im Wind.