Posts by Benkei

    Namaste!


    Ich denke mal, alle Bodhisattvas geloben alle Wesen zu befreien, sonst wären sie ja keine Bodhisattvas.

    Schon das erste der Vier Großen Gelübde (Shiguseiganmon), die ja als allgemeine Bodhisattva-Gelübde rezitiert werden lautet ja: "Die Wesen sind zahllos - Ich gelobe sie alle zu befreien / zu retten."

    Als Bodhisattva will ich alle leidenden Wesen retten.

    Als Buddha hat man realisiert, dass da weder "ich" ist, noch Wesen, die gerettet werden müssten, weil alles bereits Buddha ist.

    Ellviral hat ganz recht: Der Bodhisattva muss zwangsläufig versagen.

    Er muss auch deshalb versagen, weil er niemanden zwingen kann, seine Rettung anzunehmen. Deshalb verwenden selbst die Buddhas "Geschickte Mittel" (Upaya/Hôben) um die leidenden Wesen zu erretten.


    Als Bodhisattva ist Dharmakara folglich gescheitert, alle Wesen zu retten, hatte aber Erfolg darin, ein Buddha zu werden, sein Buddhagefilde zu erschaffen und seine 48 Gelübde zu erfüllen - sonst würden wir ja keinen Buddha Amida kennen!


    Hätte der Bodhisattva Dharmakara bereits Erfolg gehabt, alle Wesen zu retten, dann würde niemand dies hier lesen, niemand dies hier schreiben, niemand würde das Nenbutsu sprechen und es würde weder Wesen noch Buddhas geben, kein Reines Land und keine Bedingungen, dorthin geboren zu werden.



    Hônen hat die Lehren zusammengetragen und Verkündet.

    Benchô und Shôkû setzten auf die Praxis des Nenbutsu und predigten, möglichst viele und ununterbrochene Nenbutsu zu sprechen.

    Shinran setzte auf Shinjin und darauf, dass ggf. schon das erste Nenbutsu für die Rettung ausreichend sein könnte und alle weiteren nur noch aus Dankbarkeit über die gewährte Rettung entspringen.

    Für Ippen kommt es allein auf das Nenbutsu an, weder auf die Geisteshaltung (Qualität) noch auf die Anzahl (Quantität). Jedes Nenbutsu ist immer wieder ein neues welches die Hingeburt bewirken kann.

    Andere Lehrer der Tradition des Reinen Landes, insbesondere in Tibet und in China nach Tang-Dynastie, lehren etwas abweichende Bedingungen und Sichtweisen.


    Das sind verschiedene Lehren für verschiedene Menschen (Hörer/Leser) zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Lebensumständen.

    Die Preisfrage ist eigentlich: "Wie berührt mich das; was geht mich das an?"


    < gasshô >


    Benkei

    Namaste!

    Ja, Shinran betont Shinjin stärker als Hônen, und Rennyo betont es sogar noch stärker. Heutige Shinshû-Gelehrte haben Hônen etwas aus dem Blick verloren - ich hoffe durch die aktuelle Übersetzung von Shinrans Schriften über Hônen "The Path to the Pure Land" von Rev. Toshikatzu Arai wird sich das mittelfristig ändern.

    Shigaraki-Sensei war/ist auch nicht unumstritten.


    Wenn man in Deinem Zitat (meines war je dasselbe, nur eine andere Übersetzung) die Betonung auf "dass du mit Sicherheit in Amidas Reines Land hingeboren wirst" legst, dann bist Du wieder bei Shinjin. Und der zweite Satz sagt schlicht, dass die vier Geisteshaltungen alle in Shinjin enthalten sind.


    Quote

    Damit hier kein falscher Ein-Druck entsteht.

    Namuamidabu kann auch im Geiste wiederholt werden, oder in Blindenschrift gefühlt werden. Hier ist mit "sagen" nicht das Aussprechen durch die Stimme gemeint.

    Zählen sollte man nur... Das Nenbutsu/ Nianfo sind glaube ich 7 oder 8 x Namu Amida Bu und dann einmal Namu Amida Butsu?

    Ohne jetzt die inklusivistische Sichtweise abzulehnen:

    In der hier angesprochenen Tradition geht es tatsächlich schon ums "Sprechen/Sagen" des Nenbutsu, man könnte auch sagen, das verbale Äußern des Namens von (Amida) Buddha!


    Natürlich bedeutet Nen-Butsu wörtlich übersetzt "den Buddha vergegenwärtigen" oder "sich des Buddha gewahr werden". Und so gibt es verschiedene Arten von Nenbutsu, von visualisierter Meditation über gedankliches Vorstellen bis hin zum simplen Aussprechen von "Namo-Amida-Butsu" oder "Namandabu", ob nun laut (für andere hörbar) oder lautlos. Wenn es um Hônen, Shinran & Co. geht, dann ist das Nenbutsu aber das Aussprechen des Buddha-Namens.


    Für einen taubstummen oder stummen Menschen geht das natürlich nicht hörbar, kann also folgerichtig nur unhörbar erfolgen.


    Aber das ändert nichts daran, dass es Hônen, Shinran usf. um das Sprechen ging, und eine wichtige Praxis in der Jôdo Shinshû ist dementsprechend auch das "Hören des Dharma" [was nicht einfach mit "Lesen des Dharma" gleichgesetzt werden kann!].

    Es ist lobenswert und sinnvoll, die Lehren nach Möglichkeit allen Menschen zugänglich zu machen und erforderlichenfalls auch auf die Bedürfnisse Einzelner anzupassen.

    Trotzdem sollte man aus meiner Sicht den Inklusionsgedanken nicht dahingehend anlegen, dass man das, was die alten Meister gelehrt oder geschrieben haben umdeutet oder erweitert, damit es besser in den aktuellen Zeitgeist passt.


    < gasshô >


    Benkei

    Namaste!

    Shinjin wird einem offensichtlich geschenkt - oder eben nicht. Erfolgt dieses Geschenk einmalig-plötzlich (in voller Stärke) oder nach und nach in kleinen "Gaben" (prozesshaft)?


    Ich frage mich außerdem, ob mit dieser Fixierung auf Shinjin nicht der umfassende Erlösungswille Amidas geradezu konterkariert wird. Was berechtigt Shinran, diesen Abschnitt des 18. Gelübdes so extrem zu betonen - im Gegensatz zu Honen?

    Hônen Shonin betonte auch diesen "Glauben/Vertrauen ohne jeden Zweifel"!

    In seinem Ichimai Kishômon ("Einseiten-Testament") schrieb er: "Um in Amida Buddhas Reines Land geboren zu werden müssen wir einfach Namu-Amida-Butsu sagen und ohne jeden Zweifel daran glauben / darauf vertrauen, dass wir die Geburt dorthin erlangen". [In Deutsch zitiert aus dem "Otsutome - In Praise of Amida Buddha" vom Hawaii Council of Jodo Missions.]


    In der Lebensgeschichte von Shinran Shonin gibt es eine Szene, wo Shinran Hônen fragt, ob er dessen Schüler vor die Wahl stellen dürfte, ob sie sich für "Praxis" oder "Glaube/Vertrauen" entscheiden. Hônen gab seine Zustimmung und am nächsten Tag wurden die Schüler gefragt, auf welche Seite sie sich stellen würden. Außer Shinran ging nur eine Handvoll Anhänger auf die Vertrauens-/Glaubensseite, während sich alle anderen der mehrere Dutzend Anhänger auf die "Praxissteite" gesellten. Als letztes gesellte sich Hônen zu Shinran und unterstrich dadurch die Bedeutung des Glaubens/Vertrauens ("Shinjin").


    Da die späteren Gründer der Jôdo Shû Chinzei-ha und der Jôdo Shû Seizan-ha entweder nicht anwesend waren oder sich auf die von Hônen nicht gewählte "Praxisseite" gesellten, wird diese Szene in diesen Traditionen kaum überliefert oder gar angezweifelt.

    In der Jôdo Shinshû wird sie als eine Art Legitimation von Shinrans Auffassung durch seinen Meister Hônen gedeutet [neben anderen Legitimations-Szenen].


    Aber ob man diese Szene nun als historisch ansieht oder nicht, Hônens eigener Ausspruch im Ichimai Kishômon unterstreicht genau das: die Wichtigkeit des Glaubens/Vertrauens ("Shinjin").

    Das Ichimai Kishômon hat Hônen kurz vor seinem Tod diktiert. Er selbst soll das Nenbutsu täglich teilweise 30.000 mal rezitiert haben, was viele Jôdo Shû-Anhänger als Beleg dafür nehmen, dass die Praxis, also das Rezitieren von Namu-Amida-Butsu, wichtigst ist. Aber als es ans Sterben ging, hat er seine Auffassung im Testament klar ausgedrückt [und weiterhin zig hunderte Male das Nenbutsu gesprochen.


    Ich denke Shinrans Interpretation ist insoweit ganz im Sinne Hônens.

    Und vielleicht ist auch die Interpretation von Benchô (Jôdo Shû Chinzei-ha) und Shôkû (Jôdo Shû Seizan-ha), möglichst viele und möglichst oft das Nenbutsu zu sprechen, ebenfalls ganz in Hônens Sinne?!



    Ob Shinjin zwangsläufig durch eine Erfahrung ausgelöst wird, ähnlich wie das Kenshô im Zen, oder ob es sich nach und nach einstellt darüber streiten sich wohl die Geister bzw. im Shin-Buddhismus die Gelehrten. Die Diskussion ist vergleichbar mit derjenigen im Zen über das plötzliche Erwachen (der früheren Südschule und teilweise auch der heutigen Rinzai Shû-Sichtweise) und dem allmählichen Erwachen (das sich laut früherer Nordschule in Stufen vollzieht und sich aus heutiger Sôtô Shû-Sichtweise im Zazen vollzieht).


    Vielleicht ist beides nicht falsch, beides möglich.

    Die Menschen sind verschieden.

    Bei dem einen kommt die Erkenntnis ganz plötzlich und spontan,

    beim anderen baut sich alles nach und nach auf bis er dann zurückblickt und erkennt ("einen Schritt zurück tritt und Leben-und-Tod durch und durch versteht").


    Bis man es selbst am eigenen Leib-und-Geist erfährt ist das aber alles blanke Theorie.

    Da kann es einem auch recht egal sein, ob es plötzlich kommt oder sich nach und nach einstellt.


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Namaste!


    Noch ein paar Texte, die ich jüngst abgetippt und / oder übersetzt habe:


    Hymnen über die Wohltaten im gegenwärtigen Leben

    Amida Tathâgata erschien in dieser Welt und offenbarte uns das Kapitel über die Lebensdauer im Sutra des Goldenen Lichtes, um das Unheil zu beseitigen und unser Leben zu verlängern.


    Dengyô Daishi, auf dem Berg Hiei, empfand Mitgefühl mit seinen Zeitgenossen: Er empfahl allen die Rezitation von „Namo-Amida-Butsu“ als Beschwörungsformel für die Verhinderung der Sieben Katastrophen.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sprechen, das alle anderen Verdienste bei weitem übertrifft, werden die Hindernisse der Drei Zeiten mit Sicherheit beseitigt.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, erhalten wir unbegrenzte Wohltaten in dieser Welt. Die uns an den Existenzkreislauf bindenden Übel werden vernichtet, der unheilvolle Tod wird überwunden, und unser bestimmendes Karma erlischt.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, werden wir von Brahma und Indra verehrt, und sämtliche Devas und Gottheiten beschützen uns beständig, bei Tag und bei Nacht.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sprechen, werden wir von den Vier Himmelskönigen, die alle üblen Geister von uns abzuhalten vermögen, beständig beschützt, Tag und Nacht.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, werden wir von der Göttin der Erde verehrt, so wie der Schatten niemals den eigenen Körper verlässt, beschützt sie uns beständig, bei Tag und bei Nacht.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, werden wir von großen Nagas wie Nanda und Upananda verehrt und von ihnen beschützt, bei Tag und bei Nacht.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sprechen, verehrt uns Yama, der König des Gesetzes, und seine Wächter der Fünf Üblen Regionen. Sie beschützen uns am Tag und in der Nacht.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, beschützt uns König Mara in der Welt des Begehrens. Dies versprach er Shakyamuni Buddha.


    Alle Götter des Himmels und der Erde werden als gütige Gottheiten betrachtet. Sie alle zusammen beschützen die Nenbutsu-Anhänger.


    Das Vertrauen in die Unbegrenzte Kraft des Gelübdes entspricht dem Großen Erleuchtungsbewusstsein. Üble Wesen schwärmen zwischen Himmel und Erde und fürchten sich vor dem Vertrauenden.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, folgen uns, so wie der Schatten dem eigenen Körper folgt, Avalokiteshvara und Mahastamaprapta, zusammen mit einer Schar Bodhisattvas, so zahlreich wie die Sandkörner des Ganges.


    In den Strahlen des Buddas des Ungehinderten Lichtes verweilen unzählige Amida Buddhas. Diese verwandelten Buddhas beschützen den wahrhaft Vertrauenden ohne Ausnahme.


    Sobald wir „Namo-Amida-Butsu“ sagen, umgeben uns unzählige Buddhas aus allen Richtungen, zu Hunderten und Tausenden, und beschützen uns mit Freude.


    [Die obigen Hymnen zeigen die Wohltaten des Nenbutsu-Übenden im gegenwärtigen Leben auf.]


    Hymnen über Amida Buddha aus diversen Sutras

    Aus Mitgefühl mit unserer endlosen „Nacht der Verblendung“ erschien Er im „Land der Ruhigen Ernährung“. Er manifestierte sich selbst als „Buddha des Ungehinderten Lichts“, umgeben von dem grenzenlosen Lichtglanz seines Dharma-Körpers.


    Amida, der seit unendlichen Zeiten existierende Buddha, hatte Erbarmen mit uns gewöhnlichen Narren in der Welt der „Fünf Entartungen“ und erschien deshalb in der Hauptstadt von Gaya, sich selbst als Shakyamuni Buddha offenbarend.


    Auch wenn während einer Zeitspanne von unermesslich vielen Weltaltern unermesslich viele Zungen Amida preisen würden, und jede einzelne dieser Zungen unzählige Laute hervorbrächte, könnte er doch nicht vollständig gerühmt werden.


    Die Hingeburt ist leicht zu erlangen – so verkündet es der Große Weise. Die Wesen, die am Reinen Land zweifeln, bezeichnet er als blind und taub.


    Unübertroffen ist die Wahre Befreiung, die dem Tathâgata entspricht. Sobald man die Wahre Befreiung erlangt hat, existiert keine Anhaftung mehr und es besteht kein Zweifel.


    Die Verwirklichung des „Geistes der Gleichheit“ wird als „Einzelkindstadium“ bezeichnet, das der Buddha-Natur entspricht. Man erreicht dieses Stadium im „Land der Ruhigen Ernährung“.


    Tathâgata bedeutet Nirvâna. Nirvâna wird auch Buddha-Natur genannt. Man kann Nirvâna nicht als gewöhnlicher Sterblicher erreichen, sondern erst im „Land der Ruhigen Ernährung“.


    Der Buddha sagt: „Wer sich des Vertrauens erfreut, gleicht einem Tathâgata“. Das Große Vertrauen entstammt der Buddha-Natur. Buddha-Natur bedeutet Tathâgata.


    Wenn die fühlenden Wesen mit ihrem begrenzten Verstand an Buddha’s grenzenloser Weisheit zweifeln, werden sie in die Zôbara-Bindara-Hölle hinabsinken und dort viele Kalpas lang verschiedene Qualen erleiden.


    [Die obigen Hymnen enthalten die Essenz Verschiedener Sutras über Amida Buddha.]



    beide Hymnen aus dem "Jôdo Wasan" von Shinran Shonin (Kell-Übersetzung von IABC)



    Lobhymne auf das Nenbutsu

    (von Ippen Shonin)


    Betrachte den Leib: er ist wie Schaum auf dem Wasser, ist er vergangen, ist auch der Mensch nicht mehr. Bedenke das Leben: es ist wie des Mondes Schatten, währt nicht länger als einen Atemzug.


    Der Menschen, der Himmelswesen guter Welten Gestalt schätzen wir sehr und können sie doch niemals bewahren. Der Hölle, der Dämonen und der Tiere Qualen möchten wir entgehen und fallen ihnen doch anheim.


    All die Formen vor unseren Augen entbehren der Farbe für den, der da blind. All die Worte an unseren Ohren entbehren der Töne für den, der da taub.


    Das Erlebnis von Duft und Geschmack ist wahrlich nur von kurzer Dauer. Hört der Atem auf zu strömen, bleibt nichts, was wir noch vermöchten.


    Seit Urzeiten in fernster Vergangenheit bis heute zu dieser Stunde: nie erfüllten sich unsere sehnlichsten Wünsche, und wir sind betrübt.


    Auch die den Weg der Heiligen und den Weg des Reinen Landes erfassten, sie alle – beenden sie ihre Illusionen über Werden und Vergehen nicht – geraten nur immer tiefer in den Strudel der Wiedergeburt.


    Einer Gesinnung, die der Erleuchtungswahrheit widerspricht, dass gut und böse nicht voneinander zu trennen, gelten richtig und falsch als eines, wie beschämend ist doch diese verblendete Weisheit!


    Wir sagen: „Leidenschaften und Begierden sind nichts anderes als die Erleuchtung“ und begehen Untat um Untat. Wir hören: „der Kreislauf von Geburt und Tod ist nichts anderes als Nirvâna“ und hängen doch an diesem Leben.


    Der reine Buddha-Leib der Essenz allen Seins ist der wahre, ewige Buddha. Da er jenseits von Verblendung und Erleuchtung weilt, hilft es nichts, ob man um ihn weiß oder nicht.


    Der Buddha-Leib des Verdienstes, in unzähligen Übungen vollendet, ist der Buddha der Verbindung von Wahrheit und Weisheit. Da ihm Erleuchtungszustand und Weisheit nicht zwei sind, hilft er weder dem ihn in der Meditation noch dem ihn in der Anrufung Suchenden.


    Der Buddha-Leib der Verwandlung, Böses besiegend und Gutes vollbringend, ist der Buddha, der bei gutem Karma den erkrankten Geist heilt. Aber denen, welche die Zehn Schlimmen Taten und die Fünf Höllen-Taten begehen und ohne karmische Beziehung zu ihm sind, denen hilft er nicht, sich aus dem Meer des Leidens zu befreien.


    Der Buddha-Leib des Verdienstes als Ursprung und Frucht des Namens ist der Buddha, der die gewöhnlichen Unerleuchteten befreit. Gelobend, alle Wesen der Zehn Himmelsrichtungen zu erlösen, ist kein einziger davon ausgenommen.


    Im Namen von Amidas alles übertreffendem Besonderen Gelöbnis ist die unfassbare Wirkung der Kraft des Anderen; rezitieren wir ihn, einfach den Worten folgend, schwindet im Sprechen alles Karma in Leben und Tod.


    Außer der ersten einen Anrufung gibt es keine letzten zehn Anrufungen im Sterben: mit jedem Moment beginnt sie von neuem, nach jedem Moment ist sie vorbei.


    Ganz dem Sprechen hingegeben, gibt es weder Anfang noch Ende. Im Einssein von Buddha und Mensch sprich: „Namu-Amida-Butsu“.


    Wirf geschwind alles von dir ab, Amida vertraue ganz. „Namu-Amida-Butsu“, mit dem letzten Atem gehaucht: darin gipfelt all unser Sehnen.


    Da, aus dem Land der Glückseligkeit, erscheinen vor dem Sprechenden Amida, Kannon und Seishi, und alle Heiligen, unzählig wie der Sand des Ganges, strecken ihm gemeinsam ihre Hände entgegen, heißen ihn willkommen und geleiten ihn in das Reine Land.



    Gelöbnis der Amida-Jünger in Hymnenform

    (von Ippen Shonin)


    Wir Jünger Buddhas geloben, von unserer jetzigen Verkörperung an bis ans Ende aller Zeiten nicht an Leib und Leben zu haften, sondern uns ganz dem Urgelöbnis hinzugeben.


    Bis zu unserem Lebensende rezitieren wir von ganzem Herzen den Namen. Wir predigen weder Gut noch Böse, noch handeln wir gut oder böse.


    Denen, die dieses praktizieren, da sie dem Urgelöbnis Amidas folgen, mögen Buddha Amida, Kannon und Seishi, alle fünf mal fünf Bodhisattvas, die unzähligen Heiligen und alle Buddhas, die für Amida zeugen, – in allen sechs Himmelsrichtungen und so zahlreich wie der Sand des Ganges – zu allen sechs Stunden des Tages und der Nacht fortgesetzt und ohne Unterlass wie der Schatten, der der Form folgt und sich niemals von ihr trennt, ihre Barmherzigkeit und ihren Schutz gewähren.


    Möge unser Geist nicht in Verwirrung geraten, von plötzlicher Krankheit seien wir verschont und vor einem jähen Tod bewahrt. Unser Leib sei frei von Schmerzen und unser Geist nicht voll von Tollheit.


    Mögen Geist und Leib gelassen bleiben wie im Zustand der Meditation.


    Geht dann unser Leben zu Ende, kommen alle Heiligen, uns zu empfangen und, vom Urgelübde Amidas getragen, werden wir in das Land der Glückseligkeit hingeboren.



    beide Texte aus "Die Wanderungen des Mönchs Ippen"


    Gobunshô III-13

    Über die Anhänger unserer Tradition


    Anhänger unserer Tradition - sowohl diejenigen, in denen tiefgefestigtes Vertrauen [Shinjin] bereits verankert ist, als auch diejenigen, deren Vertrauen (in den Buddha) noch nicht gefestigt ist, die aber danach streben, das gefestigte Vertrauen zu erlangen - müssen die folgenden Punkte bedenken:


    Nehmt zuallererst äußerlich die Gesetze des Staates als grundlegend an und verachtet keinen der Gottheiten, Buddhas oder Bodhisattvas; verleumdet keine anderen Traditionen oder andere buddhistische Lehren. Schätzt die Landesregierung oder die kommunale Leitung nicht gering, sondern erfüllt eure gesellschaftlichen Pflichten und zahlt vollständig eure Steuern.[1] Verlasst euch innerlich von ganzem Herzen und unerschütterlich auf Amida Tathâgata, um ins Reinen Land hingeboren zu werden, und verschwendet keine Gedanken an die Verschiedenen Übungen und guten Taten; wenn wir uns ohne einen einzigen Gedanken des Zweifels dem Buddha anvertrauen, werden wir sicherlich ins wahre und echte Reinen Land der höchsten Glückseligkeit hingeboren. Mit diesem Verständnis wird man als Nenbutsu-Anhänger angesehen, welcher das tiefgefestigte Vertrauen durch Amida Tathâgatas Andere Kraft verwirklicht hat.


    Nachdem wir auf diese Weise das tiefgefestigte Vertrauen erlangt haben, welches durch das Nenbutsu ausgedrückt wird, sollten wir erkennen, dass wir, obwohl wir elende Wesen mit tiefem unheilvollen Karma sind, die das ganze Leben lang Untaten begehen, wenn wir einmal mit dem einen Gedankenmoment der Zuflucht zu Amida das Vertrauen erwecken, durch das Wirken des Gelübdes des Buddha ohne weiteres gerettet werden. In tiefer Erkenntnis der Gnade von Amida Tathâgatas unvorstellbarem, alles übertreffendem Urgelübde – der mächtigen Ursache der Hingeburt – sprechen wir dann einfach das Nenbutsu, schlafend oder gehend, in Dankbarkeit für Buddhas Wohlwollen, und vergelten die Wohltaten des Tathâgata Amida.


    Nichts, was wir darüber hinaus wissen, ist für die Erlangung der Hingeburt von Nutzen, aber heutzutage reden die Leute absurderweise – als ob etwas fehlen würde – über unbekannte, exzentrische Lehren, die nicht innerhalb unserer Tradition übertragen wurden; so verwirren sie andere und bringen die unübertroffene Übertragung des Dharma in Misskredit. Das ist in der Tat eine beklagenswerte Situation. Wir müssen sehr sorgfältig darüber nachdenken. Hochachtungsvoll.


    [1] Wörtlich übersetzt: „Vernachlässigt nicht die Militärgouverneure der Provinzen oder die örtlichen Landbesitzer, sondern erfüllt die festgelegten jährlichen Abgaben und Zahlungen an die Beamten in vollem Umfang.“


    übersetzt aus "Rennyo The Second Founder of Shin Buddhism"


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Als "nicht relevant" würde ich den Karma-Gedanken im Reinen Land Buddhismus im Allgemeinen und auch im Shin-Buddhismus keinesfalls bezeichnen.


    Denn gerade wegen des Karma-Gedankens wendet man sich ja dem Buddha Amida zu.

    Man weiß, dass man, wie Shinran sagt selbst "ein dummes Wesen voll von blinden Leidenschaften ist, in einer Welt die einem Brennenden Haus gleicht" und dass man sich wegen seines seit Urzeiten angehäuften Karmas selbst nicht aus diesem Brennenden Haus* befreien kann.

    Deshalb überlässt man das dem Buddha.


    < gasshô >


    Benkei


    * Das brennende Haus ist eine Parabel aus dem Lotos-Sutra

    Namaste!


    Die 8.000 SGI-ler können durchaus möglich sein - wenn man SGI-D oder Soka Gakkai bei Google-Maps eingibt, dann erscheinen da schon einige Zentren in diversen Städten und es gibt mit Sicherheit auch noch mehr regionale Gruppen ohne offizielle Anschrift.

    Aber Zen-Praktizierende dürfte es weitaus mehr in Deutschland geben. Ich meine jetzt nicht ordinierte Laien oder Mönche/Priester, sondern einfach die Leute, die Zazen üben und dafür gegebenenfalls ab und an mal einen Tempel, ein Zentrum oder einen Dôjô aufsuchen. Und es gibt ja auch christliches und jüdisches Zen, sogar islamisches Zen.


    Der Buddhismus des Reinen Landes [von Amitabha/Amitayus/Amida Buddha] ist in Deutschland in vielfältiger Weise vertreten und der Rettungsgedanke (durch die Gnade des Buddha) ist allen gemein. Das ist ein Aspekt des tibetischen Buddhismus und auch im chinesischen, vietnamesischen und koreanischen Buddhismus beheimatet. Auch in den "breiter aufgestellten" Traditionen des japanischen Buddhismus und im japanischen Volksglauben ohnehin, ist das ein Aspekt und Weg, insbesondere für Laien-Buddhisten, die keine Zeit / Muse für Zazen, Mantrayana oder ähnliche (asketische) Übungen haben. Ganz allgemein kann man sagen, dass die Hinwendung zum Buddha Amida [oder auch zu Avalokiteshvara/Quan Yin/Kanzeon] ein einfacher und damit universeller Weg für den Laien ist.


    Insbesondere in Japan haben sich in der Kamakura-Zeit allerdings einige Meister dafür ausgesprochen, die "breite Aufstellung" abzulehnen und sich aus jeweils unterschiedlichen Gründen auf ein Übung festzulegen. Bezüglich des Reines Land Buddhismus waren das Hônen Shonin, Shinran Shonin und Ippen Shonin und sie gründeten die Jôdo Shû (Hônen), die Jôdo Shinshû (Shinran) und die Ji Shû (Ippen). Hierbei kann die Jôdo Shinshû als Shinrans Korrektiv der Jôdo Shû angesehen werden, da er als Schüler Hônens nach dessen Tod dessen Lehre in einigen Aspekten klarstellte und sich so von anderen Schülern Hônens, die andere Aspekte betonten, distanzierte. Auch die Ji Shû entstammt letztlich Hônens Jôdo Shû, wobei die Lehre durch Ippen Shonins mehr zum Volksglauben und zur Universalität hin interpretiert und recht asketisch gelebt wurde.

    Ähnliches beginnt aktuell auch in der VR China, wo sich einzelne Meister [die in Japan studiert haben] auf chinesische Meister wie Shantao und Tanluan zurückbesinnen und dann insbesondere deren Schriften hochhalten. [Ansonsten ist der chinesische Buddhismus, wie auch der vietnamesische und in gewisser Weise auch der koreanische eine Synthese die Zen, Reines Land und ggf. auch Mantrayana einschließen kann, wobei die Schwerpunktsetzung entweder vom Kloster-Abt oder auch vom Schüler ausgehen kann, je nachdem.]


    In Deutschland gibt es seit den 1950ern die BGJD, das ist die Buddhistische Gemeinschaft Jôdo Shinshû in Deutschland, die der deutsche Zweig der Jôdo Shinshû Nishi Hongwanji-ha ist.

    Seit Kurzem ist auch die Jôdo Shû in Deutschland vertreten.


    Der Eingangstext stammt ja von Rev. Adrian Cirlea. Dessen Shin-Buddhistische Karriere begann quasi auch in der BGJD. Später wurde er dann im Haupttempel in Kyoto zum Priester ordiniert [Tokudô] und er gründete dann einen Tempel in seiner Heimat Rumänien. In der Jôdo Shinshû gibt zwei Strömungen, die darüber uneins sind, wie Amida Buddha und sein Reines Land aufzufassen ist. Allgemein wird das als Privatsache angesehen und man muss sich natürlich auch nicht zu einer dieser Strömungen bekennen. Rev. Cirlea begann irgendwann, von seinen Schülern ein klares Statement zu einer dieser Strömungen zu verlangen und dass sie die andere Sichtweise vehement abzulehnen haben. Er selbst verdammte in seinen Internet-Auftritten andere Shin-Buddhisten, welche die "abzulehnende Sichtweise" vertreten und bezeichnete sie als Häretiker. Das und andere Gründe führten dazu, dass sich Rev. Cirlea und die Jôdo Shinshû Nishi Hongwanji-ha voneinander trennten. Er ist damit kein Priester des Haupttempels in Kyoto mehr und sein Tempel kein offizieller Tempel dieses Zweiges, sondern quasi unabhängig.

    Der Eingangstext scheint noch aus Rev. Cirleas toleranteren Zeit zu stammen und wird schon ein paar Jährchen alt sein. Seine aktuellen Texte sind aus meiner Sicht "mit Vorsicht zu genießen". - Alles natürlich meine bescheidene Meinung!


    Die genannte Shinnyo-en würde ich nicht als Laien-Buddhismus der Shingon Shû bezeichnen, da sie de facto Priester (und Hohepriesterinnen) kennt. Sie entstammt zwar dem Daigôji-Zweig der Shingon Shû (Shingon Shû Daigôji-ha), und die Hohepriesterin ist hochrangige Priesterin dieses Zweiges, aber die Shinnyo-en ist dann doch sehr unabhängig von der Shingon Shû selbst.


    Soweit mir bekannt ist gibt es aktuell keine Gruppen/Zentren/Tempel in Deutschland, die sich einem Zweig der Tendai Shû oder der Shingon Shû zugehörig fühlen.


    < gasshô >


    Benkei

    Namandabu

    Namaste!

    Benkei Danke! Jetzt versteh ich überhaupt nichts mehr.

    Kein Grund zu Fürsorge, ich lass’ die Finger von allen.

    Sorry,

    wenn mein Beitrag etwas zu belehrend und abschreckend rüberkam, dann war das nicht meine Absicht.


    Ich denke, gerade wenn es um buddhistische Schulrichtungen geht, die nicht so weit im deutschsprachigen Raum verbreitet sind wie Theravada, Zen oder tibetische Traditionen, dann gibt es viele Missverständnisse und folglich auch noch viel zu entdecken.


    Das sollte aber keinesfalls abschrecken.


    < gasshô >


    Benkei


    Namandabu

    Namaste!


    Ich denke nicht, dass Nichiren Shoshû oft mit Jôdo Shinshû verwechselt wird.


    Es kann ein Aspekt der Nichiren Shoshû sein, dass man sich ersehnt, nach dem Tod in Shakyamuni Buddhas Reines Land des Geierbergs geboren zu sein, aber das wohl nur eine Option. Letztlich geht es darum, durch das Daimoku ("Nam'Myôhô-Renge-Kyô") die Buddhaschaft zu verwirklichen, ggf. in diesem Leben.


    Im Shin-Buddhismus wird die Verwirklichung der Buddhaschaft in diesem Leben grundsätzlich verneint. Man Vertraut in den Buddha Amida (Amithaba/Amitayus), spricht das Nenbutsu ("Namo-Amida-Butsu") und glaubt ohne Zweifel an die Geburt in sein Reines Land ("Sukhavati"). "Weiter ist nichts erforderlich", wie Hônen Shonin sagte.


    Shin-Buddhismus ist eine Strömung im Reinen Land Buddhsmus.

    Nichiren Shoshû ist eine (sehr extreme) Strömung im Nichiren Buddhismus. Als "Reines Land Buddhismus" würde ich den Nichiren Buddhismus nicht bezeichnen. Da wäre Nichiren Shonin, und auch seine Anhänger, sehr geknickt, wenn man das machen würde, denke ich, denn Nichiren hat sich zeitlebens extremst gegen den Reines Land Buddhismus ausgesprochen!


    < gasshô >


    Benkei


    Namandabu

    Namaste!


    Einen sehr interessanten Artikel zum Thema "Selbstreflektion als shin-buddhistischer Pfad" findet man hier.

    In dem Text wird auch kurz Rev. Manshi Kiyozawa's Biographie und Lehre vorgestellt, sowie die eines seiner Nachfolger, Rev. Daie Kaneko.

    Beide gelten als Reformer der Jôdo Shinshû Higashi Honganji-ha, haben aber auch Einfluss auf das aktuelle Denken der Shin-Buddhisten jenseits der Higashi-ha.

    Der Aufsatz zeigt meines Erachtens recht gut und anschaulich, dass der Shin-Buddhismus eben nicht bloß aus Nenbutsu, Andachten und Text-Studium bestehen muss, sondern auch als ganzheitlicher buddhistischer Weg vollzogen werden kann, welcher auch buddhistische Ethik und meditative Introspektion beinhaltet.


    Allgemein erscheinen auf der Website der US-amerikanischen Higashi-ha-Sangha häufig sehr interessante Beiträge und Impulse, die man sich auch ohne Englisch-Kenntnisse via DeepL oder Google-Translate mal zu Gemüte führen kann.

    Die Videos waren für teilweise recht interessant, teilweise aber auch in der "bekannten shin-buddhistischen akademischen Art", welche recht abschreckend wirken kann. Mal reinschauen lohnt sich aber (hier sollte man dann aber schon über gewisse Englisch-Kenntnisse verfügen).


    < gasshô >


    Benkei


    Namandabu

    Namaste!

    Dazu vielleicht ein Kommentar von Dôgen Zenji:
    "Von Buddhas Seite aus getragen wirst du - indem du nur folgst - ganz ohne Kraftanstrengung und Geistesbemühung frei von Leben-und-Sterben selbst Buddha; warum sollte jemand im Geist verharren?"

    (Shôbôgenzô-Shôji)


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Namaste,


    Für mich sind das eigentlich zwei Paar Schuhe,

    einerseits das Paar "Erlösung und Bedingung" (wie auch immer diese aussieht - im Reinen-Land-Buddhismus ist es schlicht das "Sprich das Nenbutsu und sei von Amida Buddha gerettet!"),

    und andererseits das Paar "Erlösung und Ethik".


    Letzteres Paar haben Hônen und Shinran dahingehend entkoppelt, dass eine tadellose ethische Lebensführung im Sinne der buddhistischen Gelübde / Empfehlungen im Mappô-Zeitalter als ihrer Sicht gar nicht mehr möglich ist und dass sie folglich auch keine Ursache für die Rettung / Erlösung durch den Buddha sein kann. Insoweit widersprachen sie klar den Lehren der (Shingon-)Ritsu Shû und auch einigen heutigen Interpretationen des Theravada.

    Unabhängig davon aber führt die Abstandnahme von sogenannten Unheilvollen Handlungen (Töten, Stehlen, Ehebruch, Dummsuff) in diesem Leben de facto dazu, dass wir weniger leiden müssen, weil wir weniger Konsequenzen zu spüren bekommen oder fürchten müssen. Diese Furchtlosigkeit und Konsequenzenlosigkeit können ja auch schon Grund genug sein, da mal drüber nachzudenken... - selbst wenn man (nachher) von Amida Buddha gerettet sein wird / könnte.


    Zum ersten Paar hatte ich ja schon den Senf bereitet.



    Ja, es ist viel Stoff, um darüber nachzudenken.


    < gasshô >


    Namo-kie-BuPôSô

    Namaste!


    Wenn ich mir die Welt so ansehe, mit all ihren Kriegen und der Ausbeutung, mit der Klima-Krise und dem Unwillen zur Umkehr, sowie dem Umstand, dass die Mehrheit der Menschen (einschließlich meiner Person) eher Teil des Problems als Teil der Lösung sind, dann kann und muss ich die Frage schlicht mit "Nein!" beantworten.

    Ohne moralischen Anspruch sähe es vielleicht aktuell noch schlimmer aus...?!


    Quote

    Zählt die Tatsache der Rettung oder ihr "Werkzeug"?

    Ich denke, das kommt darauf an, wen man fragt.


    Quote

    Honens und Shinrans Ansichten führen auch in eine Prädestinatonslehre, wie sie so im christlichen Umfeld kaum noch vertreten wird. Ein "Erlösungsautomatismus" würde auch diesen Problemen ein Ende setzen. (Natürlich kein Grund, dass es so ist; immerhin aber eine erfreuliche Nebenerscheinung.)

    Sowohl Hônen als auch Shinran haben beide trotz ihrer Trost-spendenden Interpretationen der Drei Sutras weiterhin ethische und moralische Leben geführt, Hônen als tadelloser zölibatärer Mönch und Shinran als verheirateter "Weder-Mönch-noch-Laie". Beide predigten folglich zwar das "Sogar der Gute wird erlöst, um wie viel mehr der Böse", aber dennoch verurteilten sie diejenigen unter ihren Anhängern, welche jegliche Ethik und Moral über Bord warfen und gerade wegen des Erlösungsgedankens Verbrechen begingen.


    Auch der (eigene) Trost findet seine Grenzen dort, wo er anderen schadet.



    Ich gebe Dir absolut Recht: Religion ist vornehmlich zum trösten da. Das hatte auch schon meiner Linji im alten China festgestellt und seine Zen-Schüler mit dieser Aussage in seinen "Morgengesprächen" geschockt.

    Aber Trost ist halt immer etwas sehr individuelles und auch stets von der Lebenssituation und den Umständen des Einzelnen abhängig.

    C'est la vie!


    < gasshô >


    Benkei


    BuPôSo-en

    Namaste!

    @ Benkei:

    Warum sollte Tariki in seinem Erlösungswirken von meinem Glauben daran (Bedingung!) abhängig sein? Ist Erlösung ein Kuhhandel oder ein unbegreiflich-wunderbares und völlig voraussetzungsloses Geschenk? Ich sehe es jedenfalls so, komme bestens damit zurecht und bin unendlich dankbar dafür. Und ich freue mich, weil es auch die "mitnimmt", die vom Reinen Land nie etwas gehört haben...

    Der Bodhisattva Dharmakara hat die Erlösungskraft und Wirkungsweise seines (künftigen) Reinen Landes insbesondere in den Drei Sutren des Reinen Landes und speziell in den 48 Gelübden des Großen Sutras dargelegt.

    Warum hat er nicht einfach gelobt, dass wenn er der Buddha Amida wird, dann automatisch alle Wesen gerettet sind? - Vielleicht aus demselben Grund, weshalb Bodhidharma nach Indien aufgebrochen ist.



    Wenn ich einem gläubigen Evangelikalen erzählen würde, dass er von Amida Buddha gerettet wird, dann wird ihn das sehr enttäuschen (hier ungleich "ent-täuschen"!).



    Hônen und Shinran vertraten die Ansicht, dass das Mappô-Zeitalter längst angebrochen ist und dass folglich nur noch die Lehren des Buddha bestehen, keine echte Erleuchtung und keine echte Übung. Deshalb soll nur noch der Rettungsweg durch das Reine Land des Buddha Amida "offen stehen".

    Ein solches "Mappô-Konzept" wird nicht einmal in Japan von allen Buddhisten geteilt, sondern es ist nicht unumstritten.


    < gasshô >


    Benkei


    Namandabu

    Namaste!

    Meine ganz persönliche Sicht:


    Ich trenne Ethik ganz strikt von Religion: Es ist immer die Ethik, die fordert. Religion hat nicht zu fordern, sondern zu erlösen. Wo sie dennoch fordert, überschreitet sie ihre Grenzen und hört auf, Religion zu sein.


    Der nächste Schritt: "Namu Amida Butsu" / Shinjin sind nicht nötig - Tariki ist auch so erlösend am Werk!


    Dem würden wohl weder die alten Meister noch die Drei Sutren des Reinen Landes zustimmen.


    Wenn man es auf die Tendai Shû-Sicht "runtermünzt" und vereinfacht, also dass alle Wesen und alles bereits erlöst sind, eben dadurch, dass sie die Buddha-Natur innehaben, dann könnte man das grundsätzlich so unterschreiben. Also gar kein nächster Schritt, sondern schon alt bekannt...

    ...und auch schon in seiner Sinnhaftigkeit widerlegt, eben dadurch das Meister wie Dôgen Zenji feststellen mussten, dass die (theoretisch schon erlangte) Erlösung "null und nichtig" ist, wenn man sich ihrer nicht erfahrungsgemäß gewiss ist.



    Davon ab:
    Worin soll denn Deiner Meinung nach "der nächste Schritt" bestehen?

    - Dass man einfach "feststellt" / "festmacht", dass weder Nenbutsu noch Shinjin nötig sind, sondern dass irgendeine andere Erlösungskraft wirkt?


    Das funktioniert doch nicht!


    Nicht mal die Offenbarung des simplen "Sprich einfach Namo-Amida-Butsu und sei von Amida gerettet!" hat dazu geführt, dass dies auch nur annährend so akzeptiert wurde/wird, wie es der Fall hätte sein können / müssen.

    Selbst wenn die Menschen / Buddhisten von Amida Buddha und seinem Grundgelübde hören, nehmen sie das nur in den seltensten Fällen an und zumeist kommen sie mit der puristisch-orthodoxen Tariki-Lehre alla Shinran und Rennyo nicht so klar, wie die sich das gedacht hatten, sondern haben noch immer irgendwelche Jiriki-Aspekte in ihrem Leben verankert... das sehe ich bei mir und auch bei den allermeisten anderen Shin-Buddhisten, die ich kenne.

    Oder man spricht sein eines oder seine zehn Nenbutsu, überredet und bekennt sich zum Vertrauen auf den Buddha und macht dann einfach weiter wie vorher... das übliche "Tu was Du willst!", nur um nach ein paar Wochen / Monaten / (seltener) Jahren festzustellen, dass sich trotz "Erlösung" eigentlich gar nichts geändert hat, und dass es eigentlich gar nichts gebracht hat, dass man (z. B. der Shinshû beigetreten ist und) zu Amida Zuflucht genommen hat. [Auch schon oft beobachten können.]



    Letztendlich kommt es schlicht und einfach darauf an, ob es funktioniert oder nicht.

    Und ob es funktioniert oder nicht, das zeigt dann das Leben insbesondere in echten Krisenzeiten.


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Namaste!


    Wer fordert denn?


    Wir sind hier im "Buddhaland" - da gibt es (vereinfacht gesagt) gar keinen Gott oder sonst eine Autorität, die etwas einfordern könnte.

    Der Buddha empfiehlt ethisches Handeln zur Vermeidung von Leiden, welches zwangsläufig aus unethischem Handeln entsteht.

    Das sind Kausalität und eine daraus folgernde Empfehlung auf Grundlage der Erfahrungen, welche der Buddha zeitlebens gemacht hat.

    Nicht mehr und nicht weniger.


    Wenn ich mir die Religionen anschauen - insbesondere diejenigen, die von "überirdischen Mächten" ausgehen (Gottvater, Allah, YHWH genannt o. ä.), dann würde ich sehr wohl sagen, dass da diese Mächte / diese Macht immer Forderungen stellen. Das fängt teilweise schon beim männlichen Säugling an, wenn das Messer zum Einsatz kommt.


    Schon insoweit kann ich deiner These mit Blick auf die mir bekannten abrahamitischen Religionen nicht zustimmen:

    Nach meinem Verständnis fordern manche Religionen sehr wohl, und das nicht nur von ihren Anhängern, sondern teilweise auch von allen anderen.



    Was soll denn Deiner Meinung nach ein "nächster Schritt" sein?


    < gasshô >


    Benkei


    Namandabu

    Namaste!


    Hab mir gestern das erste Video angeschaut - war sehr interessant, auch wenn die Untertitel manchmal leider mit dem Hintergrund "verschmelzen".


    Beachtlich finde ich, dass sich das Kloster und der Abt fast vollständig auf Meister Shantao berufen und als Grundlage die schriftlichen Überlieferung verwenden, die erst vor ein paar Jahrzehnten aus Japan "zurückgebracht" wurden.

    Im "normalen Han-Buddhismus", der ja sowohl Chan (Zen) als auch Reines Land beinhaltet, ist Meister Shantao "nur" einer von vielen Patriarchen (soweit ich weiß der 2. in China), deren Lehren bis in die heutige Zeit fortentwickelt wurden.


    Die Art, wie sie im Hongyuan Si praktizieren und insbesondere auch die Sichtweise auf das Nienfô (Nenbutsu), erinnert schon stark an die japanische Jôdo Shû und der Glaubens-/Vertrauens-Aspekt hat sogar Züge von Shinran Shonin's Lehre (Jôdo Shinshû).


    Faszinierend!


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Namaste!


    Naja, immerhin gibt es hierzulande einige Shin-Priester und auch Möglichkeiten an (teilweise) öffentlichen Andachten teilzunehmen. Wenn man Englisch versteht und sprechen kann gibt es auch einige Fort- und Weiterbildungsangebote und da pflegen die deutschen Shin-Buddhisten rege Kontakte zu anderen Shin-Buddhisten in Europa und zu den größeren Sanghas weltweit, insbesondere in den USA, in Kanada und in Japan, aber auch in Lateinamerika.

    Leider hatte die Pandemie aber auch ihren Anteil daran, dass so manches vormals aktive Mitglied wieder in die Versenkung abgetaucht ist und das einige Sachen aktuell nur online angeboten werden.


    Tendai Shû außerhalb Japans ist da schon weitaus schwieriger, denn da gibt es meines Wissens oft nur vereinzelte Sanghas, die sich meist um einen einzelnen Priester oder ordinierten Laien gruppieren [ein oder zwei größere Standorte in den USA mal ausgenommen]. Das ist kaum mit der Ausbreitung der BCA (Buddhist Churches of America), der JSBTC (Jôdo Shinshû Buddhist Temples of Canada) und der Jôdo Shinshû Missions of Hawaii vergleichbar; wobei man natürlich feststellen muss, dass die Shinshû-Verbreitung mit der Mission unter den ausgewanderten Japanern einherging.


    Die Kegon Shû ist als solche in Japan mittlerweile recht unbedeutend, abgesehen von den altehrwürdigen Tempeln, die sie in Nara und Umgebung unterhält. Auf Oahu gab es einen Zweig-Tempel des Todaiji, der sich aber mittlerweile unabhängig gemacht hat. Von der Praxis her unterscheiden sich nach meinem Wissen die alten Nara-Schulen kaum noch voneinander; sie sind sehr von der Shingon Shû beeinflusst und die Priester werden auch entsprechend ausgebildet. Nur die jeweilige Philosophie unterscheidet sich.

    In Deutschland gab es mal ein paar Sanghas des koreanischen Seon bzw. des Jogye-Ordens. Die hatten damals das Blütenschmuck-Sutra als pdf auf der Homepage und hatten das auch zum Gegenstand von Aufsätzen und wohl auch von Belehrungen gemacht... keine Ahnung, was aus denen geworden ist? Heute findet man da international hauptsächlich die Kwan Um School of Zen, ebenso wie hierzulande, und die scheinen sich eher auf das Herz-Sutra und das Diamant-Sutra zu fixieren.


    Nichiren-Buddhismus jenseits der SGI ist in Deutschland ebenso schwierig.

    Von der Rissho-Kosei-Kai, bzw. von einem derer Präsidenten hab ich einen schönen Kommentar zum Lotos-Sutra, sogar auf Deutsch [längst vergriffen]. Aber da scheint es aktuell hierzulande gar keine Aktivitäten oder Präsenz zu geben.

    Auch der hiesige Tempel der Nichiren Shû scheint eher eine Art Kulturzentrum zu sein, welches mehr Wert auf den interreligiösen Dialog legt als darauf, die Lehren Nichiren Shonins an den Suchenden zu bringen oder einen Austausch mit anderen Sanghas zu pflegen.


    Alles sehr schade.

    Aber so ist das Leben.


    Letztlich geht ja immer jeder seinen eigenen Weg!

    < gasshô >


    Benkei


    BuPôSô-en

    Namaste!


    Liebe Keine Ahnung,

    das mit der Mischung aus Zen, Nichiren- und Amida-Buddhismus stimmt bedingt.

    Tatsächlich praktiziere ich täglich Zazen, Daimoku und Nenbutsu, aber als "Mischung" würde ich das nicht ansehen. Daimoku und Nenbutsu sind Teil meiner täglichen Andachten und Zazen verrichte ich auch täglich mindestens einmal, oft auch häufiger. Ich bin Shin-Buddhist, studiere also die Schriften und Reine Land-Interpretationen von Shinran Shonin [auch die von Hônen Shonin und Ippen Shonin] und so erfolgt meine Rezitation des Nenbutsu aus Dankbarkeit für die Rettende Gelübdekraft des Buddha Amida. Das Daimoku rezitiere ich aus Verbundenheit mit dem Lotos Sutra, welches ich sehr schätze, auch vor dem Hintergrund der Reine Land-Lehren, die aus meiner Sicht damit sehr konform gehen, und natürlich auch, um quasi "den Spiegel zu polieren", wie man so schön sagt. Eine kleine Hand-Mala Daimoku passt nach meinem Dafürhalten wunderbar nach drei Sangêmon ["Das Tor der Reue"].

    Zazen saß ich früher mal, um Kenchô oder gar Satori zu erfahren - "Muss doch irgendwann hinhauen!" Jetzt geschieht das eher, weil es mir gut tut und weil ich es nicht missen möchte; auch aus Verbundenheit zu meiner Zen-Sangha und meinem -Meister. Es hat etwas von "Buddha-sein im Augenblick", oder wie Dôgen Zenji ja auch sagte: "Praxis und Erleuchtung und das Leben der Menschen, das ist dasselbe".

    Diese "Mischung" wäre nichts, was ich weitergeben oder lehren würde - das hat sich bei mir so aus den Gegebenheiten heraus entwickelt und es passt aktuell wunderbar. Aber das Leben - auch das im Dharma - ist auch ein Prozess, der stetig fortschreitet. Ich will nicht ausschließen, dass meine Praxis bzw. meine Andachten künftig mehr Sôtô-Aspekte enthalten könnten, oder dass meine Zazen-Praxis aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten muss... - wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

    Mir war seit jeher die historische Tendai Shû sympathisch, da sie quasi die allermeisten Arten von buddhistischen Praktiken kennt und teilweise auch lehrte. Heute hat man sich allerdings sehr auf den esoterischen Aspekt konzentriert und die eigene Zen-Überlieferung der Tendai Shû gilt als ausgestorben; immerhin finden die Meditationslehren des chineischen Meisters Tendai Chigi (Zhiyi) aktuell eine Art Wiederentdeckung! Auch die Stellung der Laien in der Tendai Shû ist nach meiner [vielleicht falschen!?] Einschätzung eine recht untergeordnete - eher die von gläubigen Unterstützern. [Soweit ich weiß gibt es aktuell in Deutschland keine Tendai-Sangha; die in Frankfurt dürfte "Geschichte" sein.]

    Natürlich ist die Tendai Shû auch die Schule, aus der die japanischen Laien- und Mönchsordinationen hervorgingen, die heute noch dort und in der Sôtô Shû, der Rinzai Shû und der Jôdo Shû weitergegeben werden.


    Mit dem "echten", angewandten Nichiren-Buddhismus hatte ich bislang immer nur mit den Mönchen der Nipponzan Myôhôji-ha Kontakt. Andere Kontakte beschränkten sich auf elektronische Kommunikation, wo man schnell festgestellt hat, dass entweder größere räumliche Distanzen vorlagen, dass Internet-Auftritte nicht mehr aktuell sind oder das gar keine stehende Sangha (mehr) existiert, sondern vielleicht nur noch ein einsamer Priester oder Laie. Bei der SGI habe ich aus Vorurteilen nie reingeschaut, auch wenn man von Ikeda teilweise durchaus gute Sachen lesen kann.


    Meine Empfehlung könnte also dahin gehen, Kontakt mit der Nipponzan Myôhôji-ha aufzunehmen...

    Da ist aber der große Nachteil, dass die nächsten Dôjôs in Wien, Großbritannien oder auf Sizilien sind und auch die dazugehörigen Sanghas sind wohl eher klein. Auch handelt es sich bei den japanischen Mönchen, zumindest bei den beiden, die ich in Europa kennenlernen durfte, nicht unbedingt um Menschen, die gern viel in Englisch schreiben. Face-to-Face ist der Austausch, auch über den Dharma, wunderbar, aber beim Schreiben hält man sich doch eher knapp und manchmal kommt, wegen der eher unregelmäßigen Nutzung der Messager-Dienste, auch für ein paar Tage / Wochen gar keine Antwort.


    Lieber haiku1996,

    such lieber nach Gleichgesinnten in Deiner Nähe. Vielleicht findest Du ja eine unabhängige Sangha, die das Daimoku chantet.

    Wenn nicht gibt es vielleicht eine Sangha einer anderen Tradition, wo Du zumindest gemeinschaftlich Buddhismus praktizieren kannst und das Daimoku lässt Du dann in Deine "Privatpraxis" einfließen...!


    < gasshô >


    Benkei


    BuPôSo-en!

    Namaste!


    Selbst wenn das Unrecht sich mehr und mehr im ganzen Universum ausbreitet und den ganzen Dharma immer wieder zerstören würde, sogar dann gäbe es Befreiung dadurch, dass man kein Unrecht erzeugt.

    Dôgen Zenji "Shôbôgenzô Shoaku makusa"


    Selbst wenn das ganz Universum nur aus einem Haufen Idioten bestünde, die nichts anderes machen würden als alle Arten von idiotischen Sachen, gibt es immer noch Befreiung dadurch, dass man einfach kein Idiot ist.

    Brad Ôdo Warner's Interpretation in seinem "Don't be a Jerk"


    < gasshô >


    Benkei


    BuPôSô-en

    Namaste!


    Rev. Kôshin Ôgui (*01.01.1940, ehemaliger Sôcho [Bischof] der Buddhist Churches of America [BCA, amerikanische Jôdo Shinshû Nishi Hongwanji-ha]) hat mit seinen Zen-Shin-Talks bzw. seiner Zen-Shin-Praxis dem Dharma mit Sicherheit einen großen Dienst erwiesen. Allerdings werden entsprechende Aktivitäten, also den Shin-Buddhismus mit einer Meditationspraxis zu verknüpfen, vom japanischen Muttertempel allenfalls geduldet, keinesfalls unterstützt oder gar forciert.

    In den USA sind shin-buddhistische Tempel mit Meditationsangebot mittlerweile immerhin keine Seltenheit mehr, aber in Japan und selbst in Europa begeben sich die Priester da auf "nicht ganz so sicheres Eis".

    Schade ist das allemal.


    "Shinran verstehen" klingt für mich seltsam...

    Shinran Shonins Schriften sind ja nicht so "kryptisch" wie z. B. Dôgens Shôbôgenzô, nur leider liegt für Shinran nicht alles in Deutsch vor.

    Ich weiß nicht, ob man Shinran "verstehen" muss... man kann sein Denken, sein Handeln und seine Entscheidungen (zumindest halbwegs) nachvollziehen, wenn man einige seiner Schriften gelesen hat. Die Frage ist dann aus meiner Sicht eher, inwieweit man Shinrans Erfahrungen, seine Entscheidungen und sein Leben als Beispiel fürs eigene Leben nimmt oder nicht; also ob man es Shinran gleichtut und das "Nenbutsu der Anderen Kraft" annimmt oder nicht. Hierfür ist der Tendai Shû-Kontext natürlich auch wissenswert, da das Tendai-Mönch sein auf dem Hiei-san ja Shinrans frühe Jahre bestimmt hat.


    Ob man sich dafür eingehender mit Zhuangzi oder Tendai Daishi (Tiantai) und deren Schriften befassen muss, weiß ich nicht.

    Zhuangzi und auch Tiantai haben da vielleicht sogar eine andere Zielsetzung und mit Sicherheit eine andere Herangehensweise.


    < gasshô >


    Benkei

    Namaste!

    Über ein paar der Videos bin ich auch schon "gestolpert" - sehr tolerant, aufgeschlossen und undogmatisch, der John.

    Leider kommt es nicht so häufig vor, dass offizielle Shin-Anhänger sich öffentlich mit Texten und Lehren anderer Schulen auseinandersetzen, vielleicht vom Pali-Kannon und von einigen Aspekten des Sôtô-Zen mal abgesehen.


    < gasshô >


    Benkei


    Namo-Amida-Butsu

    Namaste!


    Guido nimmt gern die Aussagen und Selbstbetitelungen einiger "Zen-Meister" unter die Lupe und stellt dann klar, ob sich jemand (nach japanischen Maßstäben) Zen-Meister nennen könnte oder nicht - sprich es geht um authentische Dharma-Übertragung durch einen autorisierten und offiziellen Zen-Meister.

    Das ist aus meiner Sicht was Gutes, denn solche Herren bezeichnen sich hierzulande ja sogar selbst als "Zen-Meister" und werben damit, obwohl teilweise fraglich ist, ob sie von ihren jeweiligen asiatischen Lehrern überhaupt die Erlaubnis haben, zu lehren - um es mal ganz überspitzt darzustellen.


    Und er demontiert gern nicht-japanische asiatische Lehrer, die offiziell nach dem Vinaya ordiniert sind und leben, im Westen aber Besitz über eigene Firmen und Gesellschaftskonstrukte anhäufen und im Geheimen fragwürdige Sexualleben führen.

    Auch das sehe ich als legitim und auch nützlich an.


    Solche Infos ermöglichen dem potentiellen Schüler genauer zu prüfen, und ggf. den potentiellen Lehrer mit solchen Infos zu konfrontieren.



    Und die Übersetzungs- und Verlagstätigkeit ist natürlich auch verdienstvoll.

    Ich bin froh über jedes Dharma-Buch, das ich nicht mühsam auf Englisch lesen muss, und der Angkor Verlag ist glücklicherweise bei seinen Übersetzungen nicht so "abrahamitisch-lastig" wie andere, insbesondere Ältere Übersetzungen asiatischer Texte.


    Ich denke schon, das Guido der buddhistischen Sache schon sehr dienlich ist! [Vielleicht etwas rüpelhaft ausgedrückt!]


    < gasshô >


    Benkei

    Namaste!


    Vor ein paar Tagen habe ich das Buch „Weil es Zen macht! Glücklich leben ohne Buddhismus“ von Meister Bo zu Ende gelesen. In dem kleinen Taschenbüchlein werden in 44 kurzen Kapiteln verschiedene Themen aus den Bereichen „Buddhismus“ und „Zen“ behandelt und in konkreten, ganz allgemeinen Lebenssituationen behandelt.


    Ich hatte das Werk nicht von Anfang bis Ende normal gelesen, sondern mir jeden Morgen ein Kapitel vorgenommen, welches mich dann Themen-mäßig durch den Tag begleitet hat und mir so immer mal wieder ins Gedächtnis kommen konnte.


    Die ersten sechs Kapitel versuchen, mit allgemeinen Vorstellungen und quasi-Dogmen des Buddhismus aufzuräumen und die gedanklichen / philosophischen Schwächen dieser Religion aufzuzeigen. So ein Unterfangen ist aus meiner Sicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn im Gegensatz zu anderen Religionen muss der Buddhismus, auch wenn einige seiner Konzepte durchaus Schwächen haben, immer recht gut wegkommen, wenn man sich beim Lesen vor Augen hält, wie sowas in anderen Religionen und Doktrin aussieht. So manch eine Schwäche wirkt dann andererseits auch subjektiv ganz sympathisch, und ich unterstelle dem Autor dann schon, dass der Versuch einer „Demontage des Buddhismus“ bewusst nur recht halbherzig unternommen wurde.


    Die 38 folgenden Kapitel widmen sich dann eher grob dem Themabereich, den ich als „Laien-Zen im Alltag außerhalb von Klostermauern“ bezeichnen würde. Sie werden mit japanischen Aussprüchen unterlegt, die ihren Ursprung wohl im Zen oder im buddhistischen Kontext hatten. Das geht wunderbar zusammen. Zu jedem Thema führt Meister Bo konkrete Situationen und Ereignisse aus seinem eigenen Leben an und berichtet, wie er sich – teils angemessen und teils unangemessen – in diesen Situationen verhalten hat und vielleicht auch, was er heute anders machen würde. Abschließend ruft er den Leser dazu auf, sich selbst und sein eigenes Leben in diesem Bezug zu beleuchten und zu überlegen, wie man angemessen agieren könnte.


    Für mich stellt das Büchlein einen wertvollen und wichtigen Beitrag zum Zen und auch ganz allgemein zum Buddhismus jenseits der Klöster und Retreat-Zentren dar; es richtet sich Menschen, die den Dharma im Alltag – im Beruf, Familienleben und in der Freizeit – umgesetzt wissen möchten, und für die Rinzai’s / Nansen’s / Jôshu’s / Unmon’s Ausspruch „Das alltägliche Leben selbst ist der Weg“ nicht nur eine leere Phrase ist.


    Ein wunderschönes Buch, das mir sehr gefallen hat und das ich bestimmt noch ein paarmal lesen werde. Natürlich eignet es sich auch sehr gut als Geschenk für den dogmatisch-angehauchten oder verknöcherten Dharma-Bruder bzw. die Dharma-Schwester auf dem Nachbar-Zafu im Dôjô oder für den von Heiligkeit bedrohten Dharmafreund.


    Vielen Dank und Ehrerbietung an Meister Bo!

    < gasshô >


    Benkei


    Namo kie Bu-Pô-Sô!