Leben ohne Leid?

12 Antworten. Letzter Beitrag () ist von kesakambalo.

  • Hallo,


    Der Buddhismus hat ja das Thema Leid schon als zentrales Element in seinen Schriften.


    Jemand, denn ich sehr schätze hat mir heute zum zweiten Mal versucht folgende Botschaft zu erklären, nämlich, dass fast alle Menschen Probleme haben, dass es viele schwere chronische Erkrankungen gibt, ABER das all das nicht beinhaltet, dass man deshalb Leid empfinden muss.


    Und nach dem ich zwei mal nachfragte und es noch immer nicht verstand, wie er das gemeint haben könnte stelle ich die Frage in die Runde, weil 3 x fragen wäre mir peinlich gewesen.


    Der Mann meditiert 2 x täglich, einmal am Morgen, einmal am Abend regelmäßig, er meinte, wenn ich das endlich mal machen würde, würde ich kein Leid mehr empfinden. Er ist übrigens Christ. Vielen Dank falls jemand eine Erklärung dazu einfällt, vielleicht ist sie auch ganz einfach und mein Intellekt ist nicht ausreichend. LG Son

  • Bei körperlichen Schmerzen letztens ist es mir für Augenblicke gelungen, das Gefühl nur als Gefühl wahrzunehmen, nicht als mein Gefühl. Da war dann so eine Distanz dazu, dass nur mehr ein wenig unangenehm war, was ich vorher kaum ertragen konnte. Das war nur ganz kurz, um gar nicht mehr zu leiden gehört wohl mehr dazu als nur Morgens und Abends zu meditieren.

  • Hey,

    ich kann nicht sagen dass ich kein Leid mehr empfinde. Aber mit Achtsamkeit kann ich mittlerweile mit einer gewissen Standhaftigkeit vielen Dingen ins Auge sehen, die mich früher weggespült haben.


    Pain Is Inevitable; Suffering Is Optional | Psychology Today


    Pain Without Suffering - Tricycle: The Buddhist Review


    Ich würde sagen, je achtsamer man den Schmerz betrachten kann, desto weniger Macht hat er. Es ist etwas knifflig zu beschreiben - ist ha nicht so dass man keinen Schmerz mehr empfände! Aber ich empfinde es so: Wenn ich wirklich von Herzen sagen kann "Ja. Ich akzeptiere, dass das jetzt ein Teil meiner Existenz ist." dann gewinnt das Ganze eine neue Dynamik.

  • Die Person, die mir das mehrfach versucht hat zu erklären ist mein bester Arzt und fast väterlicher Freund. Er meinte es ernst, viele Dinge im Leben sind schlimm, aber so wie ich es verstanden habe ist für ihn Leid eine Entscheidung, das kommt am ehesten hin. Als langjähriger Arzt sollte er wissen, von was er spricht, er lebt es glaube ich, er hat ja immerhin mit "Leid" sein Leben lang zu tun gehabt und teilweise fatales Leid, er hat einen Weg für sich gefunden, LG Son

  • Der Mann meditiert 2 x täglich, einmal am Morgen, einmal am Abend regelmäßig, er meinte, wenn ich das endlich mal machen würde, würde ich kein Leid mehr empfinden. Er ist übrigens Christ. Vielen Dank falls jemand eine Erklärung dazu einfällt, vielleicht ist sie auch ganz einfach und mein Intellekt ist nicht ausreichend. LG Son

    Eigentloch schwierig als Buddhist zu erklären was ein Christ zur Leidlosigkeit sagt. Wahrscheinlich wird es auch eine andere Meditationspraxis sein.

  • ABER das all das nicht beinhaltet, dass man deshalb Leid empfinden muss.

    Hallo,

    meine Interpretation davon wäre, das manche Menschen dazu neigen, sich aufgrund ihrer Probleme runter ziehen zu lassen. Sprich, das man unter seinen Problemen oder Erkrankungen leidet, was nach seiner Auffassung nicht sein muss.


    So wie ich die Aussage interpretiere, fände ich sie zu starr. Es wird jeder seinen eigenen Weg haben, für sich am Besten mit Problemen und Leiden umzugehen. Für mich habe ich die Erfahrung gemacht, das es gut und richtig ist, das "darunter leiden" erst Mal als Daseinsberechtigt zuzulassen. Es achtsam wahrzunehmen und seine Anwesenheit zu akzeptieren und es nach etwas Zeit wieder loszulassen.

  • Das ist halt die Frage, was meint man eigentlich mit den Begriffen. Ich nehme an, dass "Leiden" in dem Zusammenhang heißt, von den Schmerzen, seien es emotionale oder körperliche, weggespült zu werden, sich drin zu verlieren, Widerstand zu leisten, zu versuchen zu entfliehen. Dann leidet man, verstrickt sich, und die energetischen Kosten der Sache wachsen exponentiell an, bis man völlig erschöpft ist.


    Aber bleibt man achtsam, ruht in sich, akzeptiert es, ohne mehr daraus zu machen als nötig, dann kann man es ins Leben integrieren und seinen Weg weiter gehen, ohne davon aus der Bahn geworfen zu werden. Das heißt nicht, dass man nicht mal niedergeschlagen ist und weint, oder dass man keine unangenehmen Erscheinungen mehr hat. Nur, dass man nicht mehr daraus macht als nötig, bei sich bleibt, und lern, eine Grundachtsamkeit zu wahren, den Beobachter nicht zu verlieren.


    Womöglich willst du ja diese Person mal fragen, ob es das ist, was sie meinte; und welche Art von Meditationstechnik sie als Christ praktiziert. (Ich tippe ja auf Zen).

  • Was Leid ist, und woraus es entspringt, darüber wurde schon viel diskutiert, gemutmaßt und philosophiert.

    Man glaubt die Ursachen für Leid in der Unwissenheit zu kennen, und verkennt dabei, dass die Unwissenheit nebenher auch der Grundstein der Existenz der menschlichen Individuen ist, so die Lehre im Buddhismus.


    Ohne die Verblendung der realen Wirklichkeit gäbe es kein „Ich, Mein, Selbst“ und von daher auch keine Begehren, welches ja als unmittelbares Urgestein des Lebens und des Leides gilt.

    Ohne Leid und den Ursachen für Leid gäbe es also den Menschen und seine Welt nicht.


    Deshalb: ohne Leid, kein Samsara!


    PS: Leid als notwendiges Übel………die Katze beißt sich in den Schwanz :?

  • Wenn kein festhalten der Umstände, Schmerzen etc ist, oder aber auch kein Widerstand dagegen, dann bedeutet das natürlich dass diese Dinge ins Bewusstsein auch weiterhin ins treten können. Aber durch das Nichtbestehen der Geistesgifte wie Anhaften oder Aversion auf Umstände bezogen, wird nicht mehr Leid in der Dimension entstehen, welche man allgemein als Leiden versteht: Schmerzen ja, Trauer ja, unangenehme Empfindungen ja.. aber sie finden keinen Halt weil da kein Greifen und kein Wegstoßen mehr ist. Die Dinge sind wie sie sind, ohne daraus eine Story zu entwickeln

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Son Ich hab da eine Trennung gefunden zwischen Leiden und Empfindungen spüren. Ich hab früher viel gelitten weil ich die Empfindungen als meine Empfindungen gesehen habe. Schwer zu beschreiben.

    Nicht als Spaltung erkennen, so alsob da ein Körper und ein ich ist oder als Einheit da ist ein Körper das ein Ich ist.

    Wenn das so gesehen wird kommt es zum ignorieren oder zum sich identifizieren.

    Das sind die Extreme zwischen denen nun der mittlere Weg erfunden werden müsste.


    Das ist mein Weg durch Leiden. Immer sich fragen, bei Empfindungen, sind die da durch mein Nachdenken oder sind die da weil sie da sind. Mein Problem sind Schmerzen und ihre Ursachen. Es geht bei mir immer darum ob sie nun organisch oder Neuronal sind. Wobei das schon bescheuert erscheint, weil ja Nerven die Signale weitergeben. Aber es gibt eben auch Schäden der Signalleitungen.

    Egal woher verursacht ich darf das weder ignorieren noch mich damit identifizieren.


    Denn beide Arten sind meine Schmerzen! Da gibt es keinen Zweifel es betrifft mich, die Einsheit.

    Doch das Leiden wird zu Dukkha wenn ich als Ego handle und die Schmerzen als meinen Besitz erkenne. Das sind dann nicht mehr nur Schmerzen der Einsheit sondern vor allem Schmerzen die zu einem Ego gemacht wurden vom Ego. Dann kommt es erst zu einem aus dem Kontext nehmen.


    Das Leiden wird separat betrachte alsob es ein Eigenleben hat. Es ist nicht mehr ein Empfinden das eine Ursachen-kette hat sondern ein Leiden das einzelne Ursachen hat, die Kette der Ursachen wird in Glieder geteilt und dies als Individuen betrachtet. Da ist nicht mehr Empfinden sonder Ablehnung oder Annehmen der Ursache die als Einzelobjekt betratet wird. Ich will diese Krankheit nicht haben oder die Krankheit gehört zu mir.


    In der Lehre Buddha kann man das an der Kette des bedingten Enstehens erkennen. Da kann Buddha noch so oft sagen das es diese Kette nur als Ganzes gibt, das die Glieder nicht Individuen sind, Nie abgetrennt von allen anderen Glieder erscheinen, nur betrachtet werden. Die Glieder erscheinen nur im Denkprozess und nur das Ego kann sie einzeln zu seinem Besitz machen.


    Die Leber ist kein Individuum! Genau das Gleiche gilt für alle einzeln betrachtbaren Teile des Körpers. Sie sind nur im Denken Individuen, Objekte meines Besitzens, meines Leidens. Die Leber ist schuld!


    Das meint dein Arzt! Es ist nicht deine Leber (Von mir ausgewähltes Objekt) nur weil Du sie als Objekt deines Leidens erkannt hast. Diese Identifikation mit Objekten muss überwunden werden damit ich meine Leber, bei mir Nerven, nicht als einzeln Verursacher sehe. Ich bin nicht meine Nerven die einen Schmerzweiterleitfehler aufweisen. Ich habe Schmerzen und es sind nicht mehr Schmerzen die von Helmut in Besitz genommen werden können. Es sind Empfindungen denen nachgegangen werden muss ob sie durch die Nervenschäden verursacht werden oder durch ein per Untersuchungsbefund anders organisch sind. Meine Befunde sind für mich wichtig. Gibt es Befunde von Schmerzen die organisch nachweisbar sind gibt es Behandlungen. Gibt es keine Untersuchungsbefunde weiß ich das es der Nervenschaden ist der die Empfindungen verursacht. Schmerzleitungen funktionieren in beiden Richtungen, bei mir kann ein Anstoßen zu einen Schmerzempfinden an dem Ort des Stoßen wahrgenommen werden und später irgendwo im Körper Schmerzereignisse hervorrufen die als Ursache den Stoß haben aber im Empfinden weit von diesem Ort verortet werden, werden jetzt auch diese Orte behandelt kommt es zu einem echten Chaos das man dann Fibroschub nennt.


    Mein Problem ist auch dein Problem: Wie kann ich lernen welche Empfindungen echte Empfindungen der Einsheit sind und welche Ego-istisch/Sich identifizierend mit?


    Mein Freund im Geiste. Es geht ausschließlich mit der Lehre Buddha, nicht mit irgendeiner Religion! Buddha macht es in seiner ersten Rede (SN 56.11) an die fünf Freunde sehr sehr deutlich in den ersten Sätzen die er zu ihnen sagt. Das danach gesagte ist, das alles bedingt entsteht, alles sich verändert und alles unpersönlich ist macht klar was den mittleren Weg gangbar macht. Der ganze Rest ist Philosophie die hilft diese erste Rede erfahrbar zu machen.

    Das ist nicht Mein, das ist nicht Ich, das ist nicht ich Selber.

    Das trifft auch auf dieses zu das ich schreibe und sehr versucht habe Identifikation mit zu verhindern.


    Ps Würde mich interessieren ob ich auch bei deinem Arzt verständlich bin.

    Ich wünsche mir das eines klar geworden ist das es ein Leben ohne Dukkha geben kann für Menschen, aber nie ein Leben ohne Leiden jedes fühlenden Wesens.

    Ende der Fahnenstange, und nu?

    liebe Grüße. Helmut


    Einmal editiert, zuletzt von Ellviral ()

  • Das erste was ich mich gefragt habe, ob es in diesem Leben möglich ist, das Leid gänzlich zu tilgen. Meine Antwort war nein. Solange wir Menschen aus belebter Materie bestehen kund diese Materie sich ständig ändern kann ist es deshalb ständig möglich dass Leiden entsteht. Dieses Leiden kann körperlich oder psychisch sein und auch verschiedene Ausmaße annehmen.

    Nach welcher Methode er meditiert habe ich mich auch gefragt, denn der 8 fache buddhistische Weg ist religiös

    neutral. Die Länge und Häufigkeit der Meditationen ist nicht ausschlaggebend für das spirituelle Voranschreiten.