Posts by Karnataka

    Weiter lautet der sehr interessante Text zum Madhyamaka:


    In der Shentong -, die "Leer von Anderem"- Schule wird gelehrt, daß alle Phänomene von Samsara und Nirvana grundsätzlich von der Natur des Geistes sind, daß sie also der Geist selbst sind. Es wird erklärt, daß die Natur unseres Geistes Leerheit und Bewußtheit ist, und daß diese beiden seit jeher untrennbar voneinander sind, eine Einheit bilden. Jedes Wesen hat diesen Geist, der Leerheit und Bewußtheit untrennbar ist. Es wird erklärt, daß es offensichtlich ist, daß jedes Lebewesen ganz natürlicherweise ein gewisses Maß an Mitgefühl und Intelligenz hat. Dies ist ein Hinweis darauf, daß der Geist zugleich leer und bewußt ist und genau dies ist die Buddha-Natur, das Potential für Buddhaschaft, das jedem Wesen innewohnt.

    Wie kommt es dann dazu, daß wir die Illusion der bedingten Existenz erleben, wenn doch alle Wesen diese Buddha-Natur haben? Die Erklärung zu dieser Frage wird an Hand von drei Punkten gegeben: Das "Konzepthafte", das "Abhängige" und das "Vollkommene".

    Das "Konzepthafte" beschreibt die Art und Weise, wie und warum wir unsere Illusion erfahren: Die Gesamtheit der äußeren Phänomene erscheint uns aufgrund der Gewohnheitstendenzen in unserem Geist als wirklich, obwohl sie nicht wahrhaft existent sind. Aufgrund dieser Tendenzen haben wir den Eindruck, daß die Phänomene außerhalb wirklich existent sind.

    Das "Abhängige": Hier wird die Erklärung gegeben, daß unser Geist von Natur her "Klares Licht" ist, oder in anderen Worten - daß der Geist die Einheit von Raum und Bewußtheit ist. (...)



    Überlegungen dazu:


    Zunächst wird über die Philosophie der Shentong Schule gesagt, dass demnach alle Phänomene von der Natur des Geistes seien. Sicher lässt sich nicht bestreiten, dass unser Geist bestimmt, wie uns jegliche Phänomene erscheinen. Allerdings meint der Begriff Phänomen per Definition nur die Dinge, die wir im Bewusstsein haben.

    Dass die einfachsten Lebewesen schon „fühlen“, unterscheiden, keine leblosen Automaten sind, gibt einen Hinweis, dass die Natur des Geistes schlichte Bewusstheit ist. Diese ist im existentiellen Sinn als leer zu interpretieren. Auch spricht der Autor nun von „Buddha-Natur“, die sich offenbar also auf die grundlegende Eigenschaft von Lebewesen bezieht oder daraus einen Hinweis gewinnt.

    Wie kommt es zum Erleben der bedingten Existenz, die der Autor an dieser Stelle als „Illusion“ charakterisiert? Dafür nennt er drei Aspekte.

    Es geht einmal um das „Konzepthafte“ des Geistes. Dieses bedeutet: Die Gesamtheit der äußeren Phänomene erscheint uns aufgrund der Gewohnheitstendenzen in unserem Geist als wirklich, obwohl sie nicht wahrhaft existent sind.

    Ich würde hier auf Sauberkeit der Sprache bestehen. Einmal ist es verwirrend, von „äußeren Phänomenen“ zu sprechen. Gemeint ist die Außenwelt, die wir (zunächst?) als gegeben setzen sollten. Zweitens sollten wir meines Erachtens zwischen „nicht wahrhaft existent“ und „Illusion“ unterscheiden. Man wird durch den Begriff der „Illusion“ dem Problem von Existenz und Nicht-Existenz nicht gerecht, finde ich.

    Vermutlich muss man auch zwischen jeweiligen Einzelheiten und der „Gesamtheit“ der Außenwelt unterscheiden. Wenn ich den Gegenstand Schreibtisch als wesentlich durch geistige Konzepte charakterisiert erkenne, folgt daraus ja nicht, dass die Außenwelt in ihrer Gesamtheit bloß Illusion sei.


    Der zweite Aspekt für das Erleben der bedingten Existenz wird das „Abhängige“ genannt. Als Erklärung wird gesagt, dass unser Geist seiner Natur nach die Einheit von Raum und Bewusstheit ist. Er besitzt daher eine Erscheinungsform, ist Klares Licht. :angel:

    Gerade bei dieser Äußerung kann Jeder diesen Zusammenhang selbst überprüfen:

    YouTube

    Stehen denn die Zitate im Widerspruch zum Zusammenhang? Für mich nicht.


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    Eine Überlegung zu Film und Interview:


    Ich könnte mir vorstellen, dass die große Attraktivität des Diamantwegs besonders auch auf einer bewusst offenen und modernen Einstellung zum Leben in Verbindung mit Spiritualität und Buddhismus beruht. Und das bedeutet unter anderem: Romantik, Erotik, Flirten sind nicht länger pfui.


    Vielleicht erzählt Ole daher gar nicht nur aus Gründen der Selbstdarstellung von zig sexuellen Begegnungen, die er hatte. Genauso wie die Botschaft, dass Moralapostel und „Mönche“ wenig erwünscht sind, gehört dies zum Programm des Diamantwegs. Wir Buddhisten wollen endlich einen fröhlich freien Zugang und eine ungetrübtes Verhältnis auch zum Sex. Und man kann ja seine Freude über viele „resultierende“ Kleinkinder mitteilen, indem man sagt, ihre gute Entwicklung gibt Hoffnung für die Zukunft.


    Aber Nydahl drückt dies eben in sozialdarwinistischer Weise aus: Das deutsche Volk müsse durch möglichst viel demokratisch erzogenen Nachwuchs für die Zukunft gegenüber dem Zuzug anderer Menschen gestärkt werden.

    Natürlich ist der von Nydahl überaus geprägte Diamantweg ein Buddhismus, zumal die speziellen Meditationen eben Teil des buddhistischen Spektrums sind. Insofern aber unter Buddhismus eine Ethik des Mitgefühls verstanden wird, habe ich nun große Zweifel.

    Sehen wir die zusammengetragenen Zitate (bereits aus den frühen 90ern): Da ist ein ständiges Denken in Überlegenheit und Unterlegenheit, da werden Intellektuelle als Schwächlinge verunglimpft und Ethik als Angelegenheit verwirrter Moralisten, Humanisten und Langweiler betrachtet.

    Zugleich das Hohelied für die Menschen der eigenen Art, an das volle Leben und die urwüchsige Kraft, ja an die Kampfbereitschaft, die sich nicht länger von trägen Bürokraten, engstirnigen Moralisten etc. zügeln lassen will.

    Die im Bericht zusammengetragenen Zitate zeigen für mich doch ein ideologisches Fundament. So spricht jemand, der anhand einer bestimmten Literatur sein Weltbild gefunden hat. Nydahl scheint mir ein gestandener Vertreter einer Denkweise, die ich gewissermaßen als Gegenstück zu einer Ethik des Mitgefühls und der Nächstenliebe sehe, die diese Werte in Wahrheit vernichten will.

    In Anbetracht der langen Litanei an zweifelhaften Aussagen, speziell zum Charakter anderer Völker, steht für mich fest, dass die aktuell diskutierten Statements keine Entgleisungen in zugegeben sehr problematischen und verwirrenden Zeiten sind, sondern überaus bewusste Aussagen. Vielleicht sogar bewusste Provokationen, die einer rechtspopulistischen Strategie der Provokation entsprechen, die leider nur allzu gut funktioniert.

    Zitat

    ich habe vor kurzem "Leerheit und Abhängiges Entstehen" von Jampa Tegchok gelesen


    Bei den Tibeter gibt es zwei verschiedene Schulen, die bezüglich Leerheit zwischen: "Rangton" und "Shentong" unterscheiden:


    Aus Buddhismus heute


    Interessant! Wusste nicht, dass die Philosophie der Leerheit mit der Sicht des Klaren Lichts kompatibel ist. Da wird sie mir gleich sympathischer! :D


    Der Text nennt für das Verständnis der Leerheit den Mittleren Weg, der den Phänomenen weder absolute Existenz noch Nicht-Existenz zuschreibt. Was ja aus meiner Sicht schon daher eine Tatsache ist, wenn man bedenkt, dass sämtlich Wahrgenommenes immer nur im jeweiligen Augenblick wahrhaft für uns existiert. Gewissermaßen existiert es aber auch nicht, denn jeder Augenblick ist gleichermaßen immer schon vorbei.


    Interessant, dass der Autor dagegen den Glauben an die absolute Nicht-Existenz als ein Leugnen bezeichnet. Er legt zudem nahe, dass ein solcher Glaube an Nicht-Existenz versteckt die gegenteilige Ansicht in sich tragen würde, scheint mir.


    Er kommt dann zu einer interessanten Ausdrucksweise: Die Sichtweise, die derart entsteht, ist frei von vorgefassten Meinungen bezüglich der Seinsweise aller Phänomene! Später heißt es, dass es die Grundlage für den Weg sei, sich von vorgefassten Meinungen zu befreien. Es geht also um einen Zustand, der frei von Einbildung wäre.


    Aus meiner Sicht lautet die ehrliche Definition für so einen Zustand: Es ist mir nicht möglich, diese Wirklichkeit absolut zu verstehen.


    Diese Einstellung scheint mir mit einem säkularen Buddhismus kompatibel. Denn ich glaube, dass es für Säkularismus und Aufklärung konstitutiv ist, die eigenen kognitiven Möglichkeiten zu hinterfragen. Daher kann es aus säkularer Sicht kein absolutes Wissen über die Seinsweise der Phänomene geben.


    Doch vollzieht der Text nun jenen Nāgārjuna Schritt zu einer Unterscheidung von relativer und letztendlicher Wahrheit. Das Erscheinen der Phänomene wird als relative, deren Nicht-Existenz als letztendliche Wahrheit betrachtet. Dazu heißt es: Diese beiden Aspekte der Wirklichkeit bilden eine Einheit, sind nicht voneinander zu trennen.


    Diese an sich richtige Unterscheidung birgt aus meiner Sicht aber ein Problem. Denn das Rätsel, das ich zu Existenz und Nicht-Existenz „in meinem Kopf“ habe, wird damit zu einer gültigen Beschreibung der Wirklichkeit erhoben.


    Der Funktion einer Religion ist solcherart aber gedient. Schließlich werden sich die Anhänger einer Religion kaum treffen, um feierlich ihr Nichtwissen zu zelebrieren. Noch weniger werden sie religiöse Werte fürs Zusammenlaben damit autorisieren, indem sie zugeben, die Wirklichkeit nicht zu verstehen.


    Auch der Text kommt nun auch zu den buddhistischen Werten und ordnet Mitgefühl stärker der relativen, Weisheit aber stärker der letztendlichen Ebene zu. Die freudige Anstrengung gilt beiden Ebenen. Gemeinsam kommt es zur Verwirklichung.


    Der Autor kommt nun zur Shentong Schule. Endlich! Aber ich mach Schluss für heute. :P

    Ein Geldstück ist ein gutes Beispiel, weil es symbolisch schon lange für etwas steht, dem ein Wert zugewiesen wird, den es materiell gar nicht hat, und für jeden, der es besitzt, hat es einen anderen Wert, weil er damit etwas anderes kaufen will oder es zurücklegen will.


    Ein Geldstück ist dann zusätzlich auch noch auf einer anderen Ebene "leer": geht man auf die Ebene der Quanten, findet man keine "Materie" mehr.


    Trotzdem kann man das Geldstück nehmen und damit bezahlen, und es ist sogar ein Tauschwert festgelegt, der halbwegs stabil ist. Es hat also eine triviale Wirk-lichkeit, obwohl es wie alle Phänomene leer ist.

    Ich mag das physikalische Argument zur Leerheit nicht akzeptieren. Einmal zeigt sich das Geldstück ja gerade im Unterschied zur Teilchenphysik als sehr real. Man kann es in die Hand nehmen, es ist weder unscharf noch eine bloße Wahrscheinlichkeit.

    Besonders aber sehen die Physiker rätselhafte Phänomene, wenn sie durch ihre Elektronenmikroskope linsen. Und sie erklären dies mit einer Wirklichkeit, die überhaupt nicht leer ist oder wo der Existenz was fehlen würde. Das würde den physikalischen Gesetzen widersprechen.

    Leerheit ist ein logischer Begriff. Wir sagen beispielsweise, dass unser Glas leer wäre, meinen damit aber keine echte Leerheit. Daher zeigt sich aus meiner Sicht auch für die Physik ein abhängiges Entstehen, doch lässt sich daraus keine Leerheit folgern.

    Ich glaube, dass die Werte, für die der Buddhismus steht, durch den DL genügend gefestigt sind. Es ist sehr wichtig, auf diese Werte beharrlich hinzuweisen. Vielleicht laufen Nydahl jetzt einige Menschen zu, langfristig glaube ich aber doch, dass er seiner eigenen Organisation Schaden zufügt.


    Ich kenne mich da wirklich kaum aus, aber: Aus meiner Sicht ist es absolut wichtig, dass der Diamantweg im Verband des Buddhismus (in Deutschland) bleibt – falls das überhaupt zur Diskussion stünde. Ich vermute auch, dass die schweigende Mehrheit der Buddhisten dies so wünscht.

    Der Diamantweg sollte sich auf keinen Fall zu einer esoterischen rechten Sekte entwickeln. Nydahl ist bald ein alter Mann, vielleicht ein schwieriger, alter Mann, der – so scheint mir – keinen mächtigen Nachfolger neben sich aufbauen wird können.


    Zum Vergleich mit dem Nationalsozialismus eine Anmerkung. Ein trauriges Beispiel geben die Richtlinien der Deutschen Christen von 1932. Dort heißt es: Wir wissen etwas von der christlichen Pflicht und Liebe den Hilflosen gegenüber, wir fordern aber auch Schutz des Volkes vor den Untüchtigen und Minderwertigen.

    Es ist interessant, das gleichzeitig wie im Mahāyāna die Idee von "Śūnyatā" auftauchte auch in der indischen Mathematik die Zahl 0 („śūnya“) auftauchte. So wie die 0 keine richtige Zahl sondern die Verneinung aller Zahlen ist, so ist das Verlöschen etwas was die normale Realität übersteigt.

    Die Verbindung von Religion und Mathematik taucht öfter auf.


    Für Platon war die Geometrie, etwa der Kreis, Urbild und kreisähnliche Dinge der Wirklichkeit waren Abbilder davon.

    Zugleich entdeckten die Griechen auch mit Schrecken, dass es irrationale Zahlen gibt, die nicht durch Brüche dargestellt werden können. Etwa die Kreiszahl Pi.


    Nach Wiki findet sich der erste Beweis für irrationale Zahlen in der Geometrie schon bei den Pythagoreern (Süditalien um 600 vor Chr.). Auch hier wird Mathematik als religiöses Wissen verstanden, das den Aufbau des Kosmos erklärt und ein Leben in Harmonie ermöglicht.


    Überhaupt entstanden die Schriftzeichen gemeinsam mit mathematischen Symbolen. Wenn ich Harari richtig erinnere, so schreibt er, dass die frühesten schriftlichen Dokumente wirtschaftlicher Natur sind. X schuldet Y drei Sack Weizen.


    Seit 1974 werden Radiowellen als Botschaft für Außerirdische ins Weltall gesendet. Dabei zeigt der erste Absatz die Zahlen 1 - 10 in binärer Codierung. Das gibt das Vokabular um die weitere Botschaft zu verstehen.

    Nach meinem Wissen sinken die weltweiten Mordraten kontinuierlich aufgrund starker Staaten und Rechtsysteme, die das gewaltsame Austragen von Konflikten unterbinden. Weltweit betrachtet ist die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden, in den letzten Jahrzehnten sicher gesunken.

    Sicher haben sich auch Kriege und Kriegsopferzahlen in den letzten Jahrzehnten drastisch verringert, wofür die wechselseitige Bedrohung durch Atomwaffen mitverantwortlich ist, aber auch die globale Wirtschaft und internationale Gemeinschaft. (Der Syrienkrieg ließ die Opferzahlen kurzfristig stark ansteigen.)

    Das mag jetzt etwas abgehoben klingen, aber wenn der Buddhismus von einem Nicht- Selbst ausgeht,

    was könnten wir dann lieben bzw. hassen? Eigentlich gibt es in uns Selbst nichts, das man greifen könnte, um es zu lieben oder zu hassen, denn dieses "Selbst" verändert sich ja permanent, gehorcht den Gesetzen des bedingten Entstehens u.s.w.

    Ich finde, dies ist überhaupt keine abgehobene Argumentation. Der Buddha hat die Selbstlosigkeit der Person gelehrt, also dass wir weder ein unabhängiges, teileloses und beständiges Selbst noch ein eigenständig-substanzielles Selbst besitzen. Auf ein derartiges Selbst kann sich Selbstliebe oder Selbstannahme also nicht beziehen, weil es diess nicht gibt. Worauf bezieht sich also unsere Selbstliebe und Selbstannahme und was ist Selbstliebe und Selbstannahme?


    Gruß Helmut

    Ich sehe das so:


    Sich auf sich selbst beziehen und dies als Ich zu benennen, ist eine kognitive Funktion. Da kann man nicht sagen, dass es diese Funktion nicht gäbe.


    Hinsichtlich einer höheren Wirklichkeit muss man zwischen Mahayana Philosophie der Leerheit und der Sichtweise von einem vergänglichen, abhängigen Selbst unterscheiden, würde ich sagen. Diesen Unterschied sprichst du ja auch indirekt an, glaube ich.


    Bezogen auf die erlebte Wirklichkeit stellt sich die Frage, ob unser Selbst in dem Sinn unabhängig ist, wie wir vielleicht meinen. Das könnte ein Bemühen um mehr Verbundenheit von uns fordern. So gesehen fordert Selbst-Mitgefühl dann das Bemühen um Mitgefühl für den Nächsten.


    Bezogen auf die Frage der Sterblichkeit wäre die buddhistische Position, dass jener unsterbliche Anteil nicht als Ich oder Selbst zu charakterisieren sei, würde ich interpretieren.

    Hochmut und Stolz


    Ich würde Stolz von Hochmut unterscheiden. Gemeinsam haben Stolz und Hochmut vermutlich, dass sich auch im Stolz die Vorstellung auf die eigene Person und ihr Wirken auf andere richtet.


    Hochmut bedeutet jedoch, andere herabsetzen zu müssen, um das geliebte Selbstbild aufrecht halten zu können, glaube ich. Das tut der Stolz nicht. Er dienst höchstens dazu, eine für den Selbstwert schwierige Situation erträglich zu machen: Zwar bin ich arm, doch habe ich meine Ehre…


    Stolz ist vermutlich eine angeborene Emotion, die kulturübergreifend erkannt wird (auch wenn Neugeborene sie vermutlich noch nicht brauchen). Kulturelle Aspekte bedingen dann, wie Stolz gezeigt wird. Ein Japaner wird vermutlich nicht mit seinem Reichtum prahlen, Trump darf es hingegen sehr ungeniert.


    Wenn ich eigene Stolzgefühle (im Unterschied zu einer selbstbewussten Haltung) mit Skepsis beurteile, dann, weil ich ihn als eine täuschende Emotion erlebe. Wenn ich beispielsweise eine künstlerische Leistung bringe und mich darüber so besoffen-selbstverliebt fühle, dann zeigt sich regelmäßig, dass ich genau diese Leistung etwas später im Gegenteil als gar nicht gelungen empfinde. Warum ist das so? :?


    Klar ist aber, dass nicht alle Menschen Gefühle in der gleichen Weise erleben. Wann, wie lange und mit welcher Intensität erlebt ein individueller Mensch was? Da gibt es (zum Glück) beträchtliche Unterschiede.

    Verstehe ich nicht. Maus ist ein Phänomen im Geist der Katze. Aber die Katze muss die Maus nicht als „Maus“ benennen können, um sie als Beute zu erkennen. Und die Maus existiert auch dann, wenn sie nicht im Geist der Katze ist. Dann ist sie zwar kein Phänomen, aber immer noch Maus.


    Aber vielleicht muss die Wirklichkeit der Maus Bewusstsein besitzen, damit die Maus überhaupt ins Bewusstsein der Katze gelangen kann?

    Existiert alles nur im Bewusstsein eines Gottes oder existiert es vielleicht gar nicht? Da wir nicht wissen, was die Begriffe Existenz, Bewusstsein, Gott usw. eigentlich genau meinen, gibt es diverse Möglichkeiten. :?

    Durch das Entstehen und die Veränderung der Dinge wird jedenfalls Zeit ersichtlich, ohne Dinge gäbe es sie nicht und ohne Zeit gäbe es keine Dinge. Es ist eher eine gegenseitige Abhängigkeit als dass Zeit von den Dingen geschaffen wird will mir scheinen.

    Für die Physik zeigt sich Zeit als eine Eigenschaft, genauso wie alles andere, scheint mir. Also stimmt das wohl, wie du sagst. Aus einer weniger korrekten Perspektive sagt man aber: Die Katze ist fünf Jahre alt. Da bedingen sich Katze und Jahre nicht gegenseitig, sondern die Jahre gehören zur Katze.


    Die physikalische Argumentation, dass sich Phänomene und Zeit gegenseitig bedingen, zeigt eine Art Mechanismus, würde ich sagen. Spricht man aber über Gedanken, dann kann man sagen, dass sie zum denkenden Menschen gehören.


    Wenn Kodo meint, Gedanken wären nur Magensaft oder so, so verkünde ich, dass sie nicht Magensaft, sondern Zeit sind. Wie gesagt lassen sich Gedanken im Unterschied zu Magensaft nicht beobachten, besitzen jedoch eine bestimmte zeitliche Dauer.


    Zeit zeigt sich ja als etwas ausgesprochen Subjektives, das in der Physik nie zur Sprache kommt, nämlich als Gegenwart. Die Physik weiß mit dem Begriff „Jetzt“ nichts anzufangen, scheint mir. Diese subjektive Gegenwart scheint dennoch das Allerwirklichste! Vergangenheit und Zukunft scheinen ja tatsächlich keine „Eigenexistenz“ zu besitzen! Alles existiert nur im jeweiligen Moment.


    Daher lässt sich nicht ganz unsinnig spekulieren, dass es für diese Möglichkeit des Gebens, welche dem Bewusstsein innewohnt, eine lichthafte Form der Unsterblichkeit braucht. :star:

    Energie steigt auch auf, wirkt und vergeht dann wieder. Ebenso wie der Körper auf den sie einwirkt entstanden ist und wieder vergeht. Das hat alles keine beständige Eigennatur und hängt von Bedingungen ab.

    Von den vergänglichen Dingen wissen wir, dass sie existieren. Früher dachte man Raum und Zeit als eine Art Eimer, worin sie sich befinden. Aber vermutlich schaffen sie die Zeit aus sich heraus.


    Gedanken haben gewisse Eigenschaften von „Zeit“. Sie besitzen keinen Körper und können im Unterschied zu Gehirnvorgängen nicht beobachtet werden, doch haben sie zeitliche Dauer.


    Wenn Dinge aus sich heraus Zeit schaffen, dann tun wir das also vielleicht auch, wenn wir denken. Ohne unserem Denken hätte die „Zeit“ zumindest keine Dauer. Physikalisch bewegen sich Uhrzeiger ja nur im Vergleich schneller oder langsamer. :?

    Einmal kann man ganz allgemein feststellen, dass Emotionen und Gedanken nicht fein säuberlich getrennt werden können. Als Gefühl sind sie ja verwoben. Unsere Freiheit betrifft besonders den Anteil des Denkens. Wie du sagst, kann man Gefühle beurteilen.


    Um den Stolz zu beurteilen, muss man vielleicht Stolz als Gefühl und Stolz als Haltung unterscheiden. Der „stolze Indianer“ meint was anderes als das tatsächliche Empfinden von Stolz im Hier und Jetzt.


    Die allermeisten Eltern empfinden in vielen Situationen Stolz für ihr Kind. Hier ist der Stolz ein hilfreiches, notwendiges, gesundes Empfinden, das dem Kind Selbstwert vermittelt, würde ich sagen.


    Ein Talent zu entfalten, das von anderen anerkannt und geschätzt wird, tut sehr gut. Die daraus resultierende Freude ist aber doch bei der Sache. Ich bin dann dafür glücklich, beispielsweise ein guter Fußballer sein zu dürfen und von den Menschen als guter Fußballer geschätzt zu werden. Und natürlich soll man sehr zufrieden sein, wenn es gelingt, dem eigenen Selbstbild zu entsprechen.


    Ich würde davon sehr wohl eine Art Rausch unterscheiden, wo emotionale Wellen aus welchen Gründen auch immer ein starkes Empfinden der Verliebtheit herstellen. Dies würde ich als Täuschung bezeichnen. Dieses Gefühl lässt sich durch Alkohol steigern und durch Inszenierung manipulieren.


    Das Täuschende am Stolz scheint mir, dass er sich nicht unangenehm anfühlt. Man ist daher geneigt, ihn auch positiv zu beurteilen. Daher ist interessant, eine starke Empfindung von Stolz nachträglich zu beurteilen. War sie angemessen oder war sie vielleicht im Gegenteil sogar ganz unpassend?

    Aus meiner Sicht eine sinnvolle "Praxis". Ich vermute, dass man bei Gefühlen oder Stimmungen, die mit Stolz oder Selbstzweifel (aber auch Konkurrenz oder Desinteresse) zu tun haben, oft eher den kognitiven Anteil wahrnimmt und nicht sogleich die emotionale Färbung des Denkens. Oder ist es für euch selbstverständlich, eine bestimmte Empfindung „live“ als Stolz benennen zu können? Daher macht die Auseinandersetzung auch Sinn, finde ich.


    Wenn bei mir so ein orgastisches Gefühl von Stolz hochkommt, bin ich sehr auf der Hut. Es teilt mir viel eher mit, dass da was mit meiner Wahrnehmung nicht stimmt! Dieses Gefühl, im Stolz zu baden, ist der Realität faktisch nie angemessen, so meine Erfahrung. Es unterscheidet sich für mich doch recht klar von einer freudigen Stimmung der Dankbarkeit, wenn ich Anerkennung durch Mitmenschen interpretiere und tatsächlich erlebe.


    Eine weitere Unterscheidung dürfte in der zeitlichen Länge eines Gefühls liegen. Selbstzweifelgefühle oder Hochmutsgefühle können eine „Charakter“-Eigenschaft, eine Stimmung oder bloß ein spontanes Empfinden bezeichnen. Auch der Begriff der "Würde" wäre zu erforschen. Im speziell religiösen Zusammenhang wäre übrigens zudem die Scheinheiligkeit zu diskutieren. Aber vermutlich betrifft diese eher die bewusste Täuschung, um das Ansehen bewahren zu können oder Ansehen zu erlangen.

    Stolz ist mit einer grossen Selbstzufriedenheit verbunden.


    Von daher ist es verführerisch, jemandem der mit sich im Reinen ist und so in sich Frieden gefunden hat, Stolz zu unterstellen. Zum Stolz gehören aber auch viele Negative Sachen wie z.B sich als besonders wertvoll und herausragend zu sehen. Stolz ist ein Defizit an Demut.


    Man kann aber doch ganz mit sich im Reinen sein, ohne deswegen überheblich zu sein.

    Überlegungen zum unangemessenen Stolz:


    Stolz meint ein Gefühl erhöhter Selbstachtung, das hauptsächlich auf die Vorstellung gesellschaftlichen Ansehens gründet. Umgekehrt signalisieren Empfindungen wie Erhaben, Ehrwürdig großes Ansehen für eine Person.


    Auskunft über die tatsächliche Qualität einer erbrachten Leistung gibt der Stolz eher nicht. Dafür ist der Rückblick ohne Stolz hilfreicher. Gegenüber dem Stolz ist also Skepsis angebracht. Dagegen scheinen mir ein gewisser Wunsch nach Anerkennung und die ehrliche Freude über Anerkennung ein sehr gesundes Empfinden und ein äußerst wichtiger Motivationsfaktor, sich besonders zu bemühen.


    Starkes Selbstvertrauen meint das Gefühl, Herausforderungen gewachsen zu sein. Übertriebener Stolz kann aber Selbstüberschätzung und Hochmut meinen. Thomas von Aquin nannte den Stolz angeblich sogar eine Hauptsünde.


    Den unangemessene Stolz könnte man als Kehrseite des übertriebenen Zweifels interpretieren. Beide können eine realistische Wahrnehmung und gelungene Interaktion mit anderen Menschen sehr beeinträchtigen. Im buddhistischen Kontext wären die Fähigkeit zu Beziehungen gegenseitiger Abhängigkeit und das Empfinden höherer Werte zu nennen, die der unangemessene Stolz beeinträchtigt.

    Ja, in der Tat. Es sind verschiedene Schulen mit verschiedenen Methoden und überall sind ernsthaft Praktizierende anzutreffen.

    Das ist nett gesagt – aber stimmt es auch ?


    Zen ist ja überaus streng und wird mit besonderem Ernst praktiziert. Dabei geht es sehr um die Form des Sitzens und das Klarwerden damit, würde ich sagen. Und hier im Forum? Ich glaube, niemand kann bestreiten, dass die Zen-Anhänger immer in Gedanken mit ihrer Praxis beschäftigt sind.


    Zum Praktizieren von tibetischem Tantra äußert sich der DL mit Skepsis. Er schreibt, viele tibetische und chinesische Buddhisten würden viel Zeit mit Mantra-Rezitationen und Gebeten verbringen, sich aber nicht viel dabei denken. Ohne Wissen um den buddhistischen Hintergrund scheint ihm dies nicht von großem Nutzen. Und hier im Forum? Ich glaube, dass ein solcher Vorwurf definitiv nicht gilt. Im Gegenteil sind die „Tibeter“ ständig gefordert, Rechenschaft zu geben, und tun das auch gerne. Auch die „Tibeter“ sind sehr mit ihrer tatsächlichen Praxis beschäftigt.


    Was ist mit dem Theravada? Theravada wird im Mönchstum praktiziert und von der Bevölkerung unterstützt. Im Forum bedeutet praktische Auseinandersetzung häufig das Studieren der Lehrreden. So gesehen scheint auch die kritische Auseinandersetzung mit der Frage, was Buddhismus ist, dieser Praxis zu entstammen.


    Ich würde Praxis aber schon auch in dem Sinn verstehen, dass man sich über sein eigenes Leben Gedanken macht. Die Lehre und das eigene Leben müssen ja irgendwie zusammenkommen. Um eine Praxis als ernsthaft beurteilen zu können, wäre für mich wichtig, dass authentisch aus dem eigenen Leben gesprochen wird.

    Das "ich als Weltling" Reden gildet eigentlich nicht. Der Stil: Die Erleuchtung sollen andere erreichen, ich erst mal nicht, ist buddhistisch gesehen irgendwie geschummelt. Das Ziel ist Null Begierde nicht anders diskutieren wir das in der geschlossenen Gruppe tibetischer Buddhismus.

    Wir reden da nicht über gelungene Beziehungen. Kann mal sein, aber das Ziel Null Begierde ist schon klar definiert.


    Find ich nicht geschummelt. Ich finde den Gedanken, dass viele Begierden in Wahrheit leidvoll wirken, komplett sinnvoll. Um dem Leid zu begegnen, müssen wir solche Wünsche und Leidenschaften sehr hinterfragen. Diesen Zusammenhang schätze ich sehr.


    Warum reden wir da nicht über gelungene Beziehungen? Vielleicht wäre es da wichtig, bewusster nach fürsorglichem und herzlichem Empfinden in sich zu forschen. Oder ist eine gelungene Beziehung kein Ziel? Wenn man länger allein lebt, dann hat man ja fast Angst davor, muss ich zugeben.


    Vielleicht ist es ebenso wichtig, sich überhaupt von der Welt distanzieren zu können, um großem Leid zu begegnen. Aber das muss nicht immer und überall gelten. Sonst wäre eine solche Distanz aus meiner Sicht keine Befreiung sondern bloß frustrierend.
     

    Daher kann ich auf die Frage, ob ich Buddhist bin, antworten: Oh doch, aber ich bin Weltling! :D

    Hallo!


    Ich habe mich lange mit Mitgefühl beschäftigt. Zuerst wurde mir der Satz des DL wichtig, dass Mitgefühl und Liebevolle Güte zwei Seiten einer Medaille wären. Ich fand einen stärkeren Zugang zur Liebevollen Güte, die den Fokus eher auf die Mit-Freude als auf das Mit-Leid legt.


    Nach meiner Auffassung liegt der Sinn dieser Meditationsform darin, zu erkennen, wie wohl uns selbst ein tiefes Empfinden für andere tut. Diese einfache Erfahrung von der Quelle inneren Glücks scheint mir sehr wichtig und ist für mich das Wesen von Spiritualität. Ein Wissen, das nicht mehr verloren gehen kann.


    Ob ein regelmäßiges Training die Persönlichkeit darüber hinaus bleibend weiter entwickelt, weiß ich nicht genau. Ich trainiere leider schon länger nicht mehr.


    Ich weiß mit Selbst-Mitgefühl ehrlich nichts anzufangen. Für mich verhält es sich eindeutig umgekehrt. Indem es gelingt, sich kurz ein wenig von der eigenen Egozentrik zu verabschieden, bereinigt sich der Bezug zu uns selbst auf wundersame Weise.


    Wir haben das im Forum aber schon ausführlich diskutiert. Jeder hat seine Ansicht und bleibt dabei.

    Mir geht es nichtt darum, das abzuerten (oder aufzuwerten). Nur darum, zu verstehen, was da für eine Transformation stattgefunden hat. Einerseits hatte die buddhitische Philsophie ja ganz viel Offnheit und Dikussion reingebracht. Andererseits führte dieses Offenheit zu einem Zerfall der Sangha in die unterschiedlichen Gruppen und Lehrmeinungen. Und weil es nicht mehr Möglich war eine Ansicht als verbindlich zu setzten, zog man sich auf eine überrationale Ebene zurück, die dann wieder eine neue Basis stiften konnte?

    Als Weltling habe ich da eine ähnliche soziologische Perspektive. Die Transformation hin zu einer staatstragenden Religion meint auf der Ebene der Ethik ja nicht mehr allein die radikale Distanzierung von der Welt, sondern bringt Mitgefühl als Quelle sozial gesunder Menschen viel stärker ins Spiel.


    Die Metaphysik, also die religiöse Frage nach der Sterblichkeit, taucht schon in der ursprünglichen Lehre auf. Ich halte es für einen Irrtum, hier von einer klaren Positionierung hinsichtlich Wiedergeburt auszugehen. Es gibt offenbar enorm viele Texte, die an entscheidender Stelle gerne sehr vieldeutig werden. (Erinnert ein wenig an das päpstliche Schreiben im Anschluss an die Familiensynode. :P)


    Solche Spannungen sind für Philosophie und Lebensweisheit kein Problem, wohl aber für eine staatstragende Religion. Die Philosophie der Leerheit scheint mir im Grunde eine philosophische Argumentation. Warum eine philosophische Argumentation dann die entscheidende Stellung innerhalb der Religion erlangt, dürfte auch weltliche Gründe haben, die interessant zu überlegen sind.

    Also ich pflege geistig beeinträchtigte Frauen seit einem Vierteljahrhundert. Der Geruch von Kot ist und bleibt immer unangenehm, da man sich davon innerlich nicht distanzieren kann. Gewisse Betrachtungen hatte ich also genug. Ich sehe dadurch keinerlei Vernichtung meines sexuellen Triebes.

    Wenn ich andererseits beispielsweise im Bad einen sehr attraktiven Frauenkörper sehe, dann bemühe ich mich aber, instinktiv nicht zu sehr hinzuglotzen, denn es würde mich einfach nur sexualisierend ablenken und unzufrieden machen. Ähnlich dem Ärger verliert man das geistige Gleichgewicht, könnte man vielleicht buddhistisch sagen.

    Als „Weltling“ scheint mir die Überlegung wichtig, auf was es in einer geglückten Beziehung eigentlich ankommt, um die eigene Einstellung zur Sexualität sinnvoll zu relativieren.

    Nagarjuna sieht es aber anschiendn als wichtig an, dass nicht nur das Ich keine Eigenexitenz hat, sondern auch die grundlegenden Elemente der Wirklichkeit keine eine „Eigenexistenz“ (svabhāva) haben. Weil eben einige philosophische Schlaumeier basierend auf der Eigenexitenz der Dharmas dazu benutzten, sich einen Atman darauf zu konstruieren, nämlcih eine „höchsten Wirklichkeit“ (paramārtha).


    Und dewegen muss dann der Kontraphilsoph Nagarjuna einen waghalisgen Schritt unternehmen und nicht nur die Eigenexsitenz des Ichs Leugnen sondern auch die der "grundlegenden Elemente der Wirklichkeit" ( Dharmas)


    Und in desem Kampf geht vieles zu Bruch und anscheinend auch die naive Idee von Sprache?


    Was denkt ein vernünftiger Mensch heutzutage zum Ich oder Selbst? Weder glaubt er an ein ewiges Ich, noch an ein unveränderliches, noch an ein von Körper und geistigen Fähigkeiten unabhängiges Ich.


    Vielleicht wirkt der Gedanke, dass es kein Ich oder Selbst gibt, in manchen Situationen entlastend und beruhigend. Doch ist es schwierig, das herkömmliche Ich oder Selbst in Frage zu stellen oder zu negieren, wenn man nicht weiß, was da eigentlich zu negieren wäre, weil gar keine Unterscheidung zur herkömmlichen Auffassung von Ich oder Selbst auszumachen ist.


    Die Argumentation der Leerheit in der Mahayana Philosophie scheint mir daher die Grundlage, um ein Ich oder Selbst überhaupt negieren zu können. Daher scheint mir die Frage entscheidend, ob die Argumentation zur Leerheit aller Phänomene überzeugen kann.

    Der Jähzorn ist nochmal problematisch, weil man da erstmal Zeit schaffen müsste, um sich zu beruhigen.

    Was genau ist eigentlich Jähzorn und wie äußert sich der (hätte jetzt auch googeln können, aber ist doch nett, wenn die Antwort nachher im Butterland steht :))

    ?

    Der jähe Zorn ist dafür da, sich verteidigen oder angreifen zu können. Abseits dieser biologischen Funktion hat er keine konstruktive Seite. Gilt es etwa gegen eine Ungerechtigkeit aufzutreten, sollte man ja zuerst darüber nachdenken. Seine Energie ist daher nicht hilfreich, sondern lässt nur die negativen Eigenschaften des „Wutobjekts“ erkennen, schränkt das Urteilsvermögen über richtig und falsch ein, lässt die langfristigen Folgen aus dem Blick verlieren und oft sogar zum eigenen Nachteil handeln. In der Regel bedauern wir dann im Nachhinein, was wir gesagt oder getan haben.


    Man sollte also in einer kritischen Stimmung wachsam bleiben und feste Überzeugungen über die negativen Folgen des Jähzorns besitzen, um ihn abzufedern. Sollte man:roll:

    Das größte Mittel gegen Wut/Zorn etc. ist das Begreifen der Leerheit, das Begreifen, dass der Glaube an ein Selbst, ein Ich alle Probleme erzeugt.

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    YouTube


    Leider ist Sogyals Vortrag zum Thema Leerheit und destruktive Emotionen nicht besonders strukturiert. Letztlich geht es aber um das Erkennen der lichthaften Natur des Geistes. So sehe ich es auch.


    Aus einem anderen Blickwinkel geht es vermutlich eher darum, sich die grundsätzlich leidhafte Natur der Wirklichkeit bewusst zu machen, um zu mehr Toleranz gegenüber problematischen Situationen und Ereignissen zu finden.


    Konkret wäre das Mittel gegen Wut einmal Geduld, wie Sherab schreibt. Genauso wichtig wäre, die Schuld nicht immer bei den anderen zu suchen. Der Jähzorn ist nochmal problematisch, weil man da erstmal Zeit schaffen müsste, um sich zu beruhigen.