Heilsames stärken, Unheilsames in uns zu verringern

There are 90 replies in this Thread. The last Post () by Vedana.

  • Es kann auch der Aspekt von Gier und Haben wollen eine Motivation sein, meiner Meinung nach.

    Wenn man darüber schreiben will oder es teilen will. (Nicht zwangsläufig bei dir jetzt Sherab )

    Man hält die freudigen Gefühle scheinbar noch etwas länger am Leben, indem man darüber schreibt und sich darüber ergeht.


    Da ist noch was rauszuholen!


    Was ja auch verständlich ist. Aber irgendwann wird man vielleicht nur noch allen damit auf die Nerven gehen. Also gut zu wissen wann Schluß damit ist. :) (Das ist allgemein gemeint und nicht auf dich bezogen Sherab )


    Und wenn man es übertreibt wird es vielleicht wirklich zur unheilsamen Art von Stolz/Hochmut, falls es das noch nicht war.


    Liebe Grüße

  • Aus meiner Sicht eine sinnvolle "Praxis". Ich vermute, dass man bei Gefühlen oder Stimmungen, die mit Stolz oder Selbstzweifel (aber auch Konkurrenz oder Desinteresse) zu tun haben, oft eher den kognitiven Anteil wahrnimmt und nicht sogleich die emotionale Färbung des Denkens. Oder ist es für euch selbstverständlich, eine bestimmte Empfindung „live“ als Stolz benennen zu können? Daher macht die Auseinandersetzung auch Sinn, finde ich.


    Wenn bei mir so ein orgastisches Gefühl von Stolz hochkommt, bin ich sehr auf der Hut. Es teilt mir viel eher mit, dass da was mit meiner Wahrnehmung nicht stimmt! Dieses Gefühl, im Stolz zu baden, ist der Realität faktisch nie angemessen, so meine Erfahrung. Es unterscheidet sich für mich doch recht klar von einer freudigen Stimmung der Dankbarkeit, wenn ich Anerkennung durch Mitmenschen interpretiere und tatsächlich erlebe.


    Eine weitere Unterscheidung dürfte in der zeitlichen Länge eines Gefühls liegen. Selbstzweifelgefühle oder Hochmutsgefühle können eine „Charakter“-Eigenschaft, eine Stimmung oder bloß ein spontanes Empfinden bezeichnen. Auch der Begriff der "Würde" wäre zu erforschen. Im speziell religiösen Zusammenhang wäre übrigens zudem die Scheinheiligkeit zu diskutieren. Aber vermutlich betrifft diese eher die bewusste Täuschung, um das Ansehen bewahren zu können oder Ansehen zu erlangen.

  • Wenn bei mir so ein orgastisches Gefühl von Stolz hochkommt,bin ich sehr auf der Hut. Es teilt mir viel eher mit, dass da was mit meinerWahrnehmung nicht stimmt! Dieses Gefühl, im Stolz zu baden, ist der Realitätfaktisch nie angemessen, so meine Erfahrung. Es unterscheidet sich für michdoch recht klar von einer freudigen Stimmung der Dankbarkeit, wenn ichAnerkennung durch Mitmenschen interpretiere und tatsächlich erlebe.

    Wenn mir etwas besonders gut gelingt, dann empfinde ich große Freude und bin tierisch stolz auf mich. Das ist in Ordnung und muss ich überhaupt nicht infrage stellen.


    Realitätsfern wäre es, solche Leistungen immer von mir zu erwarten, die Leistungen anderer nicht ebenso würdigen zu können, mich für "Fehler" oder "Versagen" zu bestrafen, auf andere herabzusehen, andere auf unangemessene Weise zu kritisieren, wenn sie Fehler machen, mein Wissen nicht zu teilen … und letztlich nicht erkennen zu vermögen, dass alles mit allem zusammenhängt und ich niemals etwas ganz alleine und nur durch mich alleine schaffe. Alles ist gemeinsame Anstrengung. Ich ruhe auf den Schultern anderer.


    Ich hüte mich also nicht vor meinen Empfindungen, die spontan hervorbrechen und immer am richtigen Platz sind, sondern vor den daraus resultierenden Schlüssen, die ich womöglich ziehe. Der Unterschied ist z.B.: "Das habe ich super gemacht!" und "Ich bin die allerbeste!"*





    * Wobei das letzte auch relativ ist, denn wenn ich einen weltweiten Wettbewerb gewinne, dann bin ich in der Tat die Allerbeste. Aber kein Problem, wenn ich das zum einen auf diese bestimmte Tätigkeit beziehe und zum anderen mir dessen bewusst bin, dass das nicht immer so sein wird, und ich in anderen Dingen nicht so gut bin. Kurz: Bodenständigkeit bewahren kann.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Einmal kann man ganz allgemein feststellen, dass Emotionen und Gedanken nicht fein säuberlich getrennt werden können. Als Gefühl sind sie ja verwoben. Unsere Freiheit betrifft besonders den Anteil des Denkens. Wie du sagst, kann man Gefühle beurteilen.


    Um den Stolz zu beurteilen, muss man vielleicht Stolz als Gefühl und Stolz als Haltung unterscheiden. Der „stolze Indianer“ meint was anderes als das tatsächliche Empfinden von Stolz im Hier und Jetzt.


    Die allermeisten Eltern empfinden in vielen Situationen Stolz für ihr Kind. Hier ist der Stolz ein hilfreiches, notwendiges, gesundes Empfinden, das dem Kind Selbstwert vermittelt, würde ich sagen.


    Ein Talent zu entfalten, das von anderen anerkannt und geschätzt wird, tut sehr gut. Die daraus resultierende Freude ist aber doch bei der Sache. Ich bin dann dafür glücklich, beispielsweise ein guter Fußballer sein zu dürfen und von den Menschen als guter Fußballer geschätzt zu werden. Und natürlich soll man sehr zufrieden sein, wenn es gelingt, dem eigenen Selbstbild zu entsprechen.


    Ich würde davon sehr wohl eine Art Rausch unterscheiden, wo emotionale Wellen aus welchen Gründen auch immer ein starkes Empfinden der Verliebtheit herstellen. Dies würde ich als Täuschung bezeichnen. Dieses Gefühl lässt sich durch Alkohol steigern und durch Inszenierung manipulieren.


    Das Täuschende am Stolz scheint mir, dass er sich nicht unangenehm anfühlt. Man ist daher geneigt, ihn auch positiv zu beurteilen. Daher ist interessant, eine starke Empfindung von Stolz nachträglich zu beurteilen. War sie angemessen oder war sie vielleicht im Gegenteil sogar ganz unpassend?

  • Du meinst nicht Stolz, sondern Eitelkeit (Anerkennung ist nur eine Erfindung derer, die sich ihre Eitelkeit nicht eingestehen wollen, weil es gerade nicht opportun ist) ?


    Solange es Menschen gibt, gibt es "Spiegelbilder".

    Früher gab es vlt. eine Familie/Sippe/Stamm, die dem Überborden Einhalt geboten hat. Das, was wir (du auch?) als Substitut erfunden haben, kann diese Aufgabe jedoch nicht mehr erfüllen.


    Wir sind nur (noch) Individuen, losgelöst/befreit irgendwelcher Moral, nur dem Dasein aber letztlich nur irgendwelcher Pseudophrasen verpflichtet. Die Transformation des Stolzes auf Eitelkeit/Gewalt ist jedoch nur logisch und letztlich sinnvoll, wenn es denn einen Sinn gäbe/gibt.


    Ebenso sinnerfüllend ist Selbsttäuschung. Denn Täuschung ist das antrainierte Allheilmittel der endgültigen Unwissenheit, bewahrt sie doch davor, der Konsequenz des eigenen Handelns ins Auge zu schauen.

    Ob Handeln oder Dasein - der Unterschied ist marginal.

    Ideologie, Religion sind nur nachgereichte Erklärungen des eigenen Willens, um nicht in der scheinbaren Ausdifferenzierung der Realität unterzugehen.

  • Da dieser Thread unter "Buddhismus" "Buddhistische Praxis" läuft, werde ich der Vollständigkeit halber anmerken, dass Stolz im Sinne der buddhistischen Philosophie mit "Aufgeblasenheit" zu tun hat, also eher "Selbsterhöhung" bedeuteṭ


    Bei den von Asanga im "Kompendium des Höheren Wissens", Abhidharmasamuccaya dargelegten 51 Geistesfaktoren zählt der Geistesfaktor Stolz zu den "Sechs Wurzelleidenschaften"


    Im Paket: die 51 Geistesfaktoren nach Asanga incl. Erklärungen

  • Ich möchte dazu posten, wie es sich mit der Einordnung der Blendung "Stolz" im PK verhält. Da ist es zum Glück nicht so kompliziert und für jeden klar erkennbar.


    Zitat

    māna

    Dünkel, Stolz, Ansicht, Meinung, Einbildung,

    ist eine von den an den Kreislauf des Daseins kettenden 10 Fesseln (siehe samyojana). Er schwindet erst beim Eintritt in die Vollkommene Heiligkeit oder Arahatschaft.


    • den (Gleichheits-)Dünkel (māna): ,Ebenso bin ich'
    • den Minderwertigkeitsdünkel (omāna): ,Schlechter bin ich'
    • den Überlegenheitsdünkel (atimāna): ,Besser bin ich'


    diesen dreifachen Dünkel hat man zu überwinden. Hat aber der Mönch . . . diesen dreifachen Dünkel überwunden, so, sagt man, hat er durch rechte Dünkeldurchschauung dem Leiden ein Ende gemacht.« (A.VI.49).


    »Solche Asketen und Priester, die mit Hinsicht auf den vergänglichen, elenden, dem Wechsel unterworfenen Körper, das Gefühl, die Wahrnehmung, die Geistesformationen und das Bewußtsein, meinen: 'Besser bin ich', oder 'Ebenso bin ich' oder 'Schlechter bin ich', meinen dies eben bloß infolge des Nichterkennens der Wirklichkeit.« (S.22.49).

    Siehe auch Sn v. 342 mit Anm.

    māna



    :sunny:

  • Ich habe noch eine PDF von der Ehrw. Agganyani, da sind alle Geistesfaktoren fein säuberlich eingetrageṇ. Ich fürchte nur, dass das wieder so etwas ist, was man hier nicht einstellen darf - dabei könnte man soviel dadurch lernen ...

  • Ich habe noch eine PDF von der Ehrw. Agganyani, da sind alle Geistesfaktoren fein säuberlich eingetrageṇ. Ich fürchte nur, dass das wieder so etwas ist, was man hier nicht einstellen darf - dabei könnte man soviel dadurch lernen ...

    Liebe mkha',


    es erfüllt mich mit Freude, wenn ich ein direktes Zitat aus dem PK angeben kann. Insbesondere, wenn es zur Klärung eines Begriffes einen einfachen und eindeutigen Eintrag gibt.


    Sorry, dass ich schon wieder so pampig war.



    :sunny:

  • Hochmut und Stolz


    Ich würde Stolz von Hochmut unterscheiden. Gemeinsam haben Stolz und Hochmut vermutlich, dass sich auch im Stolz die Vorstellung auf die eigene Person und ihr Wirken auf andere richtet.


    Hochmut bedeutet jedoch, andere herabsetzen zu müssen, um das geliebte Selbstbild aufrecht halten zu können, glaube ich. Das tut der Stolz nicht. Er dienst höchstens dazu, eine für den Selbstwert schwierige Situation erträglich zu machen: Zwar bin ich arm, doch habe ich meine Ehre…


    Stolz ist vermutlich eine angeborene Emotion, die kulturübergreifend erkannt wird (auch wenn Neugeborene sie vermutlich noch nicht brauchen). Kulturelle Aspekte bedingen dann, wie Stolz gezeigt wird. Ein Japaner wird vermutlich nicht mit seinem Reichtum prahlen, Trump darf es hingegen sehr ungeniert.


    Wenn ich eigene Stolzgefühle (im Unterschied zu einer selbstbewussten Haltung) mit Skepsis beurteile, dann, weil ich ihn als eine täuschende Emotion erlebe. Wenn ich beispielsweise eine künstlerische Leistung bringe und mich darüber so besoffen-selbstverliebt fühle, dann zeigt sich regelmäßig, dass ich genau diese Leistung etwas später im Gegenteil als gar nicht gelungen empfinde. Warum ist das so? :?


    Klar ist aber, dass nicht alle Menschen Gefühle in der gleichen Weise erleben. Wann, wie lange und mit welcher Intensität erlebt ein individueller Mensch was? Da gibt es (zum Glück) beträchtliche Unterschiede.

  • Hochmut bedeutet jedoch, andere herabsetzen zu müssen, umdas geliebte Selbstbild aufrecht halten zu können, glaube ich. Das tut der Stolz nicht. Er dienst höchstens dazu, eine für den Selbstwert schwierigeSituation erträglich zu machen: Zwar bin ich arm, doch habe ich meine Ehre…

    ... im Gegensatz zu anderen.


    --> mana


    :sunny:

  • Spock


    Hallo Spocki,

    Quote

    ich schrieb: Ich fürchte nur, dass das wieder so etwas ist, was man hier nicht einstellen darf ...

    Du fragtest: Warum nicht?

    ... wegen der neuen Rechtslage - Urheberrecht usw. ... :?... andererseits ist diese PDF ja nicht aus einem Buch, und der Urheber ist darauf vermerkt; ... ich bin mir jetzt nie sicher, was erlaubt ist, und was nichṭ.


    Sollte also irgendjemand etwas dagegen haben, dass die PDF hier angehängt ist, bitte Bescheid sagen, dann wird sie gelöschṭ.


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  • Sorry, dass ich schon wieder so pampig war.

    :?:... Pops, ich las Deinen Beitrag wertneutral, ... Wo warst Du denn pampig?

    Hochmut und Stolz

    Karnataka kennst Du Folgendes nicht?

    Quote

    "Hochmut und Stolz wachsen auf einem Holz."

    O-Ton Großmutter

  • Sorry, dass ich schon wieder so pampig war.

    :?:... Pops, ich las Deinen Beitrag wertneutral, ... Wo warst Du denn pampig?

    Karnataka kennst Du Folgendes nicht?

    Ach ich fand mich vorhin pampig. Du findest nicht, dass ich pampig war. Das ist schön :) Steckt niemand in der Pampe.



    :moon: