"Alle Dinge sind Nicht-Selbst." - Was ist dann Selbst ?

There are 443 replies in this Thread. The last Post () by Rudolf.

  • Die ganze Welt hat den Charakter einer Illusion und eines Traumes (aus dem nur ein Buddha erwacht ist) unter denen die Illusion des Selbst zwar einen herasragenden Platz einnimmt und die Wurzel der anderen Illusionen (Samsara) genannt werden kann.

    Was ich schon immer erklären will, ist die Tatsache, dass die ganze Welt wirklich ein Traum ist, eine Art luzider Traum, das bedeutet eine Traum auf den man selber Einfluss nehmen kann. Trotzdem ist es ein Traum, ein Konstrukt des Gehirns -> bedingte Entstehung.


    Es gibt nichts jenseitges, kein Erwachen in eine alternative Realität. Es existiert nur dieses geistige Konstrukt.

    Woher willst du das wissen, dass alles nur dieses geistige Konstrukt ist..?

  • accinca


    Danke für die andere Übersetzung.


    Jetzt habe ich den Eindruck, dass ich diesen Ausschnitt hieraus in einem viel zu beschränkten Sinn benutzen wollte. Das hört sich jetzt evtl lächerlich an, aber die Vorstellung von so einem vertrackt vorgestelltem Ding Licht, empfand ich ja gerade auch als als störend (hier ist von stören die Rede, nicht von spalten).


    Mir war der Begriff "spalten" wichtig, weil mir eine Vorstellung über Licht und Wahrnehmung so vorkommt, als wäre es geradezu zwingend, dass weitere solche (vom anderen absondernden) Vorstellungen da sind. Es war auch ein Empfinden von "Nichteinheitlicher Betrachtung", das ist mir wichtig noch zu sagen. In der von dir geposteten Übersetzung finde ich den Begriff in der Einheit, statt des einzigen Gegenstandes. Auch finde ich, der Begriff Ausmass passt besser, als Reichtum, weil es ja auch um die Einordnung der Qualität der Störung geht, und nicht um einen Reichtum.


    Es ist ein grosser Unterschied zwischen den Formulierungen "leer von" und "eine Denkart ist weniger geworden".


    Es wird mir mit dieser Übersetzung deutlicher, dass die Auslegung, die ich mit Hilfe dieser Lehrrede an sich provozieren wollte, weniger oder nicht so einfach geht.

  • Es wird mir mit dieser Übersetzung deutlicher, dass die Auslegung, die ich mit Hilfe dieser Lehrrede an sich provozieren wollte, weniger oder nicht so einfach geht.

    Man darf allerdings nicht vergessen, das eine Übersetzung immerhin ein Übersetzung ist.

    Da bieten sich manchmal auch mehrere Optionen an.

  • Um das mal klar zu machen. Die Aussage das Buddha gesagt hat das es kein Selbst gibt ist für sehr viel ein Felsen so groß wie der Mount Everest. Darum hat Buddha das nie wirklich so gesagt und darum gehe ich auch dagegen an. Vielleicht zu hart?

    Das was Du ausgesagt hast ist ja wirklich richtig. Es gibt, gab und wird nie ein Selbst geben das nicht durch Gedanken entsteht und vergeht. Das ist ja das Schwierige. Ich weiß und hab erfahren das es so ist, wie Du auch. Als ich D 22 gelesen habe (Suttacentral) ist mir das aufgegangen als ich Buddha zuhörte. Es war ein merkwürdiger Augenblick der sich länger hält im Sitzen. Eigentlich ist es gut das zu erfahren, aber das ist der Berg, die Barriere die Menschen fast mit ihrem Leben verteidigen, den Glauben als Selbst zu leben. ich finde das Buddha einen guten Weg gezeigt hat das er sowohl Nicht-Selbst als auch Selbst-ist, so behandelt indem er nichts festes sagt. Er hat mich bewegt das zu sehen was er zeigt und damit Stimme ich Dir darin zu! , doch denke ich auch an die die den Berg als ihre Burg sehen und nicht verlassen wollen. Für die ist es ein schwerer Weg weil er eben nicht aufwärts geht sonder in unendlich langen Serpentinen nach unten ins freie Feld und dann sehen das sie ohne den Berg zu vergessen kein Leiden mehr haben.

    Vertrauen

    Es ist wie es ist. Empathie

    Es bleibt nicht so. Glaube

    Geistgestaltung - Wirken und Erleben (Empathie)

    Herzgestaltung - Wahrnehmen und Gefühl (Glaube)


  • Woher willst du das wissen, dass alles nur dieses geistige Konstrukt ist..?

    Weil ich alles selber konstruiere ;)


    Ich, ich, ich, ....... ich konstruiere: alles andere ist konstruiert, nur Ich nicht. Ich bin vielmehr der Konstrukteur.


    Oder auch nicht.


    Die Madhyamikas sagen, alle Phänomene existieren nur relativ (in Relation zu anderen Phänomenen), d.h. nur in Abhängigkeit von anderen Phänomenen.

    Produkte (alle unbeständigen Phänomene) entstehen in Abhängigkeit von Ursachen und Bedingungen und der Benennung (d.h. Wahrnehmung) durch ein Bewusstsein.

    Dies alles ist abhängiges Entstehen, da ist niemand, der konstruiert. Da ist kein unabhängiges "Ich", das dies alles konstruiert. Die Konstruktion ist ein Prozeß, ein notwendiges Entstehen und Vergehen nach dem Kausalitätsprinzip: "Wenn dieses ist so entsteht jenes". Das Konstruieren ist nichts aktives, sondern etwas passives. Auch wir und unser Leben werden konstruiert: durch unser Karma. Jeder Augenblick unseres Lebens ist die notwendige Kausalfolge aus äußeren und unseren inneren Ursachen und Umständen. Wobei die Bewertungen der Dinge durch unser Bewusstsein und Wissen eine große Rolle spielen. Aber unser Bewusstsein und Wissen sind ebenfalls konstruiert worden aus allen vorhergehenden Ursachen und Einflüssen.


    "Weil ich alles selber konstruiere." ist keine gute Formulierung. "Weil alles Konstruktion ist" ist besser. Und das bedeutet: "Weil alles abhängiges Entstehen ist."


    Befreiung, Nirvana, ist möglich, wenn wir (unser bis hierhin abhängig entstandenes Kontinuum) auf die entsprechenden Ursachen und Umstände treffen, die zur Befreiung führen. Das gilt auch für den Wunsch nach Befreiung.

    Was diese Ursachen und Umstände sind hat der Buddha gelehrt, der ebenfalls seit anfangsloser Zeit in Samsara weilte, unentrinnbar gefangen war in Samsara, eine anfangslose Zeit, und dann eines Tages den Weg zur Befreiung fand, nicht durch Fingerschnippen und nicht durch "Ich konstruiere mir die Befreiung", sondern durch die geeigneten Ursachen und Umstände, die da waren: Indien vor 2500 Jahren, die Brahmanen, dass er Prinz war, dass auch er Meditationslehrer hatte, Askese betrieb, wieder damit aufhörte, dass er intelligent genug war (was karmische Ursachen hatte), und noch vieles mehr....

    So müssen auch wir auf die für uns geeigneten Umstände warten, um die Befreiung erlangen zu können. Wir können sie uns nicht konstruieren. Wir werden zur Befreiung konstruiert.


    Viele Grüße

    Rudolf


  • a) Ich verstehe diese Frage nur schwer. Es geht hier im Thread um angenommene wirkliche Dinge, die nicht so wirklich sind, wie man das denkt und im Allgemeinen wahrnimmt. Von einem Licht zu sprechen, was etwas erzeugt, und einer anderen Sache, die etwas umwandelt, darin sehe ich Vorstellungen von wirklichen Dingen/"Selbsten".


    Zum anderen berührst du ja mit der Frage die grundsätzliche Sache der Lehre. Das Verstehen. Und das ist ja immer eine persönliche Sache (im BegriffVerständnis "Person"von M44 gesagt.) So gut wie jedes Verstehen der Dinge der Welt ist mehr oder weniger "projeziertes Verstehen".


    Ich hatte aber gar nicht geschrieben und gemeint, dass Sunu zu sehr an (eigenen) Vorstellungen hängt. Nur im Sinne der Klärung versucht zu zeigen, dass da widersprüchliche Vorstellungen sind (an denen immer auch angehangen wird, das ist ja eine grundsätzliche Voraussetzung aller Debattiererei, nicht nur hier im Forum).


    b) Was heisst das: "doktrinäre Unterschiede"? Es sind Unterschiede im Verstehen der Sache Wirklichkeit. Und damit Unterschiede in der eigenen Auffassung darüber, mit welchen Formulierungen man diesem Verstehen (was ja etwas mit dem Gefühl und Begehren und Abneigung zu tun hat und) am ehesten (selber) gerecht wird. Ich hatte auch den Begriff "konventionelle Wirklichkeit" hier nicht kritisiert. Ich hinterfragte bestimmte Formulierungen, und damit klar ein bestimmtes Verständnis. Aber nicht ein (angeblich) allgemeines, was man verallgemeinert anscheinend so nennt: "konventionelles Verstehen", sondern spezifisch Formulierungen von Sunu.


    Ich habe in diesem geäusserten Verständnis von Sunu nicht ein Mahayana-Konzept von "Leerheit" vertreten gesehen. Sondern ein eigenes Verständnis. Und zur Erklärung dieses eigenen Verständnisses wurden Teile verschiedener Beschreibungen (die jeweils auch ihre Weise konsequent und damit "konsistent" zu sein sein suchen) hergezogen, die mir so zusammengebaut/gedacht nicht konsequent erscheinen. Da wird zurückgegriffen auf Aussagen des Buddha, Aussagen aus der Neurologie, und anscheinend Aussagen aus dem MahayanaBuddhismus, die ich so aber von Sunu nicht zitiert oder gekennzeichnet gesehen habe.


    Ich würde gerne einen MahayanaText vorgestellt sehen, in dem die Wirkung und Bewirkung von Licht so dargestellt wird, wie es dargestellt wurde. Ausserdem wird ja von Sunu den Aussagen, die du einer Formulierung des MahayanaBuddhismus zuordnest ("konventionelle Wirklichkeit - wobei ich mir denke, dass der Begriff dort eigentlich "konventionelle Wahrheit" heisst: was etwas ganz anderes heisst) zugleich auch widersprochen.


    Was aber auch an den zugrundegelegten Aussagen zum MBuddhismus liegen kann, die du postest. Natürlich wird in der Lehre des Buddha den Dingen ebenso eine innere/eigene Existenz abgesprochen. Und dazu noch (damit man dieses genau bedenke ... ) gesagt, was "Alles" ist, über das man sinnvoll sprechen kann. Nämlich über die Dinge (über die man spricht, weil Wahrnehmung über sie ist).


    Wenn man das "Alles", über das man sinnvollerweise nur sprechen kann, nicht bedenkt, kann das einem Bedürfnis Raum schaffen, noch dazu sagen zu wollen, dass nicht nur die Erscheinungen leer von selbst sind, sondern dazu noch etwas bloss Angenommenes, jenseitig der Erscheinungen/und damit der Wahrnehmung Liegendes: nämlich angenommene wirkliche Dinge, die man dazu noch als ebenso leer deklarieren muss.

  • So müssen auch wir auf die für uns geeigneten Umstände warten, um die Befreiung erlangen zu können. Wir können sie uns nicht konstruieren. Wir werden zur Befreiung konstruiert.

    Das ist aber auch so eine Formulierung die man anderes sehen kann.

  • a) Ich verstehe diese Frage nur schwer. Es geht hier im Thread um angenommene wirkliche Dinge, die nicht so wirklich sind, wie man das denkt und im Allgemeinen wahrnimmt. Von einem Licht zu sprechen, was etwas erzeugt, und einer anderen Sache, die etwas umwandelt, darin sehe ich Vorstellungen von wirklichen Dingen/"Selbsten".


    Das ist halt Unsachlich... Du haftet an deiner Vorgefassten Meinung an, dass da an ein Atta geglaubt wird und dann versuchst Du das mit fadenscheinigen Behauptungen zu begründen. Es ist ganz egal was da jemand sagt, du drehst es Dir halt so, dass es in Dein Bild passt. So ist es doch die totale Zeitverschwendung sich mit zu Unterhalten.

    Visuddhi-Magga XV

    Zitat

    »Durch Auge, Sehobjekt, Licht und Aufmerken bedingt entsteht das Sehbewußtsein.


    Was ist da jetzt so anders dran, als das was ich geschrieben habe? Also was möchtest Du wirklich sagen.. habe ich dich mit irgendwo mit einem Beitrag persönlich verletzt oder Dich wütend gemacht? Was liegt Dir denn ehrlich auf dem Herzen? Fühlst Du Dich bedroht weil bei mir Madhyamaka bei buddhistischer Richtung steht... Ich weiß es nicht....


  • a) Was ist daran unsachlich? Ich hatte geschrieben, ich würde etwas auf eine Weise sehen. Das ist immer so, wenn ein Widerspruch erörtert wird.


    Unsachlich ist es, allgemein meine Ausführungen als fadenscheinig zu bezeichnen, um ihnen damit (begründungslos und) allgemein (auch vor anderen) einen (unschönen) Anschein zu geben.


    Ich hatte mich hier auch weniger auf Aussagen von anderen eingelassen, eher auf Aussagen von dir. Das hat nicht nur den Grund, dass ich hier etwas auf eine Weise sah. Andere Gründe sind: Vermutung, dass ich etwas zeigen könnte. Und die Ansicht, dass die Beschäftigung hiermit auch eine heilsame & interessante Sache ist.


    So versuchen zu posten finde ich nie zeitverschwendend.


    Auf den mir wichtigen Post, in dem ich wirklich nur behauptete (aber ich könnte das näher erklären) dass in einem Post von dir eigentlich nur Tautologien stecken, mit denen ein falsches Bild hervorgerufen werden kann, hattest gerade du dich nicht eingelassen.


    Findest du es sachlich, zu schreiben, dass ich Worte verdrehen würde? Wo mache ich das, also wo schreibe ich Worte anders als du und sage dann, dass du das so geschrieben hättest? Ist es nicht so, dass wenn jemand die Begriffsanordnung anders vornimmt, man immer Worte anders dreht?


    b) Es ist ein sehr grosser Unterschied zwischen der Aussage,

    die du aus dem PK zitierst, und deinen Aussagen, in denen unter anderem das Wort "erzeugen" vorkommt.


    Das erklären möchte ich aber nicht. Es scheint mir offensichtlich, dass du andere Intentionen vermutest. Ich nehme an, die entsprechen den Intentionen, die auch der Wortwahl deines letzten Postes zugrunde lagen.


    Es liegt mir wirklich auf dem Herzen, dass etwas verstanden wird, und dass ich auch im Nachhinein mit meinen Zeilen einverstanden bin.

  • Visuddhi-Magga XV Zitat

    »Durch Auge, Sehobjekt, Licht und Aufmerken bedingt entsteht das Sehbewußtsein.

    Quote

    Cakkhuñcāvuso paṭicca rūpe ca uppajjati cakkhuviññāṇaṃ.

    "rūpe" mit Licht zu übersetzen ist im Zusammenhang mit dem Sehen

    sicher nicht unmöglich aber es fällt ja auf, das hier im Pali nur drei Begriffe stehen.

    Cakkhuñcā, rūpe und cakkhuviññāṇaṃ. So ist z.B. von "Aufmerken" hier nichts zu lesen.

    Aber auch mit "Auge" (cakkhu) kann hier keineswegs nur ein totes physisches Auge

    gemeint sein welches einfach so zu Sehbewußtsein führt. Es ist anzunehmen das aus

    diesem Grunde der Begriff des "Aufmerkens" noch zusätzlich hinzugefügt wurde.

  • Um einmal zu zeigen, wie tief das mit den Missverständnissen der BuddhaLehre reicht, ein beliebiges (ich hatte nur kurz nachgegoogelt, um zu sehen, ob es generell so gesagt wird: höchste Wirklichkeit und höchste Wahrheit = dasselbe, weswegen man das richtigerweise synonym formulieren kann) Beispiel:


    bd3-k06tauscher.pdf


    Ich möchte mich nur kurz dem Beginn des Textes ("Die 2 Wirklichkeiten, Prof. Dr. Helmut Tauscher, Uni Wien) widmen.


    Please login to see this attachment.


    Der Buddha hatte nicht gelehrt, dass die erscheinende Welt nichtig ist, u.s.w.


    Man liest in den Lehrreden davon, dass alle Erscheinungen (nicht nur die, die man einer Welt zuordnen könnte) vergängglich, leidhaft und nicht-ich sind. Die spezifische Folge der MerkmalsNennung ist bewusst so gesetzt. Jeder, der diese Folge anders setzt, macht das zB schon unachtsam.


    Nirvana wird durch den Budhha auch nicht als einzige/höchste Wirklichkeit gelehrt. Man kann das so verstehen, dass er das so gelehrt hätte. Aber es wurde bewusst nicht so gesagt und gelehrt: dass Nibbana eine höchste Wirklichkeit wäre.

  • Unsachlich ist ist die Behauptung, dass hier gesagt wurde das Licht irgendwas erzeugt...


    Zitat

    Das Licht was aber vom Auge aufgenommen wird, wird im Sehorgan in elektrische Energie umgewandelt (nein, steht so nicht im Palikanon) und bleibt natürlich nicht etwa unbeeinflusst, durch das Wahrnehmen.In Abhängigkeit von Sehorgan und Sehobjekt (Licht) entsteht Sehbewusstsein ( über das Auge umgewandeltes Licht).


    Das habe ich gesagt.. Das hast Du dann entsprechend gedreht, indem Du behauptet hast Licht und elektrische Energie sei ja das Selbe... Daraus schließt du dann, dass behauptet wurde, es sei von einem Licht gesprochen worden, was irgendetwas erzeugt...

    Ja... dass nenne ich verdrehen von Worten. In Abhängigkeit von Sehorgan (welches wiederum natürlich nicht unabhängig besteht) und Sehobjekt (welches ebenfalls nicht unabhängig besteht), entsteht Sehbewusstsein (also abhängig entstanden). Wie meinst Du

    Zitat

    Es liegt mir wirklich auf dem Herzen, dass etwas verstanden wird

    ?

  • Nirvana wird durch den Budhha auch nicht als einzige/höchste Wirklichkeit gelehrt. Man kann das so verstehen, dass er das so gelehrt hätte. Aber es wurde bewusst nicht so gesagt und gelehrt: dass Nibbana eine höchste Wirklichkeit wäre.

    Das kommt darauf an was "Wirklichkeit" sein sollte.

    Nach M1 hast du recht.

    Das höchste Ziel ist nibbana aber allemal.

  • Ja genau, das kommt drauf an, was man unter "Wirklichkeit" versteht. Samsara ist verschieden von Nibbana. Ich finde es irreführend von zwei gleichen Sachen (indem man einen gemeinsamen Begriff Wirklichkeit verwendet) zu sprechen, die in einer Eigenschaft verschieden wären. Also eine Wirklichkeit so und daneben eine weitere Wirklichkeit so.


    Es hat seinen Grund, warum ausgehend von dem, was ist (Dasein) gesprochen wird und konsequent davon gesprochen wird, dass Abwesenheit/schrittweise Ablösung davon möglich ist.


    Das höchste Ziel, das Höchste, das Erhabenes, solche positiven Wendungen kenne ich.


    Zitat

    »Es gibt, ihr Mönche, ein Bereich, wo weder Festes noch Flüssiges ist, weder Hitze noch Bewegung, weder diese Welt noch jene Welt, weder Sonne noch Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder ein Kommen, noch ein Gehen, noch ein Stillestehen, weder ein Geborenwerden, noch ein Sterben. Es ist ohne jede Grundlage, ohne Entwicklung, ohne Stützpunkt: das eben ist das Ende des Leidens.« (Ud.VIII.3).


    Den Begriff "Wirklichkeit" finde ich im Palikanon zB hier:


    Zitat

    1. So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sāvatthī, im Jeta-Hain, im Kloster des Anāthapindika.


    2. Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Ihr Mönche!" - "Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun sprach also:


    3. "Entfaltet Sammlung, ihr Mönche! Geistig gesammelt, ihr Mönche, erkennt der Mönch der Wirklichkeit gemäß.


    4. Was nun erkennt er der Wirklichkeit gemäß? - Der Körperlichkeit Entstehung und Ende, des Gefühls Entstehung und Ende, der Wahrnehmung Entstehung und Ende, der Gestaltungen Entstehung und Ende, des Bewusstseins Entstehung und Ende.


    5. Was nun, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Entstehung, des Gefühls Entstehung, der Wahrnehmung Entstehung, der Gestaltungen Entstehung, des Bewusstseins Entstehung?


    6. Da, ihr Mönche, ergötzt man sich, heißt es willkommen, ist zugeneigt. Woran ergötzt man sich, was heißt man willkommen, wem ist man zugeneigt?


    7. An der Körperlichkeit ergötzt man sich, sie heißt man willkommen, ihr ist man zugeneigt. Dem, der sich an der Körperlichkeit ergötzt, sie willkommen heißt, ihr zugeneigt ist, entsteht Ergötzen. Was da nun Ergötzen an der Körperlichkeit ist, das ist das Anhangen (upādāna).Durch dieses Anhangen bedingt ist Dasein; durch Dasein bedingt ist Geburt; durch Geburt bedingt ist Altern und Sterben, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle.


    8.-11. Am Gefühl - an der Wahrnehmung - an den Gestaltungen - am Bewusstsein ergötzt man sich... (wie oben).


    12. Dies, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Entstehung, des Gefühls Entstehung, der Wahrnehmung Entstehung, der Gestaltungen Entstehung, des Bewusstseins Entstehung.


    13. Was nun, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Ende, des Gefühls Ende, der Wahrnehmung Ende, der Gestaltungen Ende, des Bewusstseins Ende?


    14. Da ergötzt man sich nicht an der Körperlichkeit, heißt sie nicht willkommen, ist ihr nicht zugeneigt. Dem, der sich nicht an der Körperlichkeit ergötzt, sie nicht willkommen heißt, ihr nicht zugeneigt ist: was da Ergötzen an der Körperlichkeit ist, das kommt zur Aufhebung. Durch Aufhebung des Ergötzens kommt es zur Aufhebung des Daseins, durch Aufhebung des Daseins kommt es zur Aufhebung der Geburt, durch Aufhebung der Geburt kommt es zur Aufhebung von Altern und Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zur Aufhebung dieser ganzen Leidensfülle.


    15.-18. Da ergötzt man sich nicht am Gefühl - an der Wahrnehmung- an den Gestaltungen - am Bewusstsein... (wie oben).


    19. Dies, ihr Mönche, ist der Körperlichkeit Ende, des Gefühls Ende, der Wahrnehmung Ende, der Gestaltungen Ende, des Bewusstseins Ende."


    Samyutta Nikaya 22.01-11


    Da wird nicht gesagt, dass Samsara die eine Wirklichkeit wäre und Nibbana eine andere. Da kann man der Wirklichkeit gemäss, und damit auch, dass Nibbana möglich ist, erkennen.


    Verstehen tut man ja zumeist bedingt, und so bedingt versteht man auch eine Wirklichkeit, die so oder so wäre. Richtig über das Dasein zu sprechen heisst für mich zB , dass man über die Daseinsmerkmale und bedingtes Entstehen spricht. Damit spricht man automatisch auch davon, dass NichtWissen überwunden werden kann, also man spricht damit auch von der Möglichkeit Nibbana. Was ich damit sagen will: man spricht über eine Sache Wirklichkeit, und nicht zwei.

  • Den Begriff "Wirklichkeit" finde ich im Palikanon zB hier:

    Um nochmal auf den Begriff der Wirklichkeit (yathābhūtaṃ = auch mit

    "der Wahrheit gemäß" übersetzt ) in dieser Lehrrede zurück zu kommen,

    so ist hier nicht von einer höheren oder niederen Wirklichkeit die Rede.

    Das Wort wird eigentlich nur zur Bekräftigung eingesetzt indem gesagt wird,

    das der gesammelte Geist das sieht was immer schon da ist, vom zerstreuten

    Geist, entgegen der richtigen Betrachtung aber nicht beachtet wird.

  • So ist es.


    Schon der engl. Philosoph John Locke im 17.Jh. hat gelehrt, dass die meisten Kontroversen in der Philosophie und anderswo dadurch entstehen und aufrecht erhalten werden, weil die debattierenden Personen abstrakte Begriffe anders verstehen, anders auslegen, ihnen einen etwas anderen konkreten Inhalt geben. Substanz, Gott, Seele, Bewusstsein, Wirklichkeit, usw.

    Und dann streiten sie bis an ihr Lebensende darüber.

    Weil sie sich nicht auf eine gemeinsame genaue Definition ihrer Begriffe einigen.


    Wenn nun im Text ("Die 2 Wirklichkeiten, Prof. Dr. Helmut Tauscher, Uni Wien) steht:

    "Der Buddha hat gelehrt, daß die erscheinende Welt nichtig ist, wertlos .....usw."

    kommt es darauf an was man unter "nichtig" versteht.

    Liest man den ganzen Text (nicht aus dem Kontext gerissen) von einem Autor, so wird es einem vielleicht klar, was er meint, und man könnte dann zustimmen.

    Ich jedenfalls stimme dem Adjektiv "nichtig" auch jetzt schon zu. Nichtig bedeutet für mich nicht "da ist nichts", oder "das ist eigentlich ganz anders", oder "nichts Wirkliches" sondern es ist nicht viel wert, nicht der Mühe wert, die wir und geben, wenn wir etwas "Weltliches" erreichen wollen, was die Weltlinge halt für so toll halten.