Analogien für nicht-Existenz inhärenter Objekte im Palikanon


There are 88 replies in this Thread. The last Post () by kesakambalo.

  • Ich habe gerade echt Schwierigkeiten

    Das wundert mich nicht! :) :angel:

    Leerheit als intellektuelles Konzept durchdrungen hat,

    Als Praktiker denke ich: Die Konzentration auf "intellektuelle Konzepte" macht das Leben ja auch unnötig schwer... Erkennen ist doch das entscheidende, nicht das Verstehen.


    Stay tuned, und schönes Wochenende, Aravind.

  • Vedana Ich denke das lässt sich nur auflösen, wie Du es vorher getan hast: der Blickwinkel bestimmt, was man gleichsetzen kann.


    Die Welt ist leer, Samsara heisst, das nicht zu erkennen. Nirvana heisst, das zu erkennen. Samsara ist kein Ort, der in seiner Essenz von Nirvana verschieden wäre, die Unterscheidung besteht implizit in der Wahrnehmung dieser Welt.


    So jedenfalls meine "mahayanisches" Verständnis. Auch dazu habe ich schon andere Ansichten gesehen, die vermutlich daher kommen, wenn man Leerheit nicht auf die Welt der Phänomene überträgt.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • (Wobei das erste immer zuerst erklärt wird und das hat eventuell einen Sinn....)

    Nee, ja nach Schule (hat kilaya oben angemerkt).


    Im Vipassana, würde ich behaupten, reicht sogar Nicht-Ich, der Rest ergibt sich dann von selbst...


    Liebe Grüße, Aravind.

  • in den Madhyamaka-Schriften, die ich kenne, wird auch immer zuerst nicht-Selbst erklärt, dann nicht-Existenz der Objekte.

  • Liebe Turmalin,


    ich lernte, der Begriff nicht-Existenz sei irreführend.

    Die Phänomene existieren - allerdings in Abhängigkeit von Ursachen und Umständen - daher sprach mein Lehrer, wenn ich es recht erinnere, von ihrer Nicht-Auffindbarkeit.


    LG mkha'


  • Die Phänomene existieren - allerdings in Abhängigkeit von Ursachen und Umständen - daher sprach mein Lehrer, wenn ich es recht erinnere, von ihrer Nicht-Auffindbarkeit.

    Aryadeva, Cathshataka, Stanze 344:


    "Alle Dinge, die untersucht werden, entbehren der Einheit. Da kein Ding existiert, das eins wäre, existieren auch keine Dinge die vieles sind."


    :?

    ich finde das klingt doch ziemlich anders aber ich hab keine Ahnung was richtig ist, oder ob das irgendwelche verschiedenen Ansichten sind.

    Das komische ist: Das Kapitel wo die Stanze her ist, heißt auch noch: "Das Widerlegen extremer Ansichten."


    Es kommt in dem Kapitel auch die Stanze vor:


    "Existenz-nicht Existenz. Weder Existenz noch nicht-Existenz" dies ist die fortschrittliche Methode, die kluge Menschen stets im Hinblick auf die Ein-Heit anwenden sollten. (346)

  • Dein Textteil hat mich neugierig gemacht, ... ich musste aber zunächst mal wieder suchen ... Was da so alles im Schrank und den Regalen liegt ...:shock: Den Text "Āryadevas Vierhundert Verse", Catuhśataka-śāstra-kārikā, muss ich vor 11 Jahren gelesen haben, als der Dalai Lama in Hamburg war.


    Ich habe dann mal nach dem Kontext geschaut, ... sieh mal, dann wird es klarer:


    In meinen Unterlagen heißt das Kapitel 14 "Meditation über die Negation extremer Vorstellungen" (beginnt eigentlich bei 326)


    Zu 344. Āryadeva erklärt mit diesen Worten, dass die Analyse „weder eins noch viele“ zur Widerlegung aller extremen Sichtweisen über Existenz, Nichtexistenz, beider oder keiner von beiden, angewendet werden sollte.


    Aus den Erklärungen zu den Kapiteln:


    In Kapitel 16 erklärt Āryadeva, dass er all diese Kapitel schrieb, um jede Begründung zu widerlegen, die jemand dafür anbringen könnte, dass Dinge nicht leer von wahrhaft begründeter Existenz seien, obwohl alles leer davon ist. Er endet mit den Worten:

    Quote

    „Würden Phänomene wahrhaft begründete Existenz besitzen, dann gäbe es keinen Nutzen durch das Verständnis von Leerheit, weil Leerheit fehlerhaft wäre. Doch der Buddha lehrte die Leerheit von wahrhaft begründeter Existent, weil sie zutreffend ist und ihr Verständnis Leiden beseitigt. Ob man also wahrhaft begründete Existenz, wahrhaft begründete Nichtexistenz, wahrhaft begründete Existenz-sowie-Nichtexistenz oder wahrhaft begründete Weder-Existenz-noch-Nichtexistenz behauptet: Leerheit widerlegt sie alle.“

    LG mkha'

  • Es gibt kein "Etwas" (sei es Formhaft oder geistig) das man zu recht

    einmal als Samsaro und ein andermal als Nibbana betrachten könnte.

    Die Vorstellung Samsaro=Nibbana je nach Betrachtung ist eine klassische

    Vorstellung des Samsaro bzw. eine Vorstellung (innerhalb) des Samsaro

    wie alle anderen Vorstellungen auch.

    Nur weil der Geist eine Vorstellung zu Nibbana erhebt bleibt es trotzdem

    nur eine Vorstellung. Der Geist der Dunkelheit der das nicht erkennt

    unterliegt der Täuschung und damit Samsaro.

  • Namaste zusammen,


    Zu der Sichtweise, dass Samsara = Nirvana und es nur eine Frage des Blickwinkels (illusionshaft-verblendet, frei von Illusion-erleuchtet) ist, habe ich von Praktizierenden aus Nicht-Mahayana-Schulen teilweise Ablehnung erfahren.


    Samsara ist kein Ort, der in seiner Essenz von Nirvana verschieden wäre, die Unterscheidung besteht implizit in der Wahrnehmung dieser Welt.


    1. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das nibbāna asaṅkhata ist und saṃsāra sankhata ist?

    2. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das nibbāna nicca und adukkha ist, saṃsāra aber anicca und dukkha?

    3. Folgt aus 1. und 2. nicht, das nibbāna und saṃsāra verschieden sein müssen?

    4. Lehrte der Buddha nicht, das gerade weil nibbāna in seiner "Essenz" von saṃsāra verschieden ist, ein Befreiung überhaupt möglich ist?

    5. Sind nibbāna und saṃsāra schon deswegen gleich, weil sie anatta und suñña sind? Sind ein Apfel und ein Auto, die beide beweglich und grün sind, schon deswegen gleich? Anders ausgedrückt: wenn a und b in x und y gleich sind, können sie dann nicht in z1 und z2 verschieden sein und müssen damit insgesamt verschieden sein, auch wenn sie sich (nur) in x und y gleichen?


    Die Welt ist leer, Samsara heisst, das nicht zu erkennen. Nirvana heisst, das zu erkennen.


    6. Heißt das etwa, nur weil ein Erwachter oder Heiliger nibbāna erreicht hat, gäbe es den saṃsāra, dem ein Erwachter oder Heiliger enthoben ist, nicht mehr (in der "Welt")?

    7. Warum soll saṃsāra nur dann vorhanden sein, wenn man ihn nicht erkennt bzw. die Welt (wird damit eigentlich loka oder jagati gemeint?) nicht als suñña?


    Mit mettā

    Vibhajjavādī

  • Wenn Du mir die 1000 Fachbegriffe erstmal übersetzt, könnte ich vielleicht antworten.


    Ich bevorzuge eine klare Sprache, in der ich die Dinge wiedergebe, wie ich sie gelernt habe. Ich bin mir recht sicher, dass es hier gravierende Unterschiede in der Sichtweise zwischen den philosophischen Schulen gibt. Was davon "wahr" sein mag? Wer wäre ich, das beurteilen zu wollen?


    Ich möchte hier einer gültigen Theravada-Sichtweise nicht widersprechen, respektiere diese als eine Sicht, die im Rahmen der Theravada-Interpretation der Lehren authentisch ist. Sofern dies hier so auf Zustimmung stösst.


    Jeder ist eingeladen, mit der gleichen Haltung in den entsprechenden Bereichen des Forums zu fragen, wie es sich in den dort vertretenen philosophischen Schulen verhält.


    Und wie gesagt, wenn Du mir Deinen Beitrag ein wenig übersetzt, und das gewünscht ist, kann ich gerne versuchen die Unterschiede zu verstehen und zu ergründen, ob man sie vielleicht unter einen Hut bringen kann - und wenn nicht, woran das liegen könnte :)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Ich versuch mal, losgelöst von Deinem Beitrag, kurz in anderer Form die Sichtweise darzustellen, die ich angerissen habe:


    Da ist die Welt, egal ob ein Baum, ein Schmerz oder ein Gedanke. Wenn ich der Illusion aufliege, dann sehe ich den Baum als festes Objekt, das "Baum" heisst, etwas, das aus sich selbst heraus real ist. Ich möchte ihn vielleicht besitzen, oder fällen und loswerden. Ich erlebe den Schmerz als etwas Reales, das sich auf mein Ich bezieht und will ihn daher loswerden. Vielleicht will ich den Menschen verletzen, der mir den Schmerz zugefügt hat. Daraus folgen weitere Wirkungen. Ich erlebe einen Gedanken "Ich will mich rächen" und halte diesen Gedanken für real. Aus dem Gedanken wird eine Handlung; Karma setzt sich fort. Das ist Samsara.


    Da ist die Welt, egal ob ein Baum, ein Schmerz oder ein Gedanke. Wenn ich jenseits der Illusion bin, weiss ich, dass der Baum zusammengesetzt ist, ein Produkt von Bedingungen, etwas, das nicht aus sich selbst heraus real ist, sondern lediglich eine bedingte Wahrheit. Ich erlebe den Schmerz als etwas, das kommt und geht, da ist kein Ich, das verletzt worden wäre. Vielleicht ist es weise, zu reagieren, vielleicht ist es weise, nicht zu reagieren. Das hat nichts mit einem Ich zu tun, denn da ist kein Ich. Da ist ein Gedanke "Ich will mich rächen", ich weiss, der Gedanke kommt und geht. Ich muss nicht darauf reagieren, ich weiss: Rache ist Samsara. Rache ist karmisch. Aus dem Gedanken wird keine Handlung, kein Karma setzt sich fort. Das ist Nirvana.


    Der gleiche Baum, der gleiche Schmerz, der gleiche Gedanke; der gleiche Körper. Aber ein anderes Bewusstsein, mal in der Illusion gefangen, ich-haft. Mal jenseits der Illusionen, ich-los.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • sati Achtsamkeit
    samādhi Sammlung
    udhacca Aufgeregtheit, geistige Unruhe
    dhātu Element
    sankhāra Formationen, Gebilde: Geistesformationen, Karmaformationen
    rūpûpādāna Anhaftungsgruppe Körperlichkeit
    khandha Daseinsgruppe
    nāma-rūpa das Geistige und Körperliche
    jhāna Vertiefung, Selbstversenkung
    cetanā Willen, bisweilen Willensbetätigung, Karma
    mano-sañcetanā geistiger Wille, geistiges Karma
    āsava Strömungen, Einströmungen; Triebe
    pīti Interesse, Begeisterung, Verzückung
    atta-vāda Persönlichkeitslehre
    bojjhanga Erleuchtungsglied
    sotāpatti Strom-Eintritt
    vibhava-tanhā Selbstvernichtungs-Begehren
    phassa sinnlicher oder geistiger Eindruck
    paticca-samuppāda bedingte Entstehung
    salāyatana 6 Grundlagen, d.i. die 5 physischen Sinnenorgane und als 6. das Bewußtsein
    sammāsati rechte Achtsamkeit
    anattā Ichlosigkeit, Unpersönlichkeit und Prozeßartigkeit alles Daseins


    Ich habe von dem Link mal ein paar Begriffe "eingesammelt"


    Ihr habt ja sicher schon gesehen, dass wir angefangen habe, das Lexikon mit der Glossarfunktion / Autoverlinkung mit Begriffen zu füllen, die dann im Forum automatisch wenn sie geschrieben werden, erklärt oder übersetzt werden.


    Würde man die wichtigsten Begriffe (mit Synonymen für Pali, Sanskrit, Tibetisch idealerweise) dort eintragen, würden sich solche Beiträge sozusagen automatisch übersetzen. Ich glaube der Nutzen für die Mitglieder und für die Gäste / Allgemeinheit könnte sehr gross sein!


    Ausserdem würde es die gegenseitige Verständigung im Forum erhöhen. Das können wir aber nur leisten, wenn einige zuverlässig mitmachen, v.a. müsste es aus jeder Richtung fachkompetente Mitarbeit geben. Die Glossarfunktion muss mit Definitionen gefüllt werden, die unstrittig sind. Für kontroverse Sichtweisen gibt es dann Artikel mit einem zusätzlichen "Tag" die man gezielt in Beiträge übernehmen kann.


    Eine blosse Übersetzung wie oben fände ich aber noch nicht ausreichend, sonst könnte man ja das oben aus der Tabelle einfach übertragen. Ich habe selbst dafür nicht wirklich die Zeit gerade. Eigentlich müsste man jeden dieser Begriffe so definieren, dass auch die Synonyme gleich sichtbar werden usw. Dafür ist Wikipedia m.E. eine gute Quelle, bisher habe ich da alles gefunden und man weiss, dass man es übernehmen darf, wenn man es verlinkt. Wer motiviert ist, da mitzuhelfen, bitte sehr gerne bei uns melden! :)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Werter kilaya,


    danke für Deine Antwort.

    Und wie gesagt, wenn Du mir Deinen Beitrag ein wenig übersetzt, und das gewünscht ist, kann ich gerne versuchen die Unterschiede zu verstehen und zu ergründen, ob man sie vielleicht unter einen Hut bringen kann - und wenn nicht, woran das liegen könnte :)


    Das mache ich gern. Nur zur Erklärung: In dem Theravāda-Forumsbereich wollte ich niemanden mit Übersetzungen langweilen. Aber zukünftig werde ich immer eine deutsche Übersetzung hinzufügen. Die sieben Fragen habe ich hier nun einfach kopiert und die Pāliwörter ersetzt:


    1. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das Erlöschen/Verwehen unbedingt/ungestaltet ist und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf bedingt/gestaltet ist?


    2. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das Erlöschen/Verwehen beständig und unleidhaft ist, Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf aber unbeständig und leidhaft?


    3. Folgt aus 1. und 2. nicht, dass Erlöschen/Verwehen und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf verschieden sein müssen?


    4. Lehrte der Buddha nicht, das gerade weil Erlöschen/Verwehen in seiner "Essenz" von Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf verschieden ist, ein Befreiung überhaupt möglich ist?


    5. Sind Erlöschen/Verwehen und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf schon deswegen gleich, weil sie seelenlos/nichtselbst und leer sind? Sind ein Apfel und ein Auto, die beide beweglich und grün sind, schon deswegen gleich? Anders ausgedrückt: wenn a und b in x und y gleich sind, können sie dann nicht in z1 und z2 verschieden sein und müssen damit insgesamt verschieden sein, auch wenn sie sich (nur) in x und y gleichen?


    6. Heißt das etwa, nur weil ein Erwachter oder Heiliger Erlöschen/Verwehen erreicht hat, gäbe es das bzw. den Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf, dem ein Erwachter oder Heiliger enthoben ist, nicht mehr (in der "Welt")?


    7. Warum soll Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf nur dann vorhanden sein, wenn man es nicht erkennt bzw. die Welt nicht als leer?


    Mit mettā

    Vibhajjavādī

  • Das mache ich gern. Nur zur Erklärung: In dem Theravāda-Forumsbereich wollte ich niemanden mit Übersetzungen langweilen. Aber zukünftig werde ich immer eine deutsche Übersetzung hinzufügen. Die sieben Fragen habe ich hier nun einfach kopiert und die Pāliwörter ersetzt:

    Erstmal kurz dazu: danke schonmal! Und: wenn wir wie oben vorgeschlagen das Lexikon füllen, brauchst Du das nicht zu tun, dann kannst Du einfach schreiben, und wer etwas nicht weiss, kann es mit dem Mouseover-Popover nachsehen. :)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
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  • Zitat

    1. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das Erlöschen/Verwehen unbedingt/ungestaltet ist und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf bedingt/gestaltet ist?

    Ich würde da nochmal einen Unterschied machen zwischen Nirvana und Parinirvana. Ein vollständiges Verlöschen wäre das Aufgeben sämtlicher individueller Aspekte und würde die Bindung mit der Welt vollständig lösen. Das, was in der Aussage "Samsara = Nirvana" gemeint ist, wäre dann nicht dieses endgültige Verlöschen, sondern ein "Verlöschen des Ich in der Welt". Ich finde eigentlich auch, dass man "Samsara = Nirvana" gar nicht so schreiben sollte. Denn das stimmt ja so nicht: es ist ja die Welt, die gleich bleibt, während sie je nach Wahrnehmung "samsarisch" oder "nirvanisch" erlebt wird.


    Zitat

    2. Wenn dem so wäre, warum lehrte der Buddha, das Erlöschen/Verwehen beständig und unleidhaft ist, Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf aber unbeständig und leidhaft?

    Das würde auch auf das "einfache Nirvana" zutreffen: der Zustand ist beständig und unleidhaft. Während die Welt natürlich weiter unbeständig und leidhaft ist, aber das würde nicht auf die Erfahrung des so erleuchteten zutreffen.


    Zitat

    3. Folgt aus 1. und 2. nicht, dass Erlöschen/Verwehen und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf verschieden sein müssen?

    Sie werden auf jeden Fall verschieden erlebt; wenn Parinirvana dann ein endgültiger Austritt aus der Welt ist, dann ist es auch verschieden von der Welt, man kann dann ja eigentlich auch nicht mehr von einer "Erfahrung" sprechen, denn da ist ja niemand mehr, der "erfahren" könnte(?)


    Zitat

    4. Lehrte der Buddha nicht, das gerade weil Erlöschen/Verwehen in seiner "Essenz" von Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf verschieden ist, ein Befreiung überhaupt möglich ist?

    Mit der "Essenz" tue ich mich da schwer. Was ist die Essenz von "Leerheit"? Ich würde auf der Ebene einer "Essenz" sogar sagen, dass gerade die Essenz immer gleich ist. Nicht etwa, weil Nirvana in der Essenz wie die Welt wäre, sondern weil die Welt in ihrer Essenz wie Nirvana ist. Das Ungeborene, Ewige. Das meint dann wohl auch diese Gleichsetzung: "Samsara = Nirvana" - nicht die Welt ist das, was gleich ist, sondern die Essenz: Samsara und Nirvana bestehen aus der gleichen "Nicht-Substanz". Samsara ist ein "Trugbild", eine traumartige Erscheinung, geträumt von einem Buddha, der vergessen hat, dass er ein Buddha ist.


    Zitat

    5. Sind Erlöschen/Verwehen und Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf schon deswegen gleich, weil sie seelenlos/nichtselbst und leer sind? Sind ein Apfel und ein Auto, die beide beweglich und grün sind, schon deswegen gleich? Anders ausgedrückt: wenn a und b in x und y gleich sind, können sie dann nicht in z1 und z2 verschieden sein und müssen damit insgesamt verschieden sein, auch wenn sie sich (nur) in x und y gleichen?

    Deswegen drückt sich die gleiche Essenz ja so verschiedenartig aus, dass man nicht nur in der Welt Dinge unterscheiden kann und muss, sondern eben auch die Erfahrungsqualität samsarisch oder nirvanisch sein kann. "Von gleicher Natur" meint eben nicht "von gleicher Ausdrucksform".


    Zitat

    6. Heißt das etwa, nur weil ein Erwachter oder Heiliger Erlöschen/Verwehen erreicht hat, gäbe es das bzw. den Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf, dem ein Erwachter oder Heiliger enthoben ist, nicht mehr (in der "Welt")?

    Das verstehe ich nicht, warum sollte das eine Konsequenz eines solchen Konzeptes sein?

    Zitat

    7. Warum soll Weiterwandern/Werdens- und Vergehens-Kreislauf nur dann vorhanden sein, wenn man es nicht erkennt bzw. die Welt nicht als leer?

    Das ist nicht gemeint. Für andere, die noch in der Illusion verhaftet sind bleibt Samsara natürlich Samsara. Ein Buddha erkennt auch, dass es für andere samsarisch bleibt. Deswegen hat der Buddha Shakyamuni ja auch nach seiner Erleuchtung so viel und lange gelehrt. Aber er erlebt die Welt eben als den "Traum" der sie ist, die Objekte und das Ich als "leer". Seine Existenz, sein Handeln, sein Wirken ist nicht mehr karmisch, weil es niemand gibt, der handelt, auf den Karma bezogen sein kann.


    Dies entspricht meinem Verständnis, die Begriffe und Erklärungen basieren nicht zu 100% auf den mir bekannten Lehren sondern wurden durch eigene Überlegungen ergänzt.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • ich muss mich jetzt hier entschuldigen, ich komme nicht mehr mit. Muss mich auf die ersten zwei Posts konzentrieren seit gestern Abend also erstens den Post von mkha' da es da um den Text geht den ich grade studiere und zweitens auf den Post von accinca denn ich wollte ja mal etwas aus dem Palikanon verstehen.


    Außer Danke kann ich zu den Posts aber auch nichts sagen, da ich sie momentan noch nicht verstehe.


    void und kilaya könntet ihr den Post 32 von mkha abtrennen? Wir sind da irgendwie nach Mahayana gekommen, da ich versuchte damit zu argumentieren, ich kenne eben den Palikanon nicht. Also wenn ich da weiter drüber rede wär ich hier Forums-mässig off-topic. Vielleicht mangels Mahayana-Unterforum in den tibetischen Bereich?

  • Vedana : erstmal sacken lassen und etwas in der Sonne rumhängen :)


    Und ja, auch meine Lehrer sagen Samsara und Nirvana entstehen im Geist.


    Ist doch toll :sunny::sunny::sunny::rainbow::sunny::sunny::sunny:

    Mein kleiner Garten: wild und etwas chaotisch, nicht gar so oft gepflegt, wird er doch jedes Jahr schöner. Viele Pflanzen und Tiere ziehen hier einfach ohne Zutun ein und bereichern das Bild. Und das Gemüsebeet lässt sich wunderbar umrunden...

  • Vedana : erstmal sacken lassen und etwas in der Sonne rumhängen :)


    Und ja, auch meine Lehrer sagen Samsara und Nirvana entstehen im Geist.


    Ist doch toll :sunny::sunny::sunny::rainbow::sunny::sunny::sunny:


    Hi Lucy.


    Es kann meiner Ansicht nach nicht sein, das Samsara irgendwie gleichbedeutend mit Nirvana ist.


    Die haben mich ganz schön denken lassen gestern noch , die Turmalin und der kilaya


    :D


    So sehe ich es:

    "Samsara" = "Bedingte Entstehung" = "Leerheit" ?!


    Deswegen ist eine Analogie für Leerheit aus meiner Sicht auch eine für bedingte Entstehung

    und Samsara.



    :rainbow:

  • Moderation:

    Hab mal die passenden Beiträge verschoben, da Du ja schon einen eigenen Thread dazu gestartet hattest: "Samsara" = "Bedingte Entstehung" = "Leerheit" ?!

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  • So sehe ich es: "Samsara" = "Bedingte Entstehung" = "Leerheit" ?!


    Deswegen ist eine Analogie für Leerheit aus meiner Sicht auch eine für bedingte Entstehung und Samsara.

    Hallo Vedana ,

    eigentlich wollte ich nicht überall meinen Senf hinzu geben, aber dann fand ich diese (meines Erachtens recht eingängigen) Erklärungen. Vielleicht helfen sie Dir weiteṛ LG mkha'


    Nagarjuna versteht das wirklich Reale als Leerheit. Nirvana ist demgemäß die Erkenntnis der Leere, aus der und in der alles Vergängliche lebt. Quelle: Weber-Brosamer, Back, Die Philosophie der Leere. Nāgārjunas Mulamadhyamaka-Karikas


    Zum besseren Vertsändnis:


    Die Identität von Leerheit und Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit und die dynamische Wechselbeziehung zwischen den beiden Wahrheiten der Madhyamika-Philosophie finden ihre spirituelle Verwirklichung in der Mahayana-Lehre Samsara ist Nirvana.


    Für einen Buddhisten ist Nirvana das Ziel, das er durch das Hinter-sich-lassen des Samsara erreichen kann. Will man sich vom Leiden befreien, darf man nicht dem Samsara verhaftet sein.


    "Während seiner ganzen Geschichte hat der Mahayana-Buddhismus immer gesagt: Verweile nicht im Nirvana. Er hat aber auch immer gesagt: Verweile nicht im Samsara. Verweilt man im sogenannten Nirvana, weil man das Samsara transzendiert hat, ist man noch nicht frei von Festhalten, denn man haftet noch am Nirvana, und dieses Unterscheiden zwischen Nirvana und Samsara wirkt sich einschränkend aus." (Masao Abe, Zen and Western Thought) ….


    … "Nirvana im mahayanischen Sinne transzendiert zwar Samsara, es ist aber nichts anderes als die Verwirklichung von Samsara als Samsara - nicht mehr und nicht weniger. Und dies ist nur dadurch möglich, daß man vollkommen ins Samsara zurückkehrt. Aus diesem Grund heißt es im Mahayana vom wahren Nirvana: Samsara ist Nirvana.


    … Der Mahayana-Buddhismus betont also, "dass man um der Weisheit willen nicht im Samsara verweilen soll, und dass man nicht im Nirvana verweilen soll, um sein Mitgefühl zur Erfüllung zu bringen".


    Dieses vollkommene Nicht-Verweilen, dieses freie Pendeln zwischen Samsara und Nirvana, zwischen Nirvana und Samsara, ist das wahre Nirvana im mahayanistischen Sinne. Und dies ist die soteriologische Bedeutung der Leerheit.


    Quelle: Leerheit und Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit von Prof. Masao Abe, Kyoto


    Wie das zu bewerkstelligen ist?


    Wer vor nichts in dieser Welt erzittert

    Und das Gute wie das Böse kennt,

    Stillgeworden, wutlos, leidlos, wunschlos:

    Der ist Alter und Geburt entfloh’n.

    http://www.palikanon.com/buddhbib/08wegerlos/weg_erlos04.htm