Zazen „bringt nix“

39 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Schneelöwin.

  • Hallo zusammen ich möchte euch mal meine Erfahrungen zu Zazen schildern.Da wie ihr wisst ich seit ca. Eine halben Jahr Zazen praktiziere. Ist es für mich immer noch recht schwer einfach zu Sitzen. Der Geist ist mächtig das ist klar. Aber das ist ja eigentlich gut so. Im Aoto soll man sich auf die Sitzhaltung sonst nix konzentrieren so habe ich das gelesen. in anderen Zazen wieder auf nichts bestimmtes aber wie kann man da eigentlich die Gedanken intensivieren bzw alles gehen lassen. Loslassen damit habe immer noch meine Probleme ich bemerke den Gedanken und dann? Alle reden über loslassen aber wie macht man das?LG

  • Antwort aus Tibetisch-buddhistischer Sicht: Bringt nix? Macht nix! :)


    Bitte keine Erwartungen haben ... Meditation ist kein Leistungssport. "Gom" ist das Tibetische Wort für Meditation und bedeutet in etwa: "Sich-gewöhnen-an"


    Im Tib. Buddhismus - heißt es: "Es ist die Natur des Geistes, Gedanken zu produzieren; vergewaltige ihn nicht, in dem Du ihn zwingst."


    Du sitzt, achtest auf Deine Sitzhaltung, (z.B. Rücken gerade, Kinn leicht zur Brust, Arme, usw.), ... und bemerkst plötzlich: oh - meine Gedanken haben mich weit davon getragen, z.B. zu den Aktivitäten des heutigen Abends, gestrigen Tages, zu morgigen Verpflichtungen ...


    Das kann jedem passieren. Du hast es bemerkt, (das ist doch prima), Gedanken nicht weiterspinnen: (wie z.B.: wieso habe ich an all dies gedacht? oder was mag da noch alles kommen? Schaffe ich es je, bei der sache zu bleiben?), das Wandern der Gedanken bitte nicht bewerten, (wie z.B.: schlecht gelaufen), sondern sanft zur Beachtung der Sitzhaltung zurückführen.


    LG mkha'

  • Eins ist komisch dabei.Ich erlebe seither auch im Alltag wie sich die Gedanken formen bzw. Da sind.voher sind die mir nie so aufgefallen. Nur gebunden mit Emotionen diese loszulassen das ist für mich zur Zeit nicht machbar.Soll ich dann nur bei der Sitz bzw Haltung Betrachtung bleiben? Wie macht man die andere Form einfach „alles“ kommen und gehen zu lassen. Wie unterscheidet man wo ist der Gedanke bzw die Empfindung. Grüße

  • ist doch super. Aber auch hier wieder die selbe Antwort wie oben.
    Es kommt dir nur deshalb "komisch" vor, weil du eben gewohnt bist, immer iwas zu machen und (falsch) erwartest, dass sich dann auch das gewünschte Ergebnis einstellt. Das geht aber nur bei sehr einfachen Dingen, für die grundsätzlichen Fragen des Lebens bekommt man auf diese Weise keine Antworten, kann nichts erzwingen oder vorsorgen. Das ist ja das was der Buddha "Dukkha" nennt - und was wir gern verdrängen. Hier wirst du jetzt mit der Nase drauf gestoßen.

  • Wenn man einen Gedanken denkt und ihn weiterspinnt etc dann "ergreift man den Gedanken". Also wenn ich daran denke was ich morgen einkaufen muss, dann sieht die Kette von Gedanken, etwa so aus, ich brauche Lebensmittel x und y und z und das noch , Ach ja und wenn ich schon im Lebensmittelladen bin, dann ist da daneben die Wäscherei da könnte ich ja die Blusen von letzter WOche abhohlen, ach hoffentlich haben sie sie diesesmal sauber bekommen, weil auf der aHochzeit habe ich ich mit diesen häßlichen Rotweinflecken drauf gemacht, ach hab ich mich da geärgert, nein ich ,ärgere mich immer noch denn es war meine Lieblingsbluse, oder soll ich sie lieber gleich abschreiben und mir dann morgen doch gleich eine neue kaufen, ach egal egal ob der Fleck raus ist ich kauf mir auf jeden Fall eine neue...... usw usw.


    Wenn man bemerkt, dass man gerade in so einem Gedanken oder eine Kette von Gedanken drinnen ist, dann kann man mit der Aufmerksamkeit zum Meditationsobjekt zurückkehren, also zB zu dem Atem und den wieder absichtlich bewust beobachten. Wenn das klappt und in einem dann nur noch das beobachten des Atems wäre, dann hat man den Gedanken losgelassen. Metagedanken, wie zB warum habe ich jetzt schon wieder an den Einkauf gedacht, oder warum bin ich denn jetzt nicht beim Atem beobachten geblieben, solche Gedanken sollte man auch loslassen.


    Es kann natürlich sein, dass man dann erst einmal bemerkt, was man denn so die ganze Zeit denkt, dass die Gedanken im normalen Bewustsein im Alltag sich immer weiter von Thema zu Thema hangeln und kontinuierlich irgendetwas gedacht wird. In der Meditation bemerkt man das verschärft, weil man die Aufmerksamkeit auf seine Gedanken richtet, bzw darauf, dass die Gedanken bei einem Meditationsobjekt verweilen, und dass das wohl nicht ganz so einfach ist wie es vielleicht klingt.


    Also das man bei der Meditation an nichts denkt, ich finde das ist unglücklich formuliert. Ja man versucht schon nicht die ganze Zeit Alltagsgedanken zu denken, aber das verweilen der Aufmerksamkeit auf dem Meditatiosnobjekt ist halt mehr als nichts, meiner Meinung nach.

  • Erst einmal ist ein halbes Jahr Praxis so gut wie "gar nix", deswegen "bringt nix".


    Aber: Du kannst nie genau wissen, ob es tatsächlich "nichts gebracht" hat. Zazen ist vordergründig nicht ergebnisorientiert - doch gerade deswegen stellen sich Ergebnisse mit Sicherheit ein. Nur bemerkt man die oft nicht, da sie tiefere Ebenen betreffen und Blockaden erst einmal abgearbeitet werden müssen.


    Mach einfach weiter und schau nicht darauf, was es "gebracht" hat. Zazen zahlt sich immer aus, doch muss man erst in Vertrauen darin investieren.

  • Sida0211:

    ... Alle reden über loslassen aber wie macht man das?LG


    So lange du das "Loslassen" festhältst ist es wohl schwierig. :D:upsidedown:


    Sitz doch erst mal einfach nur. Schau dir zu, wie du atmest, deine Gedanken kommen und gehen, Gefühle kommen und gehen, Spekulationen kommen und gehen...usw.


    Einfach nur sitzen ist genug. Und wie du gerade merkst, nicht so einfach, wie es sich anhört.
    Du hast wahrscheinlich ganz bestimmte Vorstellungen, wie es so sein sollte, das Zazen. Das ist verständlich aber auch ein Hindernis.
    Und ich kann es nur immer wieder, fast mantraartig wiederholen, übe in einer Gruppe, mit einem Lehrer.

    Der Ton der Flöte

    durchdringt sehnsuchtsvoll mein Herz.

    Herbstlaub tanzt im Wind.

  • Sida0211:

    Wie unterscheidet man wo ist der Gedanke bzw die Empfindung. Grüße


    Gedanke und Empfindung treten gemeinsam auf. Wenn wir anfangen zu unterscheiden, klammern wir uns fest, entweder am Gedanken oder am Gefühl. Es braucht Gleichmut um dem Treiben einfach nur zu zu sehen und es kommen und gehen zu lassen.
    Ich empfehle dir mal Kodo Sawaki, Jeder Tag ist ein guter Tag.
    Da sind auch praktische Anleitungen drin und jede Menge guter Gedanken.

  • Sida0211:

    Loslassen damit habe immer noch meine Probleme ich bemerke den Gedanken und dann? Alle reden über loslassen aber wie macht man das?LG


    Hallo Sida,


    kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.


    Glückwunsch, Du bist meiner Meinung nach auf einem sehr guten Weg! Auch Zweifel gehören dazu.


    Irgendwann wirst Du sehen: "Oh, es ist ja der Job meines Gehirns, Gedanken zu erzeugen. Na gut, mach mal; ich hab jetzt grad keine Zeit, will sitzen...". Das könnte man dann loslassen nennen. :)


    Stay tuned,
    Aravind.

  • Nicht: Ich WILL sitzen, sondern ich sitze. Das Hirn verwendet Begriffe so wie sie ankommen. Wenn das WILL auftaucht wird sofort das Ziel erreichen wollen/müssen eingeschaltet.Das mit dem Job der Hirns finde ich gut. Mein Hinweis dient nur dem Benutzer seines Hirns.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut


  • Ellviral:

    Wenn das WILL auftaucht wird sofort das Ziel erreichen wollen/müssen eingeschaltet.


    Ist bei mir nicht im geringsten so, aber danke für den Hinweis! Ohne "will" ist man jedenfalls auf der sicheren Seite... :wink: Als Anfänger sowieso.


    PS: Wenn ich dem so nachspüre, kommt es tatsächlich auf die Feinheiten im Ton an. Wenn ich mir vorstelle: "Ich will sitzen.", dann fühlt sich das nur wie eine Bekräfigung dessen an, was ich gerade tue, ohne Ziel und müssen.


    Wenn ich mir vorstelle: "Ich *will* sitzen! (nerv mich nicht)", dann ist sofort Negativität und müssen dabei.

  • Tut doch nicht so "heilig". Jeder beginnt mit einem Ziel und Erfolgs-Suche.
    Wahr wird es erst nach langer Zeit, wenn sich dies auflöst und einfach nur das Jetzt übrig bleibt.


    _()

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • jianwang:

    Tut doch nicht so "heilig". Jeder beginnt mit einem Ziel und Erfolgs-Suche.
    Wahr wird es erst nach langer Zeit, wenn sich dies auflöst und einfach nur das Jetzt übrig bleibt.


    _()


    :P Egal, wie man tut oder nicht tut, während man es sagt, es ist trotzdem nunmal einfach ganz simpel so in allen Bereichen:
    Greifst du zu, wird es zerdrückt. Lässt du los, folgt es dir nach. :rainbow: Ich hab das nicht erfunden. :angel:

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Festus:
    jianwang:

    Tut doch nicht so "heilig"....


    Bei Dir kommen also einige Antworten so an, als würden sich die Schreiber für heilig halten? Ist das so, Jianwang?


    Ich pflege zu meinen, was ich schreibe.

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • jianwang:
    Festus:
    jianwang:

    Tut doch nicht so "heilig"....


    Bei Dir kommen also einige Antworten so an, als würden sich die Schreiber für heilig halten? Ist das so, Jianwang?


    Ich pflege zu meinen, was ich schreibe.


    Das dachte ich mir. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

    Der Ton der Flöte

    durchdringt sehnsuchtsvoll mein Herz.

    Herbstlaub tanzt im Wind.

  • Guten Morgen meine Mitstreiter. Erst einmal vielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten. Zum einen möchte ich sagen ein Ziel habe ich schon Ruhe und Gelassenheit wie so denke ich auch andere. In der heutigen Zeit gibt es in dieser Gesellschaft nur noch wenige Momente wo das noch möglich ist leider. Daher meine Selbsterkenntnis es selbst in die Hand zu nehmen. Natürlich bin ich nicht mal morgens aufgestanden und habe mir gesagt ich bin jetzt bereit Ruhe zu finden. Sagen wir mal eine Lebenskrise kam mir dazwischen. In dieser habe ich erkannt das es so nicht mehr weiter gehen kann und das es nicht Sinn des Lebens ist immer im Konsumrausch zu sein. Daher meine Beschätigung mit Meditation. Nur so mal als Hintergrund zu mir. Ich denke auch hier bin ich nicht allein.
    Da ich immer Rückenschmerzen Nach der Meditation habe ist es auch möglich die Haltung zu ändern in Seiza heißt das Glaube ich?
    Wie gesagt mir fällt es schon schwer alles gehen zu lassen was so denke ich auch normal ist.
    Lg

  • Sida0211:

    ......Da ich immer Rückenschmerzen Nach der Meditation habe ist es auch möglich die Haltung zu ändern in Seiza heißt das Glaube ich?...


    Sicher kannst du auch deine Haltung ändern. Während der Meditation sollte der Rücken gerade aufgerichtet sein. Wenn du das nicht gewohnt bist, gibt es Muskelkater und ggf. auch Verspannungen. Aber das gibt sich. :)

    Der Ton der Flöte

    durchdringt sehnsuchtsvoll mein Herz.

    Herbstlaub tanzt im Wind.

  • Einfach nicht glauben das irgendjemand weiß wie ich sitzen muss. Es gibt genügend Bilder von in allen möglichen Formen sitzenden Menschen. Ausprobieren, verwerfen und irgendwann hab ich meinen Sitz gefunden und dann gibt es keinen Meister der mit sagen kann wie ich zu sitzen habe. Vielleicht kann er mir helfen so zu sitzen wie es meinem Körper gemäß ist, aber er weiß nie wie ich zu sitzen habe, soll. Ich habe nie Schmerzen hingenommen weil da irgendjemand behauptet das das normal ist. Immer eine Lüge! Oder Selbstbetrug. Es kann ja sein das man nach einigen Jahren im Lotos sitzen kann, ein Ziel darf das nicht sein, nur eine Möglichkeit.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut


  • Bakram:

    Das mit dem "Sitzen" ist meiner Ansicht nach so eine gemeinsame Eigenart von Deutschen und Japanern:


    Nur sitzen geht nicht, zumindest diszipliniert soll es sein. :lol::lol:

    Und wehe die Hände sind nicht ganz genau so wie der große Meister es vorgeschrieben hat.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut