Ein säkularer Buddhismus – von Stephen Batchelor

There are 140 replies in this Thread. The last Post () by Geronimo.

  • Dieser Essay lotet die Möglichkeit einer vollständig säkularen Neudefinition von Buddhismus aus. Er argumentiert, dass eine solche säkulare Re-Formation über das Modifizieren einer traditionellen buddhistischen Schule, Praxis oder Ideologie hinausgehen würde, welches nur auf ihre Vereinbarkeit mit der Moderne abzielt, sondern ein grundlegendes Überdenken der Kernideen beinhalten würde, auf denen die Konzeption des «Buddhismus» beruht. Beginnend mit einer kritischen Interpretation der vier edlen Wahrheiten, wie sie in Buddhas erster Lehrrede dargelegt werden, schlägt der Autor vor, Erwachen nicht im Sinne von «Wahrheiten» zu begreifen, die zu verstehen sind, sondern als «Aufgaben», die zu vollenden sind. Solch eine pragmatische Herangehensweise macht es möglich, über die Grenzen einer auf Glauben beruhenden Metaphysik der klassischen indischen Erlösungslehre (Buddhismus 1.0) hinauszugehen, und zu einer praxisbezogenen, post-metaphysischen Vision des Dharmas (Buddhismus 2.0) zu gelangen.


    http://www.saekularerbuddhismus.org/?page_id=1251

  • Batchelor:

    Quote

    Meine Absicht ist es aufzuzeigen, was passieren könnte, wenn «Buddhismus» oder «dharma» rigoros durch diese drei Bedeutungen des Begriffs «säkular» bestimmt werden. In anderen Worten, wie würde wohl ein nicht-religiöser, diesseitiger, säkularisierter Buddhismus aussehen? In welchem Ausmaß können wir diesen Säkularisierungsprozess bereits beobachten? Kann der Buddhismus – so wie er traditionell verstanden wird – diesen Prozess unversehrt überleben? Oder erleben wir das Ende des Buddhismus, zumindest so wie wir ihn kennen, und den Beginn von irgendetwas anderem?


    :lol:


    Danke für diese Jokes !

  • Hi Merkur-Uranus.


    Hier gibt es bereits ein Forum für sowas.


    Ich habe den Eindruck, dass Mr Batchelor zwar dannundwann auf die ursprünglichen Suttas als Inspiration für seine Bemühungen deutet, aber selbst zuvor als Mönch keinen Erfolg hatte, ins Eheleben gegangen ist & somit nun seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.


    Es steht jedem frei, eine eigene zeitgemäße Interpretation unters Volk zu bringen.


    Ich neige eher dem zeitlosen Dhamma des Buddha zuzustimmen.


    Buddha sagt:


    Quote

    Das Dhamma, das auf solche Weise von mir wohl verkündet wurde, ist klar, offen, ersichtlich und frei von Flickwerk.


    http://www.phathue.de/buddhismus/mittlere-sammlung/mn22/


    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Quote from Merkur-Uranus

    Solch eine pragmatische Herangehensweise macht es möglich, über die Grenzen einer auf Glauben beruhenden Metaphysik der klassischen indischen Erlösungslehre (Buddhismus 1.0) hinauszugehen, und zu einer praxisbezogenen, post-metaphysischen Vision des Dharmas (Buddhismus 2.0) zu gelangen.


    Dieser sogenannte "Pragmatismus" verwässert den Buddhismus. Ohne den Gedanken der "Wiedergeburt" und "Karma", die Batchelor ablehnt, hat sein "Buddhismus 2.0" nicht wirklich etwas mit Buddhismus zu tun. Es erinnert mich daran: :D


    http://www.youtube.com/watch?v=MWUJvTyl-m4

  • Quote from Matthias65

    Ohne den Gedanken der "Wiedergeburt" und "Karma", die Batchelor ablehnt, hat sein "Buddhismus 2.0" nicht wirklich etwas mit Buddhismus zu tun.


    Mit aber auch nicht unbedingt.


    Buddha bezeichnete Kamma & (gute) Geburt als zur Sittlichkeit gehörend.


    Sittlichkeit ist aber nicht gleichzusetzen mit dem 'Kernholz' der Lehre.


    Sittlichkeit ist in der Lehre des Buddha eher wie die 'äußere Rinde' eines Baumes.


    Ruhm & Ansehen ist in der Lehre des Buddha wie die 'Äste & Zweige' eines Baumes.


    Konzentration (samadhi) wie die 'innere Rinde', usw.


    Siehe hier.


    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Christof Spitz - der Dolmetscher des Dalai Lama und Lehrer am Tibetischen Zentrum Hamburg - sagt folgendes dazu:


    "Ich bin mit Schmithausen der Meinung, dass die Kern-Praxis des Buddhismus nicht auf den Karma-Glauben angewiesen ist, unter der Bedingung, dass andere Maßstäbe für ethisches Handeln gefunden werden. Āryadeva nennt ja eindeutig die Gewaltlosigkeit, und um diese zu entwickeln, gibt es andere Mittel als den Glauben an Karma, nämlich Mitgefühl.


    Wiedergeburt, selbst wenn es sie geben sollte, woran Āryadeva und andere indische Meister wahrscheinlich glauben, ist sowieso Teil des Leidenskreislaufs, warum also daraus einen Bestandteil des Weges zur Befreiung machen?


    Und man kann und sollte sich wohl auch ernsthaft die Frage stellen, ob das Konzept der Wiedergeburt in Höllen- bis Götterbereichen noch zeitgemäß ist. Mit zeitgemäß meine ich nicht, ob es modern genug ist oder nicht, sondern, inwieweit es unseren heutigen Erkenntnissen entspricht, die sich in vielen Bereichen weiterentwickelt haben seit der damaligen Zeit. Wer wollte das bestreiten? In den klassischen buddhistischen Texten wird zum Beispiel die Bedeutung des Gehirns gar nicht erkannt, allenfalls könnte man die Beschreibung der Sinnesfähigkeiten noch irgendwie damit in Verbindung bringen. Wollen wir deshalb den Erkenntnisfortschritt der letzten Jahrhunderte negieren?


    Die zentralen Lehren aber sind davon meines Erachtens nicht tangiert und bleiben trotzdem gültig: die Lehre vom abhängigen Entstehen und vom Nicht-Selbst; die Sicht der Verbundenheit der Lebewesen und der Bedeutung von Nicht-Verletzen und Mitgefühl; die Notwendigkeit von ethischen Werten; die Tatache, dass unser Denken und Handeln Wirkungen auf uns selbst hat (diesen Teil der buddhistischen Variante der Karma-Lehre würde ich auch für wesentlich halten); die Bedeutung von meditativer Schulung. Zusammenfassen kann man das zu den zwei Punkten, die auch Āryadeva für den Kern der Lehre Buddhas hält.


    Insofern kann doch jemand, der sich auf diese beiden Punkte konzentriert, und andere Punkte eher als kulturell geprägtes Beiwerk hält, mit starken Argumenten sich als Buddhist empfinden."

  • Beim Buddha klingt es übrigens so, wenn jemand den Weg nicht ganz gehen kann:


    Quote

    Oder: gierüberwältigten Herzens wird da jener Mönch von körperlichen und geistigen Qualen verzehrt, und er denkt bei sich: 'So will ich denn zum Kloster gehen und den Mönchen mitteilen, daß ich von Gier überwältigt, von Gier übermannt bin; daß ich nicht länger den keuschen Wandel aushalte, daß ich hiermit meine Unfähigkeit zur Askese bekenne und die Askese aufgeben und zum niederen Weltleben zurückkehren will.' Während er sich aber auf dem Wege zum Kloster befindet, noch bevor er es erreicht hat, bekennt er schon unterwegs seine Unfähigkeit zur Askese, gibt die Askese auf und kehrt zum niederen Weltleben zurück. Jenem Krieger nun, der verwundet zu seinen Angehörigen geführt, doch noch bevor er sie erreicht, unterwegs den Tod erleidet, ihm ähnlich nenne ich jenen Menschen. So, ihr Mönche, steht es mit manchem Menschen. Dies aber, ihr Mönche, ist der zweite den Kriegern ähnliche Mensch, der unter den Mönchen anzutreffen ist.


    Zumindest aber sucht der Nachfolger die Schuld bei sich, und versucht nicht stattdessen die ganze Lehre zu ändern.

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

  • Die traditionellen Buddhisten verzerren sich immer so schön nach dem Bild des Mönches. Dabei sind sie zumeist zu faul, um selbst ins Kloster zu gehen und versuchen deshalb eine monastische Praxis in ein weltliches Alltagsleben zu pressen - sehr unschön.


    Der säkulare Buddhismus zeigt diesen Zwiespalt offen auf und bietet angemessene Möglichkeiten, die Lehre des Buddha im 21. Jahrhundert zu praktizieren.

  • Quote from Merkur-Uranus

    Die traditionellen Buddhisten verzerren sich immer so schön nach dem Bild des Mönches.



    Das sehe ich ähnlich, das monastische Gehabe der schrifttreuen Hardcorebuddies ist sehr amüsant!
    Aber wieso soll das unschön sein - jedem das seine!


    Quote from Merkur-Uranus

    Der säkulare Buddhismus zeigt diesen Zwiespalt offen auf und bietet angemessene Möglichkeiten, die Lehre des Buddha im 21. Jahrhundert zu praktizieren.


    Wie gesagt, jeder mag seine eigene Meinung haben, kein Problem!
    Aber warum sind wir Menschen immer so auf ein "Etikett" angewiesen?
    Ich bin ein spiritueller Spinner - mir reicht dieses Bezeichnung voll und ganz :D

  • Quote from Merkur-Uranus

    Die traditionellen Buddhisten verzerren sich immer so schön nach dem Bild des Mönches. Dabei sind sie zumeist zu faul, um selbst ins Kloster zu gehen und versuchen deshalb eine monastische Praxis in ein weltliches Alltagsleben zu pressen - sehr unschön.


    Der säkulare Buddhismus zeigt diesen Zwiespalt offen auf und bietet angemessene Möglichkeiten, die Lehre des Buddha im 21. Jahrhundert zu praktizieren.


    Jedes Leben sieht ein bisschen anders aus, und alles was man tun kann ist an sich selbst zu arbeiten. Es gibt auch sehr ernsthafte Nachfolger die aus verschiedenen Gründen (noch) nicht das weltliche Leben hinter sich lassen könne. Da solltest du nicht so unbedacht drüber urteilen... Aber viel wichtiger ist: Den Dharma kann man nicht weiter entwickeln. Das hat nichts mit monastisch oder weltlich oder faul oder fleißig zu tun. Und auch der Zugang zur Wahrheit (Dharma) ist immer und für alle Menschen der gleiche. Egal ob man in einem New Yorker Apartment oder am Fuße eines indischen Bergs lebt. Das Kloster oder die Mönchsgemeinde ist nur ein Hilfsmittel, da gibt es nichts zu romantisieren. Ob und wie man diese Hilfsmittel nutzt liegt an jedem selbst.


    Aber die Lehre bedeutet nunmal auch ganz fundamental Stille und Sammlung...

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

    Edited 4 times, last by Geronimo ().

  • Quote from Merkur-Uranus

    Die traditionellen Buddhisten verzerren sich immer so schön nach dem Bild des Mönches. Dabei sind sie zumeist zu faul, um selbst ins Kloster zu gehen und versuchen deshalb eine monastische Praxis in ein weltliches Alltagsleben zu pressen - sehr unschön.


    Der säkulare Buddhismus zeigt diesen Zwiespalt offen auf und bietet angemessene Möglichkeiten, die Lehre des Buddha im 21. Jahrhundert zu praktizieren.


    Hi MU


    Klingt eher nach einem Zwiespalt bei den Batcheloristen. :lol:


    Wo genau soll deiner Ansicht nach der Unterschied sein zwischen den zwei Positionen?


    Laien-Bewegungen sind nichts Neues.


    Selbst zu Buddhas Zeiten gab es 'weiße Robenträger', die ihre weltlichen Belange erledigt hatten & nach 8 oder 10 Silas ein weitgehend zölibatäres Leben lebten, das nicht auf Sinneszerstreuung, sondern auf Meditation ausgerichtet war.


    Was will denn hier wieder & wieder das Rad neu erfinden?


    Was kann hier nicht einfach sein eigenes Ding durchziehen und dazu stehen, ohne die Lehre des Buddha zu verbiegen oder sich gegen Strohmann-Feindbilder hervorheben zu müssen?


    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Quote

    Was ich sage, meine ich zwar mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit, aber ich erkenne an, dass es ebenso bedingt und unvollkommen ist, wie irgendeine andere Interpretation des Dharma.


    Schreibt Herr Batchelor. Er sieht diese Vielfalt an buddhistischen Richtungen und denkt sich da passt keine so ganz in diese Zeit und Kultur im Westen, also stutzen wir das Ganze etwas zusammen, kein Kamma, Wiedergeburt, Nibbana und solche Nebensächlichkeiten. Naja warum nicht, eine kleine neue Richtung halt, jeder folgt seiner Sicht. Das hält niemand ab, der überlieferten Sicht des Buddha auf den Grund zu gehen.

    Mit Metta, mukti.

  • Buddhismus 2.0 ist nichts anderes als ein Etikett - das Batchelor an "seinen" Dharma sich hängt. Das ist so uninteressant und neben der Spur, wie jedes Geschwätz über den Dharma.


    Quote from Batchelor

    Im Gleichnis vom Floß beschreibt der Buddha «einen Mann im Laufe einer Reise», der an ein Gewässer kommt, dass er überqueren muss. Da keine Boote oder Brücken zur Verfügung stehen, ist seine einzige Option, ein Floß aus «Gras, Zweigen, Ästen, Blättern», und was an anderen Materialien er zur Hand hat, zusammenzuzimmern. Nachdem er es zusammengebunden hat, und «sich mit seinen Händen und Füßen anstrengt», gelingt es ihm, das gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Trotz seines offensichtlichen Nutzen, erkennt er, dass es keinen Sinn hat, das Floß weiter zu tragen, nachdem es seinen Zweck erfüllt hat. So lässt er es am Ufer zurück und setzt seinen Weg fort. Ähnlich kommt der Buddha zum Schluss: «Ich habe euch gezeigt, wie das Dharma ähnlich einem Floß dient, zum Zwecke des Überquerens, nicht zum Zweck des Festhaltens» [M. 22]. Diese Geschichte zeigt, wie das Dharma ein zweckmäßiges Hilfsmittel zur Verfügung stellt, um eine dringende Aufgabe zu erfüllen, nicht ein Ziel an sich, das um jeden Preis erhalten werden soll. Sie betont, wie man sich alles zu Nutze machen soll, was an Ressourcen zu einem gegebenen Zeitpunkt vorhanden ist, um das zu erreichen, was du zu tun hast. Es spielt keine Rolle, ob diese Ressourcen das sind, «was der Buddha wirklich gelehrt» oder nicht. Das einzige, was zählt, ist, ob eine solche Zusammenstellung verschiedener Elemente von jeglicher Hilfe ist, um dich über den Fluss zu bringen. So ist es mit dem Buddhismus 2.0. In Anbetracht dieses Gleichnisses macht es wenig Sinn zu fragen: «Ist das wirklich Buddhismus?» Die einzig relevante Frage ist: «Schwimmt es?»


    Mal davon abgesehen, dass der "Mann" auf die andere Seite des Flusses will, weil es auf seiner Seite gefährlich und unsicher ist und es auf der anderen Seite friedlich und sicher ist, was eine schöne Beschreibung für das Leben im Samsara bzw. Nirvana auch ist, ist der Dharma faktisch DAS was über diesen Fluss bringt. Und es ist DAS, was Buddha verkörpert und verwirklicht - und daher ist die Frage "Schwimmt es?" insofern verräterisch, als damit Batchelor sein mangelhaftes Vertrauen in DAS zeigt, was Buddha ist - . Für Buddha schwimmt es, denn er ist ja drüben gewesen und macht gewissermaßen den Fährmann - der Bodhisattva rudert hin und her und hilft mit dem Floss allen, die über den Fluss wollen. Aber sie müssen schon Vertrauen dass ES trägt. Wobei der Witz ja darin besteht, dass Dharma auch das, was trägt , das Tragende heißt.
    Es ist diese Unsicherheit, die Batchelor mit seinem Buddhismus-update 2.0 verschleiern will, und meint, wenn er sich da was selbst zurecht bastelt, könne er mehr Vertrauen in sein Floss haben, als wenn er es von Buddha übernimmt - das beschreibt auch seine eigene Beziehung zur Lehre, in die er sich nie wirklich eingelassen hat.
    Vertrauen in eine 2500 Jahre alte Lehre kann man m.E. durchaus haben und ob es "trägt" muss jeder mit seiner Praxis selbst ausprobieren und erfahren. Und was ist schon dabei, wenn man ab und an ins Wasser fällt? Wie heißt es da bei Jesus "Wer sein Leben behalten will, wird es verlieren" - ohne dass man sein Selbst riskiert und es aufgeben will, trägt der Dharma aber auch nicht - beides geht nicht - Batchelor und Buddha sind so nicht vereinbar.
    Als kleine Hilfe AN VII 15
    http://www.palikanon.de/angutt/a07_001-018.html#a_vii15

  • Ich denke so einen Batchelor hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Wer weiß was uns so alles in den letzten 2500 Jahren überhaupt nicht überliefert wurde.


    Und dafür das es so viele Bedürfnisse und so viel Schwäche auf der Welt gibt steht der "Buddhismus" doch noch außerordentlich gut da.


    Was mich persönlich angeht, so empfinde ich Batchelors Ausführungen als furchtbar verkopft und belanglos. Gab es alles schon tausend mal, und das auch durchaus unterhaltsamer. Und wen es wirklich bewegt, der kommt sowieso irgendwann zum Buddha.

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

  • Quote from Geronimo

    Ich denke so einen Batchelor hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Wer weiß was uns so alles in den letzten 2500 Jahren überhaupt nicht überliefert wurde.


    Und dafür das es so viele Bedürfnisse und so viel Schwäche auf der Welt gibt steht der "Buddhismus" doch noch außerordentlich gut da.


    Was mich persönlich angeht, so empfinde ich Batchelors Ausführungen als furchtbar verkopft und belanglos. Gab es alles schon tausend mal, und das auch durchaus unterhaltsamer. Und wen es wirklich bewegt, der kommt sowieso irgendwann zum Buddha.


    Für Batchelor sind seine Texte - seine Sekundär-und Tertiär-Literatur - nicht belanglos und für seine Anhänger auch nicht. Ich sehe da ein Dilemma - einerseits sucht man einen Halt als Buddhist, kann aber sich nicht darauf einlassen, weil Buddha-Dharma nichts ist, was man greifen kann. Andererseits kann man das dann aber nicht dabei belassen, sondern sucht auch etwas, das man anderen geben kann, also einen Halt für Anhänger - also man möchte Autorität sein, hat aber keine passende Autorität, von der das herleitbar wäre - also bastelt man erst so einen Strohmann - B 2.0 - erinnert mich an den Astromechdroide R2 aus Star Wars :D


    Jetzt redet alles über Batchelor und seinen verwirrten Buddhismus.

  • Aiko:

    Quote

    weil Buddha-Dharma nichts ist, was man greifen kann.


    Das stimmt ja nicht ganz, weil Dhamma durch Samadhi & Sila & Metta sichtbar wird - körperlich und geistig verwirklicht.
    19. "Ich erwog: 'Dieses Dhamma, das ich erlangt habe, ist tiefgründig, schwer zu sehen und schwer zu verstehen, friedvoll und erhaben, durch bloßes Nachdenken nicht zu erlangen, subtil, von den Weisen zu erfahren.


    MfG ---- _()_

  • Quote from Merkur-Uranus

    Die traditionellen Buddhisten verzerren sich immer so schön nach dem Bild des Mönches. Dabei sind sie zumeist zu faul, um selbst ins Kloster zu gehen und versuchen deshalb eine monastische Praxis in ein weltliches Alltagsleben zu pressen


    Dies ist natürlich ein 'Strohmann'-Argument, MU, und hat reichlich wenig mit der Realität zu tun. Klosterleben mag nicht für jeden geeignet sein, aber wenn man kein Problem hat auf Sex zu verzichten, ist es bekanntlich einfacher als der samsarische Arbeitsalltag.


    Ich musste mal aufgrund von Bafög-Schulden ein Jahr lang um 3 Uhr morgens aufstehen, 10-12 Stunden harte körperliche Arbeit, davon 2 Stunden Autobahnfahrt und eine halbe Stunde Pause. Der Lohn reichte gerade einmal für anfallende Reparaturen am schrottreifen Auto und einmal am Tag essen. Die Zeit reichte manchmal kaum für eine Meditation wegen der Müdigkeit, sodass mein Geist bei der Arbeit spontan in Jhana fiel, was den Kollegen nicht so gefiel.


    Wenn der Leidensdruck groß genug ist, wird man so oder so früher oder später in ein Kloster finden. Die meisten hier haben aber noch Dinge zu erledigen. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, Batchelorismus der Buddhalehre entgegenzustellen. Bestenfalls ist es eine ganz persönliche Sache & ein Angelpunkt für Leute, die eher zum Zweifeln neigen, bevor sie die ursprünglichen Quellen für sich entdecken.


    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.