Muss man sich als Buddhist "alles" gefallen lassen?

37 Antworten. Letzter Beitrag () ist von sati-zen.

  • Seid gegrüßt zusammen,


    Falls es diese Frage schon gab, dann sorry dafür, dass ich sie doppelt gemoppelt nochmal stelle


    Mich würde mal folgendes interesieren: muss man sich als Buddhist (welche Lehre spielt keine Rolle) "alles" gefallen lassen? Mit "alles" meine ich :
    -sich ausnutzen lassen
    -sich provozieren lassen
    -sich anlügen lassen
    -sich anschreien lassen
    -sich ständig mit einen Menschen beschäftigen, der nur jammert, nichts ändern möchte und andere negativ runter zieht, obwohl man immer gut zu dieser Person war


    Und: ist es ok als Buddhist auch mal "laut zu werden" und seinen Frust freien Lauf zu lassen (damit sind nicht Schläge gemeint)


    Ok, doch mehrere Fragen als gedacht ^^ Ansonsten Danke für Eure Aufmerksamkeit und eine schöne Zeit noch ✌


    Björn

  • wenn eine Situation/ein Umstand Leiden verursacht, sollte ich das erkennen und versuchen zu ändern. Ich muss mich doch nicht ausnutzen oder beschimpfen lassen.

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht


  • Hallo Björn,


    da gehen 2 Ebenen nebeneinander her.
    Zum Ausnutzen gehören immer 2, zum Provozieren (teilweise) und zum sich ständig mit jemand anderem auch. Da solltest Du eher Deinen Anteil an der Situation betrachten. Es gibt diverse Sutren zum Thema geeigneter Umgang für denjenigen, der sich auf den Weg der Lehre gemacht hat. Im Extrem rät Buddha lieber allein (wie ein Nashorn) zu wandeln, als schlechte Gesellschaft zu akzeptieren.


    Zu den anderen Punkten - da reicht schon einer. Und das muß sich niemand gefallen lassen. Wie man damit umgeht hängt vom Einzelnen ab. Niemand 'darf' mich anschreien oder angreifen. Ob ich in einer konkreten Situation eher die Probleme des anderen sehe oder meinen Selbstschutz sollte vernünftig abgewogen sein und nicht als Reiz-Reaktionsschema ablaufen.


    Ich denke, daß 'die Buddhisten' es ähnlich sehen. Gesellschaften, in denen die Mehrheit der Bevölkerung Buddhisten sind, sind keine heile Welt Inselchen, sondern die haben genau wie unsere Gesellschaft Polizei, Gerichte und Gefängnisse. Niemand muß sich gesellschaftlich unakzeptables Verhalten gefallen lassen.

  • Hallo Björn,

    Zitat

    muss man sich als Buddhist … "alles" gefallen lassen?


    Ich weiß nicht, in wie weit Dir die Inhalte der buddhistischen Lehren geläufig sind, daher werde ich Deine Frage so einfach, wie möglich beantworten.


    Ob nun „Buddhist“, oder nicht: Du musst grundsätzlich gar nichts – sofern Du Dir über die Konsequenzen Deines Denkens, Redens und Handelns im Klaren, und bereit bist, für alle daraus resultierenden Folgen einzustehen.


    Mein Lehrer der buddh. Philosophie erklärte mir, dass im Prinzip nichts im Äußeren mein Denken beeinflussen kann.


    Alles, was ich mit eigenem Geist wahrnehme, sortiert (gut, neutral, schlecht), und beurteilt (will ich, will ich nicht) „mein“ Geist in Windeseile – und augenblicklich reagiert dieser wahrnehmende Geist auf das, was er feststellte, mit Emotionen (Ärger, Zorn, Wut, oder Angst, Panik, etc. - alternativ auch positive Gefühle).


    Ich entscheide also mit eigenem Geist, wie ich was wahrnehme und empfinde, daher kann ich nichts und niemanden für meine „Gefühle“ verantwortlich machen. Ob Du Dich also ausgenutzt und frustriert fühlst, oder auf Provokationen anspringst, ist allein Deine Entscheidung.


    Ob Du glaubst, dass „laut zu werden“ irgendetwas an dem, was ist, ändert, liegt auch allein in Deinem Ermessen. (Frage Dich, weshalb Du annimmst, dass die Frustration, die Du mit eigenem Geist, als Reaktion desselben Geistes auf Dinge im Äußeren, erzeugst, vergehen wird, in dem Du „laut wirst“!)


    Auch ob Du einem Menschen, der Dich, (evtl. zum wiederholten Male), belügt, weiterhin Dein Vertrauen schenken möchtest (und weshalb), musst Du selbst entscheiden.

    Wenn es Dir möglich ist, versuche zu erkennen, dass ein Mensch, der provoziert, lügt und Dich anschreit im Grunde genommen nicht Deinen Zorn, sondern Dein Mitgefühl verdient.


    Ein Buddhist lernt: nicht ablehnen, nicht begehren, das, was ist, annehmen, um nach bestem Wissen und Können aus dem, was ist, das Beste zu machen. Die meisten Menschen sind dazu nicht in der Lage – (auch viele Buddhisten benötigen einige Zeit, bis es ihnen gelingt.)


    Ich weiß zwar nichts über den Menschen, von dem Du redest, (daher wäre ein Deuten seines Verhaltens eine zu vage Angelegenheit), kenne jedoch aus meinem früheren Berufsleben Menschen, die sich ähnlich verhielten.


    Die meisten der jammernden und/ oder aggressiven Menschen sind nicht in der Lage, das, was sie bewegt, korrekt in Worte zu fassen – und das wiederum lässt einige von ihnen wütend, zornig und provokant reagieren, (auch, aber nicht nur, ihren Helfern gegenüber). Da sie sich gerade die Zornigen im Grunde genommen hilflos ihrer ungeliebten Situation ausgeliefert fühlen, jammern sie, suchen immer wieder Gründe für ihr Unvermögen im Äußeren, fühlen sich außer Stande, eigenständig etwas Konstruktives zu tun, das dazu beiträgt, ihr Leben in den Griff zu bekommen; ... und je länger dieser Zustand andauert, desto unmotivierter werden sie. Es ist äußerst schwierig, einem solchen Menschen zu helfen, … selbst Fachleute haben nur eine begrenzte Erfolgsquote.

    Es ist freundlich von Dir, dass Du „immer gut zu dieser Person“ warst, doch als Buddhist sollte Du wissen, dass ein Immer-gut-zu jemandem-sein auf freiwilliger Basis geschieht – ohne Erwartungen daran zu knüpfen, Hoffnungen daraus abzuleiten, etc..


    Abschließend: Stelle Dir die Frage, wie lange Du diesem Menschen schon ergebnislos hilfst. Frage Dich, ob Du eine Änderung der Situation möchtest. Lautet Deine Antwort: ist auszuhalten, möchte nichts ändern, außer ab und zu mal zurück zubrüllen - dann ist ja alles ok. Lautet die erste Antwort hingegen: schon sehr lange, und die zweite: ja, das möchte ich, dann wird es Zeit, zu handeln.


    Da nicht zu erwarten ist, dass die Person ihr Verhalten ändern wird, muss man sie von der Konsequenz in Kenntnis setzen, daher: triff Dich mit dem Menschen. Nimm Dir bitte vor, ganz ruhig zu reden, ruhig zu bleiben, und ziehe dies durch: (schreien kann die Person selbst, wenn Du ebenfalls schreist, bedienst Du nur einen ihr bekannten Knopf. Sie wird sie Dich infolge nicht ernst nehmen). Sage dem Menschen, dass Du Dich zurückziehen wirst. Wenn es Dir wichtig ist, füge hinzu, dass Deine Türe offen ist, … sobald er weiß, was er will und bereit ist, sein Leben in die Hand zu nehmen.


    … und eines noch: warte vorzugsweise nicht darauf – lebe Dein Leben.


    LG mkha‘

  • DerBjoern:

    Und: ist es ok als Buddhist auch mal "laut zu werden" und seinen Frust freien Lauf zu lassen (damit sind nicht Schläge gemeint)


    Die Idee man müsse Frust ablassen, ist ja das "Dampfkesselmodell der Emotion" wie es von Koran Lorenz und Siegmund Freud vertreten wurde. Dee Trieb ist hier etwas, was einen Druck ausübt, dem man ein Ventil geben sollte. So wird im Buddhismus nicht gedacht. Frust führt nicht Automatisch zu Aggression und weder Frust noch Aggression sind wie Dampf. Es sind Einbildungen, die durch die Verlagerung von Aufmerksamkeit auch verschwinden können. Man braucht also keinen Frust ab reagieren.


    Trotzdem kann es in der Kommunikation manchmal notwendig werden lauter zu werden. Also z.B wenn man als Lehrer Autorität ausübt. Oder wenn als Frau jemand einen blöd sexuell an macht.


    Dies muss aber nicht mit Frust oder Aggression verbunden sein. Jemanden in die Schranken zu verweisen, muss nichr mit dem Wunsch verbunden sein, demjenigen Schaden zufügen zu wollen.

  • Lieber Void,

    Zitat

    Trotzdem kann es in der Kommunikation manchmal notwendig werden lauter zu werden. Also z.B wenn man als Lehrer Autorität ausübt. Oder wenn als Frau jemand einen blöd sexuell an macht


    Mir ist klar, was Du meinst, ich hatte allerdings auch Erfolg mit meiner Art zu sein: ich erhob nie meine Stimme. Ich strahl(t)e, (falls nötig) eine natürliche Autorität (bis hin zum Eisberglevel) aus. In so einem Fall "leb(t)e" ich sie - und das hat bislang noch immer funktioniert.


    (Sich bei der Arbeit "nahe am Volk" allerdings nur darauf zu verlassen, wäre unklug gewesen. Bei äußerlich ruhiger Haltung, auch in prekären Situationen stets achtsam zu sein, war hilfreicḥ - für Notfälle nahm ich schon früh (und erfolgreich :wink:) am Karateunterricht teiḷ.)


    LG mkah'

  • Danke mkha, Du bringst die Dinge mal wieder auf den Punkt und erklärst es so schön.


    Zum Thema "Ausnützen" …
    Manche Leute beschweren sich darüber, dass sie ausgenützt werden, und sich dieselben Leute sonst nie bei ihnen melden. Man kann das auch so sehen: Die Leute erinnern sich in Notlagen daran, wie hilfreich man ist. Das kann man auch als Kompliment sehen.


    Ich finde es wichtig, von dem "Handelsdenken" in Beziehungen wegzukommen. Also, dass man dem hilft, der sich regelmäßig meldet, Hilfe als Gegenleistung zu gelieferter Freundschaft. Dabei empfinde ich das alles als viel komplexer. Wenn ich jemandem helfe, dann bekomme ich auch Hilfe. Nicht unbedingt von derselben Person, aber von einer anderen. Von einer, der ich selbst noch nie geholfen habe, der ich vielleicht nie helfen werde, weil es keine Gelegenheit geben wird, die jedoch einst Hilfe von einer anderen Person erhalten hat. Die Bilanz ist eigentlich immer ausgeglichen.


    Daher meine ich: Man muss um Hilfe ansuchen, man muss helfen wo man gerade ist, man sollte nicht Buch führen bei einer Person, sondern sollte sich vielmehr den Gesamtzusammenhang betrachten – und sei es, dass man seinem Bionom dafür dankbar ist, leben zu können.


    Das bedeutet für mich aber nicht, den Verstand auszuhebeln. Manchmal muss man auch Nein sagen. Wann das angebracht ist, darauf gibt es nur individuelle Antworten.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Liebe mkha,


    mkha':

    Ich strahl(t)e, (falls nötig) eine natürliche Autorität (bis hin zum Eisberglevel) aus.
    (...) für Notfälle nahm ich schon früh (und erfolgreich :wink:) am Karateunterricht teiḷ.)
    LG mkah'


    Ich könnte mir vorstellen, Karate-können hilft der "natürlichen Autorität" enorm :wink:


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Es ist schon eine gute Übung für einen selbst, sich mehr gefallen zu lassen, als man normalerweise bereit ist - also, wenn man buddhistisch daran geht: mit Metta, Geistesbeobachtung etc pp. auch sich in den anderen hineinzuversetzen, ist eine gute Übung.


    Aber bei letzterem wird einem schnell bewusst, dass man "Tätern" sehr schadet, wenn man sich zu viel von ihnen gefallen lässt. Menschen, die Grenzen überschreiten, müssen irgendwann auch gesagt bekommen, dass es so nicht geht.


    Was man als Buddhist wirklich völlig verwerfen sollte, ist Rache. Die schadet extrem allen Beteiligten.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Hallo Björn
    Ich nehme an du beziehst dich mit deiner Frage auf den Gewaltlosigkeits-Gedanken ?
    Und auf den "Abbau" des Egos?


    Es ist eine Frage des Weg-abschnittes auf dem du dich in deiner Entwicklung befindest.


    Nutzt du den buddhistischen Gedanken um Konflikte und Abgrenzung zu vermeiden wo
    sie nötig wären weil du noch kein stabiles Ego ausgebildet hast, dann ist der Lernweg
    zuerst einmal eine stabile autonome Persönlichkeit auszubilden. Hier wäre es wirklich
    lediglich ein "sich alles gefallen lassen" aus Schwäche und Angst / Vermeidung.


    Wenn du eine stabile Persönlichkeit besitzt (also ein starkes gefestigtes Ego),
    also in der Lage bist für dich einzustehen, dich abzugrenzen und zu wehren-
    dann haben die Bemühungen um Gewaltlosigkeit, Reduktion des Ego etc. eine Basis.


    Es ist wie bei den Filmhelden in Western oder Actionfilmen. Sie müssen nicht auf
    Provokationen reagieren weil sie sich ihrer Stärke bewusst sind. Und sie können auch
    mal eine kleine Provokation oder Beleidigung o.ä wegstecken ohne zu reagieren.
    Da ist es echt, und hat nichts mit "sich was gefallen lassen " zu tun.


    Jemand der sich aus Angst nicht stellen will und den Buddhismus oder den Gewaltlosigkeitsgedanken vor sich herträgt, macht sich was vor..


    Das Ego kann man erst loslassen wenn man eines hat.


    Wahrscheinlich eine andere Antwort als du sie erwartet hast :wink: , aber ich glaube das diese
    "Verwechselung" recht häufig vorkommt.


    LG Rolf

  • DerBjoern:

    muss man sich als Buddhist (welche Lehre spielt keine Rolle) "alles" gefallen lassen?


    Kommt drauf an. Wenn Du Bhikkhu wärst, bräuchtest Du Dich nicht ausnutzen zu lassen und Du solltest Dich auch gar nicht erst vor allem nicht ständig mit Menschen beschäftigen, die immer nur jammern.


    Aber Du solltest Dich provozieren, anlügen und anschreien lassen:



    Viele Grüße
    Elliot

  • selbstverteidigung zum selbstschutz ist karmisch legitim. ich behaupte sogar, dass man jmd. im selbstschutz töten kann ohne große karmischen resultate, wenn man die handlung sofort bedauert und ohne agression durch führt.


    gleichmut ist nicht gleichgültigkeit. entweder man ist so weit und strahlt nur licht und liebe aus (wie in dem palikanon zitat da oben) oder man reagiert halt weltlich-menschlich mit anderen emotionen.
    die emotionen unterdrücken zu wollen hingegen, ist der verkehrteste aller wege.


    trotzdem sollte man immer analysieren, warum man in solche situationen gerät - weil das unweigerlich immer mit einem selbst zu tun hat ;)

  • Es geht darum sich nicht durch das schlechte Verhalten anderer den eigenen Geist in Rage bringen zu lassen. Wenn jemand in einer inakteptablen Weise mit einem redet, sagt man ihm, dass es in diesem Ton nicht geht. Man sagt dies aber freundlich und klar, weil man sich nicht aus der Geistesruhe bringen lässt. Es gibt im Buddhismus den Edlen Achtfachen Pfad, zu dem auch die Rechte Rede gehört. In der Rechten Rede wird nie eine hartes Wort gesagt und zwar ohne Ausnahme. Der Grund liegt darin, dass ein hartes Wort nicht nur andere Leiden erzeugt, sondern eine unheilsame Rückwirkung auf einen selbst hat.


    Zitat

    -sich ständig mit einen Menschen beschäftigen, der nur jammert, nichts ändern möchte und andere negativ runter zieht, obwohl man immer gut zu dieser Person war


    Ich war mal an einem Meditationstag mit einem Mönchen des NKT (wusste damals nicht, was das ist). Auf eine ähnliche Frage hin sagte er, dass man sich nicht für immer um eine Person bemühen muss. Wenn man sich eine vernünftige Zeitlang ehrlich Mühe gegeben hat, kann man diese Person sich selbst überlassen und seiner Wege ziehen. Zum Einen ist jeder für sich selbst verantwortlich. Zum Anderen gibt es in der indischen Kultur das Denken, das Weise auf der Suche nach der Weisheit sich anderen Weisen anschließen, von denen sie glauben etwas lernen zu können. Ist man der Meinung nichts mehr lernen zu können, zieht man weiter um woanders wieder etwas zu lernen. So hat sich ja auch Buddha verschiedenen Gruppen angeschlossen und so haben sich die Asketen, die sich einmal ihm angeschlossen haben, sich von ihm abgewandt, weil er die strenge Askese beendete als er den Mittleren Weg gefunden hatte.

    Die Dinge entstehen, existieren und vergehen. Das ist normal. Ajaan Tippakorn

  • Hallo,
    man muss sich nicht alles gefallen lassen. Das einfachste ist es, sämtlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, nicht darauf eingehen. Die Stimme sollte man auch nicht erheben.

  • kesakambalo:

    Das einfachste ist es, sämtlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, nicht darauf eingehen.




    ^^ Das einfachste ist es, aber ob es wohl das Beste ist, kesakambalo? :moon:


    Liebe Grüße Schneelöwin


  • Danke Schneelöwin :)


  • :wink:


    Eine weitere Frage dazu wäre; wenn man sämtlichen Konflikten aus dem Weg geht; kann man dabei


        auch sich selbst aus dem Weg gehen?



    Liebe Grüße von Schneelöwin

  • Schneelöwin:


    Eine weitere Frage dazu wäre; wenn man sämtlichen Konflikten aus dem Weg geht; kann man dabei


        auch sich selbst aus dem Weg gehen?


    Ob man sich selbst aus dem Weg geht oder nicht, bei mir führt so eine Dauerkomfortzone auf jeden Fall zur Starrheit (usw.).

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Das Thema entwickelt sich in die falsche Richtung, in der Lehre ist von sich selbst aus dem Weg
    gehen nicht die Rede, im Gegenteil, jeder Verdrängung und jedes Anhaften verstärkt das Leid.
    Jemand der versucht seinen Konflikt wie z.B. negative Gefühle, dadurch zu lösen in dem er
    der Sache aus dem Weg geht macht sich seelisch krank, denn dem eigenen inneren Gefühl kann
    man nicht aus dem Weg gehen, man kann höchstens die Wahrnehmung betäuben mit Süchten,
    Fluchtversuchen und anderen Mitteln der Ablenkung. Wer sich negativ behandelt fühlt, fühlt
    vor allem sich selbst innerlich negativ. Deshalb Meditation um das eigene innere Gefühl zu stärken
    und weniger um irgendwelchen Regeln zu folgen. Nicht fallen ist eine Fähigkeit die sich durch
    viel Üben erwerben lässt, dann braucht man sich nicht gefallen lassen denn die innere aufrechte
    Haltung verhindert das Fallen. Wer sich mit Buddha beschäftigt wird feststellen, dass er seine
    Leute immer wieder ermahnt, denn die Gruppe fällt merkwürdig auf, sich aus den Reaktionen und
    Kommentaren der Mitmenschen nichts zu machen und sich des Buddhist seins bewusst zu sein,
    da schließt das Verzeihen derer die das Leiden nicht loslassen können mit ein. Kurz gesagt,
    ein guter Buddhist schluckt den Mist runter den er erlebt und macht etwas Positives daraus.
    Dann staut sich nicht an, dann muss nicht verdrängt werden, der Andere darf aggressiv und voller
    Zorn sein und der Buddhist nimmt es locker zur Kenntnis und formt es bei der nächsten
    Meditation in positive Energie. Wer dem Konflikt aus dem Weg geht verlässt den Weg der Lehre.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Meine Frage "ob man sich selbst aus dem Weg gehen kann?" war ein Anstups zum eventuellen Nachdenken in diese Richtung, die Du soeben schön beschrieben hast, sati-zen. Danke! :rose:


    Liebe Grüße Schneelöwin

  • Wenn ich mich schon Buddhist nenne bin ich vom Weg abgekommen. Wenn ich mir irgendwas gefallen lassen muss, weil ich irgendwas bin dann ist der Weg sogar verloren. Sofort wenn ich mich irgendeiner Gruppe glaubend anschließe kann ich nur noch im Rahmen der Gruppe und in ihrem Sinn handeln. Ich weigere mich die bedingte Veränderung hinzunehmen durch glauben an Stabilität eines Glaubens. Ich tue was getan werden soll, nicht mehr das was zu tun ist.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut


  • Wenn ich mich schon Buddhist nenne bin ich vom Weg abgekommen. Wenn ich mir irgendwas gefallen lassen muss, weil ich irgendwas bin dann ist der Weg sogar verloren. Sofort wenn ich mich irgendeiner Gruppe glaubend anschließe kann ich nur noch im Rahmen der Gruppe und in ihrem Sinn handeln. Ich weigere mich die bedingte Veränderung hinzunehmen durch glauben an Stabilität eines Glaubens. Ich tue was getan werden soll, nicht mehr das was zu tun ist.

    Der leibliche Vorsatz ist gut, nur ich glaube, allein der Wille ist schwach.


    Dem was Helmut schreibt kann ich total zustimmen. Das ist Zen.

    Die Bedingungen, die eine Zen-Gruppe/Shanga mit sich bringt kenne ich leider noch nicht; könnte mir jedoch vorstellen, dass diese

    in irgendeiner Weise trotzdem nach Helmuts Worten/Beitrag aufgestellt sein könnte.

    Jedenfalls dürfte "ein System" welches einen Menschen in irgendeiner Form "verstellen" könnte in einer Shanga nicht hilfreich sein.

    Dann lieber den "schwachen Willen" versuchen zu stärken.:)


    Liebe Grüße Schneelöwin

  • Ich glaube auch, dass diese Worte schön klingen und einen wunderbaren Inhalt vermitteln.

    Jedoch ich weiß aus Erfahrung, dass es auf Zen-Buddhismus Gruppen in Deutschland ganz real kaum zutrifft.

    Deshalb mein Satz, die Phantasie, der Vorsatz ist groß, jedoch der Wille in der gelebten Praxis ist schwach.

    Der Ansatz des Zen-Buddhismus ist schön und gut aber eine Gruppe in Deutschland ist vor allem den

    sozialen Bedingungen unserer Gesellschaft unterworfen und da kann man nicht auf einem Grundstück

    Japan leben, das Umfeld, die Nachbarn, die Ökonomie und die westliche Psychologie bestimmen mit was

    im Alltag passiert, sowohl tagsüber als auch in der Nacht. Eine Shanga in Deutschland kommt um die

    hiesige Gepflogenheit nicht drum rum. Ich habe Erfahrung, bin sozusagen Abt so einer Shanga in Bayern

    und bin von weiteren Zen-Buddhistischen Klöstern umgeben. Ich verherrliche den Zen-Buddhismus nicht,

    er tut als Ausgleich gut in der westlichen Welt aber es ist sehr viel Willensstärke nötig um konsequent zu bleiben.

    Diese Willensstärke liegt im Tun um den Alltag zu absolvieren und weniger in der Fantasie der virtuellen Welt.

    Ich lebe gerne die Fantasie im Netz aus, da gibt es viele Möglichkeiten, nur beim Thema Buddhismus bleibe

    ich pragmatisch des Überlebens in der Realität wegen. Es tut gut auch virtuell die Gedanken ganz auf das

    praktische Leben zu beziehen und das Netz nicht als Flucht Instrument zu verwenden.

    gruß sati-zen
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