Entscheidungen im Zen

98 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Schneelöwin.

  • Ich habe auch schon die ein oder andere derbe Kritik einstecken müssen. Auch von Personen wo ich es nicht erwartet hätte. Wo ich erst mal baff war.

    Rückblickend waren genau diese Worte die ehrlichsten und mitunter die größten Belehrungen.

    :buddha: Es geht immer darum, sich in die Unannehmlichkeiten des Lebens hineinzulehnen und sich diese ganz genau anzuschauen. :buddha:

  • Ich danke euch für die Vielfältigen Antworten!
    Es war definitiv mal wieder eine lehrreiche Selbsterfahrung, hier mit euch zu schreiben.


    Zu sehen, dass Ehrlichkeit eben auch auf Unverständnis stoßen kann, was ich eben nicht ganz locker durch Achtsamkeit an mir vorbeiziehen lassen kann. Zumindest derzeit. Vielleicht kann das anders sein, vielleicht nicht.
    Ich muss meine Verletzlichkeiten besser schützen, Kopfstreicheln gibts eben nicht immer. UND es ist auch gar nicht immer hilfreich.

    Die kritischen Antworten sind doch die, aus denen man lernt. Die Herausforderungen.

    Wieviel Wahrheit steckt vielleicht doch im Unangenehmen Standpunkt des Gegenübers? Tue ich wirklich alles was gut ist, oder lasse ich mich manchmal zu sehr auf mein Selbstmitleid ein?

    Kann aber auch ausschließlich zu Frust führen. Hier war es die Vielseitigkeit von euch, die das ganze Rund gemacht haben. Nur durch liebe Worte hätte ich mich nicht bewegt und durch zu viel härte hätte ich mich nur verschlossen. So bin ich aber schon nochmal in die tiefe Reflexion gegangen.

    Was man bekommt, kann man nicht kontrollieren.
    Aber man kann ja auch einfach weggehen, wenn es nicht mehr hilft - deswegen habe ich mich die letzten 2 Tage hier erstmal ausgeloggt. :) Auch hier gilt es, aktiv zu sein und zu entscheiden.


    Die Ochsenbilder sind spannend, aber ich muss doch gestehen, dass ich nicht glaube, hier weit vorangeschritten zu sein. Ich sehe mich als jemand, der den Ochsen gesehen hat, eine Erfahrung der "Quelle" machen durfte, jetzt aber wieder bei Bild 1 ist, weil er nicht begreift, warum diese Erfahrung wertvoller war als andere, in ihrer Natur dualistische Erfahrungen.

    Vielleicht ist es auch gar nicht direkt direkt die Zenschulung, die mich in das Kloster zieht.

    Es ist einfach eine heilsame und aktivierende Umgebung.

    Die Kontakte dort tun mir in ihrer Ungezwungenheit sehr gut. Es ist Gemeinschaft. Alle ziehen am gleichen Strang. Und man wird akzeptiert, ohne sich durch in geistlosem smalltalk beweisen zu müssen. Sowas kenne ich bisher nur von dort.
    Die Verpflichtungen des Tagesablaufs machen mich tougher. Der wird befolgt, egal was ist, und auch wenn es teils hart ist, ist es doch nicht zu viel und durch die Achtsamkeit letztenendes doch immer wieder momentweise tief befriedigend - in den kleinen Dingen.


    Das on/off Spiel mit dem, was ich Ego nenne, mit der Entscheidungskraft, in Gespräch und Freizeit, ist doch auch ein Studienaspekt für sich. Aber wenn ich merke, dass ich wieder völlig rummurkse und nicht mit meinen Entscheidungen im reinen bin, ist das okay. Ich kann es hinnehmen und mich erstmal wieder ein paar Stunden in der Meditation oder im Samu vergessen. Achtsam sein, spüren, ein fühlendes Wesen sein. Danach, wenn wieder Freizeit ist, probiert man es halt nochmal. So kann sich der Übergang zwischen Meditationszeit und Freizeit mit der Zeit auch mehr schließen.
    Dieser Aspekt ist das, was ich in der ganzen Affäre unter Zen verstehe. Er ist auch bedeutsam, aber nicht alles. Es ist einfach ein toller Ort. Aber geht es nicht auch irgendwie darum im Zen? Dass es eben nicht nur um die Lehre geht, wo sie doch letztlich leer ist? Das Leben in seiner Gesamtheit gilt es, zu adressieren. Und wenn es mir dort gefällt, und ich der Meinung bin, dass es mich voran bringt, ist es vielleicht letztlich egal, wie wir das ganze nennen.


    Gruß,

    Mogwai

  • Ich sehe mich als jemand, der den Ochsen gesehen hat, eine Erfahrung der "Quelle" machen durfte, jetzt aber wieder bei Bild 1 ist, weil er nicht begreift, warum diese Erfahrung wertvoller war als andere, in ihrer Natur dualistische Erfahrungen.

    die Bilder sind auch nicht als Durchmarsch mit einer starren Reihenfolge zu verstehen, die man nacheinander "abhakt". Man ist da immer mal wieder woanders, nur wenn man schonmal da war, dann kennt man es schon.


    Dass es eben nicht nur um die Lehre geht, wo sie doch letztlich leer ist? Das Leben in seiner Gesamtheit gilt es, zu adressieren. Und wenn es mir dort gefällt, und ich der Meinung bin, dass es mich voran bringt, ist es vielleicht letztlich egal, wie wir das ganze nennen.

    ich finde wichtig ist in erster Linie, dass man nirgends stehen bleibt - immer bereit zu Aufbruch und Neubeginn. Man kann sich im Voraus keinen Plan erstellen und an seiner Erfüllung arbeiten. So, wie es im Augenblick ein "Zulassen" ist gilt das auch für den Weg. Da muss man schon immer wieder auch den Kopf einschalten, aber im Wesentlichen läuft es auch hier aufs Zulassen raus (auch und manchmal vor allem gegen innere Widerstände).

  • Hallo Mogwai-Tree


    Keiner kann besser wissen, was für dich richtig ist als du selber.

    Lass dich nicht von der Kritik anderer treffen. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, offenbart damit nur seine eigenen Löcher ...


    Jetzt geht es ja bald los, freue dich einfach über diese tolle Möglichkeit. Ich finde, es ist ein mutiger Schritt in die richtige Richtung.


    Und falls du dir etwas Sorgen machst, weil du ja nicht genau übersehen kannst, wohin die Reise hingeht, nimm die Sorgen einfach an. Jeder neue Lebensabschnitt macht erstmal etwas unsicher. Wie wäre es mit diesem Gedanken: Es könnte ja auch sein, daß am Ende etwas ganz anderes und noch viel viel Besseres dabei herum kommt als das, was du dir ursprünglich vorgestellt hast ...


    Freue dich auf die anderen im Kloster, du kennst sie ja schon. Ich bin sicher, sie freuen sich auch auf dich (sonst hätten sie deiner Bitte um Aufnahme gar nicht entsprochen).


    Auf jedem Fall wünsche ich dir von ganzem Herzen viele gute, tiefe Erfahrungen und ich würde mich freuen, wenn du danach mal berichtest, wie es war und was dir Kraft gegeben hat.

  • Zen bietet keine Erklärung auf so viele dringende Fragen.

    Im Gegenteil, Zen wirft mehr neue Fragen auf und hinterlässt (zumindest bei mir regelmäßig) ziemlich große Fragezeichen.

    Das ist auch gut so.


    Genau. In der Zenpraxis heißt es auch, dass man tief in dieses Fragezeichen eintauchen soll, es ausfüllen mit seinem eigenen Geist. Manche Schüler des Weges mussten jahrelang über eine (!) Frage meditieren. Ob sie diese dann lösen oder nicht ist für die Zen Erfahrung unerheblich.

  • Lieber Bosal Ikkyu San!


    Eine Frage ist nicht mit einer anderen über ein Kamm zu scheren. Manch einer antwortet auf die Frage, ob er ein Bonbon haben möchte mit einer komplexen Abhandlung über die Zuckerproduktion im Landkreis Güstrow während der frühen Nachtfröste im Oktober 1975. Ein Ja oder Nein hätte ausgereicht. Eine andere Antwort erwartet der Meister auf eine Frage, die dem Schüler unter den Nägeln brennt. Hier wäre eine Maulfaulheit bzw. eine schnelle Aussage ein Tracht Prügel wert. Man weiß intuitiv, was zu tun ist. Kauen oder Spucken.


    Auf bald.

    Dae Kyong

  • So oder so ähnlich kann man beschreiben was Zen ausmacht in Hinsicht auf Fragen.

    Auf die Frage wie soll ich mein Leben gestalten sollte jeder Mensch ein Leben lang mit der Lösung beschäftigt sein,

    nur ein Zen Praktizierender macht sich so etwas bewusst während es bei vielen Anderen wie von selbst geht

    oder sie quälen sich über lange Zeit weil das Leid nicht weichen will obwohl sie doch alles richtig machen.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Für mich gibt es ein Ziel da ich hoffe noch im Verlauf des Lebens per 'Erwachen' von der Reinkarnation befreit zu sein

    und das ist das Ende dieses Lebens. Den Weg gehen ist o.k. aber das hört irgendwann auf und dann ist es gut,

    wenn es das Ziel ist was man erreicht, es ist ein angenehmes Gefühl so ähnlich wie: hach geschafft, wie geil und Ende...

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Für mich gibt es ein Ziel da ich hoffe noch im Verlauf des Lebens per 'Erwachen' von der Reinkarnation befreit zu sein

    und das ist das Ende dieses Lebens. Den Weg gehen ist o.k. aber das hört irgendwann auf und dann ist es gut,

    wenn es das Ziel ist was man erreicht, es ist ein angenehmes Gefühl so ähnlich wie: hach geschafft, wie geil und Ende...

    Einem gesetzten Ziel nachrennen..da wirst Du viel Puste brauchen. Es wird niemals eine Ziellinie geben denn dieser Moment ist das Einzige was es gibt und was das ganze Universum beinhaltet. Es geht nicht um das Wohin, Wo, Wann sondern um das Wie.

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Du kannst nicht lesen, ließ meinen Text noch einmal und widerspreche dann so plump und dumm.

    Für einen Erleuchteten ist der Tod das Ziel.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Du kannst nicht lesen, ließ meinen Text noch einmal und widerspreche dann so plump und dumm.

    Für einen Erleuchteten ist der Tod das Ziel.

    Entschuldige meinen plumpen Tonfall : Der zweite Satz ist dumm und sowas von falsch …


    _()_

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Ich hab den als das Rad der Widergeburten verlassendes endgültiges Zerfallen gelesen. Denn das ist die Befreiungslehre des Buddha, dieses Rad verlassen zu können. Das größte Leid ist das Glauben an Widergeburt, an nicht Wiedergeburt, an vielleicht doch oder nicht.....


    An allem was man sagt ist auch was dran...... könnte es auch ein gewesenes Nichtwissen, nicht Eingefallenes sein?

  • Sich vorab für das Verhalten entschuldigen und es dann doch tun hat so etwas erniedrigendes und respektloses vor sich selbst,

    schade, Zen-Meister sind da wesentlich selbstbewusster und provozieren ihre Schwächen bewusst. Mein Ziel ist der ewige Tod.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Sich vorab für das Verhalten entschuldigen und es dann doch tun hat so etwas erniedrigendes und respektloses vor sich selbst,

    schade, Zen-Meister sind da wesentlich selbstbewusster und provozieren ihre Schwächen bewusst. Mein Ziel ist der ewige Tod.

    Du bist noch ein puthujjana, denn Du hast das "Mein" noch nicht verlassen.

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • ha,ha,ha das werde ich auch nie verlassen solange ich Verantwortung über mein und anderer Leben trage.

    Auch im Erwachen bleibt diese Verantwortung erhalten und verflüchtigt sich erst durch den Tod.

    Zen bedeutet das Anhaften aufzugeben aber nicht das Selbstvertrauen und die Selbstliebe um sich einem Opfer gleich hinzugeben.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • Hallo Leute.


    Ich habe nun also die letzten 3 Monate im Tempel gelebt. Jetzt grade habe ich eine Woche Heimaturlaub.


    Die Veränderungen, die das Leben dort auslöste, sind zumindest so tief greifend, dass ich die assoziativ-ausgelösten Gefühle und Gedanken beim Aufenthalt hier bei meinen Eltern inkl. der Errinerungen an all das, was so schlecht lief, als oberflächlich erleben kann. Es kommen viele Dysfunktionalitäten in mein Bewusstsein, doch ist mir sehr bewusst, dass ich das nicht bin, dass das nichtmal irgendwie mein normaler Bewusstseinszustand ist. Es ist einfach nur ein Ereignis, das vorbei zieht. Diese Erkenntnis hilft auch, das Ereignis zu formen.


    Ich bin selbstbewusst, belastbar, kontrolliert, angstfrei, oftmals voll tiefster Freude, kreativ, gehe gerne unter Menschen, und so weiter. Ich kann so viel besser sehen, wer oder was ich bin.


    Ich konnte mir sogar ein Praktikum in einer psychologischen Beratungsstelle organisieren.


    Da ihr alle einen Teil eurer Zeit vor einigen Monaten mit mir geteilt habt, wollte ich euch hiermit up to date bringen, es gibt also ein "happy end". Warum end? Weil ich nicht mehr zweifle. Was das Leben mir auch serviert, ich habe das selbstbewusstsein, ja, und auch die Arroganz, mir sicher zu sein, dass ich das schon packe.


    Das soll damit auch mein letzter Post hier auf Buddhaland sein. Das Leben da draußen lockt mich zu sehr, als dass ich meine Zeit mit Internetforen verbringen möchte, und buddhistischen Diskurs kann ich in meinem Tempel zu genüge führen.

    Natürlich seid ihr herzlich willkommen, dort gemeinsam mit mir und dem Rest der Sangha zu praktizieren. Der Tempel heißt Kosan Ryumon Ji und liegt im schönen Elsass (deutsch, französisch, englisch).


    Danke für eure Zeit und Mühe, und ein mahnender Finger an die, die ihr eigenes destruktives Potential damals nicht zügeln konnten, und es so an jemandem ausließen, der am Boden lag. Ein Teil in mir nimmt euch das sehr übel, es war wirklich schmerzhaft. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Ich hoffe ihr habt gut darüber reflektiert. Auch ihr seid willkommen, in Ryumon Ji zu praktizieren.


    Ich wünsche euch alles gute.


    Gassho,

    Mogwai

  • Lieber Bosal Sati-Zen!


    Diese Erfahrung ist flüchtig wie der Furz einer Ratte. Heute zieht sich Bosal Mogwai aus Buddhaland zurück, morgen schon überbeansprucht er unsere Aufmerksamkeit. Was Du so lax mit "stationären Aufenthalt" benennst, kann jeden Moment kippen. Wer will das voraussagen!?

    Ich finde Dein Posting in den Rücken eines Gehenden etwas großspurig und nach Aufmerksamkeit haschend.


    Auf bald.

    Dae Kyong

  • Alte Meckerliese! ;):oops::heart:


    Die Doppeldeutigkeit von

    Zitat

    Stationärer Aufenthalt kann viel in der Persönlichkeit verändern,

    finde ich aber schon ziemlich lustig. :clown:


    Liebe Grüße, Aravind


    Alles Gute, Mogwai-Tree .

  • Das soll damit auch mein letzter Post hier auf Buddhaland sein. Das Leben da draußen lockt mich zu sehr, als dass ich meine Zeit mit Internetforen verbringen möchte, und buddhistischen Diskurs kann ich in meinem Tempel zu genüge führen.

    Natürlich seid ihr herzlich willkommen, dort gemeinsam mit mir und dem Rest der Sangha zu praktizieren. Der Tempel heißt Kosan Ryumon Ji und liegt im schönen Elsass (deutsch, französisch, englisch).


    Das finde ich sehr schade, dass Du uns nicht weiter über Deine Fortschritte informieren möchtest.

    Mich würde es sehr interessieren, wie es später - im Außen - mit Dir weitergeht und Du musst ja nicht täglich schreiben, alle 3 Monate so einen schönen Bericht schreiben reicht doch völlig.


    Würde ich in der Nähe wohnen, käme ich gerne mal zum Frühstück und zum Meditieren.

    Naja, wer weiß . . .


    Liebe Grüße von Schneelöwin