Zufluchtnahme

There are 97 replies in this Thread. The last Post () by Vedana.

  • Wir nehmen als Buddhisten / Buddhistinnen Zuflucht zu den drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha, um uns vor den Leiden zu schützen. Wenn wir Zuflucht nehmen zum Dharma, nehmen wir dann nicht Zuflucht zu den Wahren Beendigungen und den Wahren Pfaden mit denen wir diese verwirklicht werden? Nehmen wir mit der Zuflucht zum Dharma nicht Zuflucht zu den Verwirklichungen in unserem eigenen Geist, die wir durch unsere Praxis realisieren, weil nur diese uns vor den Leiden Samsaras schützen können?


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Nehmen wir mit der Zuflucht zum Dharma nicht Zuflucht zu den Verwirklichungen in unserem eigenen Geist, die wir durch unsere Praxis realisieren, weil nur diese uns vor den Leiden Samsaras schützen können?

    Ich stimme Dir zu, Helmut, doch ich nehme an, dass das etwas ist, was dem Zufluchtnehmenden erst viel später aufgeht.


    ... dann, wenn ihm sein Lehrer ermöglichte, fürderhin eigenständig zu denken und zu schlussfolgern, und auch die Bücher dem Schüler nicht mehr Meister sind, ist der Moment gekommen, in dem ihm der eigene Geist Lehrer wird. :)

  • Im Lamrim wird erklärt, das Zufluchtnehmen ein fortschreitender Prozess ist.

    Am Anfang nimmt man wohl Zuflucht zu einem imaginierten Buddha, zum Dharma als schwammige Vorstellung und zur Sangha mit der Ahnung,, dass da krass tolle Leute dabei sind.

    Am Ende des Prozesses ist man selbst für andere Buddha, Dharma und Sangha.

    :rainbow::rainbow:

  • Diesen Prozess drückt Matthieu Ricard sehr schön in seinem Buch "Weisheit" aus.


    "Wenn wir Zuflucht zur Weisheit des Erwachens nehmen, ist dies nach buddhistischer Auffassung die erste und unerlässliche Etappe in Richtung Befreiung. Es ist der Ausgangspunkt des Weges."(1)


    Er charakterisiert die Zuflucht dadurch, dass er sagt:" Die höchste bzw. innere Zuflucht ist nichts anderes als unser eigener Geist. Indem wir seine Natur erkennen, das leuchtend klare reine Gewahrsein, das kontinuierlich hinter den Wolken der geistigen Verwirrung scheint, sind wir ganz natürlich vor den eigentlichen Ursachen des Leidens geschützt."(1)


    Um diese höchste bzw. innere Zuflucht entwickeln zu können, müssen wir uns der Quelle unserer Leiden, der Unwissenheit, bewusst werden und dann die wahren Pfade praktizieren.


    Gruß Helmut


    1 Matthieu Ricard, Weisheit, München 2011, S.101

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Dieser von Losang Lhamo angesprochenen Prozess wird ja auch sehr schön mit ursprünglichem und resultierendem Zufluchtsobjekt ausgedrückt:

    1. ursprüngliches und resultierendes Buddhajuwel
    2. ursprüngliches und resultierendes Dharmajuwel
    3. ursprüngliches und resultierendes Sanghajuwel

    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Hier noch ein Ausschnitt "Was ist Zuflucht" aus dem Dr. Berzin Archiv (v. Matt Lindén )


    Wobei ich gestehen muss, dass ich bereits den ersten Satz anzweifel. Die Wortgebung klingt mir etwas zu viel versprechend.



    Zitat

    Haben wir Zuflucht in Buddha, Dharma und Sangha genommen, sind wir nicht länger verwirrt. Wir müssen nicht mehr nach anderen spirituellen Wegen suchen und obwohl wir natürlich trotzdem eine gewisse Ebene materieller Annehmlichkeiten und Dinge benötigen, stützen wir uns nicht mehr auf sie und denken, sie würden uns ewig glücklich machen. Durch die Verpflichtung, die wir gegenüber buddhistischen Prinzipien eingehen, werden wir im Grunde von Stress befreit werden und mehr Zeit dafür haben, an dem zu arbeiten, was wirklich wichtig ist: uns selbst emotional glücklicher und gesünder zu machen.


    Daher ist die Zuflucht ein fortwährender, aktiver Prozess. Sie ist etwas, woran wir unaufhörlich arbeiten müssen. Es ist nicht so, dass wir einfach nur zum Buddha beten und an ihn glauben, als wäre er eine Art Gott. Und auch unsere buddhistischen Freunde werden die Arbeit nicht für uns machen können. Daher wird gesagt, dass die höchste Zuflucht die Lehren Buddhas, die Dharma-Lehren sind. Auch wenn wir starken Glauben in den Buddha haben und über eine Menge von weisen und mitfühlenden buddhistischen Freunden verfügen, werden wir keinen Nutzen aus der Zuflucht ziehen können, wenn wir nicht selbst den Dharma-Lehren folgen und sie umsetzen. Unser Leben wird zweifelsohne sinnvoller werden, wenn wir den grundlegenden Ratschlägen folgen, die darin bestehen, andere nicht zu verletzen, nützlichen Tätigkeiten nachzugehen und unseren Geist zu zähmen.

    Liebe Grüße Schneelöwin


    So hast du manches gebaut, und manches begraben, denn es macht Leid, was du, vor der Zeit, all kräftig zum Lichte gezogen.

    Nun kennest, nun lässest du dies; denn gerne gefühllos ruht, bis dass es reift, furchtsam geschäftiges drunten.

    abgewandelte Friedensfeier


  • Die jetzigen Antworten kommen meistens von Menschen die schon ein paar Monate und Jahre praktiziert haben.

    Für mich war es am Anfang nur ein formeller Akt. Ich habe nach ein paar Monaten des Nachdenkens, die katholische Kirche verlassen, und Zuflucht zur buddhistischen Lehre genommen.

    Mir war klar, dass da eine Lösung war, für alle meine Probleme.


    Später dann habe ich mehrmals im Herzen die Zuflucht erneut, mit Tränen in den Augen, weil ich so dankbar war.

    Wie einfach wäre es für den Buddha und die Erleuchteten Nonnen und Mönche gewesen, die verbleibende Zeit im stillen Meer des Glücks zu verbringen. Aber sie hatten so viel Mitgefühl und Vertrauen in uns, dass sie die Klöster und Höhlen verlassen haben, um uns zu helfen.


    Ich bin mir sicher dass viele dabei gestorben sind.

    Wenn man das Dhamma sieht, sieht man auch die Sangha. Jene die uns den Weg ermöglicht haben.


    Ich verbeugen mich nicht nur wegen der Etikette vor einer Buddha-Statue, sondern aus Dankbarkeit.


    Ich glaube dass es am Anfang nur ein formeller Akt ist, wenn auch ein schöner Akt.


    Aber wirklich Zuflucht nehmen kann man erst, wenn man sieht wie prekär unsere Lage ist.

    Solange wir Samsara für einen sicheren Ort halten, haben wir keine Chance.

    Wenn wir das ganze Leiden sehen, dass sich oft hinter dem vermeintlichen Glück verbirgt, wird uns bewusst, dass wir uns in höchster Gefahr befinden, und dann werden wir Zuflucht nehmen.


    Und wenn wir dann unsere Kraft, unser Vertrauen in die buddhalehre, in unserem Herzen bündeln, erst dann haben wir eine wirkliche Chance.


    Die einen oder anderen von uns haben vermutlich schon die ersten Früchte der Praxis erhalten, und die nehmen oft nur noch aus Dankbarkeit, Zuflucht zur Buddhalehre.



    Metta und mudita!


    Einen schönen Sonntag wünsche ich euch!

  • Eine Freundin sagte mal zu mir, "Liebe ist es erst, wenn Du den Menschen nicht mehr brauchst ..."


    So sehe ich das auch mit der Zufluchtnahme. Gerade weil ich mich so gefestigt fühle, bin ich dankbar und habe immer mehr Respekt vor der Leistung weit Fortgeschrittener - und natürlich vor Buddhas Lehre und all jenen, die sie uns "zubereitet" haben.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Hi Schneelöwin,


    ich finde die Berzin Erklärung zur Zuflucht auch nicht so ganz glücklich. Für mich ist eine Zuflucht eine Zuflucht, und wenn man da mit letzter, höchster oder sonst irgendwie ganz besonderererZuflucht anfängt ,finde ich wird es schwierig.


    Sicher gibt es neben den drei Juwelen im Vajrajana auch noch die drei Wurzeln, aber für mich ist das Entscheidende , das man überhaupt eine Zuflucht hat.


    Denn das die Verwirrung mit der Zufluchtnahme ein Ende hat ist ganz sicher eher irgendwie in einem höheren Sinn gemeint. ;) Wenn man sein eigenes Leben oder das von guten buddhistischen Freunden ansieht, kann man schließlich ziemlich leicht feststellenk, das die Verwirrung mit der Zufluchtnahme ersteinmal sprunghaft ansteigt.:grinsen:


    :buddha::rad::mediw:


    _()_ Phönix

    :rainbow:     :vajra::tee:

  • Nehmen wir mit der Zuflucht zum Dharma nicht Zuflucht zu den Verwirklichungen in unserem eigenen Geist, die wir durch unsere Praxis realisieren, weil nur diese uns vor den Leiden Samsaras schützen können?

    Ich stimme Dir zu, Helmut, doch ich nehme an, dass das etwas ist, was dem Zufluchtnehmenden erst viel später aufgeht.


    ... dann, wenn ihm sein Lehrer ermöglichte, fürderhin eigenständig zu denken und zu schlussfolgern, und auch die Bücher dem Schüler nicht mehr Meister sind, ist der Moment gekommen, in dem ihm der eigene Geist Lehrer wird. :)

    Dem kann ich voll und ganz zustimmen!

    Mein Lehrer hat mich dazu gebracht, mich voll und ganz dem Inneren Lehrer zuzuwenden. Auf meine Fragen gibt er mir keine konstruktiven Antworten mehr, sondern ich muss es selbst herausfinden.

    Das ist die beste Zuflucht!

    Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, dass ich mit dem Lehrer, bzw. dem Buddha, zu Hause oder unterwegs Alltagsgespräche führe. Der Weg, das ist das Leben selbst, da gibt es keinen Unterschied.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Lieber @Phoenix,

    Wenn man sein eigenes Leben oder das von guten buddhistischen Freunden ansieht, kann man schließlich ziemlich leicht feststellenk, das die Verwirrung mit der Zufluchtnahme ersteinmal sprunghaft ansteigt.

    :? Nun, immerhin, ... dies wurde von Dir erkannt, ... und gewiss sind Dir im Laufe der Zeit auch die Ursachen aufgegangen. (usw.) Es ist nicht verkehrt, zu bemerken, dass sich etwas getan hat im eigenen Geisṭ - da weiß ich die Lehre sehr zu schätzen. ;)

  • Eine Welt voller Vergänglichkeit, Substanzlos und Unbeständigkeit erbringt keinerlei Sicherheit

    die für Festigkeit, Halt oder einen inneren Frieden nötig ist.


    Die erlebten Erfahrungen in einer Welt voller Unsicherheiten bringen im Verlauf automatisch die Tiefe des buddhistischen Pfads und sorgen im Ausführen der Anweisungen durch ein Erleben von Wandlung, von Läuterung negativer Gefühle in positive Empfindungen für bedingungsloses Vertrauen auf dem Weg und im beständigen Einssein im Dhamma.


    Vertauen welches außerdem zu einem Spirituellen Alltagsleben wird, um die weltlichen Dinge im Alltag

    nicht mehr so wichtig zu nehmen, um in den Dingen nicht mehr so anzuhaften.

    Die Durchlässigkeit wird durch ein üben in Achtsamkeit und Klarblick schneller erkannt.

    Die äußere Welt wird unwichtig.

    Ob Glück, Schmerz,Freude, Trauer. So verliert die Welt ihren Glanz und ebenso die Leidhaftigkeit.


    Aus der Zuflucht, dem entfliehen des Weltlichen wird eine freiwillige Hingabe des Friedens, der inneren Heilung,

    die ein Sein in liebevoller Güte und Gleichmut ermöglicht um dadurch eines Tages vollständig für Andere da sein zu können.:rose:_()_

  • Das kann ich bestätigen, liebe Susann, sobald ich dabei bin, mich zu verwickeln, einfach durch das alltägliche Diskutieren und Miteinander, und dies bemerke, steige ich aus und wende mich (innerlich) ab. Sofort entsteht Frieden, jedenfalls bei mir und möglicherweise beim "anderen".

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Man kann es kompliziert machen oder ganz simpel auf den Punkt bringen. Wenn wir Zuflucht oder Schutz suchen, sollten wir zunächst unsere eigene Negativität reflektieren und auflösen. Nur dann sind wir erst in der Lage auch wirklich zu erkennen, dass wir allesamt miteinander verbunden sind. Dann bräuchten wir auch keinen Schutz oder eine Zuflucht irgendwo zu suchen, dann gibt das alles die Verbundenheit her. Wenn alle das Bewusstsein hätten, herrscht absoluter Frieden. Wenn eine Gruppe das erkennt, ist es das Schönste was man sich vorstellen kann. Es ist aber immer wieder der schiere Egoismus und die Negativität des Einzelnen, der diese Verbundenheit verhindert.

    Edited once, last by Nobby ().

  • Ich glaube, da verwechselst Du etwas Nobby.

    Aber erstmal herzlich Willkommen.:)


    Es geht nicht um Zuflucht suchen. Dies ist einfach ein Bekenntnis zur Lehre des Buddha.

    Es geht auch nicht um den Aberglauben, dass wir dann geschützt seien, aber es geht auch nicht darum, sich mit allen verbunden zu fühlen, sonst hätte der Buddha nicht die Befreiung proklamiert, die jede/r nur durch sich selbst erreichen kann.


    Es geht ebenfalls nicht um Friede, Freude, Eierkuchen, sondern um das Erkennen der Vier Edlen Wahrheiten und das Handeln danach. Dies ist auch ohne formale Zufluchtnahme möglich. Das folgt dann nämlich automatisch, weil es ein inneres Bekenntnis ist.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Die Erkenntnis, dass Personen und Phänomene in vielschichtiger Weise in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen, ist wichtig und notwendig. Diese Erkenntnis allein reicht aber nicht aus, um uns von unseren Leiden zu befreien.


    Buddha hat ja nicht gelehrt, erkennt die Leiden und deren Ursachen und gut ist. Vielmehr hat er gelehrt, erkennt die Leiden und überwindet die Leidensursachen mittels der wahren Pfade.


    Die Erkenntnis der gegenseitigen Verbundenheit allein hilft nicht, um absoluten Frieden zu erlangen. So lange unser Geist / Bewusstsein von Egoismus / Selbstsucht beherrscht wird, wird es keinen absoluten Frieden geben, selbst wenn wir die vielschichtige gegenseitige Verbundenheit erkannt haben.


    Notwendig ist dafür, dass jeder seinen Egoismus, seine Selbstsucht überwindet. Dann stellt sich die Frage, wie ist dies zu erreichen? Und diese Frage muss sich jeder selbst stellen; auch ob er / sie seinen / ihren Egoismus überhaupt überwinden will. Eine Antwort findet man im Dharma.


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Wir nehmen als Buddhisten / Buddhistinnen Zuflucht zu den drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha, um uns vor den Leiden zu schützen. Wenn wir Zuflucht nehmen zum Dharma, nehmen wir dann nicht Zuflucht zu den Wahren Beendigungen und den Wahren Pfaden mit denen wir diese verwirklicht werden? Nehmen wir mit der Zuflucht zum Dharma nicht Zuflucht zu den Verwirklichungen in unserem eigenen Geist, die wir durch unsere Praxis realisieren, weil nur diese uns vor den Leiden Samsaras schützen können?


    Gruß Helmut


    Der Buddha lehrte, dass man zu sich und zu der Lehre "Zuflucht" nehmen sollte. Und das auch nicht, um ein selbst vor dem Leiden zu schützen, sondern um das Leid zu überwinden.


    Was heisst nun "Zuflucht zum Dharma" nehmen? Heisst es, Geborgenheit/Sicherheit beim bedingten Entstehen zu nehmen, oder heisst es: Geborgenheit, Sicherheit, Festigkeit in der Lehre des Buddha (und damit im eigenen Erkennen) zu finden?


    Was heisst "das Leiden Samsaras"? - wenn doch Bewusstsein und Gefühl und Begehren vergänglich, also leidvoll ist. Ist damit gemeint, dass es etwas vom Bewusstsein verschiedenes, also in dem Fall "Samsara" gäbe?


    Die Erkenntnis, dass Personen und Phänomene in vielschichtiger Weise in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen, ist wichtig und notwendig. Diese Erkenntnis allein reicht aber nicht aus, um uns von unseren Leiden zu befreien.


    Welche Person besteht nur, weil eine andere Person besteht? Ist damit vielleicht nur die einfache Wahrheit gemeint, dass wir uns gegenseitig stützen und helfen können, wie wir uns auch gegenseitig Kraft nehmen können, uns gegenseitig misstrauisch und feindselig machen können? Ist diese Einsicht notwendig? Ja sie ist es. Denn so wie wir uns verhalten, so bilden sich die Gewöhnungen, so bildet sich begehrliches Bewusstsein. Verhalten wir uns im Sinne des Erkennens der anderen, dann bedingt so ein Verhalten (wie jedes Verhalten) zukünftiges Bewusstsein. Es wird also wahrscheinlicher, dass wir auch in Zukunft, widerspruchsfreier, befreiter, mit offenerem Herzen, vorstellungsbefreiter wahrnehmen und handeln.


    Weil der Begriff und die Vorstellung von einer Person zumeist eine ist, die nicht- oder: weniger wissend benutzt wird, ist es wohl ratsam, nicht davon zu sprechen, dass es Personen gäbe (genauso ratsam es ist, zu vermeiden davon zu sprechen, dass es keine Personen geben würde), die in wechselseitiger Abhängigkeit bestehen würden.


    Die Lehre vom bedingten Entstehen ist eindimensional. Es besteht das Bewusstsein in Abhängigkeit vom Körper und vom Geist. Warum wurde dies so durch den Buddha gelehrt (und nicht so: dass Menschen in gegenseitiger Abhängigkeit bestehen würden)? Weil dieses Wirken eben unmittelbar erkennbar ist, weil es das Dasein letztlich ist: Gefühl, Wahrnehmung, Bewusstsein.


    Das Erkennen von Bewusstsein, das Wahrnehmen der Qualität des vorhandenen Bewusstseins, das gilt es zu fördern. Und dahin wird auch der Weg (also Vorschläge und Empfehlungen für Handlungen) gewiesen: sich des Gefühls, der Wahrnehmung, des Bewusstseins, des Begehrens mehr und mehr gewahr zu werden. Das heisst: achtsam werden/achtsam sein. Eben dieses Erkennen in immer grösserem Ausmass, dieses ist notwendig, und es reicht an einem Punkt soweit, dass NichtWissen überwunden wird. Denn darin wurzelt das Leiden.


    Buddha hat ja nicht gelehrt, erkennt die Leiden und deren Ursachen und gut ist. Vielmehr hat er gelehrt, erkennt die Leiden und überwindet die Leidensursachen mittels der wahren Pfade.


    Buddha hat nicht von wahren Pfaden gesprochen. Das lehrt wohl ein anderer. Zum Beispiel auch du. Bitte (und im Sinne der anderen, denen geholfen werden kann/die man unterstützen kann): sprich doch nicht so. Auch hat der Buddha nicht gelehrt: "erkennt das Leiden". Er hat erklärt, dass alles vergänglich und damit direkt Leid ist.


    Die Erkenntnis der gegenseitigen Verbundenheit allein hilft nicht, um absoluten Frieden zu erlangen. So lange unser Geist / Bewusstsein von Egoismus / Selbstsucht beherrscht wird, wird es keinen absoluten Frieden geben, selbst wenn wir die vielschichtige gegenseitige Verbundenheit erkannt haben.


    Notwendig ist dafür, dass jeder seinen Egoismus, seine Selbstsucht überwindet. Dann stellt sich die Frage, wie ist dies zu erreichen? Und diese Frage muss sich jeder selbst stellen; auch ob er / sie seinen / ihren Egoismus überhaupt überwinden will. Eine Antwort findet man im Dharma.


    Diese Verbundenheit existiert nicht, weil es solche festen Personen, die verbunden sein könnten nicht gibt. Weil es nur Vorstellungen von Personen sind. Weil Geist/Bewusstsein an sich schon vergänglich, also Leid ist. Es kann ein Bewusstsein nicht von einer davon getrennten Gier beherrscht werden, denn Bewusstsein selbst ist befleckt, ist schon immer begehrlich. Auf verschiedene Weise und jeweils stärker oder schwächer.


    Vielleicht ist es ein Anfang, nicht von einem eigenem Leid zu sprechen, nicht von einem eigenem Geist zu sprechen, nicht von Personen zu sprechen, die, weil sie so angenommen: getrennt sein sollen, doch miteinander verbunden sein könnten.


    Vielleicht ist es ein Anfang, sich direkt mit der Lehre des Buddha zu beschäftigen. Und damit aufzuhören, eine Lehre oder Aussagen zu verbreiten, die mit der Lehre des Buddha nichts zu tun hat. So eine Egozentrie, so einen Egoismus, den abzulegen, das wäre in meinen Augen für viele hilfreich.

  • Mir scheint, Ihr Beide definiert Verbundenheit unterschiedlich.

    Und in der Tat, das kann man auch.

    Als ich das erste Mal in meinem Leben Schulden machen musste wegen einer Immobilie, lernte ich den Ausdruck: "Verbindlichkeit". Ich musste grinsen, mit welch abgehobenem Fachausdruck ganz gewöhnliche Schulden bezeichnet werden. Aber auch das ist eine Verbundenheit, denn sie verbindet mich mit den Personen, denen ich was schulde. Auf dem Papier schulde ich dann zwar nur der Bausparkasse diesen Betrag, aber wenn man viel tiefer darüber nachdenkt, wie das alles miteinander zusammenhängt (auf diese Weise über Schulden bei der Bausparkasse zu meditieren, das lohnt sich), kann es dazu kommen, dass tiefere Bewusstseinsschichten sich erschließen und es zu beträchtlichen Aha-Erlebnissen kommt.

    Ihr seht schon, auf meinem spirituellen Weg bin ich eher praktisch veranlagt.


    Darüberhinaus scheint mir wiederum, dass es hier ein Missverständnis zwischen Helmut und Vedana gibt.

    Vedana hat sich an Helmuts "gegenseitiger Verbundenheit" aufgehängt, während Helmut stattdessen hier über die Befleckungen des Geistes spricht, welche die Verbundenheit stören. So passiert es ganz schnell, dass man aneinander vorbeiredet, nur, weil der Text überflogen wird und beim Überfliegen dann, ohne Zusammenhang, das eine oder andere Stichwort hängenbleibt. Solches erlebe ich hier regelmäßig.

    Die meisten hier haben keine Geduld, längere Texte gründlich zu lesen.


    Doch wenn Vedana schon mal dabei ist, ein Gespräch in eine etwas andere Richtung zu lenken:

    Helmut ist die gegenseitige Verbundenheit sehr wichtig,

    während Vedana behauptet, die gäbe es gar nicht.

    Helmut hat weder recht - noch nicht recht.

    Vedana hat weder recht - noch nicht recht.

    Und beide haben sowohl recht als auch nicht recht.

    Beides gibt es sowohl, als dass es gleichzeitig beides nicht gibt. Außerdem existiert diese Tatsache weder in der einen noch in der anderen Form.

    In der Meditation geht es schwerpunktmäßig darum, diese scheinbare Kontroverse zu transzendieren.


    Hier noch eine Bemerkung zur Zuflucht, die mir sehr wichtig ist:

    In Wirklichkeit können wir gar nicht bei den Drei Juwelen Zuflucht nehmen oder suchen.

    Dummerweise wurden die Zufluchtssätze falsch ins Deutsche übersetzt. In Wirklichkeit heißt es nämlich: "...gehe ich um Zuflucht" !!!


    Es ist also ein (schlussfolgernder) Akt der bewussten Entscheidung, ganz im Sinne von Buddhas Predigt an die Kalamer.

    Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest,
    sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschieht,
    und es wird dir gut gehen.
    Epiktet

  • Buddha hat ja nicht gelehrt, erkennt die Leiden und deren Ursachen und gut ist. Vielmehr hat er gelehrt, erkennt die Leiden und überwindet die Leidensursachen mittels der wahren Pfade.


    Buddha hat nicht von wahren Pfaden gesprochen. Das lehrt wohl ein anderer. Zum Beispiel auch du. Bitte (und im Sinne der anderen, denen geholfen werden kann/die man unterstützen kann): sprich doch nicht so. Auch hat der Buddha nicht gelehrt: "erkennt das Leiden". Er hat erklärt, dass alles vergänglich und damit direkt Leid ist.

    Dann lese mal SN 56.11 in ganz genau.


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Buddha hat ja nicht gelehrt, erkennt die Leiden und deren Ursachen und gut ist. Vielmehr hat er gelehrt, erkennt die Leiden und überwindet die Leidensursachen mittels der wahren Pfade.

    1) Buddha hat nicht von wahren Pfaden gesprochen. Das lehrt wohl ein anderer. Zum Beispiel auch du. Bitte (und im Sinne der anderen, denen geholfen werden kann/die man unterstützen kann): sprich doch nicht so.


    2.) Auch hat der Buddha nicht gelehrt: "erkennt das Leiden". Er hat erklärt, dass alles vergänglich und damit direkt Leid ist.

    In einem Forum besteht, ebenso, wie im Gespräch, die Möglichkeit, Unverständliches zunächst einmal höflich zu hinterfragen. Helmut spricht von den Vier Edlen Wahrheiten und deren Inhalte:


    1.) Im Theravada heißt es: die Achtfachen Rechten Pfade (sammā-magga), im tib. Buddh. spricht man u. a. von wahren Pfaden.


    2.) ... Dies nun, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsinn und Verzweiflung sind Leiden; vereint sein mit Unliebem ist Leiden, getrennt sein von Lieben ist Leiden; was man verlangt, nicht erlangen, ist Leiden. Kurz gesagt: die fünf Faktoren des Ergreifens sind Leiden. ...

    'Dies ist die edle Wahrheit vom Leiden': dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. ... 'Diese edle Wahrheit vom Leiden ist nun zu durchschauen und habe ich durchschaut', dabei ging mir, ihr Mönche, bei nie zuvor gehörten Dingen das Auge auf, die Erkenntnis auf, die Weisheit auf, das Wissen auf, das Licht auf. Samyutta Nikaya 56


    LG mkha'

  • Helmut


    Zitat

    Dann lese mal SN 56.11 in ganz genau.


    Du schriebst das, um deine Formulierung "wahre Pfade", die du wohl analog zu deiner anderen Formulierung "wahre Beendigung" benutzt, zu verteidigen/dem Buddha zuzuordnen.


    Ich finde diese Formulierung nicht in SN 56.11 und auch nicht in anderen Lehrreden. Das ist aber nur ein kleiner Punkt gewesen, auf den ich hinweisen wollte. Ich denke, es wäre angemessener und ernsthafter/uneitler/unegoistischer, auf die wichtigeren Punkte, die ich angedeutet hatte, einzugehen.


    Letztlich (und darüber schriebst du ja auch) ist es auch eine Frage des Egoismus & der Eitelkeit, wie man mit ernst gemeinten und klaren Einwürfen umgeht.

  • Ich habe diesen Thread zum Thema Zuflucht eröffnet, aber nicht um Verbundenheit zu debattieren. Mein Beitrag 18 war nur eine Erwiderung auf Beitrag 16. Das sollte eigentlich deutlich gewesen sein. Ich will bei meinem Thema bleiben. Zuflucht hängt mit den vier edlen Wahrheiten, der ersten Lehrrede des Buddha zusammen.


    In SN 56.11 heißt die dritte edle Wahrheit: "Die edle Wahrheit von der Leidensauflösung". Die vierte edle Wahrheit heißt dort:"Die edle Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Vorgehen". Wahre Beendigungen und wahre Pfade fassen dies nur kurz zusammen. Es geht nicht um die Worte, sondern um die Bedeutung der Worte, und zwar um ihre tiefgründige Bedeutung.


    Wir nehmen Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha, um uns vor einer Wiedergeburt in einem niederen leidvollen Bereich zu schützen. Zum Buddha nehmen wir Zuflucht, weil er der unübertroffene Lehrer ist, der uns aufzeigen kann wie wir die Ursachen für eine derartige Wiedergeburt, die in unserem Geist liegen, vollständig überwinden können. Zum Dharma nehmen wir Zuflucht, weil wir durch unsere eigene Dharmapraxis die Leidensursachen in unserem Geist überwinden müssen.


    Wir nehmen natürlich nicht nur deshalb Zuflucht, um nicht in einem niederen leidvollen Daseinsbereich wiedergeboren zu werden, sondern auch, um Arhatschaft oder Buddhaschaft zu erlangen.


    Gruß Helmut

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Helmut


    Eben weil du diesen Thread zum Thema "Zuflucht" eröffnet hast, wundert es mich, dass du nicht darauf eingehst, was konkret der Buddha gelehrt hat.


    (Und auch nicht darauf, was ich zum Thema "Zuflucht" geschrieben habe)


    Eben nicht die Zuflucht zu "3 Juwelen" (was eine eitle und so auch erkennbare Formulierung btw).


    ----


    Die Formulierung "wahre Pfade" impliziert nämlich schon wieder etwas. Mindestens, dass Buddha wirklich so sprach. Es ist aber eine naive Formulierung, und damit nimmst du in Kauf, dass andere denken, Buddha hätte so gesprochen.


    Ich wiederhole meine Bitte. Setze dich intensiv mit der Lehre auseinander, bevor du über sie sprichst. Sei so ernsthaft und uneitel.