Buddhas Lehre

579 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Ellviral.

  • Aber wäre dieses "Nicht Bedingte " als Ursprung der 6 Sinne, dann nicht ein Atman...eine letztendlicher Ursprung ..der laut Buddha ja gar nicht aufgefunden werden kann ? Oder meinst Du das es zwar nicht aufgefunden werden kann...(weil sinnlich nicht greifbar)... Es aber trotzdem als Ursprung existiert...?

    Umgekehrt. Das ist ja das Paradoxe: es existiert nicht, es kann nicht aufgefunden werden, schon gar nicht mit den Sinnen, aber dennoch gehen alle Dinge daraus hervor. Man kann sogar sagen, die "Dinge" "bestehen daraus". Das ist ein Aspekt der Leerheit: die Dinge bestehen aus "Nichts", aber trotzdem wirken sie innerhalb der bedingten Welt auf einander ein. Sie existieren nicht aus sich selbst heraus, auch nicht aus etwas anderem, sondern das traumartige Spiel erhält sich selbst aufrecht durch ständige gegenseitige Einwirkung der leeren Phänomene.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Meinst du, dass Worte halt Worte sind und keine direkte Wahrnehmung sind, so wie "Gefühl" (das Wort) und Gefühl (das Empfinden)? Weil Freude kann man schon problemlos beschreiben, was natürlich trotzdem Worte bleiben, wenn es gesagt wird.

    Ja

    Ich frage, weil mich wie gesagt das "Nichtbeschreibbare" dort irretiert. Das ist keine Wortklauberei, weil man zB. auch jhanas haben kann, ohne Bedingtheit zu erkennen, usw. Wie bei Buddhas Lehrern. Darum ist die Unterscheidung für mich wichtig.

    Es ist immer das Gleiche, was ich meine, nur dass ich immer wieder verschiedene Begriffe dafür verwende. Im tibetischen Buddhismus ist die Zahl der Begriffe dafür sehr vielseitig - weil es eben eigentlich nicht durch Worte beschrieben werden kann. Immer, wenn ein Begriff zu sehr verdinglicht wird, kommt ein anderer Begriff daher, der noch nicht so "abgegriffen" ist. Keinen dieser Begriffe darf man wortwörtlich interpretieren, da sie immer nur Wegweiser sind.

    B: Ich weiss nicht was du mit "innerster Ebene" meinst.

    Es ist immer das Gleiche, was ich meine, nur dass ich immer wieder verschiedene Begriffe dafür verwende. ;)

    B: Du meinst mit "geht darauf zurück", dass das Sinnliche der 5 Sinne (und auch der 6te Sinn, das Denkens selbst) abstrahiert werden kann?

    Ich meine damit, dass alles Bedingte das Nicht-Bedingte als Ursprung hat, daraus besteht, damit eins ist, obwohl dieses Nicht-Bedingte nicht existiert. (Siehe letzter Beitrag)

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  • Umgekehrt. Das ist ja das Paradoxe: es existiert nicht, es kann nicht aufgefunden werden, schon gar nicht mit den Sinnen, aber dennoch gehen alle Dinge daraus hervor. Man kann sogar sagen, die "Dinge" "bestehen daraus". Das ist ein Aspekt der Leerheit: die Dinge bestehen aus "Nichts", aber trotzdem wirken sie innerhalb der bedingten Welt auf einander ein. Sie existieren nicht aus sich selbst heraus, auch nicht aus etwas anderem, sondern das traumartige Spiel erhält sich selbst aufrecht durch ständige gegenseitige Einwirkung der leeren Phänomene.

    Wer sagt, dass die Dinge aus "Nichts" bestehen, nur weil es keine Seele gibt?


    Gibt es noch jemand tib. Praktizierenden hier, der das so gelernt hat? Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint. Kann ja sein, dass das so gelehrt wird.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Es geht ja bei den Aussagen und insbesondere bei den Wahrheiten lediglich (!) darum, Fehler zu vermeiden. Das ist die Kunst einer wahren Aussage. Welche Kunst man auch wieder im Westen sehr sehr unterschätzen kann ...


    Die Aussage und damit auch die wahre/gültige Aussage und die Vorstellung sind ja samsarisch und sozusagen schon "der Fehler".

    Es kommt ja drauf an. Warheiten gibt es ja, nur sind diese eben bedingt... beziehen sich immer auf einen bestimmten Rahmen der gesetzt wird, d.h. sie sind wahr innerhalb bestimmter Grenzen. Z.b. durch Grenzen, die durch die begrenzte sinnlichen menschlichen Wahrnehmungen bedingt sind. Aber

    als Mensch hat man das Potential, ein Bewusstsein zu entwickeln, das zu erkennen. Oberflächlich ist es eigentlich sogar sehr einfach zu erkennen...aber ein tiefgreifendes Bewusstsein dafür zu entwickeln eben nicht. Da greift dann das was du in einem anderen Beitrag angesprochen hattest. Das Achtsame beobachten...das Erkennen, Benennen bzw. Identifizieren der triebhaften, unbewussten Anhaftungen. Um auch dafür ein Bewusstsein zu entwickeln und Licht ins dunkel zu bringen, damit schließlich diese Begrenzungen, die ja gerade dort entstehen, überwindbar werden. Einem Wissenschafftler zb., kann sich der Relativität seiner Aussagen, auf intellektueller Ebene sehr bewusst sein...Und trotzdem handelt er getrieben von Gier.

    Dem kann ich gut folgen. Es ist auch so geschrieben, dass der Begriff "Bewusstsein" durch "Wissen" ersetzbar ist und der Sinn bleibt der selbe. Es ginge ja auch darum jeweiliges Bewusstsein zu erkennen.


    Klar: die gefühlte Abgrenzung ist die Abwesenheit des Gewünschten zB. Der Begriff der "Begrenzung"/Abgrenzung als eine Art sanftere Metapher für dhukka?


    Das Auge kann sich nicht selbst im visuellen Sinne sehen, das ist unmöglich. Das was Du beschreibst wäre genau das, was ich als "es muss sich erfahren" benennen würde. Und genau: dann hebt sich die Unterscheidung Subjekt-Objekt auf.


    In gleicher Weise kann die Buddhanatur nicht in einem begrifflichen Sinne erfasst werden. Sie muss erfahren werden, damit die Unterscheidung zwischen Buddhanatur und Selbst aufgehoben wird.

    Ja klar: es ist eine Metapher. Es gab jetzt mal die Gelegenheit, in die Richtung vorzustossen, die du ja aufnimmst in deiner Begründung, und von der ich sage, dass man es so herum wie du es beschreibst gar nicht begründen muss. Und gar nicht erst davon reden muss, wie es ein Buddha wahrnimmt oder nicht wahrnimmt. Was ich wie schon gesagt für gefährlich, weil: fehleranfällig in der Begründung und darum Konzeptbildung, die ja auch etwas mit "Bewusstwerdung" zu tun hat, halte.


    Den Begriff "BuddhaNatur" möchte ich natürlich aus genannten Gründen auch nicht mitgehen. Ich denke, es reicht vollkommen zu sagen, dass LeidVernichtung möglich ist. Das betrifft dann ja automatisch alle "Wesen", denn es gibt ja keine wirklichen, voneinander getrennten Wesen mit einer eigenen Natur für die nur beschränkt dann LeidVernichtung möglich sein könnte. Es ist halt in meinen Augen die Gefahr, dass jemand denkt er wäre ein Buddha, "nur" weil er da eine wundervolle Erfahrung von Einheit und gleichzeitig "grosser Klarheit/Bewusstheit" macht.


    Wenn ich jetzt meine Metapher aufgreife: "eine Bedingungsblase Subjekt <> Objekt löst sich auf", dann meine ich damit aber auch, dass Auflösungen und Entstehungen von solchen "Bedingungs-Blasen" und/oder auch "bedingten ErfahrungsRäumen" die ganze Zeit passieren. Das ist ja Samsara. Nur: die "letzte" Auflösung hin zu Nibbana unterliegt eben auch demselben "Prinzip" (in Anführungszeichen, denn es ist ja schon wirklich wild formuliert).



    :sunny:

  • Umgekehrt. Das ist ja das Paradoxe: es existiert nicht, es kann nicht aufgefunden werden, schon gar nicht mit den Sinnen, aber dennoch gehen alle Dinge daraus hervor. Man kann sogar sagen, die "Dinge" "bestehen daraus".


    Ich möchte wirklich nicht für Unruhe sorgen. Es sind ja alles nur Beschreibungen. Aber ... ich kenne einen ziemlich authentischen Text anscheinend, der fast genauso wie du gerade schreibst, das NichtWissen als geheimes, unerkennbares & gestaltendes/wirkendes Ding hinter den Erscheinungen Samsaras beschreibt, welches die Dinge bewirkt und hervorbringt. Wirklich im Kern eigentlich so wie du es gerade schreibst.


    Ich reiche den Link bei Bedarf gerne nach. Ist halt Englisch. Dann müsste man evtl auch klären, wer da genau so gesprochen hat. Ich nehme an, Sariputto.




    :sunny:

  • Ich empfinde das Bewusstsein als die "Ebene" des nicht Bedingten alles Bedingenden. Einerseits als Bewusstsein das die Sinnesempfindungen der 5 Sinne als Wahrnehmungen der Sinne erkennt. Die Sinne nicht ihre Basis im Bewusstsein haben sonder das Bewusstsein seine Basis in den Sinnesempfindungen hat, weil Bewusstsein sie empfindet und so Handlungen der Empathie erzeugen kann, weil es Bewusstsein der Sinnesempfindungen erfährt und in anderem Lebewesen seiner Art erkennt.

    Andererseits das Bewusstsein Ein Ichbin zu sein das in anderen und durch andere der gleichen Art erfährt das ich ein ichbin bin und das der der mir das klar macht auch ein ichbin ist. Das ichbin sein wird erzeugt durch das Namen geben. Das Individualisieren im mit Namen. Das Bewusstsein das ichbin ist wird benannt und von Bewusstsein das Sinnesempfindungen und damit Bewusstsein der eigenen Sinnesemfindungen im anderen, gleichen Wesens, erkennt und diesem anderen Empathie entgegenbringt, nicht aber dem Wesen dessen Sinnesempfindungen nicht den eigenen entspricht. Katzen erkennen die Bewusstseinsart der Katzen nicht aber die der Maus die nur die Bewustseinsart der Mäuse.


    Das Ichbin Wesen identifiziert sich mit dem IchbinBewusstsein des anderen Ich bin Wesens. Der Mensch bringt Empathie zuerst nur dem Menschen entgegen doch sehr schnell auch allen anderen Wesen die ihm Empathie entgegenbringen. Der Mensch als Ichbin Wesen hat die Fähigkeit in anderen fühlenden Wesen das Bewusstsein zu erkennen das Sinnesempfindungen wahrnimmt, Er bringt ihnen nicht nur Empathie entgegen sonder auch seinen Glauben das dieses Bewusstsein das nicht seine Art ist auch ein Ichbin Wesen sein muss doch weil es keine Sprache hat mir seinen Namen nicht sagen kann also geb ich ihm einen Name damit ich es identifizieren kann und die Reaktion des Wesens auf seinen gegebenen Namen interpretiere ich so das das Wesen ohne Sprache meine Sprache versteht.


    (Hab ich geschrieben um wieder müde zu werden. leg mich jetzt wieder hin)

  • Umgekehrt. Das ist ja das Paradoxe: es existiert nicht, es kann nicht aufgefunden werden, schon gar nicht mit den Sinnen, aber dennoch gehen alle Dinge daraus hervor. Man kann sogar sagen, die "Dinge" "bestehen daraus". Das ist ein Aspekt der Leerheit: die Dinge bestehen aus "Nichts", aber trotzdem wirken sie innerhalb der bedingten Welt auf einander ein. Sie existieren nicht aus sich selbst heraus, auch nicht aus etwas anderem, sondern das traumartige Spiel erhält sich selbst aufrecht durch ständige gegenseitige Einwirkung der leeren Phänomene.

    Wer sagt, dass die Dinge aus "Nichts" bestehen, nur weil es keine Seele gibt?


    Gibt es noch jemand tib. Praktizierenden hier, der das so gelernt hat? Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint. Kann ja sein, dass das so gelehrt wird.

    Nach meinem Verständnis hat Kilaya nicht gemeint, dass die Dinge aus "Nichts" bestehen nur weil es keine Seele gibt.


    Ich zitiere noch mal meinen Lehrer, Dagyab Rinpoche: "Die Aussagen des Buddha über Vergänglichkeit, Bedingtheit und Ichlosigkeit von Personen und allen anderen Phönomenen wurden tiefer und tiefer verstanden und dargelegt und führten schließlich zur theoretischen und praktischen Erfassung der "Leerheit aller Erscheinungen" (Sunyata), die das eigentliche Fundament des Mahayana ausmacht....

    Das jahrhundertelange Ringen um den Begriff der Leerheit hat sich in den philosophischen Schulen des Budhhismus niedergeschlagen. Im Madhyamika-System wurde schließlich festgestellt, dass das Nichtvorhandensein von inhärenter Eigenexistenz, also die Leerheit, allen Erscheinungen gemeinsam ist und ihre letztendliche Seinsweise oder Natur darstellt. Damit wurde die Leerheit zur "absoluten Realität"


    Weiter zitiert Dagyab Rinpoche auch den Buddha selbst (leider ohne Quellenangabe):


    "Einen Dharma wie Nekrat habe ich gefunden, tiefgründig, friedlich, unbewegt, ein klares Licht, nicht aus Ursache und Wirkung zusammengesetzt. Auch wenn ich ihn anderen zeige, werden sie nicht fähig sein, ihn zu verstehen. Deshalb werde ich nicht sprechen, sondern im Wald und Hain weilen".


    Es entsprach nun der tiefsten Überzeugung der Mahayana Anhänger, in der Gestalt des Buddha selbst den Inbegriff ihrer erweiterten Sichtweise zu sehen: Er war gleichzeitig derjenige, der sie umfassend verstanden und realisiert hatte, der sie erklärt hatte und der in seinen eigenen Qualitäten und Aspekten dem Absoluten, unabhängig von Zeit und Raum, Ausdruck verlieh".

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Aber ... ich kenne einen ziemlich authentischen Text anscheinend, der fast genauso wie du gerade schreibst, das NichtWissen als geheimes, unerkennbares & gestaltendes/wirkendes Ding hinter den Erscheinungen Samsaras beschreibt, welches die Dinge bewirkt und hervorbringt. Wirklich im Kern eigentlich so wie du es gerade schreibst.

    Nichtwissen (auch das unbewußte Nichtwissen) ist aber keineswegs unbedingt.

  • Danke. Ich klemm meine Antworten und Gedanken wieder dazwischen.

    Zitat

    Mil. 4.8.7. Das Problem des Traumes


    «Hier in der Welt, ehrwürdiger Nāgasena, mögen Männer und Frauen Träume haben, gute wie schlechte. Man träumt von Dingen, die man entweder schon früher einmal gesehen oder noch nicht gesehen hat, die man schon getan oder noch nicht getan hat. Man träumt von friedlichen und schrecklichen, fernen und nahen Dingen. Und viele tausenderlei Gestalten erscheinen einem. Was hat man wohl unter einem solchen Traum zu verstehen? Und wer ist es, der das Traumbild wahrnimmt?»


    «Unter sechs Umständen, o König, hat man Träume: man träumt, wenn man von Winden oder Galle oder Schleim gequält wird, unter der Einwirkung von Gottheiten, infolge von gewohnten Erfahrungen, oder man träumt von einer Vorbedeutung und nur der letztere ist ein wahrer Traum, alle übrigen aber sind unwahre Träume.»


    «Wenn, ehrwürdiger Nāgasena, jemand von einer Vorbedeutung träumt, wandert da wohl sein Geist selber fort und holt sich jene Vorstellung, oder aber tritt jene Vorstellung von außen her in das Bewußtseinsfeld ein, oder kommt etwa irgend ein fremdes Wesen heran und übermittelt sie ihm?»


    «Nein, o König, nicht wandert sein Geist fort und sucht sich jene Vorstellung, auch kommt kein anderes Wesen heran und übermittelt sie ihm, sondern jene Vorstellung tritt von außen her in das Bewußtseinsfeld ein. Es ist hiermit wie mit einem Spiegelbilde. Der Spiegel nämlich wandert nicht selber fort, um sich das Spiegelbild zu holen, auch bringt kein Fremder das Spiegelbild heran und fügt es dem Spiegel ein, sondern das Spiegelbild tritt, wo auch immer es herkommen mag, in das Spiegelfeld ein.»


    «Weiß wohl, ehrwürdiger Nāgasena, das das Traumbild wahrnehmende Bewußtsein, daß dies oder jenes bestimmte Ergebnis eintreten wird, etwas Friedliches oder etwas Schreckliches?»


    «Nein, o König, das weiß das Bewußtsein nicht. Sondern wenn die Vorstellung aufgestiegen ist, teilt man sie anderen mit, und diese klären einen über den Sinn auf.»


    «Bitte, ehrwürdiger Nāgasena, erkläre mir die Sache!»


    «Wenn da, o König, am Körper Flecken, Beulen und Ausschlag entstehen und diese Dinge einem zum Vorteile oder Nachteile gereichen, zur Ehre oder Unehre, zum Lob oder Tadel, zum Glück oder Unglück, wissen da wohl diese Flecken und Beulen bei ihrem Entstehen, daß sie eine solche Wirkung hervorrufen werden?»


    «Nein, o Ehrwürdiger. Sondern an der Stelle, an der sich die Beulen zeigen, dort untersuchen die Zeichendeuter diese Beulen und erklären darauf, daß diese oder jene Wirkung eintreten wird.»


    «Ebenso auch, o König, weiß das das Traumbild wahrnehmende Bewußtsein nicht, daß dieses oder jenes bestimmte Ergebnis eintreten wird. Sondern wenn die Vorstellung aufgestiegen ist, teilt man sie anderen mit, und diese klären einen über den Sinn auf.»


    «Träumt man wohl, ehrwürdiger Nāgasena, während des Schlafens oder während des Wachens?»

    «Weder während des Schlafens, o König, noch auch während des Wachens. Sondern sobald (leichter) Schlaf eingetreten, aber noch nicht der unterbewußte Zustand (bhavanga) erreicht ist, dann ist die Zeit, in der man Träume hat. Der Geist des in (Tief-) Schlaf völlig Eingetretenen, o König, hat den unterbewußten Zustand erreicht. Der in den unterbewußten Zustand eingetretene Geist aber ist untätig; und der untätige Geist kennt weder Wohlgefühl noch Schmerzgefühl. Wenn man aber nicht mehr unterscheiden kann, hat man auch keinen Traum. Denn nur so lange der Geist noch tätig ist, hat man Träume.

    Gleichwie bei Nacht und Finsternis selbst in einem leuchtenden, vollkommen reinen Spiegel sich kein Spiegelbild zeigt: so auch ist der Geist in Untätigkeit, solange er sich völlig im (Tief-) Schlaf befindet und im unterbewußten Zustand verharrt - trotz des Weiterbestehens des Körpers. Bei untätigem Geiste aber hat man keine Träume. In diesem Gleichnisse nun hat man den Spiegel als den Körper zu betrachten, das Dunkel als den (Tief-) Schlaf und das Licht des Spiegels als das Bewußtsein. Auch bei der vom Nebel verhüllten Sonne ist das Licht nicht sichtbar, und die Sonnenstrahlen sind, trotz ihres Vorhandenseins, dennoch untätig, und da sie untätig sind, kann kein Licht entstehen. In diesem Vergleich nun hat man die Sonne als den Körper zu betrachten, die Nebelhülle als den (Tief-) Schlaf und die Sonnenstrahlen als den Geist.

    Bei zweien, o König, ist, trotzdem ihr Körper weiterbesteht, der Geist nicht in Tätigkeit: bei dem völlig in (Tief-) Schlaf Eingetretenen, im unterbewußten Zustande Verharrenden, und bei dem in (den meditativen Zustand zeitweiliger Bewußtseins-) Aufhebung (nirodha-samāpatti) Eingetretenen. Bei dem Wachenden, o König, ist der Geist unruhig, unverhüllt, klar, ungebunden. In das Bewußtseinsfeld eines solchen tritt kein Traumbild ein. Gerade wie diejenigen, die etwas geheim halten wollen, sich fern halten von einem offenherzigen, ungebundenen, unbeschäftigten, in das Geheimnis nicht eingeweihten Manne - oder wie die heilsamen zur Erleuchtung führenden Dinge nicht eintreten in den Bereich eines Mönches mit verdorbener Lebensweise, schlechtem Benehmen, üblem Umgange, in den Bereich eines sittenlosen, trägen, willensschwachen Mönches: ebenso auch, o König, tritt kein himmelsgleicher Sinn (einer Vorbedeutung) in das Bewußtseinsfeld des Wachenden ein. Darum hat der Wachende keine Träume.»

    «Hat wohl, ehrwürdiger Nāgasena, der Schlaf einen Anfang, eine Mitte und ein Ende?»


    «Ja, o König.»


    «Worin aber besteht der Anfang, die Mitte und das Ende des Schlafes?»


    «Das Gefühl des körperlichen Gebundenseins und Gehemmtseins, der Schwäche, Schlaffheit und Arbeitsunfähigkeit das ist das erste Stadium des Schlafes. Wenn aber einer, vom <Affenschlaf> (das ist von unruhigem Schlaf) befallen, zwischendurch öfters aufwacht, so ist das das mittlere Stadium des Schlafes. Das Aufgehen im unterbewußten Zustande ist das letzte Stadium des Schlafes. Und es ist dann, wenn man sich in dem mittleren Stadium befindet und von dem Affenschlaf befallen ist, daß man die Träume hat. Wenn da zum Beispiel ein im Wandel beherrschter, geistig gesammelter, standhafter und mit unerschütterlicher Einsicht begabter Mensch in einen dem Lärm entrückten Wald eintritt und über eine tiefsinnige Sache nachdenkt, so verfällt er dabei nicht in Schlaf. Sondern gesammelt und geeinten Geistes durchdringt er dort die tiefsinnige Sache. Ebenso auch träumt nur der (Halb-) Wache, noch nicht in (Tief-) Schlaf völlig Eingetretene, der sich im Affenschlaf Befindende, vom Affenschlaf Befallene. In dem Gleichnis nun hat man den Lärm als das Wachen zu betrachten, den einsamen Wald als den vom Affenschlaf Befallenen. Und wie der Gleichmütige, der sich zwar dem lärmenden Geräusche entzieht, doch gleichzeitig den Schlaf vermeidet, die tiefsinnige Sache durchdringt, so auch träumt nur der (Halb-) Wache, noch nicht in (Tief-) Schlaf völlig Eingetretene, der sich im Affenschlaf Befindende, vom Affenschlaf Befallene.»


    «Vortrefflich, ehrwürdiger Nāgasena! So ist es, und so nehme ich es an.»


    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Spock


    Nach meinem Verständnis gibt es die Leerheit der Phänomene (= "Leerheit aller Erscheinungen" (Sunyata)) nur im Mahayana, die Leerheit von Personen (Ichlosigkeit) ist das anata Verständnis im Theravada.


    Madhyamika gehört zum Mahayana. Trotzdem gab es auch innerhalb des Mahayana Buddhismus eine lange andauernde Kontroverse über das korrekte Verständnis der Leerheit.


    Rinpoche hat die Diskussion um Leerheit verglichen mit den unterschiedlichen Modellen innerhalb der Physik.


    Eine physikalische Weltenformel gibt es ja immer noch nicht, demnach scheint zur Zeit die Madhyamika Schule im Vajrayana den philosophischen Streit innerhalb des Mahayana (logisch) gewonnen zu haben.

    Liebe Grüße
    S.Y.


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  • Spock


    Nach meinem Verständnis gibt es die Leerheit der Phänomene (= "Leerheit aller Erscheinungen" (Sunyata)) nur im Mahayana, die Leerheit von Personen (Ichlosigkeit) ist das anata Verständnis im Theravada.

    Im PK steht, dass die Skandhas leer sind, die Welt (loka) und alle dhammas (geistig wahrnehmbaren Dinge) sind anatta, ist das nicht "Leerheit der Phänomene"?

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Ich hab leider die Stelle vergessen, aber iwo im PK gibt es auch eine Stelle, die Bewusstheit als leuchtend beschreibt. Ich weiss aber nicht mehr ob dort "Bewusstsein" stand oder "Weisheit". Vllt hat ja einer die Stelle parat?

    Vielleicht das:


    Zitat


    "'Bewußtsein, das nicht irgendetwas zuweist

    Unendlich ist, Getrennt von Allem leuchtet: :


    daran hat die Erdhaftigkeit des Erdelements nicht Anteil, daran hat die Wasserhaftigkeit des Wasserelements nicht Anteil, daran hat die Feuerhaftigkeit des Feuerelements nicht Anteil, daran hat die Windhaftigkeit des Windelements nicht Anteil, daran hat die Eigenart der Lebewesen nicht Anteil, daran hat die Eigenart der Himmelswesen nicht Anteil, daran hat die Eigenart von Pajāpati nicht Anteil, daran hat die Eigenart von Brahmā nicht Anteil, daran hat die Eigenart der Himmelswesen des Überströmenden Glanzes nicht Anteil, daran hat die Eigenart der Himmelswesen der Leuchtenden Herrlichkeit nicht Anteil, daran hat die Eigenart der Himmelswesen der Großen Erfolge nicht Anteil, daran hat die Eigenart des Überwinders nicht Anteil, daran hat die Allhaftigkeit von Allem nicht Anteil.'" M.49

  • Spock


    Nach meinem Verständnis gibt es die Leerheit der Phänomene (= "Leerheit aller Erscheinungen" (Sunyata)) nur im Mahayana, die Leerheit von Personen (Ichlosigkeit) ist das anata Verständnis im Theravada.

    Im PK steht, dass die Skandhas leer sind, die Welt (loka) und alle dhammas (geistig wahrnehmbaren Dinge) sind anatta, ist das nicht "Leerheit der Phänomene"?

    Ich bin vorsichtig: Ja, das könnte auch die Leerheit der Phänomene bedeuten.

    Dann wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt festzustellen, dass dieses Verständnis der Leerheit identisch ist mit einer "absoluten Wirklichkeit", die mit Worten nicht beschreibbar ist.

    Liebe Grüße
    S.Y.


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    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Ist das, was Sudhana in Post Nr.45 schreibt, das selbe was du meinst?


    Buddhanatur im Zen ?


    Und sind die 37 Glieder die selben, wie die in dem Link (wenn man auf die "37" klickt)?

    Zitat

    Die prayoga-Ursache wird bodhicitta [etwa: Geist des Erwachens] genannt. Mit diesem Geist kann man die 37 Glieder der Erleuchtung, die zehn Stadien (daśabhūmi) des Bodhisattva, die zehn Vollkommenheiten (pāramitā) und am Ende den dharmakāya erlangen. Dies wird die prayoga-Ursache genannt.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Da bin ich überfragt. Bin ja kein Zen Praktizierender und kenne mich mit dem verwendeten Vokabular von Sudhana gar nicht aus .

    Liebe Grüße
    S.Y.


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    Einmal editiert, zuletzt von Sherab Yönten ()

  • Danke, aber ich glaube es war ein anderes.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Da bin ich überfragt. Bin ja kein Zen Praktizierender und kenne mich mit dem verwendeten Vokabular von Sudhana gar nicht aus .

    Hm? Kann hier jemand die "Aspekte" des Bodhisattvas im Vajrayana benennen und sagen ob es die selben sind wie das unter den 37 Dingen, die zur Erleuchting führen?

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Ich bin vorsichtig: Ja, das könnte auch die Leerheit der Phänomene bedeuten.

    Dann wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt festzustellen, dass dieses Verständnis der Leerheit identisch ist mit einer "absoluten Wirklichkeit", die mit Worten nicht beschreibbar ist.

    Niemand hat jemals eine "absoluten Wirklichkeit" mit oder ohne Wort erkennen können.

  • Da bin ich überfragt. Bin ja kein Zen Praktizierender und kenne mich mit dem verwendeten Vokabular von Sudhana gar nicht aus .

    Hm? Kann hier jemand die "Aspekte" des Bodhisattvas im Vajrayana benennen und sagen ob es die selben sind wie das unter den 37 Dingen, die zur Erleuchting führen?

    Warum wäre das denn für Dich in diesem Zusammenhang relevant?

    Liebe Grüße
    S.Y.


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    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Warum wäre das denn für Dich in diesem Zusammenhang relevant?

    Weil immerwieder Unterschiede zwischen den Richtungen betont werden und dann Begriffe verwendet werden, ohne dass man diese erstmal erläutert. Das muss imho schief gehen. Ich wollte nicht auf "absolute Wirklichkeit" eingehen (accinca hat das schon getan) und lieber nach dem Inhalt dieser Bedeutung fragen.


    Mich interessiert aber auch einfach so, ob es (37) das selbe ist.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Ich bin vorsichtig: Ja, das könnte auch die Leerheit der Phänomene bedeuten.

    Dann wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt festzustellen, dass dieses Verständnis der Leerheit identisch ist mit einer "absoluten Wirklichkeit", die mit Worten nicht beschreibbar ist.

    Niemand hat jemals eine "absoluten Wirklichkeit" mit oder ohne Wort erkennen können.

    Für mich wäre das aber eine logische Konsequenz:


    Wenn im Theravada vom "Leerheit aller Phänomene" gesprochen wird und diese Qualität der Leerheit ist gleichbedeutend mit dem Leerheitsbegriff des Mahayana dann folgt daraus für mich logischerweise, dass es diese "absolute Ebene" gibt wenn diese definiert wird mit "Leerheit aller Phänomene".


    Oder in der Sprache der Logik formuliert:


    Wenn A = B und

    B = C ist folgt daraus, dass auch

    A = C ist

    Liebe Grüße
    S.Y.


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  • Spock


    Nach meinem Verständnis gibt es die Leerheit der Phänomene (= "Leerheit aller Erscheinungen" (Sunyata)) nur im Mahayana, die Leerheit von Personen (Ichlosigkeit) ist das anata Verständnis im Theravada.

    Im PK steht, dass die Skandhas leer sind, die Welt (loka) und alle dhammas (geistig wahrnehmbaren Dinge) sind anatta, ist das nicht "Leerheit der Phänomene"?

    Also wenn da steht, dass die Skandahas leer sind, dann ist damit gmeint, dass die Dinge leer von einem Atman sind- also eben genau "Ichlosigkeit". Während es mir so vorkommt, als gibt es im Mahyana viele Stellen, wo die ganze Welt als subtanzlos und leer angesehen wird.


    Aber was ist damit genau gemeint? Ich finde es ja nachvollziehbar, dass alle möglichen Phänomene abhängig von anderem existieren und nicht aus sich selbst. Aber warum ist das für den Buddhismus wichtig? Wenn jemand feststellt dass es keine Urknall gab, und Neutronen schon seit Ewigkeiten unwandelbar existieren, inweiwiewt würde denn das für den Buddhismus einen Unterschied machen. Ist es nicht egal, ob es unsere Sonne schon seit Milliarden Jahren gibt oder nicht?


    Ich glaube die Sorge ist die, dass sich jemand druch stabile Dinge darauf aufbauend ein stabiles Ich zurechtzimmert und man deswegen um ein Atta zu leugnen auch alles mögliche andere leugnen sollte. Die Welt als fluffifg und traumähnlich zu bezeichnen ist so gesehen einfach nur eine Art Vergänglichkeit zu betonen, die auf die Spitze getrieben ist.