Gibt es ein Selbst?

There are 1,518 replies in this Thread. The last Post () by Max Schenzle.

  • Quote from gbg


    Ist dass sich das Bewusstsein nicht selbst erkennen kann hier die Pointe? Also kein Selbst ist sonden nur eine Registratur?


    Das Bewusstsein erkennt sich nicht selbst, sondern lediglich die objektive Welt.
    Die Geistfaktoren sind für die subjektiven Eindrücke und Erlebnisse zuständig, in dem sie die äußeren Dinge, die ja ohne „Ich, Mein, Selbst“ sind, aus dem Fundus früherer Erfahrungen als dies oder jenes interpretieren.
    Auch die Geistfaktoren erkennen sich nicht selbst. Der eine Geistfaktor fungiert praktisch als Zuträger für den anderen usw. und das was dabei herauskommt, ist eben die Illusion eines „Ich, Mein, Selbst“

  • Es gibt einige Quellen, die keine Ansichten, sondern Wissen vermitteln. Wenn man irgendwann damit aufhören kann, eigene vorgefasste Meinung und Vorstellungen für das Maß aller Dinge zu halten bzw. sich vom Zwang, eine Lehre selbst entwickeln zu müssen befreien kann, tun sich manchmal Welten auf. Z. B. hier - Konzepte des buddhistischen 'Selbst', an vielen Beispielen demonstriert. Ein Lernstoff für viele lange Abende, u. a. weil das alles auch in der Meditation verifizierbar ist. Und das bedeutet: üben, üben, üben.
    Viel Erfolg.


    https://www.youtube.com/watch?v=jU1HOAS-mJs

  • Quote from Yofi

    ... Ein Lernstoff für viele lange Abende, u. a. weil das alles auch in der Meditation verifizierbar ist. Und das bedeutet: üben, üben, üben.


    ... dachte sich die Taube, und drehte noch eine Runde.

  • Quote from accinca

    Begehren nach einem Selbst ist genau so Begehren wie das Begehren nach Selbstvernichtung. Beides ist Begehren. Das ist aber sowieso klar. Beides setzt aber den Glauben an ein Selbst voraus.


    bhava-tanha ist ja nicht direkt Begehren nach einem Selbst, sondern Begehren nach Dasein, "Lebensdurst" sozusagen.


    Und ich denke mal, es wird sehr viele Wesen geben, die Verlangen nach Dasein besitzen, aber dabei dennoch keinerlei bis kaum eine Idee haben von Begriffen wie Ich, mein oder Selbst. Tiere zum Beispiel.


    Viele Grüße
    Elliot


  • Oh, oh - das ist ein gefährlicher Gedanke Elliot

  • Ich sehe begehren von wollen befreit, also nicht mit "wollendem Verlangen nach" gleichgesetzt. Begehren also ohne denkendem Verstand ist. Ein Selbst verlangt, es begehrt nie doch es verwendet begehren so hinterhältig das die Verlangende Gier verschleiert wird.

    Da-Seiendes in wechselseitiger bedingter Abhängigkeit passiert dem Sein.

    Sein in wechselseitiger bedingter Abhängigkeit passiert dem Da-Seiendem.

  • Der Wille zu Handlungen/Dasein und das Begehren nach Sinneneindrücken/Gefühl sind m.W. zwei paar Stiefel.

    Der "Wille" nach Dasein bedingt die Handlungen und somit wiedergeburtserzeugendes Karma !
    Das Begehren, bzw. die Gier nach Sinneneindrücken/Gefühl bedingt als karmische Wirkung das Ergreifen und somit "Leid“.

  • Quote from Elliot
    Quote from accinca

    Begehren nach einem Selbst ist genau so Begehren wie das Begehren nach Selbstvernichtung. Beides ist Begehren. Das ist aber sowieso klar. Beides setzt aber den Glauben an ein Selbst voraus.


    bhava-tanha ist ja nicht direkt Begehren nach einem Selbst, sondern Begehren nach Dasein, "Lebensdurst" sozusagen.
    Und ich denke mal, es wird sehr viele Wesen geben, die Verlangen nach Dasein besitzen, aber dabei dennoch keinerlei bis kaum eine Idee haben von Begriffen wie Ich, mein oder Selbst. Tiere zum Beispiel.


    Schade, das du den Zusammenhang nicht selber erkannt hast,
    Den Glauben an "sich Selbst" und "Ich bin" und die Neigung danach
    haben natürlich alle Wesen, unabhängig davon ob sie Begriffe wie
    wie Ich, Mein oder Selbst denken können oder nicht.

  • Quote from Stero
    Quote from accinca

    Den Glauben an "sich Selbst" und "Ich bin" und die Neigung danach
    haben natürlich alle Wesen, unabhängig davon ob sie Begriffe wie
    wie Ich, Mein oder Selbst denken können oder nicht.


    Fast könnte man meinen du hättest Tsongkhapa nicht nur gelesen sondern sogar verstanden. :wink:


    Wozu, wenn es doch die Lehrreden des Buddha gibt. :wink:

  • Quote from accinca


    Schade, das du den Zusammenhang nicht selber erkannt hast,
    Den Glauben an "sich Selbst" und "Ich bin" und die Neigung danach
    haben natürlich alle Wesen, unabhängig davon ob sie Begriffe wie
    wie Ich, Mein oder Selbst denken können oder nicht.


    eben. und deswegen ist durst nach dasein oder entgültigem tod auch nicht aufzuheben indem ein wesen: ich bin nichts ,
    oder: da ist nichts ist inhärent oder sonst was 'denkt' - beziehungsweise begehrt. das verstehst du nicht.

  • Hallo,
    eigentlich freut es mich, dass jemand anders schon mal was davon gehört hat.
    Das Selbst ist ein grundlegender Baustein in der Lehre Gotamo Buddhos.
    Nach der buddh. Genesis gibt es Licht- oder Leuchtwesen, die aus dem Jenseits kommen und denen es auf der Erde so gut geht, dass sie immer mehr Materie zu sich nemen und dann zu Menschen werden.
    Die irdische Materie hat aber den Nachteil, dass sie sich ständig ändert, diese Änderungen empfinden wir dann als Leiden. Man kann sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburten abseilen indem man sich tugendhaft aufführt, die Einsicht betreibt und damit die Einigung erwirkt, mit der man nicht mehr in diesen Kreislauf muss: Karma, Meditation, Einsicht, Tiefsinn, Kraft, überweltliche Heiterkeit, Seligkeit, Innigkeit,
    Lindheit und Gleichmut. Das ensteht durcht die Vertiefung der Einsicht in der Meditation des 8fachen Pfades und das Ende? Das 8. Jahna: Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Hört sich brutal an, ist es auch aber auch eine Belohnung gibt es, sich an seine eigenen Reinkarnationen erinnern zu können und sich auch mit den damaligen Reinkarnation unterhalten zu können. Das bietet kein Gut der Welt!




    sakko


  • Das, was "rein" und/oder "klar" ist, braucht das, was unrein/unklar ist, als Existenzbedingung.

  • Quote from sakko

    Das 8. Jahna: Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Hört sich brutal an, ist es auch aber auch eine Belohnung gibt es, sich an seine eigenen Reinkarnationen erinnern zu können und sich auch mit den damaligen Reinkarnation unterhalten zu können. Das bietet kein Gut der Welt!


    Ja wir sind auf ein Belohnungssystem angewiesen, aber am erkannten Wesen des Ich-konformen, handelsüblichen Denkens merkt man, dass u. a. davon die Wahrheitserkennung befreit. Schreib mir eventuell eine PN - vielleicht kennen wir uns ja "von früher".


    8)


    Gruß, Yofi

  • Quote from accinca
    Quote from Spacy

    Das, was "rein" und/oder "klar" ist, braucht das, was unrein/unklar ist, als Existenzbedingung.


    Das klare und reine Wasser, wußte gar nicht das seine Existenzbedingung von dreckigen Abwasser abhängen sollte.


    Das eine ist die Frage der Begriffsbildung.


    Das andere - man braucht die Negativität nicht. In dem Fall wäre das Diskursive Denken überflüssig.

  • Quote from Yofi
    Quote from accinca


    Das klare und reine Wasser, wußte gar nicht das seine Existenzbedingung von dreckigen Abwasser abhängen sollte.


    Das eine ist die Frage der Begriffsbildung.


    Das andere - man braucht die Negativität nicht. In dem Fall wäre das Diskursive Denken überflüssig.


    Versuchen wir es mal mit einem Bild:
    Sobald du einen "Begriff" "schöpfst", bleibt etwas zurück, nämlich das, woraus du geschöpfst hast.
    Jeder Begriff ist eine Teilung zwischen dem, was der Begriff beinhaltet, und dem, was er ausschließt.
    Wenn man also " Liebe" schöpft, bleibt das zurück, was nicht "Liebe" ist. Diesen Rest kann man Butterbrot, Harnröhrenentzündung oder drittes Lehrjahr nennen - man hat sich aber, soweit ich das überschauen kann, auf "Hass" geeinigt.


    Merke: Jede Unterscheidung spaltet das Sein. Spalte nicht! (Er)finde keine Liebe, dann gibt es keinen Hass.


    Yofi: was du betreibst, ist selektive Wahrnehmung - es gibt immer ein Negativ zum Positiv!


  • Die Negativität ergibt sich aus dem Bedingten Entstehen. Wenn keine Ursachen zum Eintrüben des Wassers vorhanden sind, wird es klar bleiben. Deshalb kann man Negativität - das getrübte Wasser - als Folge von Ursachen in Zeit und begrenztem Raum sehen, demnach nicht real, nicht unvergänglich.


  • Du bist in einer Schleife gefangen!
    Trübheit (Wasser) ist Bedingung für Klarheit (Wasser) vs. - sonst wäre trüb ja klar :wink:


  • Das ist nun eine unerwartete Gedankenverwicklung für mich:


    Es soll Wesen geben, die an ein Selbst glauben können, dabei aber ein Selbst nicht denken können ... nun ja.


    Der Punkt ist: Letztlich geht es darum, sowohl bhava-tanha, wie auch vibhava-tanha zu überwinden. Dabei ist die Ansicht "Es gibt kein Selbst" tendentiell förderlicher, solange man a) erkennt, dass auch dies eine Ansicht ist und b) mit dieser Ansicht nicht vibhava-tanha verfällt.


    Quote

    Aggivessana, es gibt einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung und Ansicht dies ist: 'Für mich ist alles annehmbar.' Es gibt einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung und Ansicht dies ist: 'Für mich ist nichts annehmbar.' Und es gibt einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung und Ansicht dies ist: 'Einiges ist für mich annehmbar, einiges ist für mich nicht annehmbar.' Unter diesen ist die Ansicht jener Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten 'für mich ist alles annehmbar', nahe der Begierde, nahe dem Gefesseltsein, nahe dem Ergötzen, nahe dem Festhalten, nahe dem Anhaften. Die Ansicht jener Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten 'für mich ist nichts annehmbar', ist nahe der Nicht-Begierde, nahe dem Nicht-Gefesseltsein, nahe dem Nicht-Ergötzen, nahe dem Nicht-Festhalten, nahe dem Nicht-Anhaften [4]."


    "Ein Weiser unter jenen Mönchen und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten 'für mich ist nichts annehmbar', erwägt so: 'Wenn ich stur an meiner Ansicht >für mich ist nichts annehmbar< festhalte und erkläre, >Nur dies ist wahr, alles andere ist falsch<, dann könnte ich mit den zwei anderen in eine Meinungsverschiedenheit geraten: mit einem Mönch oder Brahmanen, der die Lehrmeinung und Ansicht vertritt >für mich ist alles annehmbar< und mit einem Mönch oder Brahmanen, der die Lehrmeinung und Ansicht vertritt >einiges ist für mich annehmbar, einiges ist für mich nicht annehmbar<. Mit diesen zwei könnte ich in eine Meinungsverschiedenheit geraten, und wenn es eine Meinungsverschiedenheit gibt, gibt es Streitgespräche; wenn es Streitgespräche gibt, gibt es Zank; wenn es Zank gibt, gibt es Verdruß.' Weil er Meinungsverschiedenheiten, Streitgespräche, Zank und Verdruß für sich vorhersieht, überwindet er jene Ansicht und nimmt keine andere Ansicht an. Auf diese Weise kommt das Überwinden dieser Ansichten zustande; auf diese Weise kommt das Aufgeben dieser Ansichten zustande."


    (Majjhima Nikāya 74: An Dīghanakha - Dīghanakha Sutta)


    Viele Grüße
    Elliot

  • Quote from Spacy

    Jede Unterscheidung spaltet das Sein. Spalte nicht! (Er)finde keine Liebe, dann gibt es keinen Hass.


    1) Spaltet nicht das Sein, sondern das Denken anhand der Abwehr vs. Abneigung


    2) Also ist für dich Liebe und Hass gleich, gut zu wissen.


    Ein willkürliches Verwischen der Abgrenzung ist nicht mit der Wahrnehmung der Einheit in Vielheit identisch.


    Quote

    Trübheit (Wasser) ist Bedingung für Klarheit (Wasser) vs. - sonst wäre trüb ja klar :wink:


    Das hattest du bereits geschrieben. Das mag in der Semantik so sein, nicht aber in einer Disziplin, die auf Konsistenzen fokussiert.

  • Quote from Elliot

    Es soll Wesen geben, die an ein Selbst glauben können, dabei aber ein Selbst nicht denken können ... nun ja.


    Die die Neigung haben an ein Selbst zu glauben dabei aber nicht an ein Selbst denken können.
    Der Buddha nennt als Beispiel Neugeborene. Sie wissen nichts von einem Selbst
    und denken auch nicht so. Sie haben aber die Neigung so zu denken.


    Quote from Elliot

    Der Punkt ist: Letztlich geht es darum, sowohl bhava-tanha, wie auch vibhava-tanha zu überwinden. Dabei ist die Ansicht "Es gibt kein Selbst" tendentiell förderlicher, solange man a) erkennt, dass auch dies eine Ansicht ist und b) mit dieser Ansicht nicht vibhava-tanha verfällt.


    Nein, es handelt sich nicht um die Ansicht, es würde kein Selbst geben.
    Der Stromeintritt beinhaltetet die Erkenntnis das alles vergänglich, bedingt und ohne Selbst ist.
    Wobei das Erkennen von diesen Attributen auch keine Ausnahme macht. Alles ist eben alles.
    Andernfalls weder diese Erkenntnis, noch der Stromeintritt vorhanden ist.