Alter - im Buddhismus

  • Lieber Thorsten Hallscheidt ,


    vielen Dank für das schöne Gedicht von Hölderlin. _()_


    "Friedlich und heiter ist dann das Alter."


    Wer würde sich das nicht wünschen?

    Als Jugendliche und junge Erwachsene fühlte ich mich sehr zu alten Menschen hingezogen, die ihr Leben weitgehend gelebt und viel darüber zu berichten hatten. Mit 17 Jahren lernte ich bei den Spaziergängen mit meinem Hund eine 70-jährige, alleinstehende Frau kennen, die in den folgenden Jahren eine "beste Freundin" wurde... Wir führten unsere Hunde gemeinsam aus und redeten über Gott und die Welt, meistens hörte ich ihr zu, aber sie interessierte sich auch für mein Leben.

    Sie konnte sogar noch bei meiner Hochzeit (7 Jahre später) mitfeiern, aber anschließend zog ich leider fort und wir verloren uns aus den Augen....


    "Das hat der Alte voraus vor dem Jungen,

    dass er im Heut' zugleich das Gestern lebt.

    Und dass ein Festkranz von Erinnerungen

    sich ihm um jede gute Stunde webt. " (Emanuel Geibel)

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • "Friedlich und heiter ist dann das Alter."

    Hölderlins Alter war wohl nicht so heiter

    denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, drum besser wär's, dass nichts entstünde.


    (Goethes Faust)

  • Meine Welt ist immer größer geworden. Die Gemeinschaft mit Menschen immer kleiner und die Unterwerfung durch den Glauben zu einer Gruppe zu gehören, habe ich auch vollkommen beseitigt. Warum?

    Weil es kaum mehrere Menschen gibt, die gemeinsam glauben, dass die Welt groß ist und Gruppen immer die kleine Welt als eine große dogmatisieren. Die merken auch nicht, dass diese, ihre „große Welt“ eine Metaphysische der Meinungen und Glaubenssätze ist, also durch und durch irreal, aber gut für Machtgierige Führungsleute, die aber sehr real profitieren.

  • Du hast die andere Form beschrieben, auch das war mein Weg. Ohne das Leben zu leben, gibt es keine Befreiung, die Frage ist immer: wovon Befreien? Das muss man erkennen, doch wenn alles schön ist, wird die Angst vor dem Tod irgendwann so stark, dass es keine Zeit mehr gibt unsere Wege zu gehen.

    Ich habe nur ein Leben und wenn ich diese Zeit im Verhältnis zum Alter nur der Erde sehe, ist es schon sehr viel weniger als ein Blitz.

    Ja und diesen Blitz lebe ich und er ist für mich sehr lang. Das was du geschrieben hast, erinnert mich daran: auch nicht einen Blitz meines Lebens mag ich vermissen. Alles ist so wie es ist und der Tod ist in Millionen oder mehr Blitzen auch nur ein Blitz.

    Ansonsten: Keine Ahnung. Wovon keine Ahnung oder besser nur Ahnung: Der nächst Blitz, Augenblick.

    :kiss:


    Wenn du das was du als 'dein' und ich betrachtest mal anders betrachtest, kommt die grössere Ahnung

  • Früher wollte ich die große Welt erkunden, jetzt mit 65 wird meine Welt ganz klein.

    Andere sind da anderer Meinung! :)


    ChatGPT weiss gleich mehrere Gründe, warum das Altern positiv ist:

    .....

    Ja danke, es ist auch positiv. Es sind weniger die äußeren Umstände die meinen Radius zunehmend einschränken, vielmehr ist es freiwillig. Das Glück das durch die Sinne kommt ist im Grunde überall das Gleiche und es zeigt sich umso mehr, je weniger man ihm rastlos nachjagt. Vor allem ist es aber vergänglich und deshalb gar nicht der Mühe wert. Besser ist Zufriedenheit mit dem was man hat und das Wertvollste ist das allmähliche Durchschauen der Täuschungen denen man erlegen ist, mit der Perspektive davon frei zu werden um am Ende alles so zu sehen, wie es wirklich ist.

  • Lieber Hendrik , interessant, was ChatGPT da alles an positiven Punkten zum Thema "Alter" auflistet, erstaunlich, wo ChatGPT doch noch so jung ist! ;)


    Ich hätte da auch noch was Musikalisches ("Alles geben" bis zum Schluss- das hört sich doch gut an, oder?):


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    (Marie von Ebner-Eschenbach)


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    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Lieber Hendrik , interessant, was ChatGPT da alles an positiven Punkten zum Thema "Alter" auflistet, erstaunlich, wo ChatGPT doch noch so jung ist! ;)


    Ich habe auch gedacht: So Unrecht hat die KI nicht, aber leicht reden. Denn schließlich altern KI nicht und im Prinzip sind sie unsterblich.

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna

  • "Friedlich und heiter ist dann das Alter."

    Hölderlins Alter war wohl nicht so heiter

    Seine Probleme begannen doch schon in jungen Jahren:


    ...."Im Mai 1795 verließ Hölderlin die Universitätsstadt fluchtartig, weil er glaubte, sein großes Vorbild Schiller enttäuscht zu haben, und sich neben ihm nichtig wie ein kleiner Schüler fühlte. Verwirrt und mit Zeichen der Verwahrlosung tauchte er wieder in Nürtingen auf....." (Wikipedia)

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


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    (AN.VI.63)

  • Hölderin litt ja an einer Geistesstörung und hat am Ende mit einer Betreung gelebt. Da hat er noch manches schöne Gedicht zustande gebracht wie das hier:


    Quote

    Die Linien des Lebens sind verschieden,

    Wie Wege sind und wie der Berge Grenzen.

    Was hier wir sind kann dort ein Gott ergänzen,

    In ewigen Harmonien und Frieden.

  • Weil wir altern, werden wir auch sterben. Es ist also sinnvoll, sowohl über das Altern und den Tod zu reflektieren und zu meditieren.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Und ich glaube, KI wurde überwiegend weiblich zu diesem Thema gefüttert. Es sind nämlich vorallem die Frauen, die im Alter aktiv usw. sind.


    Ich bin seit Jahren in vielen verschiedenen Reha-Senioren-etc.-Fitnesskursen unterwegs im Moment in einem traumhaften Schwimmbad 1 oder 2 Männer gegenüber ca. 30 Frauen.

    Bei der VHS 1 Mann und 8 Frauen ...


    Auch spirituell sind es überwiegend Frauen.


    Zu 4. Es sind vorallem auch hier die Frauen, die die Kontakte immer gepflegt haben, deshalb auch immer Freundinnen haben und diese Kontakte natürlich auch weiter pflegen.

    Das mag auch ein Generationsproblem sein! 8)


    Zu 5. Das sind Möglichkeiten, aber nicht unbedingt die Realität. Ich kenne keinen Mann, außer Buddhisten und daran Interessierte wie hier im Forum, der sich weiterentwickelt hätte.

    Ich habe in den letzten Jahren alte Freunde kontaktiert und festgestellt, dass sich nichts geändert hat. Ganz im Gegenteil, ich bin froh, dass es mit uns damals vor ca. 55 Jahren nicht geklappt hat. Das hatte seinen guten Grund :erleichtert:


    Meine Erfahrungsgeschichte, aber sie mit wenigen Ausnahmen eindeutig.

    Was ist Weisheit? Und ist Desinteresse wirklich Gelassenheit?


    Und Hobbies konnten Männer doch schon immer pflegen, und wenns nur Fußball und Kneipe war.

    Frauen haben viel zu viele Aufgaben (mit Ausnahmen), die genießen ihr Leben, wenn sie niemanden mehr bedienen müssen.


    Ich schreibe nicht von mir, mein Mann war eine Ausnahme, genauso wie mein Vater, aber alles andere ist meine Beobachtung im Laufe von zig Jahren.


    Bitte nehmt es mir nicht übel. Ich widerspreche hier nur einem Roboter.

    8)

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Und ich glaube, KI wurde überwiegend weiblich zu diesem Thema gefüttert. Es sind nämlich vorallem die Frauen, die im Alter aktiv usw. sind.

    Vielleicht ist die KI ja weiblich. 🤷🏻‍♂️

    "Es gibt nur eine falsche Sicht: Der Glaube, meine Sicht ist die einzig richtige."

    Nagarjuna

  • Ich glaube Männer fühlen sich nach der Zahl ihrer Jahre alt. Und da sorgt man nicht mehr für fit sein, man stirbt ja sowiso bald.

  • Solche Männer mag es geben, aber man kann es nicht generalisieren. Es gibt auch Männer, die sich nicht aufgrund der Zahl ihrer Jahre alt fühlen und sie halten sich fit und laufen auch mit 75 Jahren einen Marathon auf den sie sich mit kontinuierlichem Training vorbereitet haben.


    Und auch Männer sind im Alter sozial aktiv.


    Sowohl Frauen als auch Männer sterben. Die entscheidende Frage ist, mit welcher geistigen Einstellung stirbt man.

    Gruß Helmut


    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Oh mensch, das ist hier wohl generell eher ein Rentnertreff, soweit ich über das Alter von euch hier im Forum bescheid weiß. xD

    Da bin ich ja mit meinen knapp 45 Lenzen noch relativ jung.


    Ach, ich wünschte, ich könnte meine restliche Lebenszeit an euch aufteilen. Ich will nicht älter werden. Denke mal es wartet nur noch (hauptsächlich) Leid und Schmerz. Ich würde mein Leben nicht vermissen, da käme keine Wehmut auf. Das Schönste ist eh das Verweilen im Hier und Jetzt, das kann nicht besser oder schlechter werden. Nur anders.


    Alsoo,...

    ...ich vergebe an die Ersten von euch, die sich bei mir melden, je 5 Lebensjahre von Meinem ab. Aber bedenkt, dass es euch letztendlich effektiv nichts nützen wird, da ihr nach Ablauf dieser Spanne wieder vor demselben Problem steht.


    (:

    "Setz dich, Freund und trink einen Tee."

  • Kannste behalten. Und wie alt ich bin kannst du nicht wissen!

  • :? Ja, von mir aus auch. Ich brauche keine zusätzlichen Lebensjahre.

    Aber mit 45 war ich noch voller Zuversicht und dachte nicht an Gebrechen, sondern an meine "Befreiung".


    Hier und Jetzt ist schon mal gut, wenn nicht sogar die Lösung, denn das ist ewig ...

    _()_ _()_

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Als ich jünger war, lag die Vorstellung von einem guten Leben vor mir in der Zukunft. Heute liegt sie immer häufiger in die Vergangenheit. Während ich das gute Leben hatte, habe ich es nicht bemerkt, was daran lag, dass ich es zu allen Zeiten immer woanders gesucht habe. Alt werden: Hoffnung gegen Erinnerung eintauschen. Bekloppter geht´s kaum... :|


    Gegen diese idiotische Veranlagung (oder Krankheit zum Tode) hilft nur Buddhismus.


    Quote

    Die Sonne scheint so schön und freundlich in mein Zimmer, in dem nächsten steht das Fenster offen. Auf der Straße ist alles still, es ist Sonntag-Nachmittag. Ich höre deutlich eine Lerche, welche draußen in einem der Nachbargehöfte ihre Triller schlägt, dem Fenster gegenüber, wo das hübsche Mädchen wohnt. Weit, weit von hier, aus einer abgelegenen Straße höre ich einen Mann Krabben ausrufen. Die Luft ist so warm, und dennoch ist die ganze Stadt wie ausgestorben. – Da gedenke ich meiner Jugend und meiner ersten Liebe – als ich mich sehnte. Jetzt sehne ich mich nur nach meiner ersten Sehnsucht. Was ist Jugend? Ein Traum. Was ist Liebe? Des Traumes In halt.

    Søren Kierkegaard, Diapsalmata

    Das ist denn doch nur der Abendwind, der heute mit ordentlich verständlichen Worten flüstert.

    Edited once, last by Thorsten Hallscheidt ().

  • Immer wenn ich alte Menschen über 80 fragte, ob sie Angst vor dem Tod hätten, antworteten alle mit „Nein“. Ich wollte natürlich nicht weiter nachfragen.


    Aber ich verstehe es nicht, ich weiß aus Erfahrung wenn man sterben will, dass der Überlebensinstikt sehr ausgeprägt ist. Ich kann nicht behaupten, dass ich keine Angst vor dem Tod hätte.


    Vll ändert sich das im Alter?


    Aber es gibt mir trotzdem eine Art Ruhe, zu verstehen, dass das Leben nicht ewig dauert.


    Es ist so denke ich die größte Ur-Angst zu sterben.

  • Ich bin jetzt 43 Jahre alt und wollte eigentlich nie so alt werden 😂

    Was mir auffällt ist, dass ich eigentlich nicht mehr jünger sein möchte.

    Sicher, die Rückenschmerzen und der "ärger" mit den Zähnen müsste nicht sein, aber irgendwie fühle ich mich angekommen.


    Ich habe mit mitte 20 sehr viele Retreats gemacht, und davon profitiere ich jetzt.

    Aber es vergeht nicht ein Tag, wo ich nicht an das Älterwerden und den Tod denke.

    Ich habe dank meiner Praxis gesehen, dass das Älterwerden ständig passiert.

    Natürlich lernt man das in der Schule usw, aber diese kleinen Zeichen waren immer eine Mahnung für mich.


    Ich bin früher sehr lange Bergtouren gegangen und eines Tages wurde mir klar, dass ich den einen Gipfel wohl nicht mehr sehen werde.


    Als ich nach einem längeren Retreat im Ausland zurück kam, war ich mit meiner Familie im Schwimmbad.

    Dort wurde mir plötzlich klar, dass meine Mutter eine alte Frau geworden war.

    Und da mich meine Mutter mit 19 Jahren bekommen hat, war ich nicht weit weg von ihr.


    Die Stimme im Kopf fühlt sich eigentlich immer noch wie 30 an, aber die grauen Haare, die Arthrose in der Wirbelsäule sagen was anderes.


    Vor vielen Jahren war ich im buddhahaus im Retreat und der Mönch sprach davon, dass er vielleicht nur noch 20 Jahre zum Leben hätte.

    Das hat mich dort gewundert, weil er eigentlich ziemlich fit war.

    Als ich ihn vor kurzem sah, war er kein Mönch mehr und auch ziemlich alt geworden.

    Irgendwie habe ich solche Sachen immer verdrängt.


    Einmal habe ich nebenbei in der Nacht als Taxifahrer gearbeitet um mir meine langen Retreats zu finanzieren, und da haben zwei junge betrunkene Frauen mit mir geflirtet.

    Die waren ungefähr 20 Jahre alt.


    Scherzhaft sagte ich ihnen, dass ich doch viel zu alt für sie wäre.

    Als sie nun mein alter erfuhren, waren sie schockiert.


    Die eine sagte zur anderen : "Der ist ja uralt!"

    Das war schon ein kleiner Schlag in die Magengrube 😂


    Was mir Frieden gibt ist die Tatsache, dass ich praktiziert habe. Und das ich eigentlich ein gutes Leben hatte.


    Ich habe nie auf die Rente gewartet und Pläne für später gemacht.


    Vor kurzem hat ein Freund von mir, die Diagnose Als bekommen.

    Er wird vermutlich innerhalb von zwei Jahren sterben und davor mehr oder weniger alles verlieren.

    Er ist nur 21 Jahre älter als ich.

    Solche Sachen erinnern mich immer an "mein" Ablaufdatum.

    Er nimmt die Sache ziemlich locker, weil er laut eigener Aussage, ein ziemlich gutes Leben hatte.


    Ich sehe jeden Tag, Monat usw als eine Art und zugabe. Ich möchte die finale Prüfung bestehen und bin ziemlich optimistisch.


    Wenn ich jetzt zurück schaue, wird mir klar wie kurz so ein Leben eigentlich ist.

    Ich habe noch Erinnerungen an mein vierjähriges ich, und plötzlich ist die Zahl 50 und 60 viel näher.


    Entschuldigung für den langen Beitrag.



    LG Martin

  • Ich hatte und habe auch keine Angst vorm Sterben. Ich habe ja auch keine Angst vorm Einschlafen, ganz im Gegenteil.

    Aber ich habe Angst zu leiden durch schwere Krankheit oder Qualen.

    Deshalb kann ich auch anderen glauben, das sie keine Angst vor dem Tod haben. Er ist eine Erlösung, wenn "alles getan ist".


    Elisabeth Kübler-Ross war Ärztin und Sterbebegleiterin. Sie hat dieses Thema ausführlich behandelt. Menschen, die nicht loslassen können im Sterbeprozess und Angst haben, haben meistens noch "unerledigte Geschäfte". Das heißt z.B. sie haben sich mit jemanden oder sind mit sich selbst nicht versöhnt, es fehlte noch etwas in ihrem Leben und sie können das nicht akzeptieren, sie finden keinen inneren Frieden Schuld ...


    _()_

    Ohne mich ist das Leben ganz einfach

    Ayya Khema

    Oder anders ausgedrückt: Die Beherrschung der Gedanken ist der Weg zum Glück (SH Dalai Lama)

  • Deinem letzten Satz würde ich zustimmen, wir sind mit einem starken Überlebenswillen ausgestattet, der manchem aber gar nicht bewusst ist...

    Mein Vater hatte ab dem 55. Lebensjahr mit Phasen starker depressiver Verstimmungen zu kämpfen, startete damals u.a. den Versuch einer Familienneugründung (der ein Desaster für alle Beteiligten wurde) und sprach viel von Suizid. Irgendwie schleppte er sich aber durch die Krise, auch dank seines geliebten Lehrer-Berufes.

    Als er 63 Jahre alt war, kam seine Deutschklasse (Erwachsene/2. Bildungsweg) auf die Idee, im Rahmen einer Projektwoche einen Fallschirmspringerkurs zu buchen und suchte noch einen Lehrer, der mitmachen wollte.... Mein Vater (total unsportlich) erklärte sich -trotz Protestes der Familie - bereit, teilzunehmen.

    Später gab er zu, dies als Chance für einen "Abgang" gesehen zu haben, aber sein Absprung aus dem Kleinflugzeug (der gefilmt wurde) verlief ganz anders, als gedacht: Die Leinen des Fallschirms hatten sich verheddert und plötzlich musste mein Vater ums Überleben kämpfen. Durch Drehen um die eigene Achse gelang es ihm zum Glück, dass sich der Fallschirm normal öffnen konnte und er schaffte eine sichere Landung....Dieses Erlebnis zeigte ihm überdeutlich, dass er leben WILL.

    Seitdem war von Suizid keine Rede mehr, vor 2 Tagen feierte er seinen 88. Geburtstag und sagte, er hoffe noch auf "ein paar Jährchen"... :)

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

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    (AN.VI.63)

  • Alt werden: Hoffnung gegen Erinnerung eintauschen. Bekloppter geht´s kaum... :|


    Gegen diese idiotische Veranlagung (oder Krankheit zum Tode) hilft nur Buddhismus.

    Was sagt der Palikanon zum Thema?

    Ich kenne mich da leider nicht so gut aus, habe aber 2 Sutten gefunden, die Hinweise geben:


    S.22.1. Nakulapitā - 1. Nakulapitu Sutta

    (Übers. v. Dahlke, Buddha S. 778; in Yāna 1952, Nr. 3, S. 89.)


    1. So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene im Lande der Bhagger, bei Sumsumāra-Giri [45], im Bhesakalā-Walde, einem Wildpark.


    2. Da nun begab sich der Hausvater Nakulapitā [46] zum Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder.


    3. Seitwärts sitzend sprach der Hausvater Nakulapitā also: "Gealtert bin ich, o Herr, bejahrt und hochbetagt, in vorgerücktem Alter, zu hohen Jahren gelangt. Siech ist der Körper, beständig krank. Nicht immer kann ich, o Herr, den Erhabenen sehen und die Geistesschulung übenden Mönche. Ermahnen möge mich, o Herr, der Erhabene! Belehren möge mich, o Herr, der Erhabene, damit es mir lange Zeit zum Heil und Segen gereiche."


    4. "So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater! Siech wahrlich, ist dieser Körper, gebrechlich und empfindlich. Wenn einer, o Hausvater, einen solchen Körper herumträgt und ihn auch nur für einen Augenblick als krankheitsfrei ausgibt - was sollte dies anderes sein als Torheit. Daher sollst du dich, Hausvater, darin üben: 'Mag auch der Körper siech sein, der Geist soll mir nicht siech werden!' So, o Hausvater, sollst du dich üben!"


    Weiter unten erklärt dann der ehrwürdige Sariputta dem Hausvater noch die Einzelheiten...


    A.III.52-53 Alter, Krankheit und Tod I-II - 1. Paṭhama, Dutiya-dvebrāhmaṇa Sutta

    Es begaben sich da zwei alte, ergraute, ergreiste, hoch bejahrte, im Alter vorgerückte Brahmanen, einhundertundzwanzig Jahre zählend, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt, wechselten sie freundlichen Gruß mit dem Erhabenen, und nach Austausch höflicher und zuvorkommender Worte setzten sie sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend sprachen jene Brahmanen zum Erhabenen also:

    »Wir, Herr Gotama, sind alte, ergraute, ergreiste, hoch bejahrte, am Alter vorgerückte Brahmanen, einhundertundzwanzig Jahre zählend. Wir haben es versäumt, edle, gute und hilfreiche Werke zu tun. Möge uns der Herr Gotama unterweisen, möge uns der Herr Gotama belehren, auf daß es uns lange zum Heile und Segen gereiche!«

    »Wahrlich, alte, ergraute, ergreiste, hoch bejahrte, im Alter vorgerückte Brahmanen seid ihr, einhundertundzwanzig Jahre alt. Und versäumt habt ihr es, edle, gute und hilfreiche Werke zu tun.«

    (Schluß in 52:) Es eilt aber, Brahmanen, diese Welt dahin, in Alter, Krankheit und Tod. Während aber die Welt so in Alter, Krankheit und Tod dahineilt, gibt es für einen, der sich jetzt in Werken, Worten und Gedanken beherrscht, nach dem Tode eine Rettung, einen Schutz, ein Eiland, eine Zuflucht, einen Rückhalt.

    Quote
    Gar kurz sind die Tage, es schwindet das Leben; Für Alterbefallene gibt's kein Entrinnen. Dessen gedenkend, daß Tod dich bedrohet, Tu gute Taten, die zum Wohl dir gereichen!
    Wer hier in Werken sich beherrscht, in Worten und in seinem Denken, dem bringt es nach dem Tode Glück, daß er im Leben Gutes tat.«

    (Schluß in 53:) Wie vom Feuer verzehrt, o Brahmanen, wird diese Welt durch Alter, Krankheit und Tod. Während aber diese Welt durch Alter, Krankheit und Tod verzehrt wird, gibt es für einen, der sich jetzt in Werken, Worten und Gedanken beherrscht, nach dem Tode eine Rettung, einen Schutz, ein Eiland, eine Zuflucht, einen Rückhalt.

    Quote
    »Wer einen Schatz gerettet hat aus einem brennenden Gemach, hat nur von diesem Schatze Nutzen, doch nicht von dem, der drinnen brennt.
    Gerade so wird diese Welt verzehrt vom Alter und vom Tod. Durch Geben mag man Schätze retten, das Geben bester Retter ist.
    Wer hier in Werken sich beherrscht, in Worten und in seinem Denken, dem bringt es nach dem Tode Glück, daß er im Leben Gutes tat.«

    _()_ :heart:

    "Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte."

    (Marie von Ebner-Eschenbach)


    "Vergänglich sind alle Gebilde, strebet ohne Unterlass."

    (Buddha Shakyamuni, "letzte Worte")


    "...In der Aufhebung des Begehrens (tanha) besteht die Aufhebung des Leidens.

    Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..."

    (AN.VI.63)

  • Wenn es einem nicht gutgeht, fühlt man sich auch als jüngerer Mensch schon alt.

    Da fühlt man sich auch älterer Mensch ziemlich alt. Je nach Ursache dafür, warum es einem nicht gut geht, auch mal um einiges älter als der Ausweis behauptet.


    Es ist alles eine Frage der Einstellung.

    Du liebes bißchen. Bitte missverstehe das nicht als Vorwurf - aber offensichtlich hast Du (wie sicher auch Andere hier) nicht wirklich eine Vorstellung davon, wie sich so etwas z.B. für jemanden liest, dessen Körper an einer progredienten Erkrankung leidet. Mit einigen unangenehmen Begleitsymptomen wie einer chronischen Polyneuropathie, Migräne und mittlerweile auch Knochenschmerzen. Dazu HWS-Syndrom aufgrund einer angeborenen Skoliose (das ist die Kategorie 'normale Alterswehwehchen'). Chronisches Fatigue-Syndrom (das lässt dich wirklich alt fühlen) und gastrointestinale Probleme wegen einer wachsenden Milz. Durchschlafen maximal vier Stunden, dann wechseln Schweißausbrüche mit Schüttelfrost und Halbschlaf. Wenn du aufwachst und hast keine Schmerzen weisst du, dass du tot bist. Auch das ist 'Alter'.


    Deine körperliche Robustheit ist Dir wirklich von ganzem Herzen gegönnt, aber nein - wie alt man sich fühlt, ist nicht nur (und manchmal nur sehr wenig) "eine Frage der Einstellung". Es ist vor allem eine Frage, wie verbraucht man ist. Manche haben mehr, manche weniger zu verbrauchen. Gut, wenn alles Wichtige rechtzeitig erledigt ist.

    OM MONEY PAYME HUNG

  • Das erinnert mich an die "Kontemplation für Gleichmut bzw. Akzeptanz":


    A) Meine Natur ist es, alt zu werden.

    Ich habe das Altern nicht überwunden.

    Wenn das Alter kommt,

    werde ich damit in Frieden sein.


    B) Meine Natur ist es, krank zu werden.

    Ich habe das Kranksein nicht überwunden.

    Wenn eine Krankheit kommt,

    werde ich damit in Frieden sein.


    C) Meine Natur ist es, zu sterben.

    Ich habe den Tod nicht überwunden.

    Wenn der Tod kommt,

    werde ich damit in Frieden sein.


    Daraus spricht eine sehr wertvolle Geisteshaltung, die in der Lage ist die Dinge zu nehmen wie sie kommen.

    Die Dinge entstehen, existieren und vergehen. Das ist normal. Ajaan Tippakorn